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Fernsehgeschäft: Aufstand der Autoren
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TV-Meisterwerke wie "Babylon Berlin" und "Bad Banks" beweisen: Deutschland kann Serie. TV-Autorinnen und -Autoren haben aber noch immer wenig Mitspracherecht. Jetzt gehen sie auf die Barrikaden.

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chromakey 08.06.2018, 21:53
1. Na dann viel Erfolg

denn es ist endlich an der Zeit das deutsche Fernsehen ins 21.Jahrhundert zu befördern.
Ich habe durch Formate wie Deutschland 83, Babylon Berlin etc. den vor 30 Jahren aufgegebenen Versuch deutsche Serien anzuschauen wieder selektiert aufgenommen.

Ich wünsche den schreibenden Kollegen, dass das Manifest grundsätzlich nun verankert wird.

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ehnertmichael 09.06.2018, 00:42
2. Autos vielleicht, Brot bestimmt, aber Fernsehen aus Deutschland?

Nachdem das Ansehen der deutschen Autoindustrie jüngst restlos ramponiert wurde, ist die einzige, international anerkannte Qualitätsware aus Deutschland derzeit nur noch: Brot! Ein Grundnahrungsmittel. Nicht besonders exquisit, im besten Fall: Essbar. Fernsehen aus Deutschland ist so ähnlich... Man kann der deutschen TV-Industrie also nur wünschen, dass sie vorausschauend und schlau genug ist, die Forderungen der Autoren zu akzeptieren. Das Potenzial für Qualitätsfernsehen ist da, die Verhinderungsstrategien aber allgegenwärtig.

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christian simons 09.06.2018, 01:26
3.

Ein Hoffnungsschimmer für die verkrustete deutsche TV-Landschaft.

Wenn der Aufstand der Autoren gelingt, dann wird die Macht der kleinkarierten Redaktionen endlich gebrochen, und das erfolgreiche Prinzip des "Writer's Room" und der "Showrunner" kann mit 20jähriger Verspätung auch in Deutschland ankommen.
Das bedeutet konkret: Weniger "In aller Freundschaft", " Notruf Hafenkante" und " SOKO Kuhkaff" und mehr "Breaking Bad" und "Westworld" made in Germany.

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oli1893 09.06.2018, 08:42
4. Rechte und Pflichten

Dieser Aufruf der Autoren ist sicherlich ein erster Ansatz. Doch gerade in den zitierten Produktionsländern USA und UK wird die von den Autoren geforderte Rolle vom Showrunner übernommen - im Idealfall sind hier Chef-Autor und Produzent in einer Person vereint. Eine Rolle, die sehr viel Know-How und Verantwortung mit sich bringt. Teamfähigkeit und Führungskraft sind hier unerlässlich, nur dann entsteht brillianter Inhalt. Sind die deutschen Autoren bereit, diese Verantwortung zu übernehmen?

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Andre V 09.06.2018, 08:45
5. Keine Absicht?

Und ich dachte immer, es wäre Absicht.

Immer die politisch korrekten Einschübe, bloß keine Kontroversen mit dem Rundfunkrat, denn Quote interessiert nicht: entweder kapitalistisches Denken - wir sind doch alles Künstler! oder Überheblichkeit: Die sollen lernen, aber sich nicht unterhalten fühlen!

Aber offensichtlich hat trotz der noch sicheren Einnahmen ein Umdenken eingesetzt. Viel Erfolg.

p.s. Bisher musste ich bei deutschen Serien immer an den alten Witz denken: Keine Ahnung, warum unser Nachtclub nicht funktioniert - Kaviar, Wodka, alles vom Feinsten, und auch die Angestellten sind alle seit mindestens 1949 in der Partei :-)

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redebrecht 09.06.2018, 09:02
6. Vertragsfreiheit

Ich verstehe das nicht. Die Autoren können ihre Geschichte schon immer zu diesen Bedingungen anbieten und verkaufen. Ob ein Produzent diesen Bedingungen allerdings zustimmen wird? Ich würde es nicht. Ist ja so, als würde ich einen Geländewagen kaufen und der Verkäufer verlangt von mir, er bestimmt wo das Auto fahren darf, wann das Auto fahren darf, wer das Auto fahren darf, was im Auto Auto transportiert werden darf, wenn überhaupt, und welche Strecken ich zu fahren habe. Ich kaufe also ein Produkt und muss ansonsten den Verkäufer im Einverständnis bitten. Einkaufen, Kinder zur Schule bringen oder so, lehnt der Verkäufer ab, da das nicht der Zweck eines Geländewagens ist.
Übersetzt. Der Autor kann die Verfilmung durch seine Forderungen schlicht zu teuer machen und durch Verweigerung seiner Zustimmung den Produzenten erpressen. Schwachsinn. So logisch durchdacht werden wohl auch ihre Geschichten sein.
Ich denke, man könnte dies Forderungen auch aus der Sicht des Lesers stellen. Unrealistisch? Nicht nur der Auto George R. R. Martin (Games of Thron) sieht sich genau diesen Forderungen seiner Fans ausgesetzt.

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Frida_Gold 09.06.2018, 09:39
7.

Zitat von oli1893
Dieser Aufruf der Autoren ist sicherlich ein erster Ansatz. Doch gerade in den zitierten Produktionsländern USA und UK wird die von den Autoren geforderte Rolle vom Showrunner übernommen - im Idealfall sind hier Chef-Autor und Produzent in einer Person vereint. Eine Rolle, die sehr viel Know-How und Verantwortung mit sich bringt. Teamfähigkeit und Führungskraft sind hier unerlässlich, nur dann entsteht brillianter Inhalt. Sind die deutschen Autoren bereit, diese Verantwortung zu übernehmen?
Warum muss das USA/UK-System exakt übernommen werden? Es kann doch wunderbar ein eigener Ansatz aus der deutschen Tradition entwickelt werden. Ein Anfang wäre doch schonmal, wenn die Autoren nicht nach Abgabe des ersten Drehbuchentwurfs aus der Sache raus wären, sondern diesen Entwurfe überarbeiten dürfen und sich gegen zu heftige Änderungen wehren können.

Fest steht für mich jedenfalls, dass in deutschen Produktionen zu viele Interessen an der Geschichte herumdoktorn und die Handlung dadurch ständig in alle möglichen Richtungen gezogen wird, anstatt sich einer klaren Linie zu beugen, wie es in Film, Buch oder Videospiel normal ist - und in ausländischen Serien.
Es wird viel zu viel Wert darauf gelegt, bestimmte Meinungen zu transportieren, eine bestimmte Art von vermeintlichem Humor zu befördern und bestimmte Figurentypen immer und immer wieder aufzuwärmen. Innovation ist nicht möglich, wenn Autoren zwar schreiben dürfen, anschließend aber Fernsehanstalten drüberbügeln, bis vom Original nichts mehr erkennbar ist.

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Frida_Gold 09.06.2018, 09:42
8.

Zitat von redebrecht
Ich verstehe das nicht. Die Autoren können ihre Geschichte schon immer zu diesen Bedingungen anbieten und verkaufen. Ob ein Produzent diesen Bedingungen allerdings zustimmen wird? Ich würde es nicht. Ist ja so, als würde ich einen Geländewagen kaufen und der Verkäufer verlangt von mir, er bestimmt wo das Auto fahren darf, wann das Auto fahren darf, wer das Auto fahren darf, was im Auto Auto transportiert werden darf, wenn überhaupt, und welche Strecken ich zu fahren habe. Ich kaufe also ein Produkt und muss ansonsten den Verkäufer im Einverständnis bitten. Einkaufen, Kinder zur Schule bringen oder so, lehnt der Verkäufer ab, da das nicht der Zweck eines Geländewagens ist. Übersetzt. Der Autor kann die Verfilmung durch seine Forderungen schlicht zu teuer machen und durch Verweigerung seiner Zustimmung den Produzenten erpressen. Schwachsinn. So logisch durchdacht werden wohl auch ihre Geschichten sein. Ich denke, man könnte dies Forderungen auch aus der Sicht des Lesers stellen. Unrealistisch? Nicht nur der Auto George R. R. Martin (Games of Thron) sieht sich genau diesen Forderungen seiner Fans ausgesetzt.
Das klingt sehr deutsch. Der Kreative soll liefern, was damit gemacht wird, geht ihn dann nichts mehr an. Aber wehe, das Endprodukt verkauft sich dann nicht gut, dann ist der Drehbuchautor schuld. Nicht die zwanzig anderen, die anschließend am Drehbuch gewerkelt haben. Ist es ein Erfolg, haben natürlich Regisseur und Schauspieler den Großteil dazu beigetragen.

Soll also alles so weitergehen wie bisher? Ich kenne so einige, die auf das deutsche Drehbuchgeschäft keine Lust haben und anderweitig Beschäftigung gefunden haben. Die deutsche Fernsehindustrie vergrault systematisch innovative Köpfe, weil jeder weiß, dass solche Drehbücher eh nicht verfilmt werden.
Ist das besser als Autorenmitsprache?
Und - wenn Autorenmitsprache in anderen Ländern funktioniert, warum heißt das zwangsläufig, dass mehr Autorenmitsprache in Deutschland dazu führt, dass Produktionen nicht mehr verwirklicht werden können?

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elgrandee 09.06.2018, 10:54
9. Braucht man das?

Der Fehler ist, dass man meint, man brauche deutsche Formate. Der Erfolg internationaler Produktionen ist aber darin begründet, dass sie international ein Publikum ansprechen und der Ort wo es spielt lediglich Kulisse ist.

Deutschland kapiert das nicht und liefert immer noch Autorenfilm und schlechte Kopie, nur neuerdings mit mehr Geld.

Die Haltung der selbsternannten Autoren verwundert indes. Muss man nicht erstmal zeigen, dass man was kann, bevor man fordert? Bisher kam da nichts, was auch nur annähernd auf Augenhöhe mit zeitgenössischen Krachern gewesen wäre.

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