Forum: Kultur
Frankreich auf der Buchmesse: "Stolz und arrogant, wie die Welt uns schätzt"
DPA

Auf der Buchmesse wird um Emmanuel Macron gestritten und um die Größe der Grande Nation. Derweil kam Michel Houellebecq auf einer Porno-Website eine Idee für die deutsche Literatur.

Stäffelesrutscher 12.10.2017, 21:51
1.

»Eine Ausnahme hätten nur zwei Wellen geboten: Die lateinamerikanischen Romane des Magischen Realismus ("Ich habe nie verstanden, was das eigentlich sein soll") und die Krimis aus Skandinavien ("Damit kann ich deutlich mehr anfangen"). Doch auch für deutsche Autoren hatte Houellebecq einen Tipp: Sie sollten erotische Romane schreiben. Ihm sei aufgefallen, dass es bei YouPorn eine eigene Kategorie "German" für deutsche Amateurpornografie gäbe, aber nicht für andere Länder. Da bestünde also grundsätzliches Interesse.«

Vous avez fait ma journée, Monsieur Houellebecq!

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Worldwatch 13.10.2017, 06:29
2. Buchmarkt- und Literaturträumereien

Hunderte Millionen Menschen auf der Erde können gar nicht lesen, und Milliarden Menschen ist nur das lesen von ?auserwählter und akzeptierter? Literatur (zumeist ?heiliger? und/oder ideologischer, dogmatischer Schriften) erlaubt. Milliarden Menschen auf der Erde haben gar keinen Zugang zu Literatur, obgleich sie -in ihrer erlernten Schriftsprache- evtl. lesen könnten.
Millionen von Menschen werden gequält und eingekerkert oder ermordet, weil sie ?verbotene? Literatur lesen, verbreiten oder verfassen.

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sofk 13.10.2017, 13:21
3. "Wir haben sogar applaudiert."

...Ist das ein typische SPON-Trick, am Ende eines Artikels einen einzigen Satz aus dem Kontext zu nehmen? Jeder in Frankreich kennt Bernard Pivot, nicht wegen der Französischen Akademie (der Mehrheit ist diese völlig egal) sondern weil er seit Jahrzehnten ein ziemlich sympathischer, berühmter Fernsehmoderator von Literatursendungen ist. Was im Artikel gar nicht erwähnt wird, ist, dass hier im Gegenteil nicht Pivot der Neoreaktionär ist, sondern Houellebecq - und wie!! Deswegen wird auch Houellebecq in Frankreich von vielen - und von mir auch - zurecht verachtet. Er ist mit dieser unerträglichen Clique von medialen neoreaktionären Publizisten und (möchtergernen selbstwichtigen) Intellektuellen wie Éric Zemmour, Alain Finkelkraut oder Elisabeth Lévy verwandt, die partout im Fernseh und Radio ihr Senf über politisch-gesellschaftlichen Angelegenheiten aufdrängen, und damit die schimmlig-neoreaktionäre Welle à la Le Pen-Sarkosy-Dupond D'aignan-De Villiers-Fillon-Valls usw. über Jahren schön begleiten. Und das ist bis zu den letzen Wahl ziemlich gut gelaufen. Allein Houellebecqs Aussage über Lateinamerikanische Literatur sowie seinen - ach so lustigen - "Tipp" (sic) an deutschen Autoren, sagen ziemlich viel über ihn aus. Den Typ kann ich wirklich nicht leiden. Und im Gegensatz zu diesem gruseligen, zynischen, altlüsternen, erfolgreichen Autor - voll im Zeitgeist seiner Zeit, gebe ich zu - , scheinen mir Leute wie Eribon, Louis oder Despente viel interessanter, hoffnungsvoller, einfach frischer.

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sofk 13.10.2017, 17:03
4. Die Mehrheit will aber keinen NEOliberalen Kurs

Zitat von ohnefilter
Da kann man nur hoffen, dass Macron an seinem liberalen Kurs festhält und seine Reformen verwirklicht. Die eine oder andere Uni in Frankreich könnte gewiss verkleinert werden.
Man kann ja hoffen, dass manche kluge deutsche Kommentatoren einfach es vergessen, dank ihre zynische, arrogante, egoistische Weltanschauung partout ihre Nachbarländern Lektionen erteilen mögen. Die Mehrheit in Frankreich oder anderswo will einfach Unis nicht verkleinern und auch nicht in einer noch stärker armwerdenden "Minijobs"-Gesellschaft leben wie hierzulande. Es gibt ja schon genug Armut und Prekarität. Wie ich seit Jahren den Wandel in Deutschland beobachte, tut es mir wirklich Leid. Wir treffen uns in zehn Jahren und dann werden wir sehen, wie diese manche ach so kluge deutsche Foren-Kommentatoren Lektionen erteilt bekommen werden.

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