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G20-Aufarbeitung: Eine vertane Chance
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Vor einem Jahr brannten in Hamburg Barrikaden - zwei Bücher widmen sich den Krawallen während des G20-Gipfels aus linker Perspektive. Klären die Autoren auf? Oder wiederholen sie nur die eigene Version der Geschehnisse?

Riv 07.07.2018, 08:46
1. Oje,

... das Video ist sehr tendenziös. Es wird die Frage gestellt, warum die Polizei die Unversehrtheit der Bürger nicht geschützt hat (und ich möchte anmerken: die der Bürgerinnen auch nicht). Und dabei ist , anbiedernd, die Unversehrtheit des Eigentums in Form von verbrannten Autos gemeint. Denn, die Unversehrtheit der Bürger hat die Polizei ja selbst besorgt. Die Randalierer*innen haben nur in Einzelfällen Polizisten im Dienst angegriffen. Weitere Übergriffigkeit seitens der Randalierer*innen auf Nichtpolizist*innen ist belegt. Ich denke, dass die besorgten Bürger*innen sich mal viele Fragen über die Polizeieinsätze stellen sollten, anstatt auf die Einzigen, die den Mut hatten, gegen die G20 zu demonstrieren, abzustellen. Für mich ist das verkehrte Welt mit Diskursführung durch die Kleinbürgerin. Die Traurigkeit der Kleinbürgerin, die weinend sich über ihr zerstörtes Auto beklagt, weil sie am nächsten Tag nicht zur Arbeit kommt, sollte nicht einen Diskurs über die eigentlichen Fragen beherrschen.

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post-postfaktisch! 07.07.2018, 09:39
2. Gewalt ist Gewalt ist Gewalt

Zitat von Riv
... das Video ist sehr tendenziös. Es wird die Frage gestellt, warum die Polizei die Unversehrtheit der Bürger nicht geschützt hat (und ich möchte anmerken: die der Bürgerinnen auch nicht). Und dabei ist , anbiedernd, die Unversehrtheit des Eigentums in Form von verbrannten Autos gemeint. Denn, die Unversehrtheit der Bürger hat die Polizei ja selbst besorgt. Die Randalierer*innen haben nur in Einzelfällen Polizisten im Dienst angegriffen. Weitere Übergriffigkeit seitens der Randalierer*innen auf Nichtpolizist*innen ist belegt. Ich denke, dass die besorgten Bürger*innen sich mal viele Fragen über die Polizeieinsätze stellen sollten, anstatt auf die Einzigen, die den Mut hatten, gegen die G20 zu demonstrieren, abzustellen. Für mich ist das verkehrte Welt mit Diskursführung durch die Kleinbürgerin. Die Traurigkeit der Kleinbürgerin, die weinend sich über ihr zerstörtes Auto beklagt, weil sie am nächsten Tag nicht zur Arbeit kommt, sollte nicht einen Diskurs über die eigentlichen Fragen beherrschen.
... und damit außerhalb jedweden politischen Diskurses. Ich war in der Schanze, mein Sohn wohnt dort, ich war auf der Großdemonstration und habe die kleinen, sich ständig umziehenden und kommunizierenden Gruppen gesehen, ich habe die eindeutigen Gewaltaufrufe im Netz gesehen. Der schwarze Block war nicht „die einzigen, die gegen G20 demonstriert haben, sondern, sie haben die gigantische, bürgerliche und vielstimmige Gegendemonstration und den damit verbundenen politischen Druck und die Inhalte vernichtet und vergessen lassen. Ich habe kräftige Kerle von der Polizei in voller Kampfmontur in den Ecken weinen gesehen, Bewohner der Schanze verzweifelt und traumatisiert, die jetzt der Polizei vorwerfen weggeblieben zu sein. Dort wurden Existenzen vernichtet, physisch und psychisch und Sie reden die Opfer und ihren Schmerz als kleinbürgerlich runter. Das ist widerwärtig. Bei Ihrer Eistellung müsste es auch OK sein wenn demnächst ein rechter Mob die Flora und alle weiteren Orte autonomen Lebens zerlegt und abfackelt. Ist doch nur ein Haus, seid doch nicht so kleinbürgerlich. Und ja, es hat Übergriffe der Polizei gegeben. Definitiv. Aber wenn ich persönlich mit solcher, zum Teil potenziell tödlicher Gewalt konfrontiert wäre, vielleich wäre dann auch meine pazifistische Ader versiegt. Gewalt geht gar nicht und für jedweden linken oder rechten Block gilt: NO PASSARAN!

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kratzdistel 07.07.2018, 10:53
3. recht im unrecht gibt es nunmal nicht

solange es ein funktionierender rechtsstaat gibt, gibt es nach der Verfassung kein widerstandsrecht. was bei g 20 geschah, konnte jeder in den medien beobachten und bewerten. wer friedlich demonstrierte, wurde auch geschützt. dass es bei einsätzen gegen gewaltbereite Demonstranten auch kollaterale schäden gab, ist unbestritten sind aber nicht immer vermeidbar bei Massenveranstaltungen. ex post werden jetzt noch Straftäter ermittelt und das ist gut zu. denn nur friedliche Demonstrationen können wertsetzend im sinne unseres Grundgesetzes sein.

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reichsvernunft 07.07.2018, 10:59
4. @post-postfaktisch!

Mal eine linke Demo besucht, die von der Bayerischen Polizei "begleitet" wurde? Da sollte man auch nicht zart besaitet sein... nebenher ist das Vorgehen vor Ort gut dokumentiert. Die Berliner, die Erfahrung und Erfolg beim De-eskalieren solcher Situationen vorweisen können (haben zu Hause ja genug Gelegenheit zum üben...) wurden weggeschickt, stattdessen die Bayerischen Schocktruppen angefordert. Mit Schlagstöcken gegen Banner und Badetiere. Ich bestreite nicht, dass die Linke Szene einiges an Krawallmachern mitgebracht hat, aber für solche Situationen gibt es ungeschriebene Regeln, die auch in Hamburg bekannt waren (und zumindest im schwarzen Block auch intern durchgesetzt...). "Harte Linie" bedeutet es kracht. Sollte es auch.
Und Gewalt allgemein abzulehnen ist ein Bisschen kurz gegriffen. Innerhalb der Regeln eines Systems ist es schwer und wird mit zunehmender Verkrustung immer schwerer, einen Wandel des Systems herbeizuführen. Moderne Errungenschaften wie Religionsfreiheit, Demokratie oder der Sozialstaat sind das Ergebnis von Gewalt oder Gewaltandrohung gegen eine Herrschaft, gegen die kein anderes Mittel mehr half. Etwas, das ich in der Gegenwart durchaus sehe, eine Gegenwart in der Aufmerksamkeit als Währung die Demokratie aushebelt (oder machen unsere gewählten Vertreter das, was Sie für notwendig halten?) und Korruption (Riester, Privatisierung um jeden Preis, gewollte schieflage des Arbeitsmarktes, keine effektive Besteuerung von Kapital, Ausverkauf von Bildung, Kinderbetreuung, Infrastruktur, etc.) als legales politisches Wirken verkauft wird (und hinterher sind dann alle über die Resultate "überrascht", die vorher von unabhängigen Instituten vorrausgesagt wurden...). Ich bin nicht dafür Polizisten anzugreifen - ich glaube niemand geht zur Polizei ohne "etwas Gutes" zu wollen, aber ich habe auch das Elend gesehen, das die Globalisierung bringt (schon mal ein indisches Kind beim Versuch beobachtet sich umzubringen? Oh nein, Omas Kleinwagen!) - und nein, da ist Mitleid mit den armen Opfern von Sachschäden nicht notwendig.

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ruhepuls 07.07.2018, 19:49
5. Gewalt erzeugt Gewalt

Wer Gewalt als "notwendiges Mittel" rechtfertigt, vergisst eines: Die Anwendung von Gewalt rechtfertigt Gegengewalt. Auch der schwarze Block (über-)lebt davon, dass die Gegengewalt sich zurückhalten muss. Vorkommnisse wie beim G20-Gipfel führen aber dazu, dass die Bereitschaft der Bürger zunimmt, auch schärfere Formen der Gegengewalt zu fordern. Salopp gesagt: Irgendwann sind dann Schlagstöcke und Gummigeschosse nicht mehr das letzte Mittel.

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