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Gegenwartsbefund von Francis Fukuyama : Es ist die Würde, Dummkopf!
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Links Vereinzelung, rechts Schulterschluss? Francis Fukuyama zeigt in seinem neuen Buch auf, wie Identitätspolitik die Gesellschaft spaltet. Riskante Tiefenbohrung in die Seele der Demokratie.

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peterpeterweise 07.02.2019, 14:03
1. Der Mittelstand als Feindbild?

Zitat: ... aber der Mittelstand, der ausgebildet ist und Zeit für politische Aktivitäten hat, lässt sich mobilisieren." Eine Analyse, die in Bezug auf die Trump-Wähler im Mittleren Westen genauso zutrifft wie auf die AfD-Wähler in den Speckgürteln Deutschlands.
Vielleicht ist es aber auch einfach so, dass der Mittelstand enger mit der Realität verbunden ist und darum keine rosarote Sonnenbrille aufsetzt, wenn die Weltenverbesserer sozialromantische Luftschlösser aufbauen.

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bombi_22 07.02.2019, 14:04
2. Tja, wenn man neben....

The Wealth of Nations von Adam Smith auch die Theory of Moral Sentiments gelesen hat, überraschen die Schlüsse von Fukuyama nicht wirklich.

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daishi666 07.02.2019, 14:04
3. Etwas ist leider daran

Die Identitätspolitik treibt Leute leider in das rechte Lager. Übrigens auch im Spiegel, wenn sich Kolumnistinnen sich am Ende des weißen Mannes der sowieso an allem Schuld ist, abarbeiten.

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Dengar 07.02.2019, 14:07
4. In einem hat Fukuyama völlig recht

Identitätspolitik treibt die Spaltung der Gesellschaft voran. Wenn seitens der Politik nur noch die Zuweisung in immer zahlreicher werdende Splittergruppen vorangetrieben wird, bleibt letztlich bichts einigendes mehr übrig, denn die Betonung liegt ja auf dem Trennenden.
Fukuyama setzt dem übrigens die Nation und das Nationale entgegen als einigendes Element - aber verständlich, dass dieses Igittwort von Postnationalisten lieber nicht erwähnt wird.

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Leser161 07.02.2019, 14:13
5. Ja

Sehr interessante Analyse der ich zustimmen möchte. Noch besser wäre es wenn die Politik jetzt auch noch auf den Mann hören würde. Ich drücke die Daumen.

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Dr. Kilad 07.02.2019, 14:18
6. Muss man das wirklich lesen?

Da bin ich mir nicht so sicher. So war / ist es in der Regel natürlich einfacher, durch Nationalismus irgendwelche Gefühle der Gemeinsamkeit zu stiften. Wer sich da mehr in die Fakten begibt, hat es gegen solche Stimmung nicht zufällig schwerer - und das tun eben mehr die Linken. Deshalb geht es ja auch viel um "Populismus", teilweise nun auch bei den Linken. Einfache Denkstrukturen sind bleiben eben nur Denkstrukturen sind. Würde mit Wertschätzung zu übersetzen ist auch fragwürdig. Da sprachlich Würde und Wert eng verwandt sind, scheint Fukuyama hier einen Fehler zu machen. Im welchen Sinne soll der Mensch mehr Wert sein? Als leistungsfähige Arbeitskraft? Als Träger moralischer Grundwerte? Überzeugen tut mich das alles nicht gerade. Wo die Leistung bestehen soll, bleibt mir zumindest auch durch den Beitrag verborgen.

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Beat Adler 07.02.2019, 14:19
7. Umfrageergebnisse publiziert auf facebook ersetzen die Demokratie.

Umfrageergebnisse publiziert auf facebook ersetzen die Demokratie.

Beispiel:
In Frankreich unterstuetzen, so steht es bei facebook, 55% der Einwohner die Gelbwesten, ergo sind sie die Mehrtheit, daraus folgt, dass Macron zuruecktreten muss, das Parlament aufgeloest wird, OHNE Neuwahlen, denn die bringen Macron nur wieder an die Macht!

In der Nach-Demokratie-Perode tun die Einwohner eines Staates/Landes/Nation das, was die Mehrheit gemaess den Umfragen publiziert bei facebook will! Steuern runter, also runter! Sozialleistungen rauf, also rauf damit! Steht so im/bei/auf facebook, kann also gar nicht falsch sein.

Die freiheitlich-rechtstaatliche Demokratie mit Gewaltenteilung, mit freien Medien als Kontrolle, ist die mit Abstand schwierigste Form der Organisation des Zusammenlebens einer Gesellschaft. Sie ist eine ewige Baustelle. Wir Schweizer bauen daran herum sein laecherlichen 728 Jahren. Sie kann nie fertig werden, ihren Idealzustand erreichen, weil sich die menschliche Gesellschaft laufend aendert. Die Veraenderung ist schliesslich die einzige Konstante!

Aber koennen GAFA, die Datenmonster, unsere Demokratie ersetzen, abloesen? Werden Wahlen uberfluessig, da die Wahrheit eh von GAFA gepachtet ist? Koennen Gesichtserkennung, kombiniert mit Sozialpunktesystem, kombiniert mit dem Einpflanzen von Chips in die Hand, so wie in Schweden, also die 24/7 Totalueberwachung durch den grossen Bruder, die Demokratie ersetzen?

An die Arbeit! Aermel hoch! Verteidigen der rechtsstaatlichen freiheitlichen Demokratie ist angesagt. Wir MUESSEN es tun! Linke sind nicht schlimm oder eine Herausforderung, Rechte auch nicht, wenn sie sich an Verfassung und Freiheit sowie Rechststaatlichkeit halten!
mfG Beat

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fallobst24 07.02.2019, 14:21
8. Teilweise verwirrter Autor

"Einer linksliberalen Leserschaft wird es keine guten Gefühle bereiten."
-> Mit linksliberal ist sicher nicht die Gruppierung gemeint, die der Autor im Kopf hat. Linksliberal geht Richtung FDP mit einigen sozialen Elementen. Linksliberale sind nicht gleichzusetzen mit den "liberals aus dem englischen Sprachraum, sondern in vielerlei Hinsicht konträr von den politischen Positionen. Dieses sinnlose Übernehmen und Einführen von US-amerikanischem Politsprech und anderem Quark offenbart die Wissenslücke und kleinen Ideologien einiger Journalisten in Deutschland.

Es ist ja mittlerweile mal gut mit der Alexandria Ocasio-Cortez. Man muss sich doch nur die Interviews mit ihr anschauen, in denen sie nach der Finanzierung ihrer utopischen Träumereien befragt wird, um zu erkennen, dass bei ihr die Hautfarbe/Herkunft und Geschlecht wichtigere Gründe für ihren Aufstieg darstellen, als ihre Kompetenz. Wenn sie gegen Trump antreten sollte, dann wird Trump zu 100% eine 2. Amtszeit bekommen.

Die Kernwirkung von identity politics ist eben das Zerstören von Brüderlichkeit und gleichen Rechten für alle, hin zu gesellschafts-separierenden Triabalismus, in dem das Geschlecht, die sexuelle Orientierung und die Hautfarbe wichtiger ist als Kompetenz, Charakter, Ideen und Argumente. Ein weißer Hetero-Mann hat in einer Diskussion mit einer schwarzen, lesbischen Frau immer unrecht, eben weil er weiß, heterosexuell und ein Mann ist.
Das ist das Trennende im Kern und es wird genauso wenig behoben werden können, wie der Kommunismus jemals funktionieren wird. Egal wie viele Ausreden seine Anhänger noch anhäufen können. Die Realität zeigt es immer wieder.

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conocedor 07.02.2019, 14:23
9. Eben doch, eine Identitätspolitikerin par excellence

"Gleichzeitig erscheint sie für die sich abgeschlagen glaubenden weißen Arbeiter wählbar, die in ihr eine Vertreterin der eigenen Schicht sehen."

Frau Ocasio-Cortez wählbar für eine weiße Arbeiterschaft?
Der Beweis dieser kühnen These steht noch aus.

Ihr Kongressmandat hat sie im 14. New Yorker Wahlbezirk geholt, also Teilen von Queens und Brooklyn, multiethnische Schmelztiegel, in denen man weiße Arbeiter mittlerweile mit der Lupe suchen kann.

Dass sie zudem nicht unbedingt als profunde Kennerin deren Lebenswirklichkeit gelten kann, ist auch dem Umstand geschuldet, dass sie selbst durchaus nicht in ärmlichen oder prekären Verhältnissen aufwuchs.

Eher erscheint sie in Auftreten und politischen Überzeugungen wie eine Vertreterin jenes akademisch-intellektuellen Milieus, das schon immer besser als die Arbeiterklasse selbst wusste, was für diese gut oder schlecht ist.

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