Forum: Kultur
Gentrifizierung : Die Stadt ist kein Ort für Egoisten
Gordon Welters/ laif

Die legendäre Bar Babette in Berlin soll schließen - ihr Ende steht exemplarisch dafür, wie die gedankenlos vor sich hin malmende Maschine des Kaputt-Mach-Kapitalismus eine Stadt zerstört.

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ms_sche 26.08.2018, 14:54
1. Sorry...,

aber wenn öffentliche Räume von Investoren zerstört werden, ist das ein untrügliches Zeichen für schlechte Stadtplanung. Berlin hat nach den Baugesetzbuch Instrumente. Die muss es nur zum Nutzen der Stadt schärfen und anwenden. Offensichtlich geschieht das nicht hinreichend. Politik kann, wenn sie will...

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schlago 26.08.2018, 15:06
2. Ausprägung Verpflichtung

Eigentum verpflichtet. Es steht aber nirgends rechtsverbindlich niedergeschrieben, was genau man darunter versteht. Somit kann sich jeder diese Verpflichtung auslegen wie es gerade passt. Dadurch kann man diese Verpflichtung auch nicht einklagen.

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mcflue 26.08.2018, 15:06
3. Freiraum

Leider sind das aber zwei Seiten der selben Medaille, ob nun Kapitalismus oder Marktwirtschaft genannt: Clubs in Berlin oder Orte wie die Bar Babette, spannende Orte entstehen in privater Initiative, in temporären Freiräumen, sie sind von unterschiedlicher Dauer. Staatlich geplanten, gar verordneten Räumen zur "freien" Entfaltung oder amtlich und stadtplanerisch festgelegten Nutzungen gebricht es an Attraktivität und an Dynamik...

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unky 26.08.2018, 15:10
4. Traurig, traurig

Wer Berlin kennt, kann Diez nur zustimmen: Ich saß dieser Tage nach einem Besuch des Kinos International - schräg gegenüber von der Bar Babette und dem Cafè Moskau - und konnte wieder nur bedauern, das Letzteres schon so lange nicht mehr öffentlich ist, war doch gerade dessen Rosengarten im Sommer ein zauberhafter kleiner Ort, der zum längeren Verweilen einlud. Aber auch die Restaurants im Innern des Cafè Moskau waren schön und gern besucht. Ebenso fehlen mir heute die Restaurants im Operncafè unter den Linden - auch nur noch privater Besitz - und die Öffentlichkeit ist ausgeschlossen. Und das mitten in der Stadt. Und wo nicht Clubs, Bars oder Restaurants weichen müssen, werden Eigentumswohnungen so dicht neben öffentliche Bauten gesetzt - siehe die Friedrichswerdersche Kirche in Berlin-Mitte, dass deren Substanz auf immer zerstört wird. Der "Geldadel" dieser Welt eignet sich die Städte an, privatisiert öffentlichen Raum - und die Bewohner und ihre Besucher werden an den Rand gedrängt

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neutron76 26.08.2018, 15:13
5. Beschwert euch bei eurer politischen Führung

Eine Großstadt ist ein lebender Organismus. Wenn in einem Stadtteil die schönen Ecken weggeplant bzw. planiert werden, zieht es die Menschen eben woanders hin.

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kaiservondeutschland 26.08.2018, 15:27
6. Menschenrecht auf Metropolenleben?

Laut Diez soll es ein Menschenrecht auf bezahlbaren Wohnraum geben. Dem kann ich zustimmen, wenn man hinzufügt, dass der Wohnraum irgendwo sein kann. Diez scheint aber Wohnraum in Berlin zu meinen. Soll es also ein Menschenrecht (Rechtsträger ist jeder Mensch auf diesem Planeten) auf bezahlbaren Wohnraum in Berlin und anderen Metropolen geben? Also ich nehme mir dieses Recht nicht raus. Wenn ich in Rente gehe oder arbeitsmäßig schlapp mache, finde ich, sollte ich irgendwohin ziehen, wo es billiger ist und wo ich mich ausruhen kann. Ich kann aber nicht zur Politik sagen: „Hört mal, ich will jetzt in New York oder Paris oder Berlin wohnen, aber nur soviel Miete zahlen wie in Kleinkleckersdorf. Ihr müsst das jetzt für mich regeln.“ Für die Karawane aus „Künstlern und Intellektuellen“ wird es Zeit, Berlin zu verlassen und weiterzuziehen. Berlin schätzt eh Intelligenz wenig (nicht nur, wenn es um Flughafenbauintelligenz geht), also ab zur nächsten Oase.

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nach-mir-die-springflut 26.08.2018, 15:36
7. Hunde, wollt ihr ewig leben

In Berlin werden massiv Immobilien an Investoren verkauft. Die haben Rendite im Sinn, nicht subkulturelle Kleinode. Da der Berliner Senat geistesschwach ist und Teil des vor sich hin malmenden Unbewussten und Verantwortungslosen, wird sich daran auch nichts ändern. Das Subkulturelle in Berlin ist entstanden, nachdem Berlin nach dem Krieg und mit der Hauptstadt Bonn seine Funktion verloren hatte. Die einst in Funktion stehenden Gebäude und Grundstücke waren der freien Benutzung freigegeben, Beispiel WMF[1] (Württembergische Metallwarenfabrik). In das Gebäude zog die Tanzmusik und hielt den Namen gleich bei, so wie andere Tanzschuppen "Obst & Gemüse"[2] oder "Elektro" hießen, weil die Läden in der DDR solche waren. Wo heute die GRAND BAR[3] ist, war zu DDR-Zeiten der KGB untergebracht, danach stand das Gebäude zur Nutzung frei, und es machten die Lomografen ihre Ausstellung. Die Lomografie[4] war Subkultur in Reinform, eine Kamera, die geschmuggelt ihren Weg von Sankt Petersburg nach Wien fand, in Berlin mit selbst geschweißter Bar, günstigen Getränken, ohne Gewerbe, Registrierkasse und Steuererklärung, "illegal", würde man heute sagen, die alle Nachtschwärmer anzog, die draußen bis auf die Straße standen. Der öffentliche Raum belegt bis morgens um 7. Diese Gebäude und Grundstücke gehen dann an ihre Eigentümer zurück oder müssen sonstwie saniert und modernisiert werden, und irgendwer muss das Geld auf den Tisch legen. Wer's Geld hat, bestimmt die Regeln. Mit DEMOKRATIE hat das nichts zu tun, sondern mit der Diktatur der Finanzen. Berlin war nach dem Krieg das größte Freilichtmuseum der Welt mit der größten subventionierten Subkultur der Welt. In Ost-Berlin kostete die große Wohnung 80 Mark, heute kostet die kleine 1.600 Euro. Wer 1.600 Euro hinblättern muss, läuft konform im System als Angestellter oder sonstwie Eingepasster, aber nicht als freischaffender Streuner. Liebe lässt sich nicht kaufen und Subkultur auch nicht.

1. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/clubkultur-wmf-berlin-party-unter-der-abrissbirne-122451.html
2. http://t1p.de/hagd
3. https://www.grandbar.de/
4. https://de.wikipedia.org/wiki/Lomografie

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karton 26.08.2018, 15:37
8.

Aus Wikipedia:
"Als öffentlicher Raum (auch öffentlicher Bereich) wird jene räumliche Konstellation bezeichnet, die aus einer öffentlichen Verkehrs- oder Grünfläche und den angrenzenden privaten oder öffentlichen Gebäuden gebildet wird. Das Zusammenwirken dieser Elemente bestimmt den Charakter und die Qualität des öffentlichen Raumes. Voraussetzung ist, dass die Fläche einer Gemeinde oder einer Körperschaft des öffentlichen Rechts gehört und der Öffentlichkeit frei zugänglich ist, von der Gemeinde bewirtschaftet und unterhalten wird. Im Allgemeinen fallen öffentliche Verkehrsflächen für Fußgänger, Fahrrad- und Kraftfahrzeugverkehr, aber auch Parkanlagen und Platzanlagen darunter. "

Die Bar Babette ist also mitnichten ein öffentlicher Raum.
Soweit ich gelesen habe, werden die Räume nach Auslaufen des Pachtvertrages vom Café Moskau betrieben. Ein ganz normaler Vorgang im Gastronomiegewerbe...

Wenn Berlin mehr öffentlichen Raum haben will, dann muss der Senat welchen schaffen.

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BahnCard50 26.08.2018, 15:43
9. Ihre Lieblinkskneipe macht zu; ja und?

Typisches Berliner Hauptstadt-Mimimi. Erstens machen hin und wider auch beliebte Firmen dicht, siehe Naketano. Zweitens: Wenn die Karl-Marx-Alle städtebaulich ein so gelungener Wurf wäre, wie der Auto behauptet, dann sollte es doch nicht weiter auffallen, wenn eine einzige Kneipe dicht macht. Außerdem habe ich es in dem geschwätzigen Artikel entweder überlesen oder der Autor hat überhaupt keinen Grund genannt (es könnte ja ein guter sein), warum geschlossen wird. In Berlin gibt's alles, für jeden, in jeder Preisklasse und mehrfach.
Die Zeiten, in denen Berlin eine hoch subventionierte Exklave war, wo die Politik froh für jeden war, der sie bevölkerte und denen dafür fast alles durchgehen ließ, die Zeiten sind seit fast dreißig Jahren vorbei. Berlin ist jetzt eine normale Großstadt wie alle anderen auch. Wann begreifen die Berliner das endlich.

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