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Geschichte einer Selbstverbrennung: Ein Fanal vom Untermieter aus dem Souterrain
DPA

Vor 40 Jahren verbrannte sich Hartmut Gründler aus Protest gegen Helmut Schmidts AKW-Politik. Der Roman "Der Mensch brennt" von Nicol Ljubic erzählt, wie sich die extreme moralische Konsequenz eines Einzelnen auf andere auswirkt.

SenseSeek 16.11.2017, 11:49
1.

Ich halte es schlicht für dumm, auf solch drastische Art und Weise ein Zeichen setzen zu wollen. Die Führungsriege - sei es wirtschaftlich oder politisch - interessiert sich nicht die Bohne für die Gesellschaft und schon gar nicht für Einzelne. Zu groß ist die Gier nach Macht und Geld. Wen interessieren schon Umwelt und Ressourcen wenn das Kapital lockt. Am Ende wird immer schön mit dem Erhalt von Arbeitsplätzen argumentiert. Und so lässt man sein Leben - ändern wird sich dadurch letztlich gar nichts.

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yoda56 16.11.2017, 12:27
2. Auch wenn ich das Buch...

...bisher nicht gelesen habe, wage ich die Behauptung, dass auch in diesem Fall der Grund für den Suizid eher in einer depressiven Grundhaltung und Ich-Bezogenheit ohne Rücksicht auf Mitmenschen und deren Leid zu suchen ist und die "offizielle Begründung" durchaus austauschbar ist. Das Beispiel des Polen Pjotr S. in Warschau veranschaulicht es. Der Mann überraschte seine Frau und seine beiden Kinder mit seiner Selbstverbrennung. Welches Leid er diesen Menschen zugefügt hat, finde ich absolut inakzeptabel.

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klmo 16.11.2017, 12:43
3.

Zitat von yoda56
...bisher nicht gelesen habe, wage ich die Behauptung, dass auch in diesem Fall der Grund für den Suizid eher in einer depressiven Grundhaltung und Ich-Bezogenheit ohne Rücksicht auf Mitmenschen und deren Leid zu suchen ist und die "offizielle Begründung" durchaus austauschbar ist. Das Beispiel des Polen Pjotr S. in Warschau veranschaulicht es. Der Mann überraschte seine Frau und seine beiden Kinder mit seiner Selbstverbrennung. Welches Leid er diesen Menschen zugefügt hat, finde ich absolut inakzeptabel.
Es ist anzunehmen, dass der (angebliche) politische Hintergrund eher eine Alibifunktion hatte.
Wenn Widerstand, dann läßt der sich aktiv auch anders gestalten.

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rahelrubin 16.11.2017, 12:57
4. Natürlich

verbrennt sich niemand wegen AKW oder Freiheitskampf oder irgendeinem Motiv, das nicht im eigenen Leben angelegt ist.
Vielleicht ist das vorgebliche Motiv ein Punkt, der den Selbstmörder besonders umtreibt. Aber mehr auch nicht.
Vielmehr dürften Menschen, die sich selbst verbrennen, an schwersten psychischen Erkrankungen leiden.

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karl-ecker 16.11.2017, 13:01
5. Verbrennt sich wegen einer Politikrichtung

Ob da noch von geistig klaren Kompetenzen ausgegangen werden kann, ist für mich eher zweifelhaft. Er bedachte nicht die schmerzhaften Folgen seiner Handlungsweise und hätten Sie jetzt nicht davon berichtet, hätte es auch keiner gewusst. Es ist bedauerlich, was Menschen sich alles antun aus absolut unwürdigen Motiven.,

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OskarMaria 16.11.2017, 13:13
6. Gründler war ein früher Öko-Sektierer

Ich hatte das "Vergnügen" jenen Hartmut Gründler während meines Studiums zu erleben. Er war ein merkwürdig verschwurbelter Einzelkämpfer an der Universität und beim Thema Ökologie sicher seiner Zeit voraus.

Allerdings paktierte er, wenn es seiner vermeintlichen Sache diente, auch mit Gruppen, die man getrost der neofaschistischen Szene zuordnen konnte. So wurde er in der studentischen Öffentlichkeit eher als Wirrkopf und Sektierer wargenommen.

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spon-facebook-1218950073 16.11.2017, 14:47
7. Ehrlich?

Ähnlich dünn, wie die damalige Reaktion des ehemaligen Bundeskanzlers Schmidt auf diese Verzweiflungstat, ist die heutige Schuldzuweisung der medialen Ignoranz aufgrund einer Sportveranstaltung. Schriftsteller Wolfgang Hädecke, der bereits vor Jahren ein Buch zum Fall Gründer publizierte, monierte die Interesselosigkeit in den deutschen Redaktionsstuben, inbesondere beim Spiegel und stern. Hädecke analysierte ein „krasses Mißverhältnis zwischen der kargen, schnell abklingenden Berichterstattung und der dürftigen Kommentierung mit vielen Verzerrungen im Fall Gründler auf der einen Seite und der mächtigen Empörung nach der Selbstverbrennung von Palach und besonders von Brüsewitz auf der anderen Seite.“

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The Independent 17.11.2017, 23:00
8. Doch

Zitat von rahelrubin
Natürlich verbrennt sich niemand wegen AKW oder Freiheitskampf oder irgendeinem Motiv, das nicht im eigenen Leben angelegt ist.
Doch, das kann sehr wohl ein Motiv sein. In Vietnam verbrannte sich 1963 der Mönch Thích Quảng Đức aus Protest gegen die Dieskriminierung der Buddhisten durch den autoritär regierenden Präsidenten Ngô Đình Diệm, der Katholik war. Weitere Selbstanzündungen in Vietnam, in den USA und anderen Ländern folgten, dann meist als Protest gegen amerikanische Außenpolitik. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings verbrannte sich der tschechische Student Jan Palach, um gegen die sowjetische Intervention zu protestieren. Seitdem gab es über 500 solcher Protestsuizide die aber auch mittels anderer Selbsttötungsarten erfolgten. Der Suizid erfolgt dabei meist für einen kollektiven Zweck, und nicht aus einem Motiv heraus, "das im eigenen Leben angelegt ist".

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