Forum: Kultur
"Hart aber fair" zum Wahlergebnis: Schlimmer Kater auf Jamaika
WDR/Oliver Ziebe

"Wie regieren nach dem Debakel der Volksparteien?" Auf seine Frage bekam Frank Plasberg zwar keine Antwort. Aber immerhin lieferten seine Gäste zwei Analysen, über die sich das Nachdenken lohnt.

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eastcape 26.09.2017, 06:37
1.

Humanismus ist nicht zu diskutieren und kann nicht abgeschafft werden, weil Menschen Zusammenhänge nicht erkennen bzw. falsche Zusammenhänge herstellen (z. B. Flüchtlinge -> eigene Arbeitslosigkeit) und sich aufhetzen lassen. Aber diese Menschen müssen trotzdem ernst genommen werden und dort, wo sie stehen, abgeholt werden. Die Aufgabe der Politik sollte es sein, unberechtigte Ängste zu reduzieren, Tatsachen zu erklären, realistische Zusammenhänge darzustellen, damit wir wieder in dem demokratischen, weltoffenen Deutschland leben können, das ich noch kennen gelernt habe.

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mikn1000 26.09.2017, 06:42
2. Die Schuld liegt wieder bei den anderen

So scheint es zumindest, wenn man die zwei herausgewählten Analysen, hinterfragt.

Natürlich kann man ein Flüchtlingslager in Syrien zeigen. Die sind ohne Frage schrecklich. Ich vermute, es würde genau das geantwortet und dass D. leider nicht die ganze Welt retten kann. Bestätigt dass nun die Anhänger oder zwingt es die Anhänger, sofern diese so wie so solche Medien konsumieren, zum Nachdenken?

Genauso könnte man die Grünen fragen, warum diese die Lager nicht auf ihren Wahlplaketen mit ihrer politischen Botschaft abgebildet haben? Warum diese nicht Maßnahmen in den Baden W. ergreift, wo Waffenhersteller sitzen und für Nachschub in Flüchtlingslagern dieser Welt schaffen. Ja, es leider einfacher auf Andere zu zeigen, als sein eigenes Handeln zu rechtfertigen. Was ich mit diesen Kommentar ja auch tue. Nur ich möchte auch keine politische Verantwortung tragen.

Und die CDU/CSU? Die waren doch primär mit sich selbst beschäftigt. Die CSU torpedierte die CDU und umgekehrt. Das da keine Energie herrschte sich mit den anderen Parteien zu beschäftigen, überrascht doch nicht. Statt auf eine gesunde und faire Argumentation zu setzen, würde ein erbärmlicher Personenkleinkrieg ausgefochten. Sieht so eine Partei aus, die Deutschland führen kann?

Also mein Wunsch: Minderheitenregierung und die Sachargumentation aus den Hinterzimmern wieder ins Parlament tragen. Da sieht man dann, wer das Zeug zum Regieren hat. Und vielleicht dürfen wir bald mal den Kanzlerposten durch Direktwahl besetzten.

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real-pessimist 26.09.2017, 06:42
3. Am Thema vorbei

finde ich diese Ganze Diskussion. Es klingt fast so, als ob solche Runden von der Mehrheit der AfD Wähler gesehen werden. Hier fallen Median auf ihre eigene Werbung rein und nehmen sich wichtiger, als sie sind.

Wenn ich Bidler aus den neuen Bundesländern sehen und dort AfD-ler die Journalisten anschreien, dann bin ich sicher, keiner von denen hat seine Meinung aus dem Kanzlerduell oder von Plasberg.

Ganz besonders gut finde ich aber, dass genau um 18 Uhr Schulz zum ersten Male Worte findet, die ich den ganzen Wahlkampf lang vermisst habe. Hätte er seine neue Unverbrauchtheit benutzt um den Schwenk schon im Juli zu demonstrieren und schon da klar ein NEIN zur GroKo sowie ein Umdenken in der Asylpolemik zu artikulieren, dann hätte er sicher ein paar Prozente der AfD vorenthalten.

Und gerade die Bilder aus Syrien fehlten in allen Wahlkampfthemen. es fehlte überall der Wille, sich mal zu positionieren. Ohne klare Position keine Mobilisation. Da liegt der Schlüssel zur Chance, die AfD mal wieder abzuschaffen.

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pflaume 26.09.2017, 06:46
4. Flüchtlinge sind kein Thema

Es ist doch Unsinn zu behaupten, daß Flüchtlinge das beherrschende Thema dieses Wahlkampfes sein mußten, weil es die Menschen so unglaublich interessiert. Wie das Wahlergebnis zeigt, wählen unter zehn Prozent der Bevölkerung ( inkl. Nichtwähler) eine Partei, die dieses Thema zum zentralen Punkt ihres Wahlkampfes gemacht hat. In den Medien nahm dieses Thema aber gefühlt 90 % der Berichterstattung ein.

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mazzeltov 26.09.2017, 07:13
5. Sehen wir der Wahrheit ins Auge...

... knapp zehn Prozent der deutschen Wahlberechtigten, berücksichtigt man die Wahlbeteiligung, haben ihre Stimme einer Partei gegeben, die für Xenophobie, einen wenigstens latenten Rassismus und jede Menge Nationalwahn steht. Eigentlich wenig überraschend, sie waren schon immer unter uns. Und, sehen wir der Wahrheit ins Auge, wenn Menschen- und Bleiberechte für wirklich alle gelten sollen, dann werden wir uns irgendwie wohl auch damit arrangieren müssen, dass sie dies auch in Zukunft sein werden, und wir werden Kompromisse im Zusammenleben finden müssen.

Ob es dabei die beste Variante ist, wie von Habeck vorgeschlagen, dem Phobiker zu sagen, "du hast eigentlich nur eine Phobie" ("hey Mann, du musst vor der Spinne nicht wegrennen, das bildest du dir nur ein..."), halte ich für fraglich.

Andererseits fühle ich mich genauso wenig verpflichtet, völkische Umnachtungsfantansien in irgendeiner Weise für mich bedeutend sein zu lassen, wie ich während des Ramadans Essen und Trinken einstelle, nur weil Prediger einer anderen Randgruppe unserer Gesellschaft dies vielleicht wünschen könnten. Denn immerhin, "das wird man ja wohl heute noch sagen dürfen", sind die Völkischen schließlich nicht die einzige Problemgruppe unserer Gesellschaft. Ich sehe nicht, inwiefern ich die eine Randgruppe bevorzugt vor der anderen umarmen sollte. Da ich die alternativ vorgeschlagene Vorgehensweise für den Umgang mit Randgruppen - "Sofort Abschieben!" - für irgendwie ein bißchen zu herzlos halte, führt an irgendwelchen Formen von Integrationsangeboten wohl kein Weg vorbei.

Beim bisherigen Einfallsreichtum der Politik fürchte ich aber fast, es kommen Integrationsbeauftragte für Sachsen und Merkblätter "Wie verhalte ich mich als gesitteter Wurbürger?" dabei heraus. Das, ganz ehrlich, fände ich ein bißchen zu wenig...

Fragen wir doch einfach, zur Abwechslung, die Betroffenen: Also, ihr seid rund zehn Prozent - wie stellt ihr euch das vor, wie wir es mit euch aushalten sollen?

Und anschließend fragen wir die anderen Randgruppen. Warten wir ab, was für Antworten kommen...

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tsitsinotis 26.09.2017, 07:16
6. Diese Sendung wird immer seichter.

Offenbar werden "rote Linien" vorher abgesteckt: Kein Wort zu Seehofers erpresserischer Forderung zur Öffnung nach rechts; konsequentes Formulieren von Einwanderern statt Geflüchteten.-- Die entsetzlichen Zustände in Syrien, Irak, Afghanistan und Libyen werden (außer kurz von Robert Habeck) ausgeblendet. Stattdessen eine "Diskussion" über das erbärmliche Selbstmitleid der AfD-Wähler, das nur mit Konfrontation des Kriegs- und Flüchtlingselends (Fotos einblenden!) kompensiert werden könnte. Nichts da.
Die Tendenz ist schlimm: Sie geht in Richtung "Vollalimentierung" der Flüchtlinge versus "Uns geht's auch nicht besser". Beschämend.

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angst+money 26.09.2017, 07:20
7.

In der Tat trifft der drittletzte Absatz (Inhumanität...) die Sache auf den Punkt. Was nicht ganz klar wird: sind das nur die Gedanken des Autors oder wurde das auch in der Sendung thematisiert?

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rstof 26.09.2017, 07:29
8. echt jetzt nur wegen der Flüchtlingskrise??

Es war eine interessante Sendung, das war es aber auch.
Hier wird wieder einmal deutlich das man immer noch nicht begriffen hat, wo der Schuh drückt!!!
Die Flüchtlingskrise ist nur ein Teil der Ursache. Rentner mit nicht mehr Lebenswürdigem Einkommen, Sicherheit die vorgegaukelt wird, Behördenregelungsflut, Dieselskandal.
Wer will denn eine Partei wählen die sich breitbeinig vor Betrüger stellt, sowohl im Dieselskandal wie auch in der Finanzkrise....
Immer mehr Menschen müssen zur Tafel, weil es -weil wir Niedriglohnland geworden sind- hinten und vorne nicht mehr reicht. Das Geld wurde während der Flüchtlingskrise nur so rausgeworfen, hat man wirklich geglaubt der Bürger hätte das nicht gesehen???
Diese Politische Landschaft hat alles im Blick nur ihre eigenen Bürger nicht, der wird drangsaliert und geschröpft. Aber Deutschland geht es gut!!??
Hier wurde immer noch nicht begriffen, dass der normale Arbeiter die Richtung gewechselt oder Protest gewählt hat, und der hat gewichtige Gründe dafür.
Liebe Presse und auch Politiker, arbeitet das Desaster ruhig weiter mit der Flüchtlingskrise ab. Da will ich dann
aber nicht über eine Neuwahl oder gar über die nächste reguläre Wahl in 4 Jahren nachdenken. Das jetzige dürfte bei so einer Nachbearbeitung nur der Anfang gewesen sein. Ihr seit noch Blinder und weiter weg von der Basis als ich dachte.

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R.Ts 26.09.2017, 07:33
9. Agenda setting

Die frei marktwirtschaftliche Ausrede "wir liefern, was die Leser lesen wollen" verkennt, dass die Medien durchaus eine wichtige Rolle im Agenda Setting einnehmen. Ich schätze das so ein, dass die Medienchefs durchaus darum wissen, insofern scheint das ein schwacher Versuch zu sein, sich raus zu reden. Gerade die öffentlich rechtlichen hätten mal mindestens so viel über blaue Steuerpolitik wie über Flüchtlingspolitik berichten müssen. Da wäre so manch einem afd Wähler schlecht geworden.

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