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Imperialismus-Kritiker Mishra: "Das westliche Abenteuer ist vorbei"
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Droht der Welt wirklich eine asiatische Hegemonie? Viele im Westen scheinen davon überzeugt. Doch der indischstämmige Historiker Pankaj Mishra hält das für Unsinn: Die westlichen Maßstäbe von Macht sind den asiatischen Kulturen fremd - und das westliche Wohlstandsversprechen hat sich überlebt.

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angularm 12.03.2014, 16:24
1. hmmm

Ideologische Konzepte können nützlich sein, sollten einen jedoch nicht den Blick auf die Realität vernebeln.

Der Materialismus, der die Wurzel des Kapitalismus ist, ist keine westliche Erfindung, sondern zutiefst in der menschlichen Zivilisation verankert. Um das zu sehen, braucht man sich nur den Wohlstand der reichen Oberschichten vor 2000 Jahren anzusehen, ob nun in Europa, Indien, Ägypten oder China. Die Ausbeutung der Unterschichten ist schon sehr alt.

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testthewest 12.03.2014, 16:26
2.

Zitat von sysop
Droht der Welt wirklich eine asiatische Hegemonie? Viele im Westen scheinen davon überzeugt. Doch der indischstämmige Historiker Pankaj Mishra hält das für Unsinn: Die westlichen Maßstäbe von Macht sind den asiatischen Kulturen fremd - und das westliche Wohlstandsversprechen hat sich überlebt.
Herr Mishra erscheint sehr voreingenommen.

Die indische Gesellschaft war schon immer ungleich, das Kastensystem ist keine britische Erfindung.
Auch kannten die Inder Geld (und damit den Kapitalismus) schon vor den Briten. Überhaupt ist der Kapitalismus keine "westliche Erfindung", sondern ein allgemeingültiges Wirtschaftsprinzip.

Inwiefern die Inder unter den Briten mehr Sklaven waren als unter ihren eigenen Herrschern und ob es den Unberührbaren damals (und heute) wirklich besser ging als den Armen heute ist auch zweifelhaft.

Insofern wirken seine Aussagen wenig durchdacht - vielleicht liegt es auch am Interview, welches kritische Fragen ausklammert.

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IntelliGenz 12.03.2014, 16:31
3. Herr Mishra

Sie haben vergessen, die MENTALITAET der asiatischen Menschen in Ihre Forschungsergebniss mit ein zu beziehen.
Sie kommen anhand Statistiken zwar immer wieder auf Wachstumsraten, aber die Inneffizienz asiatischen Arbeitens ist Ihnen nicht gelaueufig. Die Wertschoepfungskette der westlichen Kultur ist nicht so ohne weiteres kopierbar. Damit sind wir wieder zurueck bei der "Mentalitaet". Ein durchaus sinnvolles Thema zu einer Diskussion des Unterschieds von asiatischen Kuluturen zu den westlichen. Danke fuers Verstehen, Herr Mishra

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turjan 12.03.2014, 17:03
4. Warum Indien ewiger Zweiter bleiben wird

Zumindest illustriert der Beitrag sehr schoen, warum China und nicht Indien den asiatischen Kontinent dominiert. Eine gemeinsame asiatische Vorstellung von Macht, wie durch Herrn Mishra suggeriert, gibt es nicht. Chinesen moegen zwar auch viele Dinge anders sehen als die meisten Europaeer, aber sie sind oft genug sehr zielstrebig und ambitioniert.

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rromijn 12.03.2014, 17:16
5. richtige Dinge Aufgreifen

man sollte richtige Dinge aufgreifen und andere beiseite lassen. Wenn man sich nur darauf stürzt, wen er fälschlicher Weise verantwortlich macht oder nicht, kann man sich die Auseinandersetzung mit solchen Konzept-Diskutierern sparen.
Stattdessen sollte richtiger Weise aufgegriffen werden, dass das der weltweit sich durchgesetzte Kapitalismus in seiner jetzigen Form für Not und Leid auf der einen und unsinnige Anhäufung auf der anderen Seite sorgt.
Oder wie würden Sie erklären, dass der eine soviel hat, dass er es sein Leben lang nicht ausgeben kann und der andere so wenig, dass er sein Leben kaum bestreiten kann?
Das ist in allen Ländern und allen kulturübergreifend gültig. Die Marktwirtschaft mit seinem Wohlfahrtsversprechen für alle ist eine Lüge.

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Olaf 12.03.2014, 17:20
6.

Zitat von sysop
Droht der Welt wirklich eine asiatische Hegemonie? Viele im Westen scheinen davon überzeugt. Doch der indischstämmige Historiker Pankaj Mishra hält das für Unsinn: Die westlichen Maßstäbe von Macht sind den asiatischen Kulturen fremd - und das westliche Wohlstandsversprechen hat sich überlebt.
Ah, ja, den Chinesen und Indern z.B. ist also Machtdenken fremd?

Na, das sollten die dann mal den Menschen in Tibet, Taiwan, Pakistan, Bangaldesh und Sri Lanka sagen, die wussten das noch nicht.

Und wenn jemand Wert auf eine Hierarchie mit ausgeprägten oben und unten legt, dann die asiatischen Gesellschaften.

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herr minister 12.03.2014, 17:25
7. Der Osten ist die Zukunft?

Nummer eins: das ewige: Der Westen ist schuld. Selbst wenn es stimmen würde, dreht man sich damit leider immer nur im Kreis.
Nummer zwo: Der Kapitalismus ist schuld. Selbst wenn das stimmen würde, so gab es diesen doch schon immer, früher mit Sklaven, heute eben mit Sklavenarbeitern. Der Westen hat da nix erfunden, er hat ihn in Zeiten der industriellen Revolution vllt. perfektioniert, zum Wohle vieler und ja, auch zum Leid vieler. Alternativen?
Nummer drei: Der Herr Historiker aus Indien, der den teuren Wohnort London bevorzugt und dort, schätze ich mal, nicht unter einer Themse Brücke haust, erklärt den Milliarden Asiaten weit weg, sie sollen doch bitte nicht nur auf die Kohle schielen, sprich: sich doch bitte mit einem einfachen Leben zufriedengeben, die Luft nicht mit Autos verpesten und sich auf die inneren und traditionellen Werte konzentrieren.
So viel Dummheit gepaart mit Arroganz habe ich ja selten auf einer Seite gelesen.

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syracusa 12.03.2014, 17:40
8. mir fehlt ...

Zitat von sysop
Droht der Welt wirklich eine asiatische Hegemonie? Viele im Westen scheinen davon überzeugt. Doch der indischstämmige Historiker Pankaj Mishra hält das für Unsinn: Die westlichen Maßstäbe von Macht sind den asiatischen Kulturen fremd - und das westliche Wohlstandsversprechen hat sich überlebt.
Mir fehlt bei diesem äußerst indifferentem Bild der westlichen Hegemonie das viel wichtigere Element: die Aufklärung.

Schon Jared Diamond zeigt die Kernidee von Pankaj Mishra überdeutlich auf und begründet mit der geobiologischen Evolution der westlichen Kulturen deren besondere Aggressivität, die sich im heutigen Imperialismus wiederspiegelt. Aber während es Jared nur um die Klärung der Frage ging, warum wie (der Westen) reich sind und alle anderen arm, versucht Pankaj Mishra damit auch die Attraktivität der westlichen "Ideologie" zu erklären. Und damit muss er zwingend scheitern.

Dass die Aufklärung das Individuum aus den Zwängen der Gesellschaft befreit und damit eine neue Form von Gesellschaft und Staat begründet, ignoriert Mishra leider vollständig. Die individuelle Freiheit, die im Westen aber auch so weit übertrieben wird, dass auch die westlichen Gesellschaften daran zugrunde gehen, ist aber nun mal ein äußerst verführerisches Motiv auch in den unterdrückten armen Staaten.

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garfield 12.03.2014, 17:44
9.

Zitat von IntelliGenz
Sie kommen anhand Statistiken zwar immer wieder auf Wachstumsraten, aber die Inneffizienz asiatischen Arbeitens ist Ihnen nicht gelaueufig.
Das dürfte ein dummer und sehr ignoranter Satz sein. Ich werde nie vergessen, wie in China in der gleichen Stadt zwischen zwei Besuchen in Jahresabstand zwei Autobahnbrücken über einen Fluss, gegen den der Rhein ein Rinnsal ist, aus dem Boden gestampft wurden, während hierzulande an der Fahrbahnverbreiterung (die nicht mal eine effektive Brückenverbreiterung beinhaltete) einer Autobahnbrücke über den Rhein über 3 Jahre gepusselt wurde. Ehrlich: Ich habe uns in diesem Moment bemitleidet. Hatte ich eigentlich erwähnt, dass auch andere Ecken in dieser Stadt nach Jahresfrist kaum wieder zu erkennen waren?
Da freut man sich doch auf "good old Germany": egal wie lange man weg ist. Die vertrauten Schlaglöcher erwarten einen auch nach längerer Abwesenheit. Die einzige mögliche Veränderung: Sie haben sich vermehrt.

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