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Inzest-Roman von Anke Stelling: "Primaballerina vögelt mit Sohn? Nee!"
Nane Diehl

Wie kommt man von Prenzlbergmüttern zu einer Ödipus-Geschichte zweier Körperfixierter? "Fürsorge", der neue Roman der Berliner Schriftstellerin Anke Stelling, verstört - und betört.

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jan_froehlich 21.03.2017, 18:59
1. sexueller Mißbrauch durch Mütter - kein Thema ?

Ob eine Schriftstellerin ein solches Buch schreibt, ist ihre eigene Entscheidung. Es gibt "Lolita" von Nabokov und die Auseinandersetzung um dieses Buch muss man an dieser Stelle nicht wiederholen. Aber kann man ein solches Buch besprechen - an dieser prominenten Stelle - ohne dass das Thema sexueller Mißbrauch durch Frauen auch nur thematisiert wird ? Es handelt bei diesem Thema - sexueller Mißbrauch durch Frauen - um ein tatsächliches Tabu-Thema wie auch gewalttätige Frauen in Beziehungen - seien es homo- oder heterosexueller Beziehungen. An dieser Stelle kann man schlechterdings keinen Wertungsvorschlag machen oder eine Wertung vorwegnehmen - aber ich kritisiere eine offenkundig vollkommen unachtsame, kritiklose Besprechung, welche aus sich heraus so tut, als ob es das Thema sexueller Mißbrauch durch Frauen nicht gäbe. Der Film "Die Hände meiner Mutter" thematisiert das Thema aufmerksam, behutsam und sehr sorgfältig und interviewt Männer und Frauen dazu. Zumal eine Autorin - die ein Frauenbuch kritisch bespricht - kann an diesem Thema nicht vorübergehen. Diese Kritik hier hält jedoch nicht nur ein Tabu aufrecht, sondern stellt durch ihre Kritiklosigkeit auch eine Form von offenkundiger vollkommener Gleichgültigkeit und damit schon eine Ver- und Mißachtung von durch Frauen mißbehandelten Menschen dar. Da waren wir eigentlich doch schon weiter in den vergangenen Jahren !

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Criticz 21.03.2017, 19:59
2. In der Tat : Der Gedanek muss einem unwillkürlich durch den Kopf

Zitat von jan_froehlich
Ob eine Schriftstellerin ein solches Buch schreibt, ist ihre eigene Entscheidung. Es gibt "Lolita" von Nabokov und die Auseinandersetzung um dieses Buch muss man an dieser Stelle nicht wiederholen. Aber kann man ein solches Buch besprechen - an dieser prominenten Stelle - ohne dass das Thema sexueller Mißbrauch durch Frauen auch nur thematisiert wird ? Es handelt bei diesem Thema - sexueller Mißbrauch durch Frauen - um ein tatsächliches Tabu-Thema wie auch gewalttätige Frauen in Beziehungen - seien es homo- oder heterosexueller Beziehungen. An dieser Stelle kann man schlechterdings keinen Wertungsvorschlag machen oder eine Wertung vorwegnehmen - aber ich kritisiere eine offenkundig vollkommen unachtsame, kritiklose Besprechung, welche aus sich heraus so tut, als ob es das Thema sexueller Mißbrauch durch Frauen nicht gäbe. Der Film "Die Hände meiner Mutter" thematisiert das Thema aufmerksam, behutsam und sehr sorgfältig und interviewt Männer und Frauen dazu. Zumal eine Autorin - die ein Frauenbuch kritisch bespricht - kann an diesem Thema nicht vorübergehen. Diese Kritik hier hält jedoch nicht nur ein Tabu aufrecht, sondern stellt durch ihre Kritiklosigkeit auch eine Form von offenkundiger vollkommener Gleichgültigkeit und damit schon eine Ver- und Mißachtung von durch Frauen mißbehandelten Menschen dar. Da waren wir eigentlich doch schon weiter in den vergangenen Jahren !
gehen.

Stellen wir uns kurz vor die Geschlechterrollen wären genau andersrum verteilt - ein Skandal samt negativer Presse/Rezension wären vorprogrammiert.

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dackelger 22.03.2017, 08:23
3. die unerträgliche leichtigkeit des seins

je mehr tabubrüche in einem titel, desto mehr aufmerksamkeit des gelangweilten lesers

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roenga 22.03.2017, 08:44
4. Mutter 'vögelt'? mit Sohn

Sollte das nicht eigentlich lauten Mutter missbraucht minderjährigen Sohn? Stelle mir einfach nur mal so vor ein Mann schreibt einen Roman, in dem er den sexuellen Missbrauch des männlichen Protagonisten an seiner minderjährigen Tochter schildert und dabei "formuliert (er) luftiger und federt das Unbehagen durch lakonische Milieubilder ab, die auch mal zarten Humor zulassen". Wollen wir wetten, dass die Rezensorin in diesem Fall ganz andere Formulierungen finden würde, mehr so in der Richtung von 'Gewalt gegen Frauen', 'rape culture' oder so ähnlich? Ist schon doll, diese moralische Relativierung bei frauenbewegten Journalistinnen heutzutage.

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marty_gi 22.03.2017, 09:56
5. Erinnerungen

Irgendwie werden da auch Erinnerungen an Bertoluccis "La Luna" wach...... Wie aber alle Vorredner schon mitteilen, das dies faktisch unter "Missbrauch" laeuft, wird hier seitens der Rezensentin komplett ignoriert.

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dackelger 22.03.2017, 11:25
6. Kunst und Missbrauch

Das Thema Missbrauch schein doch einen Einfluss auf die Kunst zu haben. wenn es selbst Größen im Genre wie Brando & Bertolucci betrifft:
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/der-letzte-tango-in-paris-missbrauch-eines-machtgefaelles-a-1124341.html
Scheint eine Gesellschaft und deren Subkulturen sich nicht von lösen zu können, von diesen "dunklen Seiten" menschlicher Existenz, der Mensch nicht kopfgesteuert - wer hätte das gedacht!

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_stefan 22.03.2017, 11:34
7.

Das ist kein "starker Tobak" oder gar irgendwie sexy, das ist nur ekelhaft. Der eigene Sohn als minderjähriges Sexspielzeug. Man stelle sich einen Vater vor, der vergleichbar mit seiner 16-jährigen Tochter verkehrt.
Der Spiegel sah das übrigens mal ähnlich: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/sexueller-missbrauch-durch-frauen-verkehrte-lust-a-788332.html

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tomcek123 22.03.2017, 11:51
8. Ewige sexuelle Identitätssuche

Schon interessant, was einen Teil der Frauen in ihrem Unterbewusstsein so bewegt. Umgekehrt wäre dieser Roman nicht auszudenken. Ein vierzigjähriger Mann vergnügt sich mit seiner 16-jährigen Tochter. Und ein männlicher Rezensent würde das Buch mit einem Lächeln auf den Lippen besprechen bzw. loben. Obwohl die Frauen mit ihrer ewigen sexuellen Identitätssuche ganz schön nerven, vielmehr tun sie mir jedoch leid. Wie soll man denn als Frau jemals einen Mann lieben können, wenn man gar nicht weiß, was man von ihm will. Soll er das Püppchen sein oder der Cowboy? Süß-hübsch oder kernig-markant? Eher väterlich oder wie ein Sohn? Hilfsbedürftig oder souverän? Der Ernährer oder der gestylte Waschbrett-Teddybär? Der mit dem Portemonnaie, oder der, der die Einkaufstüten packt während sie bezahlt?

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dackelger 22.03.2017, 11:59
9. Ekel als Kunstprodukt

Kann ich nur zustimmen, wenn selbst "Josefine Mutzenbacher oder Die Geschichte einer Wienerischen Dirne" als "Weltliteratur" im Internet frei verfügabr ist, in diesem Buch wird u.a. (A...-)Sex mit Kindern aus Sicht des Kindes beschrieben.
Wer bei solchen Produktennoch noch von Erotik spricht, bedient meines Erachtens nur einen (halb-) illegalen Markt mit Mrd-€ Umsätzen.
Gier nur im Bereich Banken, Vericherungen, Finanzwesen & Automobil - wer hätte das gedacht!

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