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Kapital und Moral: Die Krise der Konservativen
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Konservatives Denken ist auf das Bewahren aus - glaubt man immer. Aber warum reden dann so viele Politiker Staat und Demokratie schlecht?

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eurobrasil 10.09.2018, 07:36
130. Links und Kapital

Im Moment sehe ich eher eine Allianz zwischen Links und Kapital.

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Leser161 10.09.2018, 07:49
131. Interessanter Gedanke

Der einführende Gedanke das es den Konservatismus geschädigt hat, als er angefangen hat neoliberales Gedankengut als konservativ zu verkaufen angefangen hat ist sehr interessant. Zu Mal dieses Problem auch am Anfang des Niedergangs der SPD stand (Schröder).

Die weiterführenden Gedanken mag ich nicht so recht zu teilen. Demokratie ist das man abstimmen kann nicht mehr und nicht weniger. In diesem Rahmen sind fast alle Meinungen erlaubt. Man muss sie nicht teilen und damit sie als antidemokratisch zu brandmarken tut man der Demokratie keinen Gefallen. Man kann doch z.B. einfach unmenschlich sagen wenn jemand eine unmenschliche Meinung äussert.

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dieter-ploetze 10.09.2018, 08:13
132. dann ist merkel also konservativ

die oft als links eingestufte merkel ist nach all diesen kriterien konservativ, denn sie zementiert oben und unten.
alles wird dem besitzenden recht gemacht. ich habe merkel daher immer als rechts gesehen, aber nicht als konservativ. konservativ ist doch das bewahren oder auch beharren auf dem jetzt und der vergangenheit. dagegen rechts das motto "der staerkere setzt sich durch". bei seinen einstufungen kann ich dem autor also nicht folgen. kretscher und seehofer wuerden fake news verbreiten wenn sie nicht hetzjagden anerkennen
wollen? woher dieses wissen? kann es nicht auch sein, dass merkel und seibert fake news verbreiten, indem sie von hetzjagden sprechen? bewiesen ist weder das eine noch das andere. beides sind behauptungen.
der autor macht sich die meinung der bundesregierung zu eigen, streng genommen ohne ueberpruefung.

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syracusa 10.09.2018, 10:03
133.

Zitat von derHamlet
Guten Abend syracusa, haben Sie die in einer Demokratie die Freiheit Steuern zu zahlen oder ein Kind nicht einschulen zu lassen? Können Sie mir ein Beispiel nennen, also in der Realität nachweisbar, wo ein Volk in einer Demokratie herrscht?
In einer Demokratie ist das Volk der Souverän, aber keineswegs der Herrscher. Ein Souverän herrscht nicht, sondern lässt regieren.

Demokratie ist kompliziert, weil sie die einzige Staatsform ist, die auch ihren Gegnern alle Rechte einräumt. Die Grundwerte der Demokratie heissen Freiheit, Gleichheit und Solidarität. Sie werden durch Grundrechte abgesichert, also durch Menschen- und Bürgerrechte. Diese zentralen Grundrechte dürfen in einer Demokratie niemals zur Disposition stehen, und können auch durch Wahlen nicht außer Kraft gesetzt werden.

Unter allen möglichen Regierungsformen einer Demokratie hat sich die parlamentarische Demokratie als die mit dem meisten Demokratiegehalt erwiesen. Eine präsidiale Demokratie, die letztlich eine Art befristete Monarchie darstellt, war das angemessene Modell im 18. und vielleicht noch 19. Jahrhundert. Das Volk liefert sich damit dann aber über die Regierungszeit des Präsidenten ja nach Art der Gewaltenteilung mehr oder weniger der Willkür eines einzelnen Herrschers aus. In einer parlamentarischen Demokratie stehen nicht Personen im Vordergrund, sondern politische Parteien, die die verschiedenen Meinungen des Souveräns kanalisieren. In einer parlamentarischen Demokratie muss demnach die Regierungslinie praktisch täglich neu ausgehandelt werden.

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syracusa 10.09.2018, 10:10
134.

Zitat von mother_sky
(Repräsentative) Demokratie ist mehr als nur ein Wort und steht in Gegensatz zu Herrschaftsformen wie Aristokratie, Monarchie, Autokratie, Despotismus, Diktatur, Oligarchie bzw. Plutokratie etc. In einer Demokratie mag einiges im Argen liegen bzw. verbesserungsbedürftig sein, und es wird eine Herrschaft des Volkes suggeriert, die es ja nur in Form von Parteien und in Gestalt von gewählten Volksvertretern - Politikern - gibt, von denen erwartet wird, ihr Ego zurückzustellen und ausschließlich dem Wohle des Volkes verpflichtet, also quasi Übermenschen zu sein. Dies zu glauben zeugt von Naivität und verkennt die Natur des Menschen.
Aus falschen Annahmen ziehen Sie grotesk falsche Schlüsse. Nein, von den Parlamentariern und Regierungsmitgliedern in einer parlamentarischen Demokratie wird ganz und gar kein Übermenschentum erwartet. Das sollen genau so dumme, verblendete, gierige, kriminelle Menschen sein wie wir anderen allesamt auch.

In einer parlamentarischen Demokratie steht nicht der einzelne Abgeordnete im Vordergrund, sondern die politische Partei, über die er erst sein Abgeordnetenmandat erringen konnte. Die politischen Parteien sind freie Bürgerorganisationen mit dem Verfassungsauftrag, die vielfältigen, oft krass entgegen gerichteten politischen Willen aller einzelnen Bürger zu kanalisieren. Das Volk ist der Souverän, und dieser Souverän regiert nicht selbst, sondern lässt in seinem durch Wahlen erklärten kumulierten politischen Willen regieren.

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qoderrat 10.09.2018, 10:33
135.

Zitat von
und der neoliberale Coup von Ronald Reagan und Margaret Thatcher in den Achtzigerjahren offenbarte diese gesellschaftszersetzende Kraft
Auf der einen Seite korrekt, das ist die Ursache, wie ja auch Hr. Fricke schon erheblich klarer ausgedrückt hat.

Und gleichzeit zerstört dieser eine Satz die komplette verschwurbelte Theorie - denn der neoliberale Coup ist ja mindestens vollendet worden von der linken Seite, wenn nicht sogar wie bei uns gestartet, die SPD leidet unter den Folgen heute noch, und zu Recht. Genau aus diesem Grund wendet sich der enttäusche, frustrierte und z.T. auch wütende Wähler den Rechten zu, um es denen da oben mal zu zeigen, gerade auch einem TTIP-Gabriel, der einfach mal allen Demonstranten pauschal Mangel an Verständnis vorwirft.

Als Folge feiern gerade die ganz Rechten einen Erfolg nach dem anderen, da der linke Seite aufgrund vielfacher Verfehlungen und Betrugshandlungen am Wähler das Vertrauen entzogen wurde. Um als Gegenpool zur neoliberalen Politik akzeptiert zu werden, darf man diese nicht selbst vertreten. Wer so kopflos in eine GroKo eintritt und sich dann wundert dass er für die Politik der Regierung mitverantwortlich gemacht wird, kann nicht ganz bei Sinnen sein. Wenn die Konservativen versagt haben, fehlt mir ein ausreichender Superlativ um die Grössenordnung des Versagens der linken Seite auszudrücken. Und das sage ich als einer der das letzte mal ganz links gewählt hat.

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Knossos 10.09.2018, 11:36
136.

Zitat Ruhrsteiner:
"Nina Grunenberg; Die Wundertäter (ISBN 978 388 607 659) …. hochinteressant zum Thema "Wirtschaftswunder" und vernetzte deutsche Industrien bis Mitte der 60´er Jahre"

Danke für den Tip! Habe ihn mir eingeprägt.
Dieses Netzwerk ließ die Verfassung schreiben, daher priorisierte sie Eigentum und enthält vor allem besagtes Menschenrecht nicht. Die Schreiberlinge verursachten (in 2 oder 3 Wochen, wenn ich mich recht entsinne) sagenhafte 30 000 DM Telephonrechnung, während sie mit ihren Auftraggebern Rücksprache hielten.


Zitat mother_sky
"... Volksvertretern - Politikern - ..., von denen erwartet wird, ihr Ego zurückzustellen und ausschließlich dem Wohle des Volkes verpflichtet, also quasi Übermenschen zu sein. Dies zu glauben zeugt von Naivität und verkennt die Natur des Menschen."

Es trüge essentiell zum allgemeinen Diskurs bei, wenn zur Kenntnis gelangte, daß gemeines Menschenbild aus klerikaler Feder stammt und vollends unwissenschaftlich ist, auch wenn nachhaltiger Einfluß von Klerus und Feudalen erst seit ~30 Jahren sukzessiv aus der Anthropologie zu schwinden begonnen hat.

Der Mensch unterscheidet sich vom Mitgeschöpf einzig grundlegend darin, daß er ein 100%iges Kulturwesen ist. Er wird nicht von genetischer Präferenz sondern von Umgebung geprägt.

Wie sich Abgesandte verhalten, ob sie Idealen oder ihrer Brieftasche verpflichtet sind, hängt von deren Kinderstube ab. Und aus welchem dieser Schläge sie in Gremien Eingang finden, das wird von etabliertem Apparat vorsortiert und gesichert.
Im außerordentlichen Fall des Ideals, siehe Beispiel parlamentarischen Einzugs der Grünen; welchen verfassungswidrig Zugang zu Ausschüssen und Zirkeln solange verweigert wurde, bis deren Opportunisten als "Fundis" diskriminierte Idealisten aus der Partei geschaßt hatten.

Recht haben Sie damit, daß von Volksvertretern grundsätzlich und kongruent Widmung des Übergeordneten erwartet wird. Schon von daher ist es paradox, daß statt Direktelektion, von Parteien vorselektierte Kandidaten zur Wahl gestellt werden.
Demokratie ad absurdum, die z.B. einem morgenländischen Despoten und Oberhaupt religiöser Diktatur, der sich hinsichtlich handverlesener Büttel als Kandidaten in ungefähr so zu rechtfertigen wußte: "Unsere Gegner monieren, daß wir unsere Präsidentschaftsanwärter vorbestimmen. Dabei ist das überall auf der Welt so üblich."

Volksvertreter sollten bei geringem prekuniärem Anreiz im Amt und strikter Aufsicht ihrer Amtsführung gegen Korruption Ideal unter Beweis stellen, und als solch gerüstete Bewerber direkt gewählt werden.

Authentischer Demokratie ist derweil, mehr noch als hehre Vertreter, vorausgehende Sicherstellung systemischen Bildungs- und Informationswesen unabdinglich. Denn die integerste Gesellschaftsform kann sich nicht verwirklichen, wo Mündigkeit nicht gegeben ist.

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Achmuth_I 10.09.2018, 14:33
137. Das wäre mehr als armseelig.

Zitat von Leser161
...Demokratie ist das man abstimmen kann nicht mehr und nicht weniger...
Unter der Voraussetzung wäre ja auch die DDR eine Musterdemokratie gewesen.

Die Stimmabgabe ist ein Werkzeug der Demokratie, aber nicht ihr Wesen.

Das Wesen der Demokratie ist die Anerkennung des Umstands, dass jeder der dazugehört den gleichen Wert hat. Daraus leitet sich ab, dass jeder das gleiche Mitspracherecht besitzt. Die Abstimmung ist letztlich nur die Art und Weise wie dieses Mitspracherecht ausgeübt wird.

In einer funktionierenden Demokratie geht es also weniger um Kreuzchen malen, sondern um Wertschätzung.

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derHamlet 11.09.2018, 17:06
138.

Zitat von syracusa
In einer Demokratie ist das Volk der Souverän, aber keineswegs der Herrscher. Ein Souverän herrscht nicht, sondern lässt regieren. Demokratie ist kompliziert, weil sie die einzige Staatsform ist, die auch ihren Gegnern alle Rechte einräumt. Die Grundwerte der Demokratie heissen Freiheit, Gleichheit und Solidarität. Sie werden durch Grundrechte abgesichert, also durch Menschen- und Bürgerrechte. Diese zentralen Grundrechte dürfen in einer Demokratie niemals zur Disposition stehen, und können auch durch Wahlen nicht außer Kraft gesetzt werden. Unter allen möglichen Regierungsformen einer Demokratie hat sich die parlamentarische Demokratie als die mit dem meisten Demokratiegehalt erwiesen. Eine präsidiale Demokratie, die letztlich eine Art befristete Monarchie darstellt, war das angemessene Modell im 18. und vielleicht noch 19. Jahrhundert. Das Volk liefert sich damit dann aber über die Regierungszeit des Präsidenten ja nach Art der Gewaltenteilung mehr oder weniger der Willkür eines einzelnen Herrschers aus. In einer parlamentarischen Demokratie stehen nicht Personen im Vordergrund, sondern politische Parteien, die die verschiedenen Meinungen des Souveräns kanalisieren. In einer parlamentarischen Demokratie muss demnach die Regierungslinie praktisch täglich neu ausgehandelt werden.
Guten Tag syracusa,

"Ein Souverän herrscht nicht, er lässt regieren"

Diese Behauptung ist eindeutig falsch, da unter dieser Begrifflichkeit der Inhaber der Staatsgewalt gemeint und in der Realität nachgewiesen ist, dass kein Bürger weder Staatsgewalt noch eine andere Form von Gewalt besitzt.

Außerdem ist unter der Souverän das Synonym der Herrscher zu finden, womit beide in der Lage sind zu herrschen und Gewalt auszuüben.
Da Sie bisher außer Floskeln, die jedem Schulkind gelehrt werden, nicht nachweisen können, dass Sie oder ein anderer einfacher Bürger der "Souverän" sind und herrschen und somit die Staatsgewalt haben, bleibt diese Behauptung ohne Beweis.

Die nächste Mär, die Sie hier auftischen ist die von politischen Parteien kanalisieren verschiedene Meinungen des "Souveräns" („kanalisieren“ - in eine bestimmte Richtung lenken und dadurch ein bestehendes Problem bewältigen), obwohl doch auch hier wieder in der Realität nachweisbar ist, dass diese mehr Probleme bereiten, als diese zu lösen, ein Blick in die Weltpresse reicht, um dies zu widerlegen.

Hinzu kommt, dass Ihr letzter Satz anschaulich verdeutlicht womit sich diese Parteien tagtäglich beschäftigen.

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