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Kapital und Moral: Die Krise der Konservativen
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Konservatives Denken ist auf das Bewahren aus - glaubt man immer. Aber warum reden dann so viele Politiker Staat und Demokratie schlecht?

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haresu 09.09.2018, 09:26
10. Ich hoffe noch auf die Konservativen

Es gibt reichlich Konservative, in allen Parteien. Nachdem Ihnen ihre Accessoires rund um die öffentliche Sexualmoral abhanden gekommen sind könnten sie sich eigentlich endlich mal einem menschenfreundlichen Konservatismus zuwenden. Zuallererst müssten die sich eher als rechts betrachtenden Bürger mal aus ihrer freiwilligen Gefangenschaft im Neokapitalismus befreien. Das Unbehagen ist längst da, nur der geistige Mut fehlt. In der Folge würde auch der Umweltschutz endlich zum konservativen Kernthema werden können. Die eher linken Konservativen stehen erstaunlicherweise vor ähnlichen Aufgaben. Die SPD muss sich aus der selbstgebauten neoliberalen Falle befreien, die Grünen haben weiterhin allzu viel Angst, als Bevormunder wahrgenommen zu werden. Letztere fangen immerhin an, den Staat und seine Schutzfunktionen für die Bürger auch für sich zu entdecken, eigentlich ohnehin ja ein linker Gedanke. Die Seehofers und Stamps hingegen haben sich ja längst darauf verlegt die Funktion der staatlichen Institutionen zu unterlaufen. Von wegen Recht und Ordnung und damit auch keine Spur konservativ. Aber es gibt noch echte vorbildliche Konservative, erst gestern hat der Katholiken- Präsident ganz hervorragend Stellung bezogen. Die Richtung ist richtig und dies ist auch die aktuelle Hauptaufgabe für die Konservativen, der Widerstand gegen den rechten Mob.

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dasfred 09.09.2018, 09:38
11. Herr Dietz hat hier schon Österreich beschrieben

Wie die dortigen Rechten und Konservativen dem Volk vorgegaukelt haben, sie wollen wieder ein heimeliges Ländchen gestalten, ohne Fremde Menschen und Kulturen. Jetzt, wo sie die Macht haben, werden zuerst die Arbeitnehmer Rechte beschnitten, die Steuern für Reiche gesenkt und die Sozialleistungen massiv zurückgefahren. Und das wird dem Volk noch als Wohltat verkauft. Sehen wir in den Hambacher Forst. Ein Wald mit wichtiger Funktion für das Ökosystem und Land, auf dem Familien Jahrhunderte lang siedelten, wird ohne Not, zum ausschließlichen Profit einer einzigen Firma geopfert. Konservativ ist das nicht. Hier wird nur bewahrt, bis man damit mehr Geld bekommen kann. Konservativ währe es, gewachsene Wohnstrukturen samt ihrer verbindenden Kultur zu erhalten und zu fördern. Statt dessen wird nur unterstützt, wer dort das meiste Geld Rauspressen kann. Überhaupt Geld. Die einen haben nichts oder weniger und wenige haben so viel, dass noch Generationen dran ersticken würden, aber konservative Kreise befördern diesen kranken Zustand, statt das Wohl aller im Blick zu haben.

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hdwinkel 09.09.2018, 09:42
12. Zu großes Rad

Hier dreht der Autor ein zu großes Rad und kommt dadurch mehrfach zu falschen Schlüssen.
Nehmen wir die Medien. Woher kommt eigentlich der Ausdruck 'Lügenpresse'? Ja ich weiß, die Nazis damals haben ihn benutzt, aber dieser Zusammenhang spielte, wenn man ehrlich ist, bei den Hutbürgern von Pegida und AfD doch überhaupt keine Rolle, ist für sich genommen also erst mal kein Beweis, selbst mit Nazis zu symphatisieren oder selbst welche zu sein. Damit machen es sich viele zu einfach.
Zu den Tatsachen zählt z.B., daß in vielen Blogs und Foren außerhalb der Ö/R und reichweitenstarken MSM, das bewusste Video tagelang diskutiert wurde. Sowohl auf Plausibilität (zu welchem Zeitpunkt, welche Tat stellt es dar), als auch die Schlussfolgerungen daraus. Es wurde diskutiert, wie verallgemeinerungsfähig es ist und inwieweit es mit Pegida und AfD überhaupt in Zusammenhang steht. Andere Belege für eine Hetzjagd wurden auch von SPON bis heute nicht präsentiert und das in einer Zeit, wo es normalerweise etliche Handy-Videos gibt. Seltsam.

Und hier schleicht sich der Verdacht ein, daß in der Berichterstattung nicht Authentizität, sondern vorgefertigte Meinungen die Veröffentlichung bestimmen, manche sagen auch Ideologie dazu. Aus vermeintlich guten Gründen wird das m.M. nach vollkommen Falsche getan.
Hier sind die älteren Menschen in Sachsen sehr sensibel. In der DDR gab es eben (auch) nur eine Einheitspresse, die nicht Ereignisse, sondern Interpretationen des Politbüros widergab.
Und Chemnitz ist nur ein Beispiel: Man vergleiche die Berichterstattung von SPON mit anderen MSM zu Themen wie Syrien, Russland. Alles derselbe Tenor. Gegenteilige Standpunkte gibt es kaum, es werden Narrative beschrieben, aber das hat mit gutem Journalismus halt weniger zu tun. Und schon gar nicht ist es eine Strategie, einen konservativen Rollback aufzuhalten.

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fritz51 09.09.2018, 09:52
13.

Wolfgang Neuss sagte sinngemäß: der Faschismus gehöre zum Kapitalismus wie das Bügeleisen zur knittrigen Wäsche. Die "Väter des Grundgesetzes" wussten noch diesem Zusammenhang. Spätestens seid dem Godesberger Programm der SPD ist das Bekenntnis zur Marktwirtschaft Staatsraison. Karl Schiller sagte, dass die Pferde saufen müssen und Helmut Schmidt, dass man die Kuh, die man melken möchte, nicht schlachten darf. Solange die Marktwirtschaft als die beste aller möglichen Formen der Organisation menschlicher Arbeit gilt und (Notstandsgesetze) für sakrosankt erklärt wird, ist die Erhaltung dieser Wirtschaftsforum höchstes Staatsinteresse. also im wahrsten Sinne konservativ. Demokratie, Menschenrechte und so weiter sind dann zweitrangig.

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klausnorbert 09.09.2018, 09:53
14. zu 1

Sie machen es sich meiner Meinung zu einfach, wenn Sie an fehlenden Volksabstimmungen festmachen, dass wir keine volksorientierte Demokratie hätten. Mitgestaltung kann vielfältig erfolgen, über die Arbeit in einer Partei, einem Interessenverband, einer Gewerkschaft, einer Gemeinde, Unterschriftensammlungen, Demonstrationen und vieles andere mehr. Ein einfache Volksabstimmung ist dagegen natürlich schneller und einfacher. Und hinterher können die anderen dann wieder die Arbeit erledigen. Was dabei herauskommt, wenn man nur über "die" meckert, sich selbst nicht beteiligt und dann "denen" einen Denkzettel verpasst, kann man momentan beim Brexit besichtigen. Nein danke. Dann lieber das langsame Bohren dicker Bretter in einer parlamentarischen Demokratie.

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Meier001 09.09.2018, 09:56
15. Erschreckend gut beschrieben,

nur: wie erklär ich es meinem Nachbarn, der kurz davor ist 'zu marschieren', wenn es 95% unserer Volksvertreter schon nicht verstehen und 5% ganz bewusst betreiben (was auch irgendwie für die Foristen hier zu gelten scheint). Übrigens ein klares Argument gegen Volksentscheide jetzt. Beim Coup von Thatcher und Reagan fehlt die Erwähnung Helmut Kohls, der - wahrscheinlich auch 'nur' als Nichtverstehender - die entscheidende Rolle bei der Schaffung Europas gespielt hat: Europa wurde leider nicht von Gutmenschen realisiert, sondern von Neoliberalisten auf der Suche nach neuen Märkten. Und jetzt kommt ihnen wiederum die Spaltung sehr gelegen ... (Was also bedeutet, daß wir zunächst einmal Europa mit allen Mitteln halten müssen!)

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jimbofeider 09.09.2018, 09:57
16. Bakunin

Werter Hr. Dietz, die Konservativen einst angetreten als die Hüter des Feuers. in der Realietät der Neuzeit mutiert als die Bewahrer der Asche. Rechts und Links ein Versagen, vielleicht hilft es ja bei Bakunin nachzuschauen,

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alleghieri 09.09.2018, 10:01
17. Und der Kommunismus und Sozialismus?

Sie vergessen das wichtigste Ereignis der letzten 50 Jahre, den Kollaps des real existierenden Sozialismus. Als der Kommunismus als System der Massenunterdrückung und des Massenmordes endgültig entlarvt wurde, gab es quasi keinen Gegenentwurf mehr zum Kapitalismus. Die Exzesse des Neoliberalismus lassen sich so erklären, aber entscheidend ist, dass es bis heute keinen glaubhaften Gegenentwurf gibt. Oder sehen Sie in Nordkorea oder Venezuela die große Verheißung am Horizont?

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tormos 09.09.2018, 10:07
18. Denkfehler!

Diese Parteien sind nicht unbedingt gegen die Demokratie (keine Ahnung wie das mit der NPD ist, ob sie den Führer wiederbeleben wollen), sonst wären Sachen wie Volksentscheide nicht auf dem Programm. Sie sind eher gegen die herrschenden Eliten. Die sich demokratisch nennen, aber deswegen nicht unbedingt demokratisch sind.

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margei 09.09.2018, 10:11
19. Gute Analyse des Authors

Zitat von Croco1
Der Autor dieses ziemlich "verschwurbelten" Artikels macht es sich, m.E., zu einfach, das sichtbare Zerbröseln der Demokratie auf die geschichtlich belegte "Allianz von Konservativen und Kapital" zu reduzieren. Wie wäre es mal mit etwas mehr Beobachtung und Analyse der Realität im Großen? Die angebliche Demokratie = ursprünglich Herrschaft des Volkes ist in der Nachkriegsgeschichte der BRD doch längst einer "Herrschaft der Eliten" gewichen. Im Kleinen: ein Alexander Gauland, der 40 Jahre Mitglied der CDU war, steht exemplarisch für den Linksruck der ehemals klassisch konservativen "christlichen" Partei. Will heißen: nicht die Menschen und deren Überzeugungen haben sich verändert, sondern die ehemals demokratischen Institutionen, die derzeit nicht mehr dem Volke dienen, sondern verzweifelt versuchen, ihre elitäre Stellung zu zementieren.
@Croco1, den "Linksruck" gibt es nicht, aber die Errungenschaften der nicht Rechten hat es rechts der Mitte erlaubt das sich führende oder kommende führende Personen nicht mehr verstecken müssen. D.h. exemplarisch nehmen wir Frau Weidel, die hätte in den 80ern nicht mal in der SPD eine Chance auf einen Sitz im Bundestag gehabt geschweige denn rechts von der SPD. Lesbisch, im Ausland wohnhaft, und das noch öffentlich da hätte die Union in den 80ern zur Hexenjagd aufgerufen.
Anders gesagt, die Schein und die Doppelmoral kann endlich fallen gelassen werden und man kann das wahre Gesicht zeigen. Oder im Duktus von Frau Bundeskanzlerin:"Wir leben in einer marktkonformen Demokratie." D.h. dem Markt und dem Kapital muss sich alles unter ordnen. Sieht man seit Jahren bei der Diesel-Affäre. Die bestimmenden Firmen in Deutschland haben die Politik "überzeugt" nichts zu machen, sehr schön zu sehen bei den letzten drei gestellten Verkehrsminister alles CSU. Siggi Pop kann man als Beispiel für die SPD nehmen, unter ihm gabs die meisten Exporte von Waffen in Krisenregionen, obwohl die SPD so oft auf Parteitagen beschlossen hat das es weniger werden sollen. Grüne sind für Militäreinsätze usw. Das Problem der Prinzipienlosigkeit betrifft nicht nur die Konservativen Kräfte.

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