Forum: Kultur
Kolumne: Fragt nicht, was Kunst soll oder darf
REUTERS

Aktivisten stellten AfD-Agitator Björn Höcke ein kleines Holocaust-Mahnmal vor die Tür, damit er etwas Demut lernen kann. Die Art und Weise, wie die Debatte darüber läuft, zeigt ein Defizit an Liberalität in unserer Gesellschaft.

Seite 1 von 2
frankasten 03.12.2017, 17:11
1. Kunst liegt im Auge/0hr/etc... des Betrachters

Dann sind die vielen kleinen Aufkleber mit der Aufschrift "Merkelmussweg" und der Zeichnung einer bösen alten Frau ganz große Kunst, meiner Meinung nach. Schon jemand herausgefunden, in welcher Stadt/Gemeinde der "Merkelmussweg" liegt? Die Betonklötze für Bernd oder Björn gehen schon in Ordnung, wenn sie denn aus Beton sind? Da kann man wundervolle Hochbeete draus machen. Oder einen kleinen Terrassenanbau. Oder einen Sprungturm für den Pool. Oder ein Labyrinth zum Versteckspielen???

Beitrag melden
produster 03.12.2017, 17:24
2. Kann man drauf verzichten.

Was für ein ziseliertes, verständnisvolles Geschwafel. Wer Kunst mit Agit-Prop verwechselt, tut der Kunst eben keinen Gefallen. Die Jungs vom "ZPS" sind aber keine Künstler, sondern, wie Herr Dietz richtig moderiert, "Aktivisten". Leider mit eingeschränkter Wahrnehmung, denn wenn man wie sie die Palette der aktuellen Empörungsschablonen abarbeitet und damit nur einseitige Erwartungen bedient, dann spiegeln sich darin wohl kaum die Widersprüche und die Freiheit, die die Kunst laut Diez ausmachen. Aber so muss das wohl sein, in Zeiten der AfD. Wenn alle Kunst so platt wäre wie die Aktion des ZPS, dann könnten wir getrost darauf verzichten.

Beitrag melden
klmo 03.12.2017, 17:26
3.

Bevor hier über Kunst diskutiert wird, gilt wohl erst mal grundsätzliches.
Da baut ein Mieter auf dem Grundstück wild drauf los, ohne Wissen des Hausbesitzers oder der Gemeinde! Als ich kürzlich auf meinem eigenen Grundstück Boden auffüllen wollte, um eine Senke zu nivellieren, kam die Bauaufsicht und stoppte mein Unterfangen. Wer mehr als 30 cm aufschüttet, muss eine Baugenehmigung in 3-facher Ausführung beim Bauamt einreichen. Die Kosten 400 Euro. So erlebt der Normalbürger den bürokratischen Vorschriftenalltag in Deutschland.
Wenn Künstler heimlich und ohne Wissen der Behörde und Eigentümer angebliche Kunst in Beton kreieren, so läuft das offensichtlich unter einer anderen Liga, da politisch motiviert.
Dabei ist zunächst nicht relevant, ob da ein Höcke wohnt oder nicht.

Beitrag melden
angst+money 03.12.2017, 17:41
4. leider wahr

Abgesehen davon, dass das Kunstverständnis der meisten nicht über den Seemann mit Pfeife oder einen Airbrush-Tiger auf der Motorhaube hinausgeht, wird oft vergessen, dass durch Kunst noch niemandem das Wohnheim angezündet wurde o.ä. Auch Höcke wurde nichts getan außer Sachen veröffentlicht, die er eh bei Facebook gepostet hatte und ein paar lächerliche Kamera-Attrappen montiert.

Trotzdem scheint radikale Kunst für die meisten eher ein Grundübel zu sein - weil sie den Finger auf die schmerzenden Stellen legt - als radikale Politik, die ja meistens nur die anderen betrifft.

Beitrag melden
Knossos 03.12.2017, 18:05
5. Käme Kunst von Wollen, hiesse sie Wunst

Man kann auch anders dafür argumentieren, daß die ZPS inkorrekter Weise geahndet worden ist, und daß die traditionelle Rechtsradikalität des Verfassungsschutzes (dessen Wirken hinter dem NSU der Spiegel unbeleuchtet ließ) der Erinnerungsrepublik entgegensteht.

Denn Kunst hat immer schon überliefernde und bildende Funktion gehabt, die sie erst seit dem Kalten Krieg aus dumpfen demagogischen Gründen verlor.

Die Documenta (auch wenn Sie dem von Ihnen benannten Beispiel nach, einmal konstruktiv Ambitioniertes aufweist) ist eben kein Vorzeigesymbol für Qualität und Sinnigkeit in der Kunst. Statt dessen hat sie sich bei dekadenter Verschwendungsssucht als Patronage von Dilettantismus, kreativer Pleite und Luftikussen hervorgetan. Darauf kann gerade in dieser brisanten, dringend auf Sinnhaftigkeit, Debatte und Fertigkeit angewiesenen Zeit verzichtet werden. Schon gar, wo jeder vom großen Einsacken übrige Staats-Euro für Relevantes gebraucht wird. ... Wie etwa für Kunst im Sinne des Begriffs; also etwas, das Idee und Können aufweist.

Ganz im Gegensatz zu der von Amerikanern aufgestellten Beliebig- und Ungelenkigkeit als Antagonismus zum Sowjetrealismus aus einer Zeit, die endlich einmal vorbei sein sollte, um wieder Grips und Befähigung zu würdigen.

Unrühmliche Vergangenheit, die Sie jedoch nicht davon abhalten sollte, sich dazu zu informieren, was vor allem dem Faschismus Einhalt bot, bevor sich die USA am Ende dazu überwanden, der Front beizutreten, um sie siegenden Russen nicht zu überlassen.

Beitrag melden
Poco Loco 03.12.2017, 18:12
6. Ich fands gut

Die Aktion hat mir von Anfang an gefallen, sie ist geistreich, erzielte höchste Aufmerksamkeit und hat ihren Zweck damit erfüllt. Ich verstehe die ganze Ablehnung nicht, wenn Bauern aus Protest Hängerweise den Mist auf die Strasse kippen, regt das auch Niemanden auf. Höcke sollte sich halt in Zukunft genauer überlegen was er über den Holocaust zum Besten gibt. Kunst oder politischer Protest muss sich diese Freiheiten nehmen können, das "Zentrum für politische Schönheit" hat Niemandem geschadet und kämpft aktiv gegen die zunehmende Rechtsradikalisierung dieser Republik, dafür sollten wir mehr Demokratieverständnis aufbringen, als uns darüber zu empören.

Beitrag melden
noalk 03.12.2017, 18:20
7. Kunst und Recht - oder vice versa

Die Frage ist doch, inwieweit sich Kunst an geltendes Recht halten muss. Muss sie nicht, muss in diesem Staate niemand. Die rechtlichen Folgen müssen allerdings dann von den Gegen-geltendes-Recht-Verstoßenden getragen werden, ob vom künstlerisch tätgigen Individuum oder Kunst vorgebenden Aktivisten. Auch Kunst darf im Rechtsstaat kein rechtsfreier Raum sein. Wenn zwei das Gleiche tun, muss es auch das Gleiche sein und gleich behandelt werden.

Beitrag melden
Susi64 03.12.2017, 18:59
8. Mahnmal!

Kunst oder nicht ist mir egal, ich habe aber etwas dagegen, wenn ein Mahnmal entehrt wird. Da interessiert mich nicht ob das nun Kunst ist oder nicht.

Beitrag melden
schoenwetterschreiberling 03.12.2017, 19:07
9. Abgekupfert

Das "Denkmal der Schande" ist ein 1998 in einem Kommentar erschienenes Zitat von Rudolf Augstein. Ganz gleich wie man zur politischen Gesinnung des Herrn Höcke steht, sollte diese Tatsache nicht geschichtsumschreibend vergessen werden.

Beitrag melden
Seite 1 von 2
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!