Forum: Kultur
Kunstkritik für Dummies: Tote Tiere müssen einwilligen!

Ist es okay, als Schriftsteller einen Roman über seine Ex-Freundin zu schreiben? Darf ein Künstler mit menschlichen Leichen herumhantieren? Oder mit toten Tieren? Wer entscheidet, was Kunst darf und was nicht? Ein kleiner Nachhilfekurs für Banausen.

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Spiegelkritikus 20.07.2013, 16:02
40. Lehrer und Schüler zur Kunst

Lehrer: Erklär mir mal, welche anderen Wörter in dem Begriff "Kunst" stecken.

Schüler: Naja, vielleicht "künstlich" und "Können".

Sehr gut kombiniert. Aus dir wird vielleicht doch noch mal was.
Warum gibt es überhaupt Künstler?

Hm, die wollen sich halt wichtig machen, oder?

Das mag vorkommen, aber ich denke an etwas anderes.

Vielleicht wollen sie was Eigenes schaffen und sich darin ausdrücken.

Jetzt kommen wir der Sache schon näher. Was noch?

Andere sollen das gut finden und möglichst viel kaufen.

Richtig, ein wichtiger Aspekt. Auch Künstler müssen irgendwie leben.
Aber was kann ein Künstler darüber hinaus bewirken wollen?

Ich glaub: nichts. Oder doch: Er will etwas verändern im Kopf der Menschen, die sich mit seinem Werk auseinandersetzen.

Ausgezeichnet! Und bewirkt er auch was?

Meistens wohl nicht, weil die Leute dumm sind, Laien halt.

Ganz richtig. Was kann man dagegen tun?

Nichts - oder Moment: man braucht Fachleute, die alles erklären.

Genau, ohne Experten gäbe es gar keine Kunst, weil kein Laie so was erkennen und beurteilen kann.
Setzen, ich geb dir ne 2, weil die Antworten noch schneller hätten kommen können.

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Neuer Benutzer 20.07.2013, 16:04
41.

Zitat von tre.2013
Es wird leider viel zu oft die Verleugnung von Kunst mit dem eigenen Geschmack verwechselt.
Man kann es nicht oft genug sagen; so ist es.

Allerdings wird überhaupt viel zu viel, und viel zu oft verwechselt.

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Neurovore 20.07.2013, 16:39
42.

Zitat von busy-punk
würde ohne langjährige Erfahrung, z.B. eine komplizierte Elektroanlage beurteilen wollen und können, aber Kunst ist kein Problem, man kann alles sehen und hören usw., Was bilden Laien sich ein? Einen Ingenieur würde niemand kommentieren der nicht vom Fach ist.
Ein technisches Produkt ist jederzeit nach nachvollziehbaren Kriterien beurteilbar, bei einem Kunstwerk müsste man erst einmal definieren, was dessen Zweck ist. Um diese Aufgabe hat sich aber auch Frau Berg gedrückt, sie wiederholt nur die selbstverständliche Grenze der Personenrechte.

Glücklicherweise kann man aber aus ihrem Artikel ableiten, worin sie den Inhalt der Kunst sieht. Nämlich darin, dass sich die kulturelle Crème de la Crème (das was oben schwimmt, quasi die gesellschaftliche Schlacke) vom tumben Pöbel abgrenzen kann. Dabei wird sich des äußerst perfiden Mittel bedient, den Unterschied zwischen Anspruch und Absahnen nicht nur zu verwischen, sondern komplett zu invertieren. Indem man etwas, das ganz offensichtlich Müll ist, einfach als "Kunst" definiert.

Der "einfache" Bürger, ob seiner Ehrlichkeit unfähig zum Selbstbetrug, wird natürlich eine gegenteilige Position beziehen, also das Artefakt/die Aufführung allein nach handwerklichen, ästhetischen oder subjektiven Kriterien bewerten und *BAMM* sofort kann man ihn nonchalant zum Kunstbanausen erklären und damit die eigene kulturelle Überlegenheit begründen.

Bizarr wird es allerdings, wenn man das ganze so wie Frau Berg als "profunde Anleitung zur Kunstkritik für Dummies" kennzeichnet. Ich lasse das aber mal als Beleidigungs-Performance durchgehen und zahle es mit gleicher Münze zurück. Solche Leute haben i.d.R. überhaupt keine Ahnung von physikalischen/technischen Prozessen und müssen daher nicht wirklich ernst genommen werden...

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habmeinemeinung 20.07.2013, 16:49
43. DAS IST Kunst

Zitat von berteb
Sein Beitrag zur Kunst: "Hurz". Nur mal so zur Erinnerung anschauen.
Mal ehrlich, "Hurz", DAS IST wirkliche Kunst.

Selten hat man es geschafft einen Haufen aufgeblasener elitärer Damofnudeln so genial vorzuführen wie bei HK's legendärer Aktion.

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UlrichLamprecht 20.07.2013, 17:00
44. kunst muss draufstehen

es ist dem betrachter oder hörer nicht zuzumuten, dass ein gebilde als kunst identifiziert werden muss. also: immer: das ist kunst. wem was nicht gefällt, muss es ja nicht kaufen, allerdings wird ein werk erst ein kunstwerk, wenn wenigstens eine million fliesst.

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habmeinemeinung 20.07.2013, 17:13
45. Ach, Frau Berg ...

Zitat von sysop
Ist es okay, als Schriftsteller einen Roman über seine Ex-Freundin zu schreiben? Darf ein Künstler mit menschlichen Leichen herumhantieren? Oder mit toten Tieren? Wer entscheidet, was Kunst darf und was nicht? Ein kleiner Nachhilfekurs für Banausen.
Die Fragen aus dem Teaser-Text sind leicht zu beantworten:

Ob Künstler oder nicht, natütlich "darf" jeder alles erschaffen, was im Rahmen unserer Gesetze erlaubt ist. Da hat doch kein ernsthafter "Banause" etwas dagegen.

Genauso darf aber auch jeder über die sg. künstlerichen Ergüsse denken was er will.

Was mich (und andere Banausen) allerdings irritiert ist, dass zTl. wirklich abwegigste Ergüsse von einer kleinen aber sehr einflussreichen Lobby elitärer "Kunstförderer und -kenner" gepushed werden und über Millionenstarke Kunstförderung eine völlig unangebrachte Bühne geschaffen bekommen.

Wenn man Kunst als Kristallisation gelebter, ebochaler Kulturen sieht, dann wäre doch nur richtig, dass anstatt o.g. "Aktionskünstler" die m.E. alleine von der Provokation leben, andere Kulturäußerungen viel intensiver in den Genuss kompfortabler öffentlicher Förderung gelangen.

Und ich meine nicht Kunst vom Schlage "röhrender Hirch im Wald", sondern eben die wirklichen Äußerungen unserer heutigen Kultur.

Street Art Kunst, moderne elektronische Musik, junge bildende Künstler, und ja, auch Mainstream ist Kunst. Wer sagt denn, dass Kunst nicht gefällig sein darf.


Was mich an Ihrem Text wirklich aufregt, ist dieser elitäre Ansatz, nur womit der Normalbürger so überhaupt nichts anfangen kann sei die "wahre" Kunst.

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peeka 20.07.2013, 18:33
46. Offensichtlich...

...ist es Kunst, die Ironie und die Satire, die in dieser Kolumne versteckt ist, herauszulesen.
Jedenfalls stellt es sich bei den entsprechenden Reaktionen hier so dar.
Ich darf als offiziell anerkannter Karnevalskünstler (immerhin mit einem Preisgeld von 750€ versehen und von vielleicht 750.000 Zuschauern gefeiert) ja zum Glück sagen, was Kunst ist, der Dorfdödel hält das Kriegerdenkmal für Kunst und darf es deshalb nicht. Und wer in diesem Satz den Sarkasmus nicht hört, sollte bitte nicht weiterlesen. Denn ich erinnere mich an die Plastik in West-Berlin von Wolf Vostell, als er zwei Cadillacs einbetonieren ließ und einige aufgebrachte Bürger einen Trabbi in einer Pyramide mit der Aufschrift "Einigkeit und Recht auf künstlerische Freiheit" daneben stellten.
Für die einen war Vostell kein Künstler, für die anderen waren die Kritiker alles Spießer, die nichts von Kunst verstünden. Der Diskurs hat es jedenfalls interessant gemacht.

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GGArtikel5 20.07.2013, 18:42
47.

"Zitat von sysop
Was eine künstlerische Bedeutung hat, entscheiden die Fachleute, Experten, Kuratoren, Sammler, Wissenschaftler und die Zeit"

Ham´se da nicht ne Kleinigkeit vergessen werte Fra Berg?
Den Künstler selbst, aber die haben sowieso keine Ahnung, wie ein gewisser Herr Immendorff, der in dem Film "Wer hat Angst vor rot, gelb, blau" zu einem Kollegen sagt: "red' nicht so geschwollen, wir sind unter uns"

In diesem Sinne Frau Berg.

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Neurovore 20.07.2013, 18:51
48.

Zitat von sysop
Ein anschauliches Beispiel dafür, was passiert, wenn sich Politiker als Kunstkenner betätigen.
Ein anschauliches Beispiel, was passiert, wenn sich Fachleute und berufliche Kritiker der Literatur annehmen, hat uns Helene Hegemanns Axolotl Roadkill geboten. Ginge es z.B. nach dem Feuilleton oder anderen aus- und eingewiesenen Experten, dann stände die Plagiatorin auf dem gleichen künstlerischen Niveau wie Frau Berg, wenn nicht sogar noch höher.

Geht man nach dem Geschmack der Masse, also z.B. den Bewertungen bei Amazon, dass scheint es doch eklatante Unterschiede zu geben. Aber das sind ja alles Laien, insofern sollte man deren subjektive Meinung lieber ignorieren...

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Ylex 20.07.2013, 19:00
49. Otto Mühl lässt aus seinem modrigen Grab grüßen

Zitat: "Oder lassen Sie es bleiben, und trinken Sie eine Tasse Tee und freuen sich über diese profunde Anleitung zur Kunstkritik für Dummies."

Eine Tasse Kaffe gern, Tee zu trinken hingegen, würde ich als tückischen Anschlag auf mein Wohlbefinden ablehnen - davon abgesehen war Hermann Nitsch ein Kunst-Kumpane von Otto Mühl, womit eigentlich das Thema erledigt wäre, bis vielleicht auf die Einsicht, dass sich Kunst, die nur aufs Provozieren setzt, zumeist keine Kunst ist und deshalb alle Dummies in der Regel mit ihrer Ablehnung liegen.

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