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Kurswechsel beim "Guardian": "Zeitung? Das ist doch 19. Jahrhundert"

Guter Ruf, schlechte Zahlen: Umsatz und Leserschaft des linksliberalen "Guardian" schrumpfen, der Jahresverlust ist konstant hoch. Jetzt soll sich das Londoner Blatt gesundschrumpfen, Investitionen sollen nur noch in die Online-Ausgabe fließen - die Redaktion ist skeptisch.

beverlyhills2010 28.06.2011, 12:03
1. das ist richtig

Das ist zweifellos richtig.
Ich sage immer "Zeitung von heute ist das Altpapier von morgen".

Das Internet ist auch nichts anderes als "die Zeitung - die ohne Druck auskommt".

Jede gedruckte Zeitung wird ja Voll digital erarbeitet - nur das halt der Druck wegfällt durch das Internet.
Das ist "Nachhaltigkeit".

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avollmer 28.06.2011, 12:25
2. Nachrichten-Dienstleistung

Zitat von sysop
Die Nachrichten hätten sie dann längst auf digitale Weise erfahren, gefragt sei Hintergründiges.
Stimmt, was ich mir dann wünsche ist die solide recherchierte Zusatzinformation. Aufbereitete und in Beziehungen gesetzte Fakten, nicht die lexikalische oder biografische Auflistung, sondern die Bedeutung von Machtgeflechten und Netzwerken die hinter Ereignissen stehen.

Nicht dass Gaddafi schießen lässt, sondern wie sich seine Unterstützer zusammensetzen, welche Kontakte sie nach Deutschland haben und welche Verflechtungen existieren.

Nicht dass es einen Haftbefehl gegen Gaddafi gibt, sondern die Möglichkeiten ihn umzusetzen, die Aussichten auf Erfolg und mögliche Strafen, wer der Staatsanwalt ist, der hier agiert und welche Interessenlagen bedient werden.

Nicht dass es eine neue Regierung im Osten Libyens gibt, sondern welche Rolle deren Mitglieder im alten Reich Gaddafis gespielt haben und mit welchen internationalen Unternehmen sie möglicherweise verbunden sind. Stimmt es beispielsweise, dass hier Männer agieren, die vorher für amerikanische Ölkonzerne tätig waren.

Das wäre, was Zeitungen zum Nachrichten-Dienst der Bevölkerung machen würde, zu einem Ansatz auf die Frage warum etwas passiert und nicht nur was passiert ist.

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Waffelbäcker 28.06.2011, 13:08
3. .

Quellen nennen, Hintergründe analysieren, die Fakten auf den Tisch legen, Daten aufbereiten und darstellen, bei all dem ist der Guardian deutlich besser als alles was ich im deutschsprachigen Raum gesehen habe. Habe eben bei meinem Werbeblocker eine Ausnahme für den Guardian erstellt.

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Wooster 28.06.2011, 17:19
4. ... 19.? nicht 20.?

Zitat von sysop
Der Vertrieb von Zeitungen, sagt ein Londoner Experte, sei doch eigentlich "eine Sache aus dem 19. Jahrhundert". Bäume abholzen, Papier bedrucken, mitten in der Nacht die Stapel mit der neuesten Ausgabe durchs Land karren...
Gemeint ist wahrscheinlich das letzte, also das 20. Jahrhundert?

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DorianH 29.06.2011, 01:15
5. ....

Zitat von Wooster
Gemeint ist wahrscheinlich das letzte, also das 20. Jahrhundert?
nicht unbedingt.
Das beschriebene Prinzip (Bäume abholzen....) wurde richtig flächendeckend wohl im 19. Jahrhundert erstmals angewandt, nehme ich an?

So gesehen wäre die Aussage stimmig.

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Das Grauen 29.06.2011, 06:43
6. "Leserschaft des linksliberalen "Guardian" schrumpf[t]"?

Wie der Artikel klarstellt, ist das Unsinn. Die Leserschaft hat erheblich zugenommen, allerdings liest sie den Guardian im Internet. Nur die Zahl derjenigen, die die Nachrichten in Papierform lesen, nimmt ab. Scheint so, daß auch der Autor dieses Artikels in der Denke des 19 Jahrhunderts verhaftet ist. Wer kein Papier hart in der Hand hat, liest wohl nicht, oder was? Haha.

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opag78 29.06.2011, 09:36
7. Im grossen Masstab

Zitat von DorianH
nicht unbedingt. Das beschriebene Prinzip (Bäume abholzen....) wurde richtig flächendeckend wohl im 19. Jahrhundert erstmals angewandt, nehme ich an? So gesehen wäre die Aussage stimmig.
Die Aussage ist sehr richtig und bezieht sich auch darauf, dass fast alle der heute noch wichtigen britischen, franzoesischen oder amerikanischen Blaetter im 19.Jh gegruendet wurden, als das Zeitungsgeschaeft einen jahrzehntelangen Boom erlebte.
Flaechendeckend angewandt wurde das neue Medium aber bereits im 18.Jh, insbesondere als mit Einfuehrung der (ersten Art von) Pressefreiheit im revolutionaeren Frankreich (und spaeter in den besetzten Gebieten) ueberall kleine Druckereien gegruendet wurden, welche dann die Grundlage fuer den Boom im 19.Jh. legten.

.. scheinbar denken viele Menschen wirklich, dass es die Welt erst seit dem 20.Jh. gibt.. und davor war alles ganz finsteres Mittelalter so mit Schwert und Scheiterhaufen usw. :)

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Kaiserbubu 29.06.2011, 10:04
8. Richtige Analyse des Guardian

Man darf nur hoffen das der Guardian nicht den selben Weg geht wie das einst links liberale Blatt "Der Spiegel". "SPON" ist leider ein beliebiges online Medium der sog. Mitte geworden. Das Konzept von SPON gleicht einer "BILD ZEITUNG für neoliberale Bildungsbürger" und hätte wenigstens in der Finanzkrise eines Kurswechsels bedarf. Aber die Chefredaktion ist zu hasenfüßig und buckelt vor der Macht der Wirtschaft und der Politik.

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