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Literaturnobelpreisträger Kazuo Ishiguro: Er lehrt uns, zu misstrauen
AFP

Auch wenn Kazuo Ishiguros Romane ohne großes Tamtam daherkommen: Die Wahl des Nobelpreis-Komitees ist durch und durch politisch. Denn der englische Autor zeigt, wie leicht uns mächtige Erzähler täuschen können.

ecki in mexico 05.10.2017, 20:25
1. Eine grandiose Wahl!

Kazuo Ishiguro schreibt ein einfangend schoenes und poetisches Englisch, das zudem auch fuer Nicht-Muttersprachler leicht zu verstehen ist. Seine aussergewoehnlichen Geschichten transportieren immer eine politische und humanistische Dimension. Seine Figuren sind so greifbar und nah, egal ob geschichtlichen Romanen wie "The Remains of the Day" und "An Artist of the Floating World", oder in fantastischen Geschichten wie "The Buried Giant" oder in geradezu musikalischen Geschichten wie in "Nocturnes".

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Newspeak 06.10.2017, 23:05
2. ...

Ich kannte den Autor bis heute nicht. Dann habe ich die Kurzgeschichte "A Village after Dark" gelesen. Ich stimme zu, die Sprache ist meisterhaft, die Erzaehlweise kunstvoll und Spannung erzeugend, aber moeglicherweise habe ich es nicht verstanden, das Ende ist nichtssagend, es gibt keine Aufloesung, es gibt keinen Sinn, es bleibt mysterioes und damit auch beliebig. David Lynch in Literatur. Das mag Kunst sein, aber es ist irgendwie auch erzaehlerisches Versagen. Ich raeume natuerlich ein, dass eine Kurzgeschichte nicht repraesentativ fuer sein Werk sein mag. Aber der Eindruck vergangener Jahre verfestigt sich, dass das Nobelkommitee nur Schriftsteller auszeichnet, die ein wenig der Welt entrueckt und abgehoben sind?

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humanismussardine 06.10.2017, 15:47
3. Zurecht!

Auch "alles was wir geben mussten" geht unglaublich unter die haut. Sehr talentierter Autor. Sehr guter Beitrag. Danke!

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