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Macht und Missbrauch an Filmsets: Wie wir neues Vertrauen schaffen können
Berlinale

An Filmsets regiert die Angst, vor und hinter der Kamera. Hier schreibt der Autor und Regisseur Jan Krüger von seinen ganz persönlichen Erfahrungen - und macht einen Vorschlag, wie sich Unsicherheiten abbauen lassen.

quark2@mailinator.com 01.08.2018, 14:08
1.

Meine Zusammenfassung: Geldmangel führt zu Zeitmangel, Zeitmangel zu mangelnder Vorbereitung und die Gesamtsumme ist menschlicher und zeitlicher Streß, der der Sache nicht hilfreich ist. Da die eigene Karriere an wenigen Filmen hängt, ist jeder Meter irre wichtig, aber man hängt von anderen Menschen ab, die man ggf. nicht kennt. Das Ganze macht irre Angst und ggf. abhängig. Also mal wieder eine Branche, die zu sehr unter ökonomischem Druck steht, so wie viele andere auch. Irgendjemand sollte mal offen sagen, daß die Leistungsgesellschaft nicht human ist und zu viele Leben zerstört. Leider kann man das nur global lösen ...

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Bürger Icks 01.08.2018, 14:22
2. Wenn das Filmbusiness wirklich eine solche Hölle ist

Und dort alle diskriminiert, unterdrückt, ausgenutzt und ausgebeutet werden, eine Ellbogenmentalität vorherrscht, schlimmer vielleicht noch als in jedem anderen Beruf auch, kein normales Arbeiten unter normalen Bedingungen möglich zu sein scheint, da fragt man sich doch wieso alle in diesem Business bleiben die schon drin sind. Und warum trotzdem noch so viele dorthin wollen...

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Newspeak 01.08.2018, 14:25
3. ...

Mir scheint, die Probleme entstehen, weil zuwenig Klarheit und Konsequenz herrscht. Und ja auch Mut zur Kollision. Was will man denn? Dass sich alle liebhaben? Dabei kommt nichts heraus. Entweder man schafft es, ein solches Projekt wirklich auf eine ganz andere Weise zu organisieren, kollektiv, dann braucht es aber keine Regisseure mehr. Oder man akzeptiert, dass in jedem Projekt, das eine gewisse Groesse uebersteigt, personell, finanziell, zeitlich, eine Hierarchie beinahe zwangslaeufig entstehen muss, damit die Organisation eine Richtung bekommt, damit Verantwortlichkeiten klar sind, damit jeder Teilnehmer sich auf die Struktur verlassen kann. Effiziente Arbeitsteilung mit klar umrissenen Aufgaben und Machtzuweisungen. Wenn man das akzeptiert, dann muss es einen Regisseur geben, und dann muss der auch sagen koennen, wie der Hase zu laufen hat. Und das ist dann, ja, zuweilen diktatorisch.

Die Gesellschaft heute erscheint mir gefangen in Traumgebilden. Man will das eine, und man will gleichzeitig das Gegenteil, und den inhaerenten Widerspruch ignoriert man, indem man alles moeglichst wortreich und politisch korrekt verschwurbelt. Hier will man Fuehrung, aber ohne all die negativen Seite, die Fuehrung mit sich bringt. Geht aber nicht. Und der Beitrag ist die wortreiche Beschreibung der fehlenden Einsicht in den unaufgeloesten Widerspruch.

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Olaf 01.08.2018, 14:41
4.

Eigentlich ist der Regisseur so etwas wie ein Projektleiter. Er hat von den Geldgebern ein gewisses Budget bekommen, um ein Projekt zu realisieren.

Das ist immer ein Eiertanz zwischen Anforderungen, Wünschen der Auftraggeber, Personalproblemen und der Realität. Insofern sehe ich da keinen Sonderfall beim Film.

Zumal das alles noch nichts mit Missbrauch zu tun hat. An diesem Thema wird eher elegant vorbei geschrieben, habe ich den Eindruck.

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philosophus 01.08.2018, 15:16
5. Beruf wechseln !...

SPON: "An Filmsets regiert die Angst, vor und hinter der Kamera.*" ===>> Wer dieses Gefühl hat, vor oder hinter der Kamera Angst zu verspühren, sollte seinen Beruf wechseln. Während meiner 32-jährigen Regiearbeit, habe ich oft Stress empfunden, ja, antreibenden Stress aber Angst... nein, nie. Filmemachen ist eine Schaffensprozedur bei welcher das Ich mit dem Du verschmelzt. Alle sind sobald sie das Filmset betreten, Diener. Das Drehbuch steht über alles... und da passiert das "Magische" ... ein unbeschreibliches Hochgefühl ist da: man erlebt sich nicht mehr als Individuum, man spürt nur noch dass alle eine wunderbare homogene Einheit darstellen, wo (mindestens hinter der Kamera), nur noch fast die Blicke dominieren. Dieses erhabene Gefühl herzustellen, ist Aufgabe des Regisseurs. Jede Angst, Unsicherheit, Unwohlgefühl, genauso wie die gelungene Mitarbeit der Regie mit allen mitschaffenden am Set, kann man später auf der Leinwand, klar erkennen... Was den öffentlich gemachten Sexismus am Filmset betrifft, ist nicht mehr aber auch nicht weniger, wie sonst im Leben auch ... aber ungleich interessanter es hochzuschrauben und darüber zu berichten !...

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Sleeper_in_Metropolis 01.08.2018, 16:01
6.

Zitat von Bürger Icks
Und dort alle diskriminiert, unterdrückt, ausgenutzt und ausgebeutet werden, eine Ellbogenmentalität vorherrscht, schlimmer vielleicht noch als in jedem anderen Beruf auch, kein normales Arbeiten unter normalen Bedingungen möglich zu sein scheint, da fragt man sich doch wieso alle in diesem Business bleiben die schon drin sind. Und warum trotzdem noch so viele dorthin wollen...
Naja, mal angenommen das wäre so wie Sie schreiben : Zum einen ist das ganze für Aussenstehende immer noch die Glamourwelt des Films, die nach wie vor nach Stars, großer Kinoleinwand und rotem Teppich klingt. Zum anderen sind ja alle Beteiligten dort (vermeintliche oder tatsächliche) Künstler, und solche Künstlertypen wechseln üblicher Weise nicht einfach in normale Broterwerbsberufe. Mal ganz davon abgesehen, das die allermeisten von denen auch nichts anders als Schauspiel&Co. gelernt haben. Das soll nicht abwertend klingen, aber als Ausgebildeter Schauspieler ist das Arbeitsangebot abseits des Schauspielerns eben denkbar knapp (ist es ja schon innerhalb der Branche).

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Actionscript 01.08.2018, 16:35
7. Teamarbeit

Bei Film und auch bei Theater muss jeder vorbereitet sein muss. Am Drehtag muss der Text gelernt sein und sitzen. Das Drehbuch ist das Essentiellste. Bei einem guten Drehbuch kommen die Schauspieler leicht in die Rolle rein und das bestimmt ihre Aktionen. Der Regisseur ist derjenige, auf den alle hören müssen. Meiner Meinung nach ist jedoch ein guter Regisseur, der die Schauspieler korrigiert aber ihnen nicht jede Bewegung und alles vorschreibt. Schauspieler sind keine Marionetten. Auf der anderen Seite muss man von Schauspielern eben auch Eigeninitiative erwarten. Stress gibt es natürlich am Set. Ein Stress können ewig lange Wartezeiten sein. Was ich sagen will, Film und Theater bedeutet viel Teamarbeit, und es kommt auf jeden Einzelnen an, ob die Rolle nun ganz klein ist oder die Hauptrolle ist. Der Regisseur ist der Teamleader.

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