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Martin Walser und seine Kritiker: Ein bisschen hinrichten
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Sein Zerwürfnis mit Marcel Reich-Ranicki ist legendär - aber Martin Walser hatte nie ein einfaches Verhältnis zur Literaturkritik. Erinnerungen von Volker Hage zum 90. Geburtstag des Schriftstellers.

sosume 24.03.2017, 17:50
1. Kein Wort über

das unsägliche, einen moralischen Selbstbankrott erklärende Werk "Tod eines Kritkers"? Ich musste den Roman beruflich analysieren und er hat mir das restliche Werk Walsers restlos diskreditiert. Wie da der tiefste antisemitische (und nein die Spiegelfechtereien der Erzählhaltungen und Rollenteden lasse ich nicht gelten) Urschrei ausgepackt wird, ist beschämend. Auch die Diskussion mit Ruth Klüger sollte dazu erwähnt werden. Walser hate schon immer einen Schuldkomplex den er abschieben wollte.

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shopper34 24.03.2017, 21:06
2. Ich bin auch

ein scharfer Kritiker von Herrn Walser .
Ich habe zwei seiner Romane gelesen . Das reicht für immer.
Ein aufgeblasener Provinz-Patriarch. Ein Schreiberling für die halbgebildete Biedermeier-Bourgeoisie .

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derweise 24.03.2017, 21:58
3. Kritikerkritik

übte selbst Jean Paul in seinem "Dr. Katzenbergers Badereise":

dort will dieser seinen Rezensenten verprügeln.

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marcus_tullius 24.03.2017, 22:16
4. Dem frühen und mittleren Walser

konnte ich so einiges abgewinnen. "Der Sturz" habe ich noch gerne gelesen, und die Novelle "Ein fliehendes Pferd" hat höchstes Niveau.
Aber das Alterswerk hinlässt bei mir - seit mindestens zwanzig Jahren - allergrößte Ratlosigkeit. Beinahe Jahr für Jahr Sachen, die ich für unlesbar halte. Mich wundert immer, wieso sich ein Schriftsteller dieses Formats so an seinen Kritikern reibt. Er wird ja offenbar recht viel gelesen oder zumindest gekauft, da sollten einem die Rezensenten sonstwo vorbeigehen.

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toskana2 25.03.2017, 02:19
5. umstritten aber mutig

Dass der Schriftsteller ein umstrittener ist, dass er aneckt,
spricht für seinen Charakter.

Für seinen Mut spricht allemal die Rede,
die er am am 11. November 1998 in der Frankfurter Paulskirche hielt, anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels.

Mutig war seine Rede nicht zuletzt,
weil er darin Gedanken äußerte, die viele dachten,
keiner aber öffentlich zu sagen wagte.
Seitdem ist das Wort "Moralkeule" ein Begriff in politischen Streitgesprächen.

In einem Punkt seiner Rede, so meine ich,
traf er den Nagel auf den Kopf.
Alles, was sich gebetsmühlenartig wiederhole,
verliere seine Substanz und verkomme zu leerer Hülse.

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GinaBe 25.03.2017, 07:37
6. Literarische Delikatessen?

Herzlichen Glückwunsch Martin Walser zum 90. Geburtstag!
Ihn auf seine immerwährenden Auseinandersetzungen mit Marcel- Reich Ranitzci zu reduzieren unterbelichtet sein literarisches Großwerk, was nicht allen gefallen muss. Auch ich war von seinem "Fliehenden Pferd" einst begeistert, wendete mich jedoch in der Folge ab. Martin Walser findet seine Leser und die Leser finden ihn, wenn sie sich mit seiner lebenslangen Unentschlossenheit und
nie endenden Pubertät identifizieren können, die sehr wohl beschriebene Verwandlungen und Entwicklungen aufzeigt.
Jeder Mensch hat ja wohl das Recht auf seine Lebensthemen!
Weiterhin Gesundheit und Schaffenskraft und ein noch langes Leben!

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780 26.03.2017, 18:16
7.

Ich hätte mir von Reich-Ranicki damals eine wirkliche substantielle Kritik gewünscht, weil vieles bei Walser kritikwürdig war.
Dass sich Walser hinwiederum ausklinkt und nicht mehr erreichbar ist, spricht nicht für ihn.

Nicht erst seit dem "Tod eines Kritikers" sondern schon vorher durch Walsers Äußerungen über die Nazizeit oder Aufarbeitung der Nazizeit: Einmal muss es ja mal gut sein, war er für mich erledigt.

Die katastrophale Rede in der Paulskirche gab einem dann den Rest.
Dass er damals dumm genug war, zum Beweis, dass es auch Pro-Stimmen für die Rede gab, rechtsradikale, antisemitische Leserbriefe zu zitieren, konnte man nur noch staundend zu Kenntnis nehmen.

Dabei war ich einmal hell begeistert von seinen Kurzgeschichten, aber dieser Umgang mit der Geschichte Deutschlands und mit Kritik ist unerträglich.
Da wundert es einen nicht, dass die Werke an Qualität erheblich nachgelassen haben.
Das ist eines Dichters unwürdig. Wenn man bedenkt, dass sogar Kafka seine Kritik las und sich nur darüber ärgerte, weil die Kritiker ihm zu wohlgesonnen waren ...

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