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"Maybrit Illner" zur Spaltung des Landes: Habeck, Spahn und ein Ausflug in die Welt d
Jule Roehr/ZDF

Maybrit Illners Gäste diskutierten über die Frage, ob soziale Unterschiede und Hartz IV die Spaltung des Landes befördern. Los ging's mit einer Fangfrage und einem Kloputz-Streit zwischen Robert Habeck und Jens Spahn.

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tajmahal1111 30.11.2018, 04:29
1. Ein überzeugender Habeck

Ein sehr überzeugender Robert Habeck war dem plump argumentierenden Jens Spahn immer einen Schritt voraus. Selbstverständlich ist das jetzige Hartz IV System ein demotivierendes Strafsystem mit einer Unzahl von Schickanen, die noch dazu viel Geld kosten, wie zwangsweise zigmal ein Bewerbungstraining abzuleisten. Habeck setzt auf Motivierung statt Strafen. Das wirkte sympathisch. Jens Spahn konnte mit Herrn Habeck intellektuell kaum mithalten, mit seinen Küchenweisheiten. Wichtig wäre es, dass der Hartz IV Empfänger von einem Zuverdienst mehr behalten sollte als nur 20%. Insgesamt eine spannende Sendung.

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mirage122 30.11.2018, 04:43
2. Stellen einfach nicht besetzen!

Das sind richtig tolle Perspektiven, die bei Maybritt Illner von Unternehmensseite vertreten wurden. Da hat uns Marie-Christine Ostermann einen tiefen Einblick in ihre Welt vermittelt. Mir kommen da richtig die Tränen, dass Unternehmer wegen Zahlung des Mindestlohnes regelrecht ruiniert werden. "Man muss die Kosten im Auge behalten!" Liebe Marie-Christine, schon mal daran gedacht, dass anständig bezahlte Mitarbeiter zufriedener zu Werke gehen und vielleicht effizienter arbeiten?" Nett die Vorstellung, dass Herr Spahn beim ZDF die Toiletten putzen könnte, sollten seine hoch gesteckten Ziele in Sachen Merkel-Nachfolge doch nicht in Erfüllung gehen ...

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dasfred 30.11.2018, 04:57
3. Huch! Die Situation hat sich verändert?

Wer hätte das gedacht. Es geht plötzlich nicht mehr nur darum, möglichst viele Leute aus der Statistik zu bekommen, plötzlich sucht der Markt ausgebildete Arbeitskräfte. Darauf sind die ARGEn gar nicht eingestellt. Statt passgenau zu vermitteln ist es doch ewig das Credo gewesen, dass der beste Job der ist, der gerade da ist, egal ob Mensch und Job passen. Was nicht passt, wird eben sanktioniert, nicht ausgebildet. Da kann der Robert Habeck natürlich besser punkten, als Politiker, die noch predigen, was sich schon längst als Staatsversagen herausgestellt hat. Die Frage nach der Zumutbarkeit mit der Frage nach dem Sinn zu beantworten, hätten alle schon zu Schröders Zeiten machen sollen. Heute ist es wichtiger als je, auch wenn man immer noch nicht zwischen Arbeitslosen und nicht Vermittelbaren differenziert.

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Freidenker10 30.11.2018, 05:11
4.

Ich werde das Gefühl nicht los dass die Grünen schon im Wahlkampf sind und das Harz4 Thema bei denen nur für einen gewissen sozialen Anstrich sorgen soll. Ihre Wähler plagen i.d.R. keine allzu großen finanziellen Sorgen, aber der Reichweite wegen wird das ökologische eben schnell noch durch das Soziale ergänzt. Blöd für die SPD, aber denen nimmt halt auch keiner mehr das Soziale ab. Bin mal gespannt wie schnell die Grünen dann bei Koalitionsverhandlungen mit der Union und FDP ihre sozialen Forderungen über Bord werfen so nach dem Motto "lieber den Kohleausstieg besiegeln als mit sozialen Wohltaten zu glänzen"! Das Thema Migration das alle gerade meiden wird aber noch spannender. Wie sollen Union, FDP und Grüne mit komplett unterschiedlichen Aufassungen da zusammen kommen? Dies würde eigentlich nur mit AKK funktionieren, die vermutlich wie auch Merkel alles an eigener Überzeugung über Bord werfen würde solange sie nur Kanzlerin werden würde...

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53er 30.11.2018, 06:14
5. Ja brauchen Fördern und Fordern,

aber das fordern darf nicht zur Lohndrückerei missbraucht werden. Das ist seit Hartz 4 aber der Fall. Warum muss heutzutage ein leitender Bauingenieur mit 10 Jahren Berufserfahrung und allein bei einer mittleren Miethöhe von ca. 700 Euro am Monatsende mit lächerlichen 2800 Euro BRUTTO nach Hause gehen? Findet das jemand normal? Wenn ein Arbeitssuchender im Prinzip jede Arbeit annehmen muss, dann braucht man sich über die, in Deutschland herrschende Lohnhöhe nicht wundern. Es werden händeringend Fachkräfte gesucht, deren Fachwissen hat man durch Fördern und vor allem Fordern in Leiharbeitsverhältnissen, die nicht ihrem Können entsprechen zunichte gemacht. Das frühere System von Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe war insofern wesentlich besser, dass hier kein unmittelbarer, finanzieller Zwang herrschte, jede gebotene Arbeit annehmen zu müssen, man hatte mehr Zeit für die Suche. Hartz 4 übt einen direkten Zwang aus, das mag für manche faulen Zeitgenossen richtig sein, schafft aber für die überwiegende Mehrheit nichts anderes als prekärste Verhältnisse und
für die Unternhemen erfreulicherweise sehr billige Arbeitskräfte, nicht nur unter Arbeitssuchenden. Auch dass ein langjähriger Beschäftigter im Fall des Falles sein Vermögen, das er für die Zukunft gespart hat, fast vollständig aufbráuchen muss, dient nichts anderem, als Lohndrückerei auf dem kompletten Arbeitsmarkt.

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fördeanwohner 30.11.2018, 06:23
6. -

Mir war gar nicht klar, dass man keine Weiterbildung bzw. Umschulung in Hartz-IV machen kann, sondern sofort jeden Job antreten muss, ohne dass überhaupt geschaut wird, ob man geeignet ist. Noch interessanter finde ich, dass man auch Jobs antreten soll, die nicht gebracuht werden, was bekanntlich ein Paradoxon ist. Wenn es den konkreten Job (nicht Maßnahme!) gibt, heißt das doch wohl, dass ...
Das ist schon alles ziemlich seltsam.
Im aktuellen Spiegel las ich, dass es gar nicht so viele Menschen sind, die unter Sanktionen zu leiden hätten, wie man das bei dem ganzen Bohei zur Zeit annehmen könnte.
Es gibt natürlich Fälle, die unfair sind, auch darüber kann man dort lesen, aber im Großen und Ganzen kann man das Problem relativ leicht beheben. ohne Hartz-IV gleich ganz abzuschaffen.
Weiterbildung/Umschulung funktioniert im Übrigen dann auch nur über Maßnahmen bei denjenigen, die keine Lust haben. Diejenigen, die Engagement zeigen, hätten eh nichts zu befürchten.
Sonst eher auf Grünen-Linie finde ich die Argumentation Hartz-IV betreffend an der Wirklichkeit vorbei. Hartz-IV muss nachgebessert werden, ja, aber die "Unmotivierten" muss man sehr wohl irgendwie sanktionieren können.

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marthaimschnee 30.11.2018, 06:44
7. Gegenfrage!

Wer will, daß ich jede zumutbare Arbeit annehme, der sollte sich fragen lassen, warum er dafür dann keinen existenzsichernden Lohn zahlt. Das Motto, eine bestellte Leistung angemessen zu bezahlen, scheint für alle zu gelten, außer für Arbeitgeber.

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kleinsteminderheit 30.11.2018, 07:37
8. Sanktionen und Weiterbildung

In ihrem Reformeifer schütten SPD und Grüne das Kind mit dem Bade aus. Die derzeitigen Sanktionen treffen ja in der Regel diejenigen, die ihre Berater bei Terminen versetzen, nicht zu Bildungsmaßnahmen erscheinen, sich realistischen Berufszielen verweigern oder sich überhaupt nicht um Arbeit oder Ausbildung bewerben.
Daran finde ich nichts auszusetzen, weil unsere Gesellschaft nur dann funktioniert, wenn jeder, gemäß seinen Möglichkeiten, mitarbeitet.
Ein Recht auf Fort- und Weiterbildung wäre sehr wünschenswert. Aber auch hier ist Augenmaß angesagt. Geht es um komplette Berufsausbildungen und hochwertige Qualifizierungen, so ist dies mit hohen Kosten verbunden. Die Gesellschaft sollte dies nur dann bezahlen, wenn Bedarf an entsprechenden Fachkräften besteht und wenn die Maßnahme Aussicht auf Erfolg hat. Leistungswille und Zuverlässigkeit des Teilnehmers sollten außer Frage stehen, bevor er z.B. eine Umschulung genehmigt bekommt.
Bildungsangebote sind keine Allheilmittel. Gerade Jugendliche und junge Erwachsene können schon heute eine Vielzahl von Bildungs- und Unterstützungsangeboten abrufen. Sprachkurse, Einstiegsqualifizierung, Assistierte Ausbildung, Ausbildungsbeihilfe, Ausbildungsbegleitende Hilfe, Teilzeitausbildung, verschulte Ausbildung, ausbildungsvorbereitende Maßnahmen, Berufseinstiegsbegleitung etc, etc. All das greift nur, wenn der Mensch bereit ist, Kompromisse zu machen, jeden Morgen aufzustehen, sich einzupassen und Leistung zu bringen.

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laurent1307 30.11.2018, 07:37
9. Rhetorische Falle

Hat Jehns Spahn diesen billigen Rethoriktrick noch schon bei Hart aber Fair gegenüber Sarah Wagenknecht angewandt?
Schon alleine die Frage finde ich peinlich. Da beweist Habeck auf alle Fälle mehr Seriosität und Differenzierungsfähigkeit!

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