Forum: Kultur
Menschenverwahrung: Anders wohnen
imago/ Westend61

Wie wirkt es sich auf die Laune der Menschen aus, wenn Wohnraum immer knapper, teurer - und hässlicher wird?

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wizzbyte 01.09.2018, 15:52
1. Erst kommt das Wohnen ...

dann die Wohnmoral, denn für drei Groschen gibt es nur 1/600hundertstel eines WG Zimmers

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spreepirat 01.09.2018, 17:01
2. Frau Berg, wo leben Sie denn? Gehen Sie doch einfach woanders hin..

Im Durchschnitt verfügt jeder Bewohner Deutschlands im Jahr 2016 nach dem Umweltbundesamt über fast 47qm Wohnfläche. Die durchschnittliche Wohnung in Deutschland ist gut 92 qm groß. In den Städten etwas weniger, auf dem Land mehr. In den Städten kostet das Wohnen trotzdem mehr, dafür ist mehr los und es gibt mehr attraktive und besser bezahlte Arbeitsplätze. Auf dem Land stehen dagegen massig Wohnungen leer, die Preise sind im Durchschnitt sehr niedrig. Aber es gibt weniger Arbeitsplätze.
Wenn es Sie aufregt, irgendwo zu leben, wo alle hinwollen und deshalb die Nachfrage dafür sorgt, dass auf wenig Raum viele kleine Wohnungen errichtet werden, gehen Sie doch einfach weg. Es gibt genug Plätze in Deutschland, wo Sie in grossen Wohnungen und Häusern spottbillig wohnen können. Das würde auch in den attraktiven Städten den Druck mildern, alles mit Schrott (da haben Sie recht) zubauen zu müssen.

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Lykanthrop_ 01.09.2018, 17:10
3.

Was heute entsteht sind Plattenbauten in der de Luxe Version.
Kantig-Klotzig-Gut.
Dabei hab ich nichts gegen Wohneffizienz, doch diese Wohneffizienz hilft nur die Rendite zu erhöhen und nicht den Wohnraumbedürftigen.
Besser Verwahrungs-Box, als Straße.

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MisterD 01.09.2018, 17:17
4. Mit Durchschnitten zu arbeiten ist unseriös...

wenn 9 Personen auf 50qm leben und 1 Personen auf 1.550qm, dann liegt der Durchschnitt bei 200qm. Problem erkannt?

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jula75 01.09.2018, 17:50
5. Genau!

Häuser aus Fertigbetonteilen mit Fenstern, die schmal und bis zum Boden reichend aussehen wie Schießscharte.
Eingeklemmt zwischen Bahntrasse und vierspurigem Autobahnzubringer für 1500 Euro kalt, wenn man 4 Zimmer braucht. Realsatire in meiner Heimatstadt.

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lathea 01.09.2018, 17:54
6. Es kommt auch etwas darauf an,....

....wieviel Raum ein Mensch wirklich braucht und nicht, wieviel er zu brauchen glaubt. Wir sind - ursprünglich nur vorübergehend - von 300qm auf 62 qm umgezogen und hatten danach keine Lust mehr auf neuen Umzug und mehr. Stattdessen haben wir ausgemistet und uns für Minimalismus erwärmt. Anschliessend haben wir uns ein Mini-Wohnmobil gekauft und gelernt, was Minimalismus wirklich bedeutet. Vor ein paar Tagen haben wir uns ein etwas größeres Wohnmobil zugelegt und wissen gar nicht, womit wir die Schränke füllen sollen. Der Mensch braucht nicht viel, um glücklich zu sein, aber er braucht viel Raum, um all die Dinge zu horten, die sein Unglücklichsein verdecken sollen, es aber letztendlich gar nicht vermögen. Vielleicht sollten wir einfach niemals vergessen, was und wieviel wir auf unserer letzten Reise im Sarg mitnehmen können und was das Wichtige ist, das von uns in den Herzen unserer Mitmenschen nach uns bleiben wird und bleiben soll.

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dasfred 01.09.2018, 18:07
7. Muss wohnen schön sein?

Nein, wohnen dient dem Schutz vor Witterung und dem Aufbewahren von Dingen, die man besitzt. Ob sich das Leben in der Wohnung abspielt oder ob man den Ort nur zum Schlafen nutzt, ist individuell unterschiedlich. Ich lebe selbst unterm Dach, umgeben mit zehntausend Dingen, die niemand wirklich braucht, aber manchmal das Leben schöner machen. Und ich hätte gerne einen Fahrstuhl, ohne mich über andere Menschen drin zu ärgern, weil sie ja nichts anderes tun, als für einen Moment meinen Weg zu teilen. Jede Wohnbox lässt sich an ihren Bewohner anpassen, so er denn will. Wohnen ist ein Grundbedürfnis wie Essen. Von Fastfood bis Sterneküche ist alles drin. Und wer auf sein Geld achten muss findet auch einen Weg. Das beim Bau auf Wertschöpfung geachtet wird, ist der natürliche Antrieb für Vermieter, überhaupt Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

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didi_van_frits 01.09.2018, 18:14
8. Perpetuum des Grauens

Sibylle Berg schreibt:
"Der Mensch formt seine Umgebung,
die Umgebung formt den Menschen.
Meist ein Perpetuum des Grauens."
Es war nie so, dass jeder eine Burg auf dem Berg, eine Wasserburg in der Ebene hatte. Auch die Alpen mit ihren wunderschönen Holzbauten, von Veranden umgürtet, böten nicht genügend Platz für die Massengesellschaft, genausowenig die von Deichen geschützten architektonischen Kleinodien auf den Halligen. Vielleicht zeigt sich bewundernswertes Menschsein erst im fröhlichen Überleben obwohl umzingelt vom Hässlichen. Diesen Menschentyp findet man manchmal in Berlin, nicht oft genug im Ruhrgebiet - und allzu wenig im (nicht nur) architektonisch verödeten Sachsen. In Sachsen helfen wohl auch nicht die aufs Allerschönste renovierten Gebäudeansammlungen aus dem Perpetuum des Grauens heraus.

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AUFMERKSAM DABEI 01.09.2018, 18:19
9.

Die Wohnungen Deutschlands. Sind diese Wohnungen tatsächlich alle hässlich und ungerecht? Sicherlich gibt es die ein oder andere "nicht gerechte" Wohnung, aber die Aussage, die Sie treffen ist einfach zu allgemein. Schauen Sie mal 1 km von diesen "hässlichen" Wohnungen entfernt weiter, dann stellen Sie schnell fest, dass Sie mehr sehen als Sie glauben, denn es gibt sehr viele schöne Wohnungen. Um genau zu sein sind die meisten Wohnungen dieses Landes gerecht. Ein Ort der Bequemlichkeit, des Wohlstandes und des Privaten.

Ich denke nicht, dass das Thema der Wohnungen sich in der Gesellschaft extrem in irgendeiner Form interpretieren. Es gibt ganz andere Bereiche in unserem Land über die man diskutieren kann.

Glauben Sie mir, es ist nicht immer so wie es scheint.
LG

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