Forum: Kultur
#MeToo-Debatte bei Anne Will: "Jede Institution hat einen Weinstein"
NDR/Wolfgang Borrs

Ändert sich jetzt was? Bei "Anne Will" diskutierten die Gäste über Sexismus als "strukturelles Problem" - und die Kamera zoomt auf die Beine von Verena Pooth. Da muss sich noch was ändern.

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funxxsta 13.11.2017, 07:14
1. Nicht die Kamera, sondern die Regie

...macht das Bild. Bzw entscheidet welche Einstellung nun gesendet wird. Soviel zur Technik. Nun, es kann keine zweite Meinung dazu geben, das die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema Sexismus gerechtfertigt und überfällig ist. Auch für Jahre später abgegebene Statements bzgl. solch widerwärtiger Erfahrungen durch die Betroffenen habe ich grosses Verständnis. Doch das diese Debatte unter dem Gesichtspunkt geführt werden soll, das Frau immer nur Opfer, nie als Täter oder durch eigenes Verhalten auch Risiko maximierend auftritt, erschliesst sich mir nicht. Ja, es gibt feste Machtstrukturen in allen gesellschaftlichen Bereichen, die Sexismus fördern und Sexisten schützen. Dies gilt es ebenso zu analysieren und zu ändern, wie den Umstand das es Frauen (und Männer) gibt, die sexuelle macht ausüben, gezielt einsetzen, um sich Vorteile zu verschaffen. Dies triggert den sexisten und gefährdet andere, nicht sexuelle Macht einsetzende Mitmenschen zusätzlich. D.h. das die Struktur, die es zu bekämpfen gilt, viel tiefer in dieser Gesellschaft verankert ist, als derzeit benannt. Und es heisst, das es viel mehr Facetten des Sexismus bzw der Art des Missbrauchs von Sexualität gibt, als die Diskutanten derzeit bereit sind zu benenne. Wollen wir Ungleichheiten beseitigen, Menschen mit kranken und/ oder sozial inkompetentem Verhalten sozialisieren...sollten wir die Gelegenheit nutzen und Sexualität in dem Gesamtkontext ihres gesellschaftlichen Einflusses diskutieren und in der Folge neue, zeitgemässe und vor allem ehrliche Rahmenbedingungen schaffen, die es dieser Gesellschaft erlauben erwachsen zu werden.

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anselmwuestegern 13.11.2017, 07:46
2. Sex sells

Die Kameraführung mag unpassend gewesen sein, aber das ist ein schwieriger Aufhänger. Frau Pooth zeigt ihre Beine sicher nicht, damit sich interessierte (Männer oder Frauen) abwenden. Wenn ich vergleichbar in der Öffentlichkeit auftrete (muscleshirt,..., ) schaut mich niemand bewundernd an, sondern wendet sich an oder blickt irritiert. Das liegt natürlich daran, dass ich körperlich nicht mehr dem gängigen Schönheitsideal entspreche. Auch das ist eine Form von Sexismus. Wer sich zeigt, will gesehen werden. Dafür bedeutet nicht dumm angemacht, begrabscht oder schlimmeres.
Das betrifft auch die Kamera-Frau und den -Mann.
Was als schön empfunden wird, zieht die Blicke auf sich. Wenn das schon verwerflich ist, dann sollten wir auf Sex zukünftig ganz verzichten.

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dicku 13.11.2017, 07:47
3. klamauk

vor wenigen tagen noch, hab ich anne will als einzige versucht hervorzuheben, die noch annaehernd serioesen journalismus bietet...
vergebens... im grunde war es eine muppet show veranstaltung...
der geselllschaft sei dringend geraten... sich ueber dieses thema, dass uns alle bewegen sollte, ueber gut gemachte zeitungen und, oder gute online arbeit zu informieren...
was bleibt haften an diesem abend...
die kunstfigur pooth

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odapiel 13.11.2017, 07:49
4. Schadet mehr als es nutzt und ist hirnrissiger Vigilantismus

Was derzeit vor allem in den anglosächsischen Social Media passiert, mit welcher Vehemenz Männer für geradezu lachhafte Formen von angeblicher "sexueller Gewalt", geschehen teils vor 20 oder gar 40 Jahren, vorverurteilt, an den öffentlichen Pranger gestellt, jeglicher Achtung und Berufsausübung beraubt werden, und das alles wohlgemerkt ohne eine einzige Anzeige bei der Polizei, ohne eine polizeiliche Untersuchung, ohne juristische Anklage, ohne Verfahren und ohne ein Richterurteil, das ist nur noch absolut und nachhaltig zum sich Erbrechen.

Jedem, absolut jedem solcherart Angeklagten steht ein fairer Prozess zu, sowie das Recht, solange als unschuldig zu gelten, bis die Schuld einwandfrei festgestellt ist und der Richter sein Urteil gefällt hat. Für Prominente wie Unbekannte muß dies in diesem Fall auch mittlerweile heißen, daß die Namen nicht publik gemacht werden, denn allein das bedeutet im momentanen, irrwitzigen Klima bereits das Ende der Karriere. Social Media und das Internet haben hier eine Instanz der Selbstjustiz - völlig unkontrollierter Natur - geschaffen, die agiert wie ehemals Vigilanten im Wilden Westen. Bisher scheint noch kein Politiker begriffen zu haben, daß dem Rechnung getragen werden muß.

Ich bin übrigens weiblich, keineswegs bereit Vergewaltigungen und echte sexuelle Nötigungen zu entschuldigen, aber was momentan läuft, hat rein garnichts mit Gerechtigkeit oder ordentlichem Verfahren zu tun. Ich habe vor Jahren jemanden vor den Kadi gebracht, der versuchte mich mit einer Waffe zum Geschlechtsverkehr zu zwingen. Der wurde auch verurteilt, und ich hatte meinen Abschluß. Angezeigt habe ich ihn eine halbe Stunde nachdem es passiert war, das Verfahren fand wenige Monate später statt. Ich käme jedoch nicht auf die Idee 40 Jahre später, jemanden wegen schlichten Grabschens oder einem Altherrenwitz fertigzumachen.

Jetzt bin ich gespannt, ob diese wohl eher unpopuläre Meinung es ins Forum schafft...

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muttis_liebling_13 13.11.2017, 07:57
5. Frage zum letzten Absatz

Wenn es sich um eine Kamerafrau gehandelt hätte, "... die sich sehr für Verona Pooth interessiert", wäre der erwähnte Kamerazoom dann weniger sexistisch? Warum dann also der "bagatellisierende" Zusatz: "... die sich sehr für Verona Pooth interessiert"? Wenn Männer in so einer Situation gaffen, dann ist es herabwürdigend (Zustimmung), wenn Frauen dasselbe tun ist es nur harmloses Interesse? Auch diese Haltung wäre eindeutig sexistisch.

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akerensky 13.11.2017, 08:04
6. Falschbeschuldigungen

Dem Problem der Falschbeschuldigung wurde genau 9 Sekunden der Sendezeit gewidmet. Und das auch nur deswegen damit die Moderatorin das Thema als "vernachlässigenswert" abtun und von der Diskussion ausschließen konnte...

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Phil2302 13.11.2017, 08:10
7. Das ist das Problem

Herr Frank! Jede Frau, so Schele, könne für sich entscheiden, was sie als sexistisch empfindet." Nein! Wenn eine Frau es als sexistisch empfindet, dass ihr die Tür aufgehalten wird, dann ist das ihr Problem. Insbesondere erweist sie anderen einen Bärendienst, schließlich wird durch solche extreme Meinungen das tatsächliche Problem ins Lächerliche gezogen. Übrigens geschieht das auch dann, wenn ein Journalist sich darüber aufregt, dass ein Kameramann die Beine eines Gastes zeigt. Das ist kein Sexismus.

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mike.bauer 13.11.2017, 08:12
8. Menschenwürde

Die Debatte war keine, es waren sich ja alle einig, es wurde sich lediglich selbst übertroffen. Die Menschenwürde wird im Zusammenhang mit Folter, Sklaverei und dem Abschuss von Flugzeugen mit Unbeteiligten diskutiert. Alltagssexismus unwidersprochen damit auf eine Stufe stellen ist sehr weit hergeholt.

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im_ernst_56 13.11.2017, 08:14
9. Es ist wieder einmal interessant

die Kritik der FAZ und von SPON zu derselben TV-Talkshow zu vergleichen. Die FAZ moniert, dass die Diskussion weitgehend auf den "Herrenwitz" von Brüderle reduziert worden sei und z.B. der eingewanderte Sexismus (Silvester 2015 usw.) ganz ausgeblendet wurde. SPON regt sich hauptsächlich über die Kameraführung auf. Könnte es sein, dass SPON-Redakteure sich leicht ablenken lassen und brauchen wir jetzt eine Art Dresscode für derartige Talkrunden?

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