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Nach den Stürmen: Wenn Gesellschaft nur noch eine Hackordnung ist
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Der Mensch ist stärker allein, die anderen stören: Das ist das Weltbild der Marktradikalen - aber nach der Katastrophe hilft natürlich wieder der Staat. Warum stellen wir ihm einen falschen Individualismus entgegen?

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Lykanthrop_ 17.09.2017, 13:57
1.

Danke Herr Diez, Sie sprechen mir aus dem Herzen !
Kapitalismus kennt keine Moral, deswegen fühlt er sich für die Folgen seines Wesens nicht verantwortlich.
Was kümmert mich der Crash, wenn ich auf fallende Kurse Wette ? Was ein Wirbelsturm, wenn ich Aktionär einer Baufirma bin ? Was das Überleben von Menschen, wenn diese mein Medikament nicht bezahlen können ?
Konkurrenz ist kurzfristig vielleicht effektiver als Kooperation, aber für die Menschen und die Umwelt sehr zerstörerisch und dem Humanismus fremd. Leider glauben viele Menschen nicht mehr an die Möglichkeit einer besseren Welt, auch weil Ihnen Alternativlosigkeiten gepredigt werden.

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riedlinger 17.09.2017, 14:00
2. Das ist alter Wein in neuen Schläuchen

Hier wollen uns einige Leute uralte Hüte als neue Mode verkaufen. Was hier als toll und sozial verkauft wird, lag in den Siebzigerjahren in jeder Uni-Mensa in Form von Hunderten Flugblättern herum, verbreitet von unzähligen kommunistischen Gruppierungen, die alle das Paradies ohne Kapitalismus verkündeten, das man damals schon mit einer kurzen Fahrt nach Ost-Berlin oder mit einem Flug nach Moskau live erleben konnte. All diese Träume enden in der Staatsverwaltungswirtschaft. Die Solidarität ist doch längst da! Tausende halfen engagiert, als Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Dass sie das Geld dazu in den Taschen hatten, verdankten sie dem Kapitalismus...

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Alias_aka_InCognito 17.09.2017, 14:01
3. Schön und gut!

Nur wird immer wieder "der kleine Mann" vergessen, der der Hauptakteur dieser Veranstaltung "Wirtschat und Kapitalismus" ist und für den die ganze Aufführung von statte geht.
Dieser kleine Mann ist selbst ökonomisch rational und verkörpert das Wesen des Kapitalismus, nämlich die kurzzeitige Impulsbefriedigung ohne das Abschätzen der langfristigen Folgen.

Also genauso wie der Staat sich nicht von der Gesellschaft absolut abstrahieren lässt als eine singuläre Entität, so lässt sich auch die Bevölkerung nicht vom Kapitalismus abstrahieren.
Wenn man schon die korpulente Dame auf dem Bild betrachtet, dann kann man schon bei ihr eine zum Kapitalismus neigende, geistige Grundkonstitution feststellen. Sie nimmt mehr zu sich, als sie braucht und hat damit keine Kontrolle über die Befriedigung ihrer kurzzeitigen Impulse.
Und so handeln 95% der Bevölkerung.

Auch in den sozialistischen Ländern wurde der neue Mensch, der gut und solidarisch ist, auch in 70 Jahren, also über mehrere Generationen nicht erschaffen.
Stattdessen kam der "Homo Sovieticus" dabei raus, der vom Dissidenten Alexander Sinowjew kreiert wurde und meines Erachtens sehr gut den Menschen beschreibt, dem mit Gewalt von oben herab Solidarität und Volksgemeinschaft verordnet wurde.

Es gibt eben keine Patentrezepte für eine bessere Menschheit, da können die Philanthropen noch und nöcher Bücher und schwülstige Essays schreiben.

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macinfo 17.09.2017, 14:06
4. Danke!

Sehr guter Artikel. Er zeigt, dass die reine Lehre des Kapitalismus in Krisensituationen einfach nicht aufgeht – und auch nicht nur dann nicht, sondern auch immer wenn sich Macht zu sehr konzentriert. Nur ein Beispiel sind Lebensmittel die als Spekulationsobjekt dienen, immer Getreu dem Motto Gewinne privatisieren, Risiken und Verluste sozialisieren.

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nasfels 17.09.2017, 14:18
5. Wettbewerb schlecht? Mal an Demokratie denken...

Wieder einer der typischen utopistischen Artikel mit dem Tenor: "Wettbewerb ist schlecht, Kooperation ist gut". Einfach mal nur einen ganz kleinen Schritt weiterdenken: Demokratie ist Wettbewerb pur (um Ideen, Politikkonzepte, auch um Macht). Nehmen wir also den Wettbewerb da mal raus. Was haben wir dann? Genau. Totalitarismus. Einige der politischen Systeme, die bislang versucht haben, Demorkatie ohne Wettbewerb zu praktizieren, haben das gleiche auch mit ihrer Wirtschaft versucht...und sind jämmerlich daran gescheitert. Warum diesen Ideen heute noch Leute anhängen, ist mir vollkommen unverständlich.

Also: Auch in 100 Jahren wird Wettbewerb noch die bestimmende Kraft auf unseren Märkten sein, auch in 100 Jahren werden Leute noch Güter und Ideen im Wettbewerb austauschen (ganz nebenbei: Handel ist eine hochentwickelte Form der Kooperation). Nur an Herrn Diez und seine pseudo-intellektuellen Utopien einer Wir-haben-uns-alle-lieb-Gesellschaft, in der allen alles gehört, wird man sich dann nicht mehr erinnern.

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Janosch2001 17.09.2017, 14:40
6. Nicht ganz.

Zitat von riedlinger
Hier wollen uns einige Leute uralte Hüte als neue Mode verkaufen. Was hier als toll und sozial verkauft wird, lag in den Siebzigerjahren in jeder Uni-Mensa in Form von Hunderten Flugblättern herum, verbreitet von unzähligen kommunistischen Gruppierungen, die alle das Paradies ohne Kapitalismus verkündeten, das man damals schon mit einer kurzen Fahrt nach Ost-Berlin oder mit einem Flug nach Moskau live erleben konnte. All diese Träume enden in der Staatsverwaltungswirtschaft. Die Solidarität ist doch längst da! Tausende halfen engagiert, als Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Dass sie das Geld dazu in den Taschen hatten, verdankten sie dem Kapitalismus...
Sie sollten berücksichtigen, dass die Bürger der DDR nicht so konnten wies sie wollten und das lag nicht unbedingt an der SED, sondern eher an den Sanktionen des Westens. Dies wird deutlich, wenn man sich die Entstehungsjahre beider Staaten und deren damaligen Möglichkeiten betrachtet. Später war die DDR die Werkbank der BRD. Themenbereich VW, BMW, Miele, AEG, Ikea usw.
Dass selbstverständlich Fehler gemacht und ein System etabliert wurde, welches in keiner Weise zu tolerieren ist, dürfte klar sein. Nur was wäre wohl passiert, wenn beide Staaten die gleichen Voraussetzungen gehabt hätten? Auch bei uns wurden die Flüchtlinge unterstützt, allerdings nicht von den „reichen Kapitalisten“ sondern von den Bürgern, die wenig bist nichts hatten. Von Menschen die wussten, was es heisst „arm“ zu sein. Die Herren und Damen im Villenviertel unserer Stadt, sorgten sich nur um Ihren Besitz und dessen Werteverfall. Von daher muss man genau betrachten wer hilft. In der Regel gleich „sozial Schwache“, was auch der eigentliche Sinn eines Staates ist. Leider vergessen dies viele.

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Janosch2001 17.09.2017, 14:40
7. Nicht ganz.

Sie sollten berücksichtigen, dass die Bürger der DDR nicht so konnten wies sie wollten und das lag nicht unbedingt an der SED, sondern eher an den Sanktionen des Westens. Dies wird deutlich, wenn man sich die Entstehungsjahre beider Staaten und deren damaligen Möglichkeiten betrachtet. Später war die DDR die Werkbank der BRD. Themenbereich VW, BMW, Miele, AEG, Ikea usw.
Dass selbstverständlich Fehler gemacht und ein System etabliert wurde, welches in keiner Weise zu tolerieren ist, dürfte klar sein. Nur was wäre wohl passiert, wenn beide Staaten die gleichen Voraussetzungen gehabt hätten? Auch bei uns wurden die Flüchtlinge unterstützt, allerdings nicht von den „reichen Kapitalisten“ sondern von den Bürgern, die wenig bist nichts hatten. Von Menschen die wussten, was es heisst „arm“ zu sein. Die Herren und Damen im Villenviertel unserer Stadt, sorgten sich nur um Ihren Besitz und dessen Werteverfall. Von daher muss man genau betrachten wer hilft. In der Regel gleich „sozial Schwache“, was auch der eigentliche Sinn eines Staates ist. Leider vergessen dies viele.

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Newspeak 17.09.2017, 14:42
8. ...

Es ist schon lustig, welche gedanklichen Klimmzuege Geisteswissenschaftler so machen. Da wird einerseits Darwins "survival of the fittest" abgelehnt, aber gleichzeitig werden andere wissenschaftliche Erkenntnisse dazu benutzt, eine neue Gesellschafstheorie zu begruenden. Die wird dann geglaubt, weil Naturwissenschaft liefert ja gottgleiche Aussagen zur Wahrheit der Realitaet. Bloss, warum dann Darwin falsch sein soll, das verschweigt man.

Vielleicht sollte man mal realisieren, dass jedes Inanspruchnehmen naturwissenschaftlicher Resultate fuer eine ideologisch motivierte Sicht auf Gesellschaft IMMER Missbrauch ist, IMMER falsch, IMMER Propaganda. Weil der normale Geisteswissenschaftler ausserdem viel zu wenig von Naturwissenschaften versteht, um wirklich mitreden zu koennen. Man versteht ja schon gar nicht die wissenschaftliche Methode, also dass man etwas objektiv ablehnen kann, weil die Fakten dagegen sprechen, und nicht alles subjektiv und beliebig ist, und nur der Qualitaet eines Arguments unterworfen. In den Naturwissenschaften gibt es Schulen im Sinne eines Meister-Gesellen Verhaeltnisses der Ausbildung. In den Geisteswissenschaften gibt es Denkschulen, die sich immer nur selbst reproduzieren.

Dazu kommt, dass ein Algorithmus wie der, der hinter Google steht, die Welt massiv veraendert. Geisteswissenschaft aber produziert nur heisse Luft, wichtig ist die nur fuer ihre Anhaenger, die sonnen sich in all den elaborierten Reden. Wann haette Geisteswissenschaft das letzte Mal die Gesellschaft veraendert? Ich denke, da muss man bis zur Aufklaerung zurueckgehen. Und weil man das insgeheim weiss, produziert man nur intellektuelle Schaumschlaegereien, die absolut keinen Widerhall in der Realitaet finden, die nichts veraendern, all die tausend Buecher, Essays und Kommentare nicht. Im Gegenteil, man zementiert den herrschenden Kapitalismus, weil Leute glauben, es gaebe so was wie eine Alternative, die gerade von den Geisteswissenschaftlern erarbeitet wuerde, man muesse nur noch ein wenig warten, dabei liefern die nie.

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Dieter62 17.09.2017, 14:48
9. Nichts gegen Solidarität und Zusammenstehen in Notfällen

aber Hurrikane hat es schon immer gegeben. Dass die letzten 2 vom Klimawandel verursacht oder verstärkt worden sind ist bei Weitem noch nicht wissenschaftlich erwiesen.
Harvey war weder besonders stark noch besonders gross. Der Gold von Mexiko is vielleicht 1 Grad wärmer als normal. Davon wird nicht gleich eine zigfache Wassermenge verfügbar. Was den Sturm so gefährlich machte war sein Verharren am selben Ort für so lange Zeit. Wie ein normales Tief brachte er ununterbrochen feuchte Luft über Houston.
Um Harvey also dem Klimawandel "anzuhängen" müsste man feststellen, dass das lange Verweilen des Sturmes am selben Ort etwa mit der Erderwärmung zu tun hat. Sowas braucht mehr Zeit als ein paar Wochen.
Irma auf der anderen Seite war ein ganz normaler Cap Verde Hurrikan, von welchen es schon schlimmere gegeben hat. Die Zugbahn ist weder aussergewöhnlich, noch war Irma der stärkste oder grösste Sturm im gesamten Atlantik. Lediglich für Areale ausserhalb des Golfes oder der Karibik trifft dies zu.
Hurrikan Allen etwa war stärker, ebenso Gilbert und Wilma.
Heuer stimmt alles für die Stürme. Warmes Wasser (1-2 Grad mehr als üblich) keine trockene Saharaluft, keine Scherwinde. Warmes Wasser gab es auch schon in den 10 Jahren zuvor!
Jose schliesslich ist ein Fisch-Sturm, der kaum Gefahren für Land bedeutet. Seine Frau Maria, die ist allerdings was anderes (Jose bedeuted Josef!). Dieser Sturm nimmt dieselbe Zugbahn wie Irma - und soll Kategorie 3 erreichen!

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