Forum: Kultur
Neuer "Captain America"-Comic: Superheld im kulturellen Grabenkampf
Alex Ross/ Marvel Comics

Von "Black Panther" zum Super-Patrioten: Der afroamerikanische Intellektuelle Ta-Nehisi Coates schreibt die neue "Captain America"-Serie - und lässt den konservativen Marvel-Helden mit seiner Nation hadern.

till-ulrich_hepp 06.07.2018, 22:15
1. Das könnte langfristig gut für Captain America sein

Wenn sich nun Ta-Nehisi Coates der Comic Reihe annimmt, so denke Ich kann dies durchaus gut werden. Er könnte Cap durch eine Reflektionsphase entwickeln an deren Ende ein mindestens genauso pro-American Protagonist stehen würde, dann aber einer, der das neue, buntere Amerika verkörpert und den Vorstoß von Moderne und liberaler Demokratie nach US-Modell ins 21. Jh. verkörpert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Tabman 07.07.2018, 00:04
2. "Konservativ"?

Wer Steve Rogers als "konservativ" bezeichnet, kennt von der Figur des Captain America wenig mehr als die Uridee aus den 40ern...

Spätestens seit den Zeiten der Protestkultur der späten 60er wurde Steve von vielen Autoren als progressiver Denker dargestellt, der nicht nur bereit ist, sich gegen die eigene Regierung zu stellen, wenn diese Bürgerrechte verletzt, sondern auch dem jeweiligen Zeitgeist gegenüber sehr aufgeschlossen ist und stets die Freiheit des Einzelnen als schützenswertes Gut verteidigt - was auch die Freiheit von Andersdenkenden einschließt.

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Storyline, die nach dem 11. September 2001 erschien: Darin rettete Steve zunächst einen arabischstämmigen Ladenbesitzer vor einem wütenden Mob und machte deutlich, dass dieser in seinen Augen ein vollwertiger Amerikaner sei. Anschließend bekam er zwar es mit islamistischen Terroristen zu tun, deren Motivation jedoch plausibel dargestellt wurde (die Handlung scheute sich nicht, die Verbrechen des amerikanischen Militärs beim Namen zu nennen), zudem fand Steve heraus, dass die Waffen der Terroristen von der US-Regierung stammten. Und zu allem Überfluss reiste er im Laufe der Geschichte auch noch nach Deutschland, unterhielt sich auf dem Flug mit einer jungen Deutschen, auf deren kritische Fragen bezüglich des "War on Terror" er keine guten Antworten hatte, und hinterfragte schließlich gar die Sinnhaftigkeit der Bombardierung Dresdens.

Während die Geschichte unter deutschen Lesern als "typische Propaganda" Marke "guter Ami, böser Araber" abgestempelt wurde, haben konservative US-Medien der Geschichte im Gegenzug "obszönes antiamerikanisches Gedankengut" unterstellt.

Ebenfalls erwähnenswert ist der Unterschied zwischen "Ultimate"-Cap und "616"-Cap: Das "ultimate Universum", eine modernisierte Fassung des Marvel-Universums, die ab 2000 erschien und vor allem in visueller Hinsicht das Vorbild für die aktuellen Marvel-Verfilmungen darstellte, präsentierte im Rahmen der Reihe "The Ultimates" (auf Deutsch "Die Ultimativen") tatsächlich eine erzkonservative, reaktionäre Interpretation von Steve Rogers, der es mit einer Szene zu einem Internet-Mem schaffte. Autor Mark Millar ließ Steve das zum Zeitpunkt der Veröffentlichung in den USA weit verbreitete Frankreich-Bashing aufgreifen: "Kapitulieren? Kapitulieren? Glaubst du etwa, der Buchstabe auf meiner Stirn steht für Frankreich?" Wenig später erschien eine Geschichte, die im "klassischen" ("616") Marvel-Universum spielte und in der sich der "klassische" Steve Rogers an seine Zusammenarbeit mit der französischen Resistance während des Zweiten Weltkriegs erinnerte und sich vehement darüber empörte, dass viele seiner Landsleute die Franzosen pauschal als "Feiglinge" abstempelten. (Solche Schlagabtausche zwischen verschiedenen Marvel-Autoren gab es im Laufe der Jahre immer wieder mal.)

Wenn Coates Steve Rogers nun als "Verfassungsoptimisten nach Lincoln-Vorbild" interpretiert, so betritt er hiermit (glücklicherweise) kein völliges Neuland, sondern zeigt nur, dass er die Figur, wie sie seit mindestens 50 Jahren von den meisten Autoren geschrieben wurde, tatsächlich verstanden hat.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
sven17 07.07.2018, 00:40
3.

Zitat von till-ulrich_hepp
Wenn sich nun Ta-Nehisi Coates der Comic Reihe annimmt, so denke Ich kann dies durchaus gut werden. Er könnte Cap durch eine Reflektionsphase entwickeln an deren Ende ein mindestens genauso pro-American Protagonist stehen würde, dann aber einer, der das neue, buntere Amerika verkörpert und den Vorstoß von Moderne und liberaler Demokratie nach US-Modell ins 21. Jh. verkörpert.
Das braucht er nicht zu machen, denn das war Captain America schon immer. Konservativ kann man ihn eigentlich nicht nennen, denn er war schon immer jemand der den Versuchen, ihn auf Regierungstreue zu reduzieren, ein klares Nein und auch schon mal eine Kündigung entgegensetzte.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
sven17 07.07.2018, 00:42
4.

Was noch klarer wird, wenn man sich die Autoren ansieht, die ihn geschrieben haben. Das waren Leute, die in den USA sehr links standen. Dem Klischee Konservativen entsprach er nie.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ekel 07.07.2018, 06:05
5. Der weisseste aller Superhelden

Ich weiss, dass die Autoren von SPON nicht auf Fragen zu Artikeln antworten, deshalb frage ich einfach mal jeden, der das liest: Warum ist Captain America der weisseste aller Superhelden? Was bedeutet das?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
LJA 07.07.2018, 09:14
6. Dazu muß man wohl

Zitat von ekel
Ich weiss, dass die Autoren von SPON nicht auf Fragen zu Artikeln antworten, deshalb frage ich einfach mal jeden, der das liest: Warum ist Captain America der weisseste aller Superhelden? Was bedeutet das?
Amerikaner sein.
Die Figur wurde um 1940 herum kreiert. Zu einer Zeit, als von einer Gleichberechtigung des afroamerikanischen Bevölkerungsteils nicht einmal gesetzlich die Rede sein konnte. Von der gesellschaftlichen Praxis mal ganz zu schweigen.
In der US-Armee gab es zu dieser Zeit noch eine weitgehende Rassentrennung. Die Offizierslaufbahn wahr praktisch nur "Weißen", also europäisch stämmigen Männern, vorbehalten.
In genau diese Welt passte die Comicfigur des Captain America perfekt rein, zumal er auch in den ersten Staffeln noch recht holzschnittartig agierte. Die erwähnten moralischen Zweifel kamen erst viel später.

Beitrag melden Antworten / Zitieren