Forum: Kultur
Offener Brief von Autoren: Verlegerwechsel bei Rowohlt löst Unruhe aus
Thorsten Wulff

Florian Illies soll neuer Verleger bei Rowohlt werden. Doch über den Rauswurf seiner Vorgängerin Barbara Laugwitz schimpfte eine Nobelpreisträgerin, zürnte ein Starautor öffentlich. Nun folgt ein offener Brief.

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Bondurant 12.09.2018, 17:28
10.

Zitat von Esib
Was könnte also die Ursache für den Rauswurf sein. Alles gleich auf das Attribut "Frau" zu schieben, ist nicht einfach sondern billig.
Der Artikel klingt tatsächlich ein bißchen so als beklage man den Verlust eines "Frauenförderprogramms".

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quark2@mailinator.com 12.09.2018, 17:31
11.

Seltsam das Ganze. Wenn ich zu meinem Autoverleih komme und dort arbeitet jemand anderes, dann mag ich das schade oder auch falsch finden, aber es ist das Recht jedes Unternehmens, sich ggf. von einem Mitarbeiter zu trennen, wenn dieser offenbar nicht einverstanden ist, den Weg in die Zukunft so mitzugehen, wie es den Inhabern vorschwebt. Da hat man als Kunde halt Pech und kann ggf. wechseln. Aber jetzt hier gleich die Sexismuskeule zu schwingen, als wäre jede Entlassung einer Frau gleich ein Geschlechterproblem, das ist doch wirklich arg dreist. Aus meiner Sicht versuchen hier Leute Einfluß auf etwas zu nehmen, was sie nichts angeht.

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brunnersohn 12.09.2018, 17:38
12. Frau Laugwitz hatte wohl zuviel ehrliche Bodenhaftung

und erklomm die Marmorstufen des Elfenbeinturmes nicht. Der Turm aus dem die erlauchten Texttechnokraten umhergucken und beim Anblick eines Gedichtes ohne Titel, einer Kürzestgeschichte, einer Druckkostenzuschuss-Autorin beginnen zu schwitzen- weil es ungewohnt ist, wie auch ihr Herz unbewohnt ist. Ihr Kopf ist jedoch marketingmässig auf dem Stand der Dinge . Harry Potter würde ihnen nicht entgehen.
Literatur findet überall statt: Schreibgruppen, Antologien, Literatur lagert in Schubladen, Cds, in den Köpfen der Autor*innen, im Tagebuch, auf Tonbändern.
Frau Laugwitz hatte auch als Kassenkraft im Baumarkt gearbeitet! Das ist gut so.!
Ist es wichtig, ob Geschichten und Gedichte veröffentlcht werden? Es gibt Millionen von wunderschönen Blüten, Blumen, Insekten, Frauen - ist es wichtig ob deren Bild veröffentlicht werden?

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Alexis_Saint-Craque 12.09.2018, 17:54
13. Kunstfiguren

Zitat von pterodactylus
"Wieder eine Frau rausgekippt wie Abfall" > also das halte ich für arugmentativ daneben und überzogen. Nur weil man nach 4 erfolgreichen Jahren zu unterschiedlichen Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung gekommen ist, so hat das nichts mit Rauskippen zu tun. Auch Kontaktsperren sind beim Wechsel von Führungspersonal nichts ungewöhnliches, gerade im literarischen Bereich, da man eigentlich vermeiden will, dass Personen ihre Kunden von der Firma weg mitnehmen. Ist bei Anwälten z.B. auch oft so. Da hier aber sofort wieder die Sexismus-Schiene gezogen wird - etwas, das sich so langsam beginnt abzunutzen und wie #metoo / #shetoo gezeigt hat eine sehr einseitige Sichtweise auf die Dinge ist - da muss ich sagen, da ist die Kontaktsperre gleich doppelt gerechtfertigt.
Die Künstlerin verfügt über ein Sensorium, welches sich jeder Argumentation entzieht. Das tut es in diesem Falle noch nicht einmal. Auch ist nichts daran überzogen. Elfriede Jelinek sagt einfach nur, was ist. Frauen, die sich halten, sind oft Erbinnen oder aber Frauen mit entweder outriertem oder negiertem Frausein - also Kunstfiguren. Laugwitz ist weder das eine noch das andere. Sie wirkt nicht künstlich, sondern authentisch. Das aber will bitteschön niemand. Denn das ist schlichtweg eine Weigerung, Produkt zu sein. Der nachfolgende Mann ist sich für nichts zu schade.

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sabinaz 13.09.2018, 01:02
14. Die Ursache der Kündigung?

Zitat von Esib
Egal, wie weit man sich in er Buchbranche auskennt, ist der Sachverhalt und die Reaktionen darauf schon interessant. Was könnte also die Ursache für den Rauswurf sein. Alles gleich auf das Attribut "Frau" zu schieben, ist nicht einfach sondern billig. Kein Verlag wäre so doof, eine Geschäftsführerin zu entlassen, die den Verlag wirtschaftlicher und gewinnbringender aufstellt, als es die Vorgänger gemacht haben. Leider habe ich auf die Schnelle keine Umsatz-/Gewinnzahlen von Rowohlt für die letzten 10 Jahre gefunden und es scheint so, als hätte der Spiegel das auch nicht recherchiert, sonst hätte man ja auf die Erfolge von Laugwitz verweisen können. Möglicherweise gibt es die aber gar nicht, auch wenn sie vielleicht tatkräftig und souverän war. Aufhorchen ließ mich das hier: Ich habe also mal bei Amazon recherchiert, denn da kann man anhand des Verkaufsranges recht gut auf die Zahl der verkauften Bücher schließen. Keines der Jelinek-Bücher, die ich gefunden habe, ist irgendein Verkaufshit. Es mag für den Verlag ein Aushängeschild sein, eine Nobelpreisträgerin unter Vertrag zu haben, ein Gewinnmotor scheint sie aber nicht zu sein. Wenn jetzt Frau Laugwitz möglicherweise vielleicht noch mehr solche Entscheidungen getroffen hat, wie die mit den Theaterstücken, finden das die Autoren natürlich toll. Für den Verlag könnte sich das aber durchaus als massives Verlustgeschäft herausgestellt haben. Und dann würde die Entlassung von Frau Laugwitz durchaus verständlich - nicht weil sie eine Frau ist, sondern weil sie (möglicherweise) wirtschaftliche Fehlentscheidungen getroffen hat. Ich bedauere es sehr, dass der Spiegel darauf verzichtet hat, das genauer zu recherchieren und/oder das den Lesern mitzuteilen.
Hier die Antwort auf Ihre Frage: Rowohlt dominierte im ersten Halbjahr die Belletristik-Liste und führte auch die Sachbuch-Charts an - Frau Laugwitz hat also einen Spitzenjob gemacht. Wieso wird sie ausgewechselt, obwohl diese Entscheidung mit dreister Offensichtlichkeit ökonomisch vollkommen schwachsinnig ist? Tja, ds ist die Frage. Illies hat vielleicht einfach die besseren Verbindungen zum Männernetzwerk, und die wollten jemanden haben, der öffentlich was hermacht, auch wenn er vermutlich das vierfache kostet und ganz sicher auf diese Weise kein Buch mehr verkauft - aber so ticken manche Männer an der Spitze eben nunmal, da setzt das Hirn einfach aus (ist beileibe nicht das erste Beispiel aus der Medienbranche).

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Alexis_Saint-Craque 13.09.2018, 10:04
15. Eng auch sonstwo

Man muss die Zeichen der Zeit erkennen. Aus Angst vor dem gesellschaftlichen Absturz finden immer mehr Frauen zurück in die Sicherheit des Dekorativen. Dadurch ändern sich auch die Märkte. Ein romantischer Mann, der Träume verwirklichen will, hat diese Perspektive erkannt und kann sie ggfs. erfolgreich für seinen Verleger umsetzen. Literatur als Accessoire ist sehr zeitgenössisch. Nah am Konsumenten. Eng am Leben. Eng auch sonstwo.

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Ch. Demian 13.09.2018, 13:59
16. Shocking wahr

Zitat von hsc71@gmx.de
Ich glaube kaum, dass die Schreiberlinge die fachliche Qualifikation haben die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen des Verlages auswerten zu können. Auch werden sie wohl kaum Ahnung von der strategischen Ausrichtung eines Unternehmens haben.
Oh! Mir ist fast mein Kindle in die Suppe gefallen, als ich die mystischen Auskennerworte las: betriebswirtschaftliche Kennzahlen...
Nicht einmal normale Zahlen! Es müssen sogar die berüchtigten Kennzahlen sein! Und dann noch strategische Ausrichtung! Beide haben natürlich nichts zu tun mir Büchern, die ein Verlag so produziert. Ich kenne diese Einstellung nur zu Genüge - kommt ein BWLer zu 'nem Verlag und sagt: Ihr müsst verrückt sein! Es gibt doch Bestseller, warum macht ihr nicht mehr davon? Und für den Fall, dass Sie es nicht vertehen - hier noch die Erklärung: von Import-Autoren abgesehen, die schon irgendwo erfolgreich waren, ist es (vor dem entsprechenden Erfolg) in 100 % der Fälle nicht klar, dass ein Buch ein solcher wird. Und es sind solche Leute, wie die geschaste Frau Laugwitz, die diesen Teil des Geschäftes besorgen. Nicht jemand der bedeutungshuberisch von Kennzahlen usw. faselt. Niemand kauft ein Buch, weil ein Verlag strategisch auf einen Bereich des Marktes ausgerichtet ist. Autor X wird doch nicht deswegen gelesen weil Y im selben strategisch ausgerichteten Verlag veröffentlicht! Wir reden doch nicht Becker Siebert bei dem alles gut schmeckt und man getrost dieses wie jenes Teilchen kaufen kann. Bücher sind eine etwas spezielle, andere Ware, als das was gemeinhin den Horizont der Kennzahlenverwalter markiert. Warum? Weil im Prinzip etwa Immaterielles verkauft wird. Etwas, das kompoliziert in seiner Funktionsweise ist... Aber halt! Ich kenne die Kennzahlen ja auch nicht.

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thinkof-it 14.09.2018, 18:00
17. --- - -minus

Zitat von Esib
Egal, wie weit man sich in er Buchbranche auskennt, ist der Sachverhalt und die Reaktionen darauf schon interessant. Was könnte also die Ursache für den Rauswurf sein. Alles gleich auf das Attribut "Frau" zu schieben, ist nicht einfach sondern billig. Kein Verlag wäre so doof, eine Geschäftsführerin zu entlassen, die den Verlag wirtschaftlicher und gewinnbringender aufstellt, als es die Vorgänger gemacht haben. Leider habe ich auf die Schnelle keine Umsatz-/Gewinnzahlen von Rowohlt für die letzten 10 Jahre gefunden und es scheint so, als hätte der Spiegel das auch nicht recherchiert, sonst hätte man ja auf die Erfolge von Laugwitz verweisen können. Möglicherweise gibt es die aber gar nicht, auch wenn sie vielleicht tatkräftig und souverän war. Aufhorchen ließ mich das hier: Ich habe also mal bei Amazon recherchiert, denn da kann man anhand des Verkaufsranges recht gut auf die Zahl der verkauften Bücher schließen. Keines der Jelinek-Bücher, die ich gefunden habe, ist irgendein Verkaufshit. Es mag für den Verlag ein Aushängeschild sein, eine Nobelpreisträgerin unter Vertrag zu haben, ein Gewinnmotor scheint sie aber nicht zu sein. Wenn jetzt Frau Laugwitz möglicherweise vielleicht noch mehr solche Entscheidungen getroffen hat, wie die mit den Theaterstücken, finden das die Autoren natürlich toll. Für den Verlag könnte sich das aber durchaus als massives Verlustgeschäft herausgestellt haben. Und dann würde die Entlassung von Frau Laugwitz durchaus verständlich - nicht weil sie eine Frau ist, sondern weil sie (möglicherweise) wirtschaftliche Fehlentscheidungen getroffen hat. Ich bedauere es sehr, dass der Spiegel darauf verzichtet hat, das genauer zu recherchieren und/oder das den Lesern mitzuteilen.
Sortimentspolitik bedeutet Mischkalkulation.
Verschiedene Lesergruppen wollen ihre Texte finden und die Aura des Verlages bestimmt sich durch Besonderheit und nicht den Durchschnitt.
Es bedeutet ein Glück für interessierte Leser*innen des öffentlichen Publikums ausgewählte Texte, die herausfordern im freien Zugang erwerben zu können.
1913, ein Sammelsurium von Erinnerungsbruchstücken, aneinandergereiht, Stimmungserheischend- erinnert an eine Seifenoper.
Das sind Texte für Menschen, die eigentlich keine Zeit gaben zu lesen und sich ein geschwollenes Zitat einverleiben wollen.
Nein.
Frau Laufwitz kann ich nicht beurteilen,
aber das Buch von Illies ist nichts.

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