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Philosophen-Duo Guattari und Deleuze: Netzwerke über alles
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Mom-Jeans, Plateauschuhe, Technikutopien: Die Gegenwart arbeitet sich an den Neunzigerjahren ab. Kommt gerade recht: Die Doppelbiografie über den Psychoanalytiker Félix Guattari und den Philosophen Gilles Deleuze.

DerAndereBarde 10.03.2018, 13:55
1. Na ja

Wenn man sich ein nüchternes Bild über das Niveau dieser "Denker", gegen deren Gefasel jeder Dialog im Maschinenraum der Enterprise ein Juwel ist, machen möchte, lese man stattdessen: A. Sokal & J. Bricmont, Eleganter Unsinn. Damit ist praktisch alles gesagt.

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desmoulins 10.03.2018, 14:46
2. @ DerAndereBarde

Klar doch, Denker in Anführungszeichen und Alan Sokal als Kronzeuge anstelle einer Auseinandersetzung mit Ideen und Gedanken: auch als ironischer Einwurf fällt Ihr Kommentar arg flach aus.

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DerAndereBarde 10.03.2018, 14:58
3. @desmoulins

Nanu? Wie kann denn ein relevanter Literaturhinweis flach sein, noch dazu arg? Ich drücke die Anführungszeichen mal anders aus: Dekonstruktion ist vermutlich das einzige, was den Werken der Herren angemessen ist, aber eine furchtbar ermüdende Übung. Zur Abkürzung... siehe oben.

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tianxxyy 10.03.2018, 15:17
4. denkende wollen verstanden werden

Sokal et al. haben leider wenig vom qualitativen Ansatz verstanden, weswegen deren Buch nett zu lesen ist und eher etwas über Streit um Paradigmen aussagt. Aber die Auseinandersetzung mit Deleuze und Guattari birgt die Frage wie mit gesellschaftlichen Entwicklungen unbefangen wurde. Zusätzlich gibt es ja noch Eribon und Angermüller. Dann ergibt sich ein anderes Bild. Danke für den Artikel!

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DerAndereBarde 10.03.2018, 18:24
5. Verstandenes ung gewolltes

Für die Kritik von S&B sind Ansätze irrelevant, warum kann man leicht nachlesen. Und das gezeigte schiere Ausmaß obskurantistischen Geschwurbels legt dahe, dass die Kritisierten einiges wollen, nur nicht verstanden werden. Aber danke für den alternativen Literaturverweis! Das ist allemal kultiviertere Diskussion als unbegründete Flachheitsvorwürfe.

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spmc-12355639674612 10.03.2018, 19:32
6. Der Gleichmacherei bedingende Nihilismus

Und davon sollen die Neunziger geprägt gewesen sein? Bei wem? Die Neunziger waren die Zeit, als die jetzige Ü50-Generation gerade mit dem Studium fertig war, über die Berliner Maueröffnung und darüber staunte, dass sich Trabis tatsächlich wie richtige Autos fortbewegten. Es war die Zeit, als der Weltfriede greifbar nah erschien. Um dieses oben zitierte Zeugs (Mille Plateaux, Deleuze und Guattari etc.) ernst zu nehmen, musste man damals wahrscheinlich schon so alt sein, dass man die Tage bis zur Rente rückwärts zählte. Aber "deconstructionism" war schon in den frühen Achtzigern so trendig, dass es von David Lodge in "Small World" bereits persifliert wurde. Nun gut, Herr Thumfart hat erinnerungsmäßig wohl eher das Ende als den Anfang der Neunziger im Blick - für einen bewussten Blick auf die Neunziger ist einfach zu jung.

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pric 10.03.2018, 20:50
7. Danke für den neuen Lesestoff

Der "diese Gleichmacherei bedingende Nihilismus" kann weitergedacht, sozusagen dekonstruiert, durchaus zu einer Ermächtigung der Einzelnen führen. Aus sophistischer Perspektive ist eine derart große Volte natürlich spektakulär anzusehen.
Den Vorwurf sich einer Sprache zu bedienen, die übermäßig prätentiös ist, kann man an D&G durchaus heranführen. Manchmal benötigt eine Fachdisziplin allerdings eine Fachsprache um Genauigkeit herzustellen.

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einszweidreivierfünf 11.03.2018, 00:45
8. Flashback

Das erste Staunen darüber, dass das hier vorgestellte Buch von Francois Dosse fast 1000 Seiten hat. Wer hält das aus? Nicht, dass es keine interessierten Leser gäbe, aber doch nicht so ! Gerade wenn man über etwas schreibt, wäre ein überblicksartiger Ansatz zielführender oder was steht da noch alles drin? Fällt für mich deshalb leider aus - da lese ich lieber drei andere Bücher mit der gleichen Seitenzahl in Summe.

Übrigens: Deleuze war für mich von den Poststrukturalisten immer der Sperrigste und Unnahbarste, aber auch der Didaktischste (seine Studien über bestimmte Philosophien sind interessant und stets prägnant). Foucault geht leicht, wenn man nachvollziehen kann wohin er wollte, Derrida erarbeitet man sich durch das Erlernen des Sprachcodes oder der Sprachkultur, denn der Grundgedanke des Dekonstruktivismus selbst ist einfach und monoton, Lyotard ist handhabbarer, aber auch nicht so schillernd, Baudrillard gehörte zu diesem poststrukturalistischen Reigen dazu, aber als Außenseiter, als noch Verspinnerter, aber auch irgendwie pragmatischer, weil gleich alles zur Simulation erklärt wird. Naja.
Deleuze hingegen klingt teilweise völlig abstrus und verdrogt. Schon allein die irre langen Fingernägel im Fernsehinterview Abecedaire sind wie ein symbolischer Gegenbeweis für die Frage, ob denn alles mit rechten Dingen zugehen kann, in dieser Schizo-Maschinen-Philosophie. Die Rhizom-Idee fand ich faszinierend, es klang für mich vor 10 Jahren wie eine gute Erklärung für die neue Technik, das Internet usw., aber damals schon klang die Gleichheitsutopie unplausibel, da es primär große bestimmende Konzerne gab. Heute ist das fast schon altbacken. Die Welt ist eh schon verrückt genug. Man fragt sich, ob es überhaupt noch gelingende Normalität und Bürgerlichkeit gibt oder gab. Schizo-Analyse und Donald Trump - da geht doch was. Interessant auch, dass Deleuze verbeamtet war. Eine Denk-Revolution aus dieser gesellschaftlichen Position herbei zuschreiben, klingt für mich im Nachhinein wie ein Witz. Leibniz oder Goethe als Beamte des Staates haben wenigstens noch richtige naturwissenschaftliche Erkenntnisse hervorgebracht und nicht nur philosophiert. Das alles soll nicht bedeuten, dass man Deleuze nicht empfehlen kann oder lesen sollte. Man kann viel lernen, nach wie vor. Ein besonderer Text ist zum Beispiel der über Bartleby oder über Francis Bacon. Das sind tolle Studien mit neuen Sichtweisen. Henri Bergson wäre völlig unbekannt in D ohne Deleuze - ein toller Denker.

Wie mit so vielem - man muss sich mit Deleuze Mühe geben ...

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aristotele_mcgyver_junior 16.03.2018, 11:52
9. Buchrezension plus "so 90s" plus Geraune...

"Diese Gleichmacherei bedingende Nihilismus das größte Problem unserer Zeit..." puh, ganz schön suggestiv was? Was könnte man da nicht alles hineinlesen, wenngleich sich der Autor natürlich vor allzu Deutlichem hütet.

Also mal ganz ehrlich: Wenn man einerseits das "Verschwurbelte" von D u. G. (womöglich zurecht) kritisiert, sollte man sich vielleicht darum bemühen selbst möglichst sachlich zu bleiben, und nicht gar so 'anschlussfähige' Schlusssätze formulieren, so schick sie auch klingen mögen. Und die arg bemühte "90s"-Analogien sind wohl der krampfhaften Suche nach einem Aufhänger geschuldet.
Ansonsten könnte das ein interessantes Buch sein, ich schaue es mir bei Gelegenheit mal an...

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