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Platz 4 beim ESC: Der Michael nervte nicht
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Endlich gab es wieder viele Punkte für Deutschland: Michael Schulte kam beim ESC überraschend auf Platz vier. Wie konnte das passieren?

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RalfHenrichs 13.05.2018, 12:14
1. Netter Erklärungsversuch

Aber er erklärt nicht, warum Michael besser abgeschnitten hat als z.B. Levina, Jamie-Lee oder auch Ann Sophie. Sind diese Personen großspuriger aufgetreten, waren sie (vorher) Stars wie Rammstein oder Helene Fischer? Vielleicht sollte man sich einfach mal davon verabschieden zu denken, die drei Personen wären hinten gelandet, weil sie für Deutschland aufgetreten sind sondern schlicht weil sie und/oder ihr Lied schlecht waren. Ich habe z.B. Schulte vorher weiter hinten erwartet. Nach seinem Auftritt hatte ich aber das Gefühl, dass er durchaus in den Top10 landen könnte. Auch wenn ich nicht die Top5 erwartet habe. Einfach weil die Performance zum Song passte. Dies entspricht auch der Entwicklung in den Wettbüros: zuerst weiter hinten, dann in den Wetten nach vorne gekommen als man die Proben gesehen hatte. Ich denke, wäre Schulte für Niederlande oder Dänemark gestartet (also kleinere Länder, aber ähnlicher Kulturkreis), wäre es nicht viel anders gewesen.

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AndreasBL 13.05.2018, 12:29
2. Immer diese Erklärungsversuche...

Die Gruppe Wind, die in den 80ern zweimal mit unaufgeregten Titeln den zweiten Platz errang, mag in dieses Erklärungmuster passen hineinpassen. Aber 1992 wurden sie nur noch 16. Passt also nicht. Mekado schaffte es 1994 auf den dritten Platz mit "Wir geb'n ne Party", es kannte sie vorher keiner und das ganze war eine ziemlich flippige Nummer. Passt auch nicht ins Muster. Umgekehrt hat Roger Cicero, der nun wirklich nicht auf gekünstelt machte, nur den 19.Platz geschafft. Aber wem's Spass macht, im Kaffeesatz zu lesen, der soll es weiter tun, aber bitte nicht den Spiegel vorhalten ;)

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Top-Experte 13.05.2018, 12:41
3. Punktevergabe

Es liegt wohl auch am System der Punktevergabe. Früher vergaben nur Jurys der Länder, dann nur die Zuschauer und nun beide Punkte. Die Jurys dabei völlig anders als die Zuschauer, siehe gestern.

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daggo 13.05.2018, 12:47
4. Wie wahr, wie wahr ...

Treffende Analyse der europäischen Befindlichkeit gegenüber Deutschland: wir werden dann gemocht, wenn wir den 'Ball flachhalten' und knapp am Treppchen vorbeirutschen. Und das geht völlig in Ordnung!

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Schmul Kohn 13.05.2018, 12:59
5. Sehe ich anders

Nicole mag wegen des bescheidenen Auftretens gewonnen haben. Allerdings ist das aus dem Zusammenhang gerissen, da Deutschland in dern 80ern insgesamt erfolgreich war und neben diesem ersten Platz auch vier mal den zweiten Platz erreicht hatte.
Weiterhin wir die Frage ausgeklammert, ob denn die Beträge der letzten Zeit nicht auch wirklich schlecht waren. Ich persönlich hätte mir keines der Songs gekauft, was eigentlich schon mal für sich spricht. Aber mal im Detail:
- Levina: das Intro war ein klares Plagiat von eine aktuellen Hit (Titanium).
- Jamie-Lee im Pockemon outfit
- Ann-Sophie beginnt mit dem Rücken zum Publikum (Erster Eindruck usw.)
- Elaiza : das Lied hat mit dem Volksgeschmack der Deutschen kaum zu tun (taktik?)
- Cascada : klang wie ein Plagiat des Vorjahressiegers
Dass auch Politik eine Rolle spielen kann mag ja sein, ist aber keinesfalls die Erklärung für alles.
Das Hauptproblem sehe ich eher bei den vielen Taktik-Versuchen. Das errinnert mich nämlich ein wenig an den Versuch, mittels Defensiv-Fusball eine WM gewinnen zu wollen. Derjenige, der sowas schafft, den mag man einfach nicht leiden.
Durch das Taktieren geht am Ende das Gefühl für das wirklich gute verloren. Am Ende hat Musik viel mit Bauchgefühl zu tun und hier kommt Lena ins Spiel: Sie hat meiner Meinung nicht wegen ihrer ausgestellten Niedlichkeit, sondern wegen ihres absolut authentischen Auftretens gewonnen. Ich singe gerne und es macht mir Spass hier zu sein hat man ihr hundertprozent geglaubt.
Einfach mal weg von den Taktiken und Lieder wählen, die einem gefallen und nicht von denen man denkt dass sie gewinnen könnten. Wenn man nicht selbst an das Lied glaubt, wer sonst?

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Igelnatz 13.05.2018, 13:25
6. Landessprache

Ich finde es immer toll, wenn Künstler bei diesem Wettbewerb die Landessprache benutzen. Das ist authentischer und auch interessanter als der Pop-Einheitsbrei.

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interessierter10 13.05.2018, 13:38
7. Aber vielleicht sind Juroren und das Publikum gar nicht so

nationalistisch gestimmt wie der Autor und haben im Wesentlichen nach Geschmack geurteilt. Kann es nicht auch sein, dass die letztjährigen deutschen Kandidaten einfach diesen nicht trafen oder schlicht nicht genügten? Müssen immer nationalistische Bosheiten - natürlich immer nur der Ausländischen (selbstverständlich, denn die Deutschen sind ja alle gut) - unterstellt werden?

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m-goebel 13.05.2018, 13:43
8. Der Artikel würde genauso für die Politik gelten

Ob man will oder nicht, das gilt ganz genauso für unsere Damen und Herren Politiker. Nur hier (Musik) wie da (Politik) gibt es einige Verantwortliche (bzw. Wichtigtuer), deren überzogenes Ego sie darin hindert, das wahrzunehmen.

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T0bi 13.05.2018, 13:57
9. Falsche Analyse

Der Song war ok, inhaltlich aber sehr empathisch und persönlich, die Leute konnten sich damit identifizieren. Das ist das entscheidende, dass die Leute sich damit identifizieren können. Es reicht nicht, wenn man einfach bescheiden auftritt, das grenzt dann an Langeweile und deutsche sind eben auch gerne langweilig - so zumindest das Vorurteil. Darüberhinaus fand ich die visuelle Darstellung sehr gelungen, der inhaltliche Kontext des Songs und die visuelle Gestaltung haben harmonisiert, waren kreativ, persönlich und blieben in Erinnerung. Nachdem ich den Beitrag gesehen und gehört habe, habe ich Ihn sofort relativ weit oben gesehen.
Man sollte sich das also nicht zu einfach haben, ich denke es gibt eine Regel, wie man hier erfolgreich wird, aber i.d.R. ziehen wir die falschen Schlußfolgerung.

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