Forum: Kultur
Rache-"Tatort" aus München : Senta, die Mörderpuppe
BR/ Hendrik Heiden

Santa Graus is coming: Im Münchner "Tatort" rächt ein Weihnachtsmann mithilfe einer Smartpuppe Missbrauchsverbrechen. Ein Horrorthriller, der eher visuell als inhaltlich besticht.

adamk 30.11.2018, 18:49
1. Guter Plot

.... aus dem die Black Mirror-Macher sicher eine sehr spannende und gesellschaftskritische Geschichte entwickeln würden.
Aber wenn ich nur schon wieder lese, dass es Pausibilitätsprobleme im Zusammenhang mit einer Selbsthilfegruppe für Missbrauchopfer gibt .... Tatort halt. Es helfen auch die beste Ausstattung und Regie nichts, wenn das Drehbuch vermurkst wird.

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Mainemaynung 01.12.2018, 08:44
2. Das ist Sonntagabendunterhaltung,

kein Besinnungsaufsatz. Kritisiert werden die Vermischung von Opfer- und Täterschaft. Das ist wohl nur für schlichte Gemüter ein Problem. Und dann auch noch ein "sensibler Problemstoff", der mit Humor behandelt wird. So etwas geht für das Gutmenschen-Feuilleton mit dem erhobenen Zeigefinger offenbar gar nicht. Aber haben Sie schon einmal daran gedacht, dass der Tatort immer "Problemstoff" behandelt, weil immer ein Verbrechen geschieht? Und haben Sie mal "To Be or Not to Be" von Lubitsch gesehen? Dann wüßten Sie, dass man jeden Problemstoff mit Humor darstellen kann.

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Dramaturgen-Frau 01.12.2018, 13:56
3. Nun also auch Leiti und Batic...

... zum blödelnden Abschuss freigegeben? Man hat den Eindruck, dass auf den Tischen der verantwortlichen Redakteurinnen folgende Zettel liegen: auf dem einen ein halbes Dutzend Genres, auf dem anderen ein halbes Dutzend Themen. Diese werden den Autoren geschickt. Nun darf der Autor qua Ankreuzen kombinieren: in diesem Fall eben Horror, Kömödie auf dem einen Zettel mit Kindesmissbrauch auf der anderen Seite. So ergeben sich zwar leicht variierende, aber im Grunde immer dieselben Kombinationsmöglichkeiten. Ein paar Kombis sind qua ARD-Vorgabe ausgeschlossen, z.B. Flüchtlinge und Komödie. Auf einem dritten Zettel stehen dann ein Dutzend Schauspieler, die wir immer und immer wieder sehen (sollen), die der jeweiligen Genre-Themen-Kombi zugeordnet werden. Darüber hinaus gibt es zwingende Zuordnungen von Kommissarsdarstellern zu Themen, z.B. Wulle Mulle Möhre immer mit Flüchtlingsthemen, oder: Frau Burda immer "stark", "selbstbewusst" u.ä. Aus diesem Ankreuzspielchen lassen sich dann schon 50% des Inhalts generieren, damit der 60+ Zuschauer der ARD wohlig nicken kann: "Ah, ja, kenn ich... schnarch..." Es ist schade, dass nun auch die liebenswerten Flaggschiffe Leiti und Batic in den Ankreuzproporz gefallen sind. Doch machen wir uns nichts vor: Das ist immer noch hundertmal besser als Postel, Folkerts oder Burda. Insofern gebe ich diesem Ankreuzexperiment morgen mal eine Chance. Ich glaube, dass man Leiti nicht zerstören kann.

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ole_laux 03.12.2018, 00:44
4. Nein, kein Ankreuzexperiment!

"Posauene ein hoch emotionales Thema in Welt hinaus, egal ob richtig oder falsch, und Du findest Leute die für Dich töten" so in etwa lautete der gesprochene Satz in der finalen Szene. Ich denke darum ging es im Kern. Im Gegensatz zu den etwas plump geraten Gesellschaftskritiken bisher, fand ich hier (ehrlich gesagt zum erstmail), dass eine spannender Krimi mit Gesellschaftskritik gelungen ist. Schade, dass es dies dem Autor nur 7 Punkte wert war.

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galipoka 03.12.2018, 09:27
5. Alexa

Unabhängig von dem Plot könnte man ja nun hoffen, dass die Alexa-Fanboy/-girl-Fraktion etwas von dem Film gelernt haben könnte. Ich denke, aber eher nicht...

Ansonsten fühlte ich mich gut unterhalten (8/10) und schließe mich voll und ganz der Meinung von "Mainemaynung" (Nr. 2) an. Der Tatort ist nicht mehr oder weniger als Unterhaltung - mal gut, mal schwach umgesetzt, aber niemals real. Aber das vwollen hier offenbar viele einfach nicht verstehen und pochen auf "reale Polizeiarbeit" und so ein Unsinn. Dann schaut euch Derrick an - das kommt der realen Polizeiarbeit wahrscheinlich näher als jeder Tatort.

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gersois 03.12.2018, 09:46
6. Sammelsurium

aus Horror, komischen Szenen und soziopolitischem Anliegen (Kindesmissbrauch). Die Herren Kommissare waren mal wieder reichlich illegal unterwegs: spontanes Abhören der Selbsthilfegruppe, Einbruch in die Wohnung. Und über die technischen Grundlagen sollte man besser hier nicht diskutieren.
Der Witz des Tages: Die Puppe darf in Deutschland nicht verkauft werden, weil sie zu leicht gehackt werden kann!

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Ekkehard Grube 05.12.2018, 16:00
7. Total überkonstruiert

Dass sich einer der Beteiligten als Trittbrettfahrer entpuppt, dem es gar nicht um Rache an Pädophilen, sondern um diejenige an seinem eigenen Vater geht, das war ja noch nachvollziehbar. Wo ich dann allerdings nur noch perplex war, das war die Stelle am Schluss, an der das chinesische Au-pair-Mädchen ihren Schützling zum Sprung aus dem Fenster und damit in den Tod veranlassen wollte. Meine Reaktion war: "Dreht dieser Krimi jetzt völlig am Rad? Die ganze Zeit ging es darum, dass Menschen Selbstjustiz an Erwachsenen für Kindesmissbrauch üben, und zum Schluss soll ein Kind umgebracht werden?" Erst eine Bekannte gab mir im Gespräch eine nachvollziehbare Erklärung: Die Chinesin wollte das Kind umbringen, damit ihr Freund, der Bruder des kleinen Mädchens, alles erbt.

Zum einen:
Man hätte dies unbedingt eine der anderen Beteiligten aussprechen lassen müssen, da wohl nicht jeder in der Lage ist, so "um die Ecke zu denken".
Viel wichtiger aber:
Es ist m.E. nicht angebracht, in einen Krimi über ein so wichtiges Thema wie Kindesmissbrauch noch ein anderes (Erbschaft) hineinzuweben. Ein so tragisches und aktuelles Thema reicht.

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