Forum: Kultur
RAF-"Tatort" von Dominik Graf: Geliebter Verräter, verhasster Staat
SWR/ Julia von Vietinghoff

Die Untoten des Deutschen Herbstes: In diesem monströsen Verschwörungs-"Tatort" werden Lannert und Bootz mit RAF-Mythen, Terror-Rentnern und V-Männern konfrontiert. Der Kampf geht weiter, irgendwie.

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josefinebutzenmacher 13.10.2017, 15:03
1. Wow, das scheint ein mutiger Tatort zu werden

Aber die Stuttgarter haben es seit einiger Zeit echt drauf. Mutig und experimentell. Hier sogar gegen die sogenannte Obrigkeit, obwohl ja von vielen Foristen beim Tatort immer Gesinnungs- und Erziehungsfernsehen gemutmaßt wird. Aber diese Leute dürften hier sowieso überfordert sein.

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cafe-wien 15.10.2017, 00:47
2. Warum schon wieder ein Tatort aus Stuttgart?

Erst vor vier Wochen gab es einen (hervorragenden) Tatort mit Lannert und Bootz. Nimmt man den Ausfall wegen der Bundestagswahl hinzu, dann erst vor drei Wochen. Wer, um Himmels Willen, ist für die Disposition der Tatorte bei der ARD verantwortlich. Dieselbe Wirrnis in der Disposition hatten wir Anfang des Jahres beim Kölner Tatort. Nicht nachvollziehbar. Aber sicher hoch bezahlt, die ARD-Tatort-Dispo.
Helmut Schmidt wird sich ob dieses Verschwörungstatorts im Grabe umdrehen. Immer dasselbe Geunke, seit Ende der 1970er Jahre. Dominik Graf, Jahrgang 1952, hat da wohl noch ne Rechnung mit seiner Jugend offen. Unerträglich, solch ein später Versuch der Geschichtsklitterung. Da können sich die Darsteller der ehemaligen DDR wieder fröhlich die Hand geben mit jenen 68er-Darstellern aus dem Westen: Die machen Fässer auf, die nicht aufgemacht gehören, weil wir in ihnen sowieso nichts finden werden - seit 40 Jahren. Unfassbar. Aber folgerichtig, wenn man realisiert, wer weiterhin bei der ARD das Sagen hat: Die 68er-Generation - finanziell jetzt staatlich abgesichert durch die "Demokratieabgabe" (Jörg Schönenborn). Im Gegensatz zum hervorragenden Stuttgarter Tatort vor vier Wochen erwartet und diesmal wohl wieder ein Machwerk. Also bin ich Sonntagabend ab 20:15 Uhr auf zdfneo!

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Dramaturgenfrau 15.10.2017, 12:15
3. Nicht ganz

Zitat von josefinebutzenmacher
Aber die Stuttgarter haben es seit einiger Zeit echt drauf. Mutig und experimentell. Hier sogar gegen die sogenannte Obrigkeit, obwohl ja von vielen Foristen beim Tatort immer Gesinnungs- und Erziehungsfernsehen gemutmaßt wird. Aber diese Leute dürften hier sowieso überfordert sein.
Sie scheinen da mal wieder nicht so ganz helle in der Analyse: Wer "regiert" denn zurzeit die ARD? - Es sind immer noch die 68er und die Kinder der 1970er Jahre! Es handelt sich also um Gesinnungsfersehen in deren Absichten! Die, die da bei der ARD "regieren" haben ein manifestes Interesse an der Kolportage dessen, was sie schon damals ohne jeden Beweis gemutmaßt haben: "Die Gefangenen wurden vom deutschen Faschostaat ermordet." Also: Wieder Gesinnngs- und Erziehungsfernsehen par excellence. Jetzt verstanden?!

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Aberlour A ' Bunadh 15.10.2017, 18:52
4. Erziehungsfernsehen

Zitat von Dramaturgenfrau
Sie scheinen da mal wieder nicht so ganz helle in der Analyse: Wer "regiert" denn zurzeit die ARD? - Es sind immer noch die 68er und die Kinder der 1970er Jahre! Es handelt sich also um Gesinnungsfersehen in deren Absichten! Die, die da bei der ARD "regieren" haben ein manifestes Interesse an der Kolportage dessen, was sie schon damals ohne jeden Beweis gemutmaßt haben: "Die Gefangenen wurden vom deutschen Faschostaat ermordet." Also: Wieder Gesinnngs- und Erziehungsfernsehen par excellence. Jetzt verstanden?!
Was hat denn bei Ihnen zu diesem Gesinnungsmonopolismus geführt, dass man noch nicht mal in der Lage ist, unterschiedlich Szenarien gedanklich durchzuspielen? Ich finde das Thema hochinteressant. Und der Fall Siegfried Buback beweist, dass "Offizialversionen" so ihre Glaubwürdigkeitsprobleme haben. Fragen Sie doch mal bei Michael Buback nach, was er von der offiziellen Version hält. Nämlich nichts. Können Sie das gedanklich nachvollziehen? ich habe so meine Zweifel. Zu viel Neocon-Seiten besucht?

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peter_rot 15.10.2017, 22:17
5. Fing spannend an aber endete im Chaos

Der Anfang war wirklich gut und originell - Leiche im Kofferraum. Aber dann wurde dieser Tatort immer abstruser. Leichen in Überzahl und am Schluß die Frage - wer hat ihn denn nun umgebracht. Also doch lieber Barnaby schauen. 8 von 10 Punkten - damit gehe ich nicht konform.

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herr.x 15.10.2017, 23:48
6. Super!

Super dieser Tatort. Wie hier auf verschiedenen Ebenen die wohl nie wirklich aufgeklärten Dinge in Stammheim beleuchtet werden, ist schon gut gemachtes Fernsehen. Klasse auch das Ende: wer den Spitzel wirklich umbrachte, bleibt wie damals letztlich offen. Habe mich gut unterhalten gefühlt und einige Denkanstöße mitgenommen.

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brohltaler 16.10.2017, 03:11
7. Ein Schalk, der böses dabei denkt...

Da schaffen es die Täter von damals immer noch locker die Opfer von heute zu sein. Geschichtsverzerrung vom feinsten, verpackt in Fiktion und beschönigt mit Fakes, aus der der Traum des "so gewesen sein könnens" als nahezu unverhüllter Wunsch der diesem Dunstkreis entsprungenen Macher und Auftraggeber dem verdutzten Zuseher mit Verve entgegen geschleudert wird. Begleitet von "klammheimlich" solidarischer Interprätation von "Kritikern", die dem bundesrepublikanischen Rechtsstaat ebenso nach wie vor vieles, allerdings nichts gutes, zutrauen, seinen Schutz und seine Sicherheit aber mit aller Selbstverständlichkeit zu geniessen wissen! Redlichkeit und Logik allerdings sind den institutionell durchmarschierten Restbeständen der 68er ja auch zu keinem Zeitpunkt ein Anliegen gewesen. Manipulation und, sorry, Verarsche um so mehr. Höchste Zeit, dass sie bald mit unverdienter pensionärer Wohlbestalltheit Richtung Toskana in der Versenkung verschwinden.

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MKAchter 16.10.2017, 08:18
8. Bemerkenswert

Alles in allem war das ein gut gemachter "Tatort". Sehr "atmosphärisch". Thematisch und mit Details schwer beladen, aber das wurde vom Drehbuch m.E. gut geschultert. Selbst eingebrachte Stuttgart-Details fanden noch Platz.

Über die Theorien (eher: Andeutungen) zu der gewissen Nacht im Herbst 1977 in Stuttgart-Stammheim kann man natürlich sehr geteilter Meinung sein...

Aber insgesamt: empfehlenswert, auch für ein nochmaliges Anschauen.

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rennflosse 16.10.2017, 09:53
9. Klischee

Filmisch gut bebildert. Aber das Klischee vom guten Dorfpolizisten, der den Verbrecher zur Strecke bringen will gegen den bösen Verfassungsschutz, der im Sinne vermeintlich höherer Interessen den Verbrecher schützt und dabei über Leichen geht, ist doch ziemlich ausgelutscht.
Die Anspielungen auf den deutschen Herbst 1977 machen es nicht besser. Dass der Staat es sich so leicht gemacht hätte und die Stammheimer selbst tötete, um weiteren Befreiungsaktionen vom Typ Schleyer und Landshut den Boden weg zu ziehen, ist eine ziemlich steile These. Ebenso der Versuch, Verbrecher zu Heiligen und Opfern zu stilisieren. Deren Opfer sind dem Publikum freilich egal, sie kommen in der pseudohistorischen Aufbereitung nicht vor.

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