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Rechte Landnahme: Provokation zulassen. Oder ein gutes Buch lesen
DPA

Die Linke rätselt, was sie gegen den Vormarsch der Rechten tun kann. Und erschöpft sich gleichzeitig darin, auf alle Provokationen mit Empörung zu reagieren. Wie wär's mit Gelassenheit und eigenen Angeboten?

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kioto 10.03.2018, 15:35
1. Und wie ist das bei uns in DE?

"Deutsche VerlegerInnen haben unerschrocken ihre Unterschrift unter einen empörten Brief an die polnische Regierung gesetzt. Hut ab vor so viel Zivilcourage,"

Kaum weicht ein Autor etwas von die Linie ab, beeilt sich Suhrkamp sofort mitzuteilen, das geht nicht, haben wir nichts mit zu tun. Auch andere Autoren sollen durch Boykott auf Linie getrimmt werden. Unterscheiden wir uns nicht nur im Vorzeichen und der subjektiven Überzeugung "Wir sind die Guten" von Polen?

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dasfred 10.03.2018, 16:18
2. Guck da nicht hin, die können nix dafür

Lasst die Rechten schreien und hört nicht hin. Wenn sie auf keinerlei Resonanz stoßen, laufen sie ins Leere. Für Argumente sind sie nicht zugänglich und jede Reaktion gibt ihnen das Gefühl, wichtig genommen zu werden. Die Linken sind sowieso nicht geeignet, geschlossen zu reagieren. Dazu müssen sie erstmal in der Lage sein, drei Worte miteinander zu wechseln, ohne gleich in Richtungskämpfe zu verfallen. Kein Wunder, dass die Zielgruppe der Linken nicht mehr wählen geht.

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jizzyb 10.03.2018, 16:48
3. Die Stärke der Rechten ist die Schwäche der Linken

Die Rechten sind nicht stark. Es sind die Linken, die Schwach sind.
Sie sind es deshalb, weil sie nicht mehr den Willen der Bevölkerungsmehrheit vertreten sondern in Klientel-Politik aufreiben. Sie bedienen den politischen Willen von Minderheiten, sonnen sich im Glanz der Flüchtlingspolitik und verlieren den armen Rentner, der sich schon seit Jahren zur Tafel begeben muss, um zu überleben, aus dem Auge.
Und plötzlich muss dieser Rentner sich diese Almosen mit Zuwanderern teilen.
Kritik?
Wird nicht geduldet. Kritik an der Flüchtlingspolitik, Kritik am Feminismus, Kritik an der Unterstützung von Lobbyisten - alles böses, rechtes Gedankengut.
Und was hört man von den Linken Parteien? Selbstkritik? Nicht wirklich!
"Man hat unsere Botschaft nicht verstanden", oder "Wir müssen jünger und weiblicher werden" hört man, doch das ist falsch!
Die Linken Parteien müssen kompetenter, glaubwürdiger und volksnäher werden, um nicht noch mehr Wähler zu verlieren.

Denn wenn die Linken meine Probleme nicht mehr beachten, wende ich mich an die, welche es (scheinbar) tun.
Schaut, wer euch wählt, bzw. wer euch gewählt hat und schaut auch warum.
Dann werden die linken Parteien auch wieder stark werden und die rechten entsprechend schwächer.
Die Krise der Demokratie wie wir sie jetzt erleben, ist eine Krise derer, die sie eigentlich verteidigen sollten - es ist eine Krise der Linken!

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josifi 10.03.2018, 17:30
4.

Zitat von kioto
"Deutsche VerlegerInnen haben unerschrocken ihre Unterschrift unter einen empörten Brief an die polnische Regierung gesetzt. Hut ab vor so viel Zivilcourage," Kaum weicht ein Autor etwas von die Linie ab, beeilt sich Suhrkamp sofort mitzuteilen, das geht nicht, haben wir nichts mit zu tun. Auch andere Autoren sollen durch Boykott auf Linie getrimmt werden. Unterscheiden wir uns nicht nur im Vorzeichen und der subjektiven Überzeugung "Wir sind die Guten" von Polen?
Suhrkamp ist ein privater Verlag und kann tun, was er will. Sie können das ja ignorieren und ausweichen.
Das fällt bei einem Staat wie Polen den Staatsangehörigen deutlich schwerer...

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sir wilfried 10.03.2018, 17:32
5. Netter Versuch

Zitat von dasfred
Lasst die Rechten schreien und hört nicht hin. Wenn sie auf keinerlei Resonanz stoßen, laufen sie ins Leere. Für Argumente sind sie nicht zugänglich und jede Reaktion gibt ihnen das Gefühl, wichtig genommen zu werden. Die Linken sind sowieso nicht geeignet, geschlossen zu reagieren. Dazu müssen sie erstmal in der Lage sein, drei Worte miteinander zu wechseln, ohne gleich in Richtungskämpfe zu verfallen. Kein Wunder, dass die Zielgruppe der Linken nicht mehr wählen geht.
Netter Versuch. Totschweigen hat ja auch jahrelang funktioniert, ohne sich um die angeprangerten Mißstände zu kümmern. Auf Dauer lassen sich die Probleme aber auch mit inhaltslosen Unterstellungen und Hasstiraden nicht unter der Decke halten. Es gibt nur eine Möglichkeit: Fehler der Vergangenheit eingestehen und Lösungen im Sinne der Menschen voranbringen. Alternativlos? Leider nicht.

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kuenzer 10.03.2018, 17:34
6. Die falschen Prioritäten

Wie wird denn die Linke in vielen Teilen der Bevölkerung heute wahrgenommen? Da wird eine Diskussion angeregt, die Nationalhymne geschlechtsneutral zu formulieren.
Oder als elitäre Stadtbevölkerung, die herablassend über ein Dorf herzieht, weil eine Kirchenglocke mit Hakenkreuz seit 70 Jahren einfach nur geläutet hat, statt geläutert geworden zu sein.
Das sind nur zwei, und zugegeben, blöde Beispiele. Die aber den linken Ideen mehr schaden, als sie je nützen könnte. Klar, alles Dinge, über die gesprochen werden muss. Aber in einer Zeit, in der rechte Rattenfänger nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa unterwegs sind, die falschen Prioritäten, um linke Ideen und Ideal in der Bevölkerung zum Vortrieb zu verhelfen.

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Claes Elfszoon 10.03.2018, 17:40
7. Gut, offene ...

Zitat von kioto
"Deutsche VerlegerInnen haben unerschrocken ihre Unterschrift unter einen empörten Brief an die polnische Regierung gesetzt. Hut ab vor so viel Zivilcourage," Kaum weicht ein Autor etwas von die Linie ab, beeilt sich Suhrkamp sofort mitzuteilen, das geht nicht, haben wir nichts mit zu tun. Auch andere Autoren sollen durch Boykott auf Linie getrimmt werden. Unterscheiden wir uns nicht nur im Vorzeichen und der subjektiven Überzeugung "Wir sind die Guten" von Polen?
... Briefe in einer offenen Gesellschaft an die polnische Regierung (Polen ist - erkennbar - auch noch eine offene Gesellschaft) oder - noch alberner - an den österreichischen Bundeskanzler, sind jetzt alles andere als ein Zeichen von Zivilcourage. Sie könnten sogar als Anzeichen einer hilflosen, weil konzeptionslosen, Arroganz gelten, wenn sie keine tragfähigen Alternativen aufzeigen.
Doch warum der lamoyante Unterton? Muss ein Verlag sich mit allen Äußerungen und Entäußerungen seiner Autoren solidarisch erklären?
Wo ist da eine "Trimmung auf Linie" oder ein Aufruf zum "Boykott" erkennbar - und haben bisher die Autoren, die heftigster öffentlicher Kritik ausgesetzt waren, nicht gerade die größte Resonanz bekommen?
So ist das nun einmal mit der Demokratie: Weder die einen noch die anderen haben einen Anspruch darauf gehört zu werden ohne eine Antwort zu bekommen und Antworten können - oh Wunder - sehr unterschiedlich ausfallen.
Es gibt auch in einer Demokratie Betrug, Ungerechtigkeiten, die politische Lüge, den gesellschaftlichen Tanz auf dem Vulkan, Unmenschlichkeit, Übergriffe und Unterschliffe, Korruption, Verbrechen u.v.m. aber die Unterschiede zu Totalitarismus und Menschenverachtung, gehen dabei eben nicht verloren. Die einen können Reden ohne zu sterben und die anderen müssen bei ihren Reden mit Widerspruch rechnen.

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geranie.rose 10.03.2018, 17:41
8.

Was der Linken fehlt ist nicht nur Gelassenheit. Sie muß aus dem Empörungsmodus herauskommen und wieder lernen, die Wirklichkeit zu analysieren. Der Marxismus war mal eine Theorie, die großen Wert darauf legte, die Gesellschaft nicht nur zu kritisieren, sondern auch und in erster Linie angemessen zu beschreiben. Marx schimpft nicht auf das Kapital, er beschreibt das Kapital.

Wer immer nur die Nazi-Keule schwingt, wie hier wieder Frau Berg, verstellt sich den Blick. Ich halte auch nichts davon, wenn sich die Linke aus dem gesellschaftlichen Diskurs verabschiedet und zum Beispiel eine eigene - nämlich "linke" - Buchmesse organisiert, auf der dann "rechte" Bücher verboten sind. So was fürht nur zu Sektierertum und am Ende intelektueller Bedeutungslosigkeit.

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sonjarath 10.03.2018, 17:42
9. Tja, die Meinungsfreiheit...

Von SpOn bis zur Aachener Zeitung rollte nach dem Verlagstweet die Meldung: „Suhrkamp distanziert sich von Uwe Tellkamp“; einige Medien informierten ihre Leser noch etwas ausführlicher darüber, was sie von dem „Turm“-Autor zu halten haben:

„Tellkamp („Der Turm“) hatte am Donnerstag in Dresden bei einer Diskussion Positionen der AfD und der islam- und ausländerfeindlichen Pegida-Bewegung vertreten“, teilt der Tagesspiegel mit.

„Bereits in der Vergangenheit ist Tellkamp damit aufgefallen, dass er sich nicht von Rechten distanziert hat“, schreibt die Süddeutsche Zeitung.

Feindlich-negative Person
Stilistisch ähneln die Passagen erstaunlich den Einträgen der Staatsicherheit in Akten über damals so genannte feindlich-negative Personen.

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