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Religion : Hat Gott als System versagt?
REUTERS

Religion wurde lange missbraucht, um zu unterdrücken. Dabei ist Gott doch einfach das Gute, das in unserem Inneren mit dem Bösen kämpft. Oder?

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jörg seifert 26.12.2015, 21:19
330.

Zitat von h.weidmann
Solche Aussagen hauen mich immer wieder vom Sessel. Was Sie vergessen haben: Bigotterie, Intoleranz und Missionierung. Das ist es, was die "großen" Religionen ausmacht.
Da hätten Sie mal erleben sollen, wie tolerant Stalin oder Mao in der Verbreitung ihres Atheismus waren und welche perfiden Mittel der Missionierung sie zur Anwendung brachten.

Mich fasziniert immer mit welcher Bigotterie und Heuchelei Atheisten ganz schnell bei der Sache sind, alle Übel der Welt der Religion in die Schuhe zu schieben, aber die Millionen Leichen vor der eigenen weltanschaulichen Haustüre geflissentlich übergehen.

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forumgehts? 26.12.2015, 21:22
331. Wollen

Zitat von Oihme
Das ist sogar eine der Kernaussagen des Katholizismus. Nach dem Schöpfungsakt (die RKK hat mit Urknall und der Evolutionstheorie bekanntlich keinerlei Probleme mehr!) greift Gott nur noch über den freien Willen des Menschen in den Lauf der Welt ein.
Sie diese Aussage wirklich aufrecht erhalten? Denn dann ist er entweder nicht allwissend, denn jedem vernünftigen Menschen ist es klar, dass dann die Menschheit in einem Riesenschlamassel enden wird oder er wäre böswillig und bezweckte genau das. Im übrigen kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand, der es bis zum Kardinal oder gar Papst gebracht hat, noch an Gott glauben kann. Dafür sollte er zu viel über dessen Ebenbilder (was für eine ungeheuerliche Unverschämtheit!!) wissen.

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albert schulz 26.12.2015, 21:24
332. die gesamte Theologie in einem Satz

Die Menschen suchen grundsätzlich einen Sinn in ihrem Leben zu finden, und den finden die einfach gestrickten in Gott, der Erlösung, dem Paradies. Gibt es einen Gott, so hockt er im Menschen. Er ist ein Bedürfnis aus Ohnmacht, das man nutzen kann, indem man das Hilfsgerüst Gott definiert und mit Inhalten versieht.
Gott ist nichts anderes als Ausweichen. Er ist immer geeignet als Begründung, egal ob etwas geklappt hat oder nicht, ob ich egoistisch oder altruistisch gehandelt habe. Mit einer guten Religion kann ich alles begründen, bemäntelnd Honigseim drüberschütten.

Weihnachten ist besonders erkenntnisreich. Die Menschen sind zu Tränen gerührt, weil sie sich als so wahnsinnig nächstenliebend empfinden. Alles wabert in einer Harmoniesoße, FriedeFreudeEierkuchen allüberall, Seelenorgasmus pur. Es wird Einem ganz warm ums Herz vor lauter Rührseligkeit.

Eine Sache ist klar: es gibt keine Religion auf der Welt, die sich so gut zum Selbstbetrug eignet wie das Christentum. Der Selbstbetrug ist nun mal des Menschen liebste Beschäftigung. Wir lieben uns alle ist ein sagenhafter Schmarren, aber unsagbar beliebt.
Subjektiv ist es natürlich recht gleichgültig, ob man einer Religion oder einer Ideologie anhängt. Und deren gibt es viele, mehr oder weniger moralisch. Jeder Berufsstand hat seine eigene, jeder Hobbyist, auch in den Wissenschaften sind fixe Ideen außerordentlich beliebt und verbreitet, sogar in der Philosophie. Man denke nur an die unglückliche Trennung von Körper und Seele. Und an all das, was man dieser unschuldigen Seele alles angedichtet hat, obwohl man sie gar nicht kennt. Journalismus ist übrigens immer Ideologie in Reinform, nie auch nur ansatzweise philosophisch, obwohl sich jeder Journalist für einen Philosophen hält. Prophet wäre passender. Am besten mit einem passenden Attribut.

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syracusa 26.12.2015, 21:24
333.

Zitat von Oihme
Im Gegenteil, die Frage der Wahrscheinlichkeit ist sogar eines der überzeugendsten Indizien dafür, dass es einen Gott gibt. Weil es ihn geben muss. Denn die Wahrscheinlichkeit der Entstehung eines Universums und des Lebens ohne eine dahinterstehende, ordnende Kraft ist.vernichtend gering.
Tja, aber wenn nahezu unendlich viele Universen entstanden sind (was z.B. bei den Stringtheorien und noch mehr bei Viele-Welten-Theorien die simpelste Sache der Welt ist), dann gibt es auch bei noch so kleiner Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Leben in einem Universum mit größter Wahrscheinlichkeit doch sehr, sehr viele Universen, in denen Leben entstanden ist. Und in einem davon sitzt dann einer, der meint, dass die Tatsache, dass er in so einem Glücksfall von Universum sitzt, der Beweis für die Existenz Gottes sei.

Sie sind wie der Lottospieler, der vergessen hat, dass er 100 Millionen Lose gekauft hat, und sich dann darüber wundert, dass ausgerechnet er die 6 Richtigen hat.

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karljosef 26.12.2015, 21:24
334. Zitat, Johannesevgl.

"Gott ist Liebe".

was daraus gemacht wurde, ist das krasse Gegenteil.

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syracusa 26.12.2015, 21:25
335.

Zitat von nobody_incognito
Wären Sie halbwegs vernünftig, wüssten Sie, dass es ohne Gott gar nicht geht. Die Wurzel der Unvernunft ist die Todesangst - aus der kommen Sie nicht raus ohne Gottvertrauen.
Meine Existenz beweist das Gegenteil.

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nobody_incognito 26.12.2015, 21:25
336. Ruh

Zitat von zufriedener_single
Eine wesentliche Eigenschaft des Denkens ist das Erschaffen und verändern von Konzepten. Alles, was man über Gott sagen kann, ist ein Konzept. Insofern ist jede Diskussion über Gott genau das: "Über" - und geht damit ganz von selbst am Kern der Sache vorbei. Und dennoch ist klar, daß es so was wie einen "Gott" geben muß, denn sämtliche Erklärungsversuche können eines nicht: Sie können nicht erklären, was die Ursache dafür ist, daß es überhaupt etwas gibt. Ein Physiker mag einwenden: Doch! Es kann "etwas" aus "nichts" entstehen. Jedoch: Was ist die Ursache dafür, daß das so ist? Darauf liefert die Physik keine Antwort. Was bleibt? ... Gott Oder: Man läßt es einfach so sein. Dann hat man auch seine Ruh'.
Entweder Gott *ist* oder er/sie *ist* nicht. Beides ist völlig unabhängig davon was wir darüber denken, bzw. es obliegt der Eigenverantwortung zu einer objektiv richtigen Sicht zu kommen. Das Ego macht aber objektives Sehen unmöglich, also wäre es eine Grundvoraussetzung sich von der Egomanie und dem Narzissmus befreit zu haben. Davon sind die meisten aber noch Lichtjahre entfernt. Vllt. ist die Befreiung davon auch die eigentliche Antwort auf alle Probleme.

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syracusa 26.12.2015, 21:28
337.

Zitat von novoma
Nur ist der Gott, den einige Physiker für möglich halten, nicht gerade ein Ebenbild desjenigen, der in den verschiedenen Religionen beschrieben wird. Eher eine Art himmlischer Knöpfchendrücker, der, nachdem er den Urknall ausgelöst hat, in die Versuchsanordnung nicht mehr groß eingegriffen hat.
Mit genau diesem Knöpfchendrückergott ist die katholische Kirche ja überaus glücklich, weshalb sie offiziell ja die Urknalltheorie bevorzugt unterstützt.

Ich kenne keinen Theologen, der ernsthaft an irgendwelche Wundermärchen glaubt, wie sie in der Bibel beschrieben werden. Aber mir ist klar, dass es solche reichlich gibt.

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klmo 26.12.2015, 21:32
338.

Zitat von Attila2009
Ja die Wissenschaftler haben noch Grenzen. Wir wollen ja doch nichts Unmögliches verlangen dass die schon alles wissen, obwohl die schon weit voran geschritten sind. Und hier kommt wieder das Platzhaltersymbol "Gott". Gott ist nur dort wo die Wissenschaft noch nicht war. Nachdem er früher über den Wolken schwebte hat Er sich heute schon hinter die letzten Geheimnissse des Universums zurückziehen müssen und sollten wir die auch noch entschlüsseln werden wir ihn dort auch nicht finden. Muss das Universum eigentlich irgendwie entstanden sein oder war es schon immer da, aber verändert sich laufend nach uns noch unbekannten Gesetzmäßigkeiten ? Kommt irgendwann nach dem Urknall der "Big Crash" oder stirbt es einfach den Kältetod, wir wissen es nur (noch ) nicht.
Wir liegen nicht so weit auseinander. Zitiere dazu Friedrich Schleiermacher (Über die Religion): "Nicht der hat eine Religion, der an eine heilige Schrift glaubt, sondern der, welcher keiner bedarf und wohl selbst eine machen könnte."
Ihre Religion sind die Wissenschaften. Sie glauben, Sie implizierten das Wissen in eigener Regie. Dabei bedienen Sie sich nur wissenschaftlichen Erklärungsmodellen.
Dazu Hoimar von Ditfurth:
"Welch unglaubliche Arroganz steht doch hinter der gedankenlosen Selbstverständlichkeit, mit der wir davon ausgehen, dass das Universum, dass die Geschichte der Natur und dass die Evolution des Lebens auf der Erde 13 Milliarden Jahre lang ohne Geist, ohne schöpferische Phantasie, ohne Intelligenz haben auskommen müssen, weil es uns noch nicht gab."

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nobody_incognito 26.12.2015, 21:36
339. Stimmt

Zitat von syracusa
Meine Existenz beweist das Gegenteil.
JedeR ist sich selbst ein Gottesbeweis oder des Gegenteils. Dann wird uns der Tod eben zu Gnostikern machen - jedenfalls würde ich mir auf eine Existenz "hier" nichts einbilden^^. M.E. ist es eh nur Illusion/Maya oder eine Art bewusstseinserweiterndes Fegefeuer. Ergo ich persönlcih glaube an gar kein Leben vor dem Tod. ;-)

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