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Schwarzer Block bei G20: Jede Gesellschaft hat die Rebellen, die sie verdient
REUTERS

Die Autonomen setzen radikal um, was heute hoch im Kurs steht: Selbstverwirklichung und Authentizität. Deshalb ist es zu kurz gedacht, sie bloß als verirrte Kriminelle abzutun.

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aggelbagg 13.07.2017, 13:13
1.

Selbstverwirklichung ist grundsätzlich etwas Konstruktives. Gegen die herrschenden materiellen Kriterien für ein "gelungenes" Leben wehrt man sich, indem man sich drauf setzt und anders lebt. Wir haben hierzulande eine große Wahlmöglichkeit. Vandalismus ist das Mittel derer, die selbst nichts auf die Reihe kriegen und andere dafür verantwortlich machen.

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cpt.z 13.07.2017, 13:28
2. Keineswegs

@ #1 agelbagg: Keineswegs ist Selbstverwirklichung etwas konstruktives. Es hat etwas ganz und gar destruktives, denn es ist durch und durch egoistisch. Das spiegelt sich in der Gesellschaft wieder und es zersetzt sie Gesellschaft. Konsens ist zu anstrengend, Rücksichtnahme ebenso und warum noch den extra Meter gehen, nur für jemanden anderen. Es gab Zeiten, da musste man um des Überlebens Willen zusammenstehen - auch mit Menschen, die einem unter Normalbedingungen zuwider gewesen wären. Heute geht es nur noch um das Selbst, die innere Mitte, die persönliche Erfahrung und die Zurschaustellung davon. Hauptsache man selbst hat eine Meinung und ein Ziel. Genau das war in Hamburg zu sehen. Die Gesellschaft spielt keine Rolle mehr.

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fab64 13.07.2017, 13:38
3. Wenn es doch nur Selbstverwirklichung wäre

Ist es aber nicht. "Vielleicht ist Freiheit nur der kurze Moment, wo der Pflasterstein in die Hand genommen wird, bis zum Zeitpunkt wo er auftrifft", dies ist eben nicht nur eine radikale Form der Selbstbestimmung, sondern eine Einschränkung Anderer, wenn eben dieser Pflasterstein gegen einen anderen Menschen geschleudert wird. Selbstbestimmung auf Kosten anderer ist doch eigentlich etwas, was man eher den Kapitalisten anlasten würde. Insofern keinen Deut besser. Und dann noch: "Sie (die Gewalt) richtet sich gegen Polizisten als Vertreter des Staates, aber nicht, wie bei Rechtsextremisten und Neonazis, gegen Ausländer." Macht es das besser? Polizisten, Ausländer, wir alle sind doch Menschen. Mit Gewalt, egal welches Ziel ein Täter damit zu verfolgen meint, werden wir nie eine bessere Welt schaffen können!

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frankfurtbeat 13.07.2017, 13:44
4. irgendwie ...

irgendwie verstehe ich die Aufregung nicht ganz. Sicher ist unnötige Randale und Vandalismus geschehen doch sollte man sich überlegen welches Unheil diese 20 Vertreter auf dem Planeten durchziehen. Interessiert nicht solange meine Straße nicht betroffen ist? Bei den Aktionen der "Mächtigen" geht es um ganze Regionen welche aus Machtgier und Regionalansprüchen zerstört werden - ganz zu schweigen von den Millionen an unschuldigen Menschenleben welche den Ansprüchen zum Opfer fallen ...

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Florentinio 13.07.2017, 13:46
5. Kriminell

Was mich in vielen Beiträgen zum G20 stört ist, dass zwischen politisch motivierte Gewalt und krimineller Gewalt auf dem G20 nicht differenziert wird. Die Supermärkte wurden von organisierten Banden geplündert, die die Gunst der Stunde genutzt haben. Das hat zwar mit Armut zu tun, aber nichts mit bürgerlicher Revolutionsromantik.

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thrifter 13.07.2017, 13:46
6. Ich glaube nicht,...

...daß es in der Geschichte der Menschheit, unter welcher Gesellschaftsform auch immer, jemals akzeptabel bzw. ethisch vertretbar gewesen ist, das kleine bißchen private Eigentum der Nachbarn mutwillig und völlig sinnbefreit zu zerstören.

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muellerthomas 13.07.2017, 13:46
7.

Zitat von cpt.z
@ #1 agelbagg: Keineswegs ist Selbstverwirklichung etwas konstruktives. Es hat etwas ganz und gar destruktives, denn es ist durch und durch egoistisch. Das spiegelt sich in der Gesellschaft wieder und es zersetzt sie Gesellschaft. Konsens ist zu anstrengend, Rücksichtnahme ebenso und warum noch den extra Meter gehen, nur für jemanden anderen. Es gab Zeiten, da musste man um des Überlebens Willen zusammenstehen - auch mit Menschen, die einem unter Normalbedingungen zuwider gewesen wären. Heute geht es nur noch um das Selbst, die innere Mitte, die persönliche Erfahrung und die Zurschaustellung davon. Hauptsache man selbst hat eine Meinung und ein Ziel. Genau das war in Hamburg zu sehen. Die Gesellschaft spielt keine Rolle mehr.
Sie scheinen selbstverwirklichung als Kontrast zu Rücksicht zu sehen. Weshalb?

Und wenn Sie schon auf die gute, alte Zeit zurückblicken: Gewaltkriminalität ist seit vielen Jahren rückläufig. Die zunehmende Individualisierung, die Sie als so egositisch und rücksichtslos brandmarken, hat da offenbar positiv gewirkt....

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scoopx 13.07.2017, 13:49
8. Stadtguerilla und strukturelle Gewalt

Seit den Zeiten der RAF hat sich die strukturelle Gewalt des Systems so verstärkt daß sie auch in die Hirne der Menschen eingedrungen ist. Aus Stadtguerilla wird ein "Event", und bald wird es im Studiengang "Event-Management" ein Teilgebiet "Krawallogie" geben.

Das gilt auch für die Protestbewegungen der letzten Jahre. Was ist denn geblieben von der "Piratenpartei" oder "Occupy Wall Street"? Nichts. Die Menschen spüren zwar ein vages Unbehagen am Turbokapitalismus, aber in Wahrheit halten sie ihn für unzerstörbar und alle Gegenkonzepte für gescheitert. Meine Generation konnte noch Bündnisse schließen mit dem "einfachen Volk", wenn es etwa darum ging, gegen die Startbahn West am Frankfurter Flughafen aufzustehen oder gegen Atomkraftwerke. Seitdem hat sich eben dieses Volk auspressen lassen bis die Kerne zwitschern und ist dennoch immer konservativer geworden.

Versteht überhaupt einer noch das Konzept der strukturellen Gewalt? Ich glaube nicht.

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ludna 13.07.2017, 13:53
9. Da habe ich eine Idee:

" In ihren Handlungen und Heldengeschichten spiegeln sich die Wertvorstellungen einer Gesellschaft, die Selbstverwirklichung und Authentizität ganz oben auf die Skala gesetzt hat. Was könnte authentischer sein als der körperliche Extremeinsatz gegen alle Regeln?"

Sie wollen körperlichen Extremeinsatz ?? Wie wäre es mit Steinbruch. Oder Trekkejunge im Bergwerk Oder Zement mischen mit Schubkarre und Schaufel ? Wahrscheinlich würde selbst Unkraut jäten die Herrschaften ans Limit treiben.

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