Forum: Kultur
Sexismus-Debatte: Falsche Solidarität
Getty Images

Immer neue Vorwürfe: Mächtige Männer sollen bedrängt, missbraucht und vergewaltigt haben. Schlimm? Für manch konservativen Feuilleton-Mann gibt es offenbar Schlimmeres: Die angebliche Ungerechtigkeit der Debatte.

Seite 1 von 8
gs310167 10.11.2017, 21:48
1. Echt jetzt...

Klar gibt es bei sexueller Belästigung nichts zu entschuldigen. Aber Anschuldigungen nach Jahrzehnten hervorzukramen (siehe einige Fälle in den USA) und Leute ohne Prozess "abzuurteilen", den Ruf und Karriere zu ruinieren, geht aber nun auch nicht.
Ich lebe seit 20 Jahren in den USA. In Corporate America (abseits der Medien- und Unterhaltungsindustrie) versteht man bei sexueller Belästigung keinen Spass.
Um etwaigen falschen Anschuldigungen gar nicht erst ausgeliefert zu sein, halte ich mich in diesen Zeiten an einige Regeln: Ich bin niemals allein mit Kindern (ausser meinen eigenen), ich treffe mich nie allein mit Frauen (ausser meiner eigenen) in privaten Räumen. Ich mache Frauen grundsätzlich keine Komplimente mehr und sollte ich mich mal alleine im Aufzug mit einer Frau wiederfinden schaue ich auf den Boden oder mein smartphone, doch niemals die Frau an.
Schade eigentlich.

Beitrag melden
nosports28 10.11.2017, 21:54
2.

Ein ehemaliger Mitarbeiter von Spacey berichtete, kein Mann unter 30 sei vor seinen Avancen sicher gewesen. Ähnliche Beschreibungen gibt es auch über das Arbeitsklima bei Madonna. Nur ohne die öffentlichen Stürme der Entrüstung. Ich frage mich, woran das liegen könnte.

Beitrag melden
Freedom of Seech 10.11.2017, 22:11
3. Sexismus und konservative Männer?

Liebe Frau Horn, ich glaube Sie bringen da etwas durcheinander. Sexismus hat rein gar nichts mit konservativ zu tun. Harvey Weinstein stand der demokratischen Partei nahe und galt in der Öffentlichkeit als großer Frauenförderer. Kevin Spacey ist schwul und stand ebenfalls der demokratischen Partei nahe. Also: bei oberflächlicher Betrachtung zwei erfolgreiche, moderne und liberale Männer. Ich würde mal behaupten: Politische Kategorien greifen beim Thema Seximus nicht - eher die Kategorie "Arschlochfaktor". Gibt es quer durch die politische Landschaft und übrigens nicht nur bei Männern sondern auch bei Frauen wenn Sie wissen was ich meine.

Beitrag melden
hoppelkaktus 10.11.2017, 22:16
4. Huh! Sie machen es sich gerne leicht mit Ihrer simplen Weltanschauung, wie?

"Konservativer Feuilleton-Mann"; "ältere weiße Männer"; "endlich bröckelt die Macht des Patriarchats" - sagen Sie mal, werte Verfasserin: kann es sein, dass Sie ein bisschen ideologisch vernagelt sind und daher Ihre eigenen sexistischen Plattidüdchen nicht wahrnehmen? Bemerkenswert ist an Ihrem netten Artikel zudem, dass Sie (wie ja allzu viele andere feministische Kämpferinnen auch) gänzlich dazu schweigen, wie viele konservative oder nicht konservative Feuilleton-Frauen, jüngere und ältere weiße oder auch nicht weiße Frauen, sowie Amazonen wider das vermeintliche oder tatsächliche Patriarchat seit geraumer Zeit ebenfalls ihr Missfallen äussern (und dies nicht weniger leidenschaftlich als etliche Männer) über eine gewisse Wilkür und Wahllosigkeit der gegenwärtigen Sexismus- und Belästigungs- plus Männerherrschaftsdebatte. Oder anders gesagt: Längst nicht die Mehrheit der Frauen teilt Ihre (zum Teil) überspitzten Ansichten und Einschätzungen zu dieser heiklen Facette menschlichen Miteinanders, sondern die schärfste Opposition gegen Ihre Art von sich überschlagendem Feminismus sind eben gerade andere Frauen (und ich bin überzeugt, Sie wissen das genau!). Und wenn für Sie tatsächlich die "nicht bestellte" Zusendung eines BLUMENSTRAUSSES bereits ein sexistisches Sakrileg, einen sexistisch belästigenden Übergriff bedeutet - nun, ganz ehrlich, dann sind Hopfen und Malz bei Ihnen schon lange verloren.

Beitrag melden
christian simons 10.11.2017, 22:27
5.

Zitat von nosports28
Ein ehemaliger Mitarbeiter von Spacey berichtete, kein Mann unter 30 sei vor seinen Avancen sicher gewesen. Ähnliche Beschreibungen gibt es auch über das Arbeitsklima bei Madonna. Nur ohne die öffentlichen Stürme der Entrüstung. Ich frage mich, woran das liegen könnte.
Man könnte auf die Idee kommen, dass der Fall Spacey vor allem deshalb ein Ärgernis ist, weil er das Monopol der feministischen Opferrolle relativiert.

Und es kommt noch schlimmer: Neuerdings gibt es sogar unschöne Anschuldigungen gegen Mariah Carey. Im derzeit tobenden Geschlechterkampf werden die Fronten immer unübersichtlicher.

Beitrag melden
mr_scrooge 10.11.2017, 22:54
6. gähn........

wen, außer einer marginalen Gruppe interessiert das eigentlich? Aber toben Sie sich ruhig aus. Um Warren Buffet zu zitieren: " Im Krieg arm gegen reich wird nur eine Gruppe gewinnen, und das sind wir." Viel Spaß weiterhin.

Beitrag melden
bmvjr 11.11.2017, 01:20
7. Medientheater

Es faellt schon auf, dass seit Monaten ein prominenter Mann nach dem anderen als Suender entlarvt, entdeckt und von den Medien weidlich ausgeschlachtet wird. Da soll wohl der Eindruck entstehen, nur die reichen oder maechtigen Maenner leisten sich Fehltritte. Und es wird auch suggeriert, solches Verhalten sei relativ neu, eben bei im Durchschnitt heute Sechzigjaehrigen, die sich vor dreissig Jahren vergangen haben. Aufgewacht, Leute, dieses Problem gibt es seit Beginn der Menschheit und es zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten hindurch, von den reichen, maechtigen Maennern zu dem kleinen Hausmeister, Handwerker, Ladenbesitzer oder LKW-Fahrer usw. Das ist kein Julius Caesar Syndrom sondern jeder Hans und Franz konnte und kann sich derartig fehlverhalten. Schade, dass die Medien derzeitig einen Zirkus veranstalten, der den voellig verblendeten Eindruck erzeugt, das sei ein Verhalten der Maenner aus den oberen Zehntausend der Gesellschaft. Die Ausnutzung einer gewissen Macht, einer Ueberlegenheit, einer Abhaengigkeit zum Durchsetzen und Durchfuehren einer sexuellen Straftat findet und fand schon immer auf allen Ebenen der Gesellschaft statt, nicht nur bei den medientraechtigen Promis und nicht erst seit 30 Jahren! Darin liegt die Schande.

Beitrag melden
mazzmazz 11.11.2017, 07:37
8. Make love not war....

Also alles Sexisten!
Der triebgesteuerte Steinzeitmann jagt täglich, zu jeder Stunde, das Weibchen.
Wir haben uns als westliche Gesellschaft mittlerweile in einen Krieg der Geschlechter begeben, der nicht zu weniger wirklich schlimmen Übergriffen geführt hat, durchaus aber zu einer hohen Unsicherheit im Umgang miteinander.
Ihnen passt ein Kompliment nicht? Bleiben Sie stur auf der Faktenebene und wechseln Sie das Thema.
Sie werden in einer Weise berührt die Sie nicht wollen? Gehen Sie einen Schritt zurück. Sagen Sie klar, dass Sie eine gewisse körperliche Distanz bevorzugen. Das geht sogar mit einem Lächeln.
Biedern Sie sich nicht beruflich Höhergestellten auf zweideutige Weise an. Sie könnten ein Missverständnis erzeugen.
Ganz einfach eigentlich.
Ein paar Neandertaler gibt es natürlich immer. Aber ob es den Frauen insgesamt zum Vorteil gereicht, jeden Mann unter Generalverdacht zu stellen, wage ich zu bezweifeln.
Wollen Sie nur noch über Onlinedating nach einem detaillierten Faktencheck angesprochen werden? Gott wäre das öde.
Kein Wunder, dass junge deutsche Männer mittlerweile Angst vor der Familiengründung mit solch bräsigen, humorbefreiten Amazonen haben.
Bei der aktuellen Debatte in den USA geht’s übrigens v.a. um Geld.

Beitrag melden
jazzistanders 11.11.2017, 08:27
9.

Die "Ärgernisse", über die ihr Kollege bei der Zeit schreibt, sind im Gegensatz zu Anschuldigungen der Kategorie Weinstein, Spacey, etc. genau das. Wie kann man ernsthaft SMS und Blumensträuße mit sexueller Nötigung gleichsetzen? Wie jeder vernünftige Mensch bin ich natürlich gegen Sexismus. Es ist allerdings ein Unterschied, ob ich einen blöden Anmachspruch am Arbeitsplatz bekomme (nicht ok) oder abends in einer Bar (that's life).
Es schadet der an sich guten Sache doch eher, wenn man missglückte Flirtversuche mit in den Sexismuskanon aufnimmt. Wenn alles Sexismus ist, ist nichts Sexismus.

Beitrag melden
Seite 1 von 8
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!