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Sexismus-Debatte: Hauptsache, es ist laut und krass
DPA

Die Gegenbewegung zu #MeToo ließ nicht lange auf sich warten: Reaktionäre Journalisten lenken vom Sexismus-Diskurs ab und zweifeln die Aufklärung von sexuellem Missbrauch an.

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ergo-oetken 12.11.2017, 17:12
1. Transgenerationale Weitergabe von Traumatisierungen – Missbrauch mit

Kevin Spacey ist ein ausgezeichneter Schauspieler. Er hat das Zeug zu darstellerischer Genialität, aber dazu müsste er sich den traumatischen Anteilen seiner Biografie stellen und sie aufarbeiten. Erst dann kann man sich von ihnen auf gesunde Weise distanzieren und wirklich mit ihnen operieren. Spaceys Bruder, Randall Fowler ist das, glaubt man dessen sehr authentischen Schilderungen, gelungen. Vermutlich arbeitet Fowler hart an sich, um nicht an seinen Mitmenschen zu wiederholen, was sein Vater und seine Mutter ihm früher einmal angetan hatten. Und ähnelt damit so vielen Leuten, die in ihrer Kindheit Gewalt, Missbrauch und emotionale Kälte erleben mussten. Bezeichnend für unsere Kultur, dass Kevin Spacey, der sich offenbar mit seinem Vater, dem Aggressor seiner Kindheit identifizierte, der Aufstieg zum umjubelten, reichen Star gelangte, während sein Bruder Randall sich wie so viele andere Menschen auch durchs Leben schlagen muss
https://www.stern.de/lifestyle/leute...r-7681304.html

Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen erwachsenen Menschen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden

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roski 12.11.2017, 17:18
2. Sehr deutsch?

"Das Ergebnis ist ein sehr deutscher, täterfixierter Exkulpations-Diskurs."
Zumindest für die Schweiz kann ich sagen, dass der Diskurs dort genau gleich ist. Würde mich doch wundern, wenn das im Rest Europas anders wäre.

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Bulle Geiger 12.11.2017, 17:23
3. Wie üblich...

trieft der Text des Herrn Diez vor Selbstgefälligkeit und vermeintlicher moralischer Überlegenheit.
Das aber, unabhängig von der schwere der vermuteten oder tatsächlichen Straftaten, die diese Debatte losgetreten haben, immer noch geboten ist, den Einzelfall zu prüfen und nicht den Vorwurf zur Tatsache zu erheben, lässt er einfach unter den Tisch fallen.
Es entstehen aber nun mal Fragen, die legitim sind und die beantwortet werden wollen und müssen - dies haben Fälle wie der eines Jörg Kachelmann zweifelsfrei bewiesen.
Dass er sich dem verweigert, zeigt eigentlich nur seine eigene eingeschränkte Sicht auf die Debatte, nicht die der anderen...

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ergo-oetken 12.11.2017, 17:26
4. Aufarbeiten was war, kann sehr krass sein

Vor einer Woche wurde verlautbart, Kevin Spacey werde vorerst nicht mehr öffentlich auftreten, weil er sich einer Psychotherapie unterziehen wolle. Vermutlich eine gute Entscheidung. Ich hoffe, sie führt dazu, dass Spacey überlegt, wie er den Schaden, den er anderen Menschen zugefügt hat, regulieren kann. Was den Weg der Aufarbeitung angeht, würde ich nicht in Kevin Spaceys Haut stecken wollen, denn das, was Randall Fowler im Stern-Interview über das Verhältnis, das sein Bruder zur Mutter hatte sagt, lässt Böses, aber für solche Fälle Typisches ahnen:
"Außer zu seiner Mutter habe Spacey nie eine richtige Beziehung gehabt, ist sich Fowler sicher."
http://www.sueddeutsche.de/wissen/se...6?reduced=true

Die meisten Sexualstraftäter sträuben sich hartnäckig dagegen, eine Therapie zu absolvieren, um so ihre Lebensgeschichte aufzuarbeiten und sich mit ihren Verbrechen auseinander zu setzen, bzw. kooperieren sie bei der Behandlung nicht ernsthaft genug oder hintertreiben sie sogar. Das gründet vor allem in der Angst dieser Menschen, sich der Erkenntnis zu stellen, dass gerade die Person, von der man dachte, dass sie einen bedingungslos liebt, den größten Schaden angerichtet hat. Weil sie keine Liebe schenkte, sondern das Gegenteil davon.

Die Kunst ist, sich selbst zu vertrauen und sich selbst zu genügen. Erst dann ist man wirklich unabhängig von anderen Menschen. Man braucht sie nicht und muss sie auch nicht ausbeuten.

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planetsurfer 12.11.2017, 17:34
5. Verständnisschwierigkeiten

Ganz generell, Herr Diez, ich bin zwar ab und an mal Ihrer Meinung, würde aber auch ganz gerne Ihre Artikel auch vollständig verstehen. Möglicherweise bin ich ja auch einfach nur zu dumm, aber könnten Sie da, wo es möglich ist, auch mal deutsche Wörter benutzen? Würde der Allgemeinverständlichkeit enorm nützen! Nein, bin weder AFD-Wähler noch ansonsten nationalistisch angehaucht. Aber mit Ihr inflationären Gebrauch von Fremdwörtern kann der Eindruck entstehen, dass Sie sich in einem Elfenbeinturm eingerichtet haben.

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Politische Bildung? 12.11.2017, 17:39
6. Es gilt die Unschuldsvermutung

Leider verkennt der Autor, dass auch 10000000 Tatvorwürfe eben nur Vorwürfe und kein Schuldspruch oder Beweis der Schuld sind. Die Beschuldigten gehören vor Gericht und dort muss die Schuld geklärt werden. Alles andere ist nun mal eine Vorverurteilung und nichts anderes. Und ich frage mich, wer den Facebook-Mob legitimiert hat Schuld zu sprechen?

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Zorngewitter 12.11.2017, 17:47
7. It wasnt me

Was mich wirklich stört ist, dass ich als "weißer Mann" in den Sexismustopf geworfen werde, obwohl ich mein Leben lang respektvoll mit meiner Umwelt - unabhängig vom Geschlecht - umgegangen bin. Es heißt "Es betrifft euch alle Männer". Es heißt "Das Problem ist alleinig eure Existenz - ihr seid sexistisch sozialisiert". Sexistisch sozialisiert sind wir alle - die einen emanzipieren sich davon, wie ich, Andere wiederum nicht. "Verallgemeinern ist schlecht" - die Sinnhaftigkeit dieser Aussage sollte kein Intellekt bestreiten können - ich bitte das bei jeglichen Debatten über vermeintliche Universalkollektive nicht zu vergessen.

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katzopolis 12.11.2017, 17:47
8. Die Debatte über die Debatte der Debatte

Ich weiß grad nicht recht, ob ich zustimmen soll oder nicht. Was genau wünschen Sie sich denn anders? Dass direkter über die Fakten geredet wird? Ich weiß nicht, ob etwas unterbunden werden soll. Es bleibt wohl wirklich zunächst bei dem Fazit, dass die Debatte verstörend ist. Und es schwerfällt, damit umzugehen. Ich frag mich nur, ob Sie anders handeln als andere, wenn Sie ja ein weiteres Totschlagwort mit einbringen: das Reaktionäre. Vom Thema Sexismus sind wir da schon ein ganzes Stück weg oder?

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TOKH1 12.11.2017, 17:50
9. Vielen Dank

Sie haben in Worte gefasst, was ich selber im Bekanntenkreis auch beobachtet, aber nicht einordnen konnte. Die Verharmlosung und Bagatellisierung von Alltagssexismus und die Verschiebungsversuche und Vernebelungstaktiken mit Zielrichtung Verschwörungstendenzen. Durchschaubar und tendenziös. Man muss dann auch immer hinterfragen, warum dies passiert. Jeder Mensch hat eine eigene Geschichte. Ein Gewordensein, dass mitunter im Dickicht des Grauenvollen bleiben kann, wenn man verleugnet und zum Gegenangriff übergeht. Die meisten sexuellen Missbräuche fangen in den Ursprungsfamilien an. Bleiben geheim weil tabu. Dann muss man relativieren und verharmlosen im Gegenüber, damit einen die eigene Geschichte nicht psychisch einholt und zerstört.

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