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S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle: Damals, in meinem Leben vor dem Tod

Was passiert mit uns, wenn wir uns alte Fotos von uns selbst anschauen? Was macht uns in so einem Moment traurig? Begreifen wir unsere eigene Vergänglichkeit? Oder wird uns plötzlich klar, dass wir schon längst gestorben sind?

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tinosaurus 16.04.2011, 18:49
20. Damals

Es ist schon richtig, dass die Lebenszeit schnell vorbei ist.
Beim Betrachten alter Bilder werden bei mir auch schon mal recht intensive Erinnerungen und Gefühle ausgelöst. Oder ich höre Musik, die mich innerlich mitunter tief bewegt.

Ansonsten mag ich Ihren Schreibstil und muss mich sogar als Fan von Ihnen outen. Das wird Sie aber wohl nicht weiter stören.

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onkel hape 16.04.2011, 20:00
21. Sinnlos!

Die monotheistischen Religionen lehren, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, was ich nicht glauben kann.

Wir sind nichts weiter als die höchst entwickelten Säugetiere, die im Laufe der Evolution zu diesen merkwürdigen Wesen geworden sind, die glauben, sie seien etwas Besonderes, die Krone der Schöpfung/Ebenbilder Gottes und dürften/könnten - wenn sie denn den richtigen Glauben hätten - ewig leben.

Was für eine absurde, hirnrissige, auch wenig wünschenswerte Vorstellung. Nach einem kurzen, für die meisten Menschen auch ziemlich armseligen Leben mit verdammt viel Leid, Krankheit, Elend werden wir das sein, was der alte Schopenhauer treffend formulierte "Du wirst nach deinem Tod das sein, was du vor deiner Geburt warst, nämlich NICHTS!". So ist es und das ist auch gut so.

Das Leben hat keinen Sinn, alle Versuche/Erklärungen von Theologen/Philosophen etwas anderes zu lehren sind unglaubwürdig, wir sind völlig bedeutungslose Kreaturen die im Universum noch nicht einmal die Größe eines Straubkorns haben,

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maka2 16.04.2011, 20:43
22. Eben drum

Zitat von onkel hape
Das Leben hat keinen Sinn, alle Versuche/Erklärungen von Theologen/Philosophen etwas anderes zu lehren sind unglaubwürdig, wir sind völlig bedeutungslose Kreaturen die im Universum noch nicht einmal die Größe eines Straubkorns haben,
Eben weil weder das Leben, noch sonst irgendwas irgend einen Sinn oder Zweck hat eröffnet sich demjenigen der das durchschaut eine Unendlichkeit von Möglichkeiten.
Wenn unser Leben beginnt hat es keinerlei Ziel, und wenn es vorbei ist gibt es keinen Erfolg oder Misserfolg den es zu erreichen gab. Alles was uns da noch bleibt sind gut 80 Jahre vollkommen überflüssige und sinnfreie Zeit. Also warum mit der Zeit nicht etwas machen, was zumindest für den Augenblick eine Freude macht?

Nur einen kleinen Haken hat das ganze: Wenn man die freie Wahl hat, dann hat man auch die vollkommen alleinige Verantwortung für jede getroffene Entscheidung, selbst wenn man sich entscheidet nichts zu tun. Dann gibt es keinerlei Entschuldigung mehr. Wenn irgendwas nicht so läuft wie wir uns das dachten, dann ist es ganz alleine unsere eigenene Schuld. Und da geben dann halt viele Lieber die Entscheidungsfreiheit an eine andere Instanz ab.

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☺☺☺ 16.04.2011, 20:43
23. Guter Artikel !

Ich muss sagen diesen Artikel fand ich phänomenal gut und finde mich in jeder Zeile wieder. Mir ging es genauso als ich letztens nach einem Umzug ein großes Leinwandfoto von mir als Kind aufhängte und seither immer wenn ich es anschaue aus Gründen die ich nicht konkret benennen kann schrecklich depressiv werde.
Genau der Gedanke, dass dieses Kind eigentlich schon tot ist, erschlagen von einem gewaltigen Haufen Scheiße, kam mir dabei auch und es tat mir weh.

Ich denke aber viele werden die Gedanken in diesem Artikel auch garnicht verstehen, weil sie nie einen Traum geträumt hatten oder nie die Vision hatten es anders zu machen oder auch garnicht die schreckliche Banalität im Leben des Durchschnittsmenschen sehen.

Manchmal ist noch ein ganz kleines bisschen was von diesem Kind da. Ich kämpfe darum es zu erhalten, hoffe auf Wiedergeburt.

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roterschwadron 16.04.2011, 21:32
24. Ein Freud allein reicht nicht

Zitat von maka2
Eben weil weder das Leben, noch sonst irgendwas irgend einen Sinn oder Zweck hat eröffnet sich demjenigen der das durchschaut eine Unendlichkeit von Möglichkeiten. Wenn unser Leben beginnt hat es keinerlei Ziel, und wenn es vorbei ist gibt es keinen Erfolg oder Misserfolg den es zu erreichen gab. Alles was uns da noch bleibt sind gut 80 Jahre vollkommen überflüssige und sinnfreie Zeit. Also warum mit der Zeit nicht etwas machen, was zumindest für den Augenblick eine Freude macht? Nur einen kleinen Haken hat das ganze: Wenn man die freie Wahl hat, dann hat man auch die vollkommen alleinige Verantwortung für jede getroffene Entscheidung, selbst wenn man sich entscheidet nichts zu tun. Dann gibt es keinerlei Entschuldigung mehr. Wenn irgendwas nicht so läuft wie wir uns das dachten, dann ist es ganz alleine unsere eigenene Schuld. Und da geben dann halt viele Lieber die Entscheidungsfreiheit an eine andere Instanz ab.
Sie beschreiben die Situation schon sehr treffend. Aber was macht denn nun im Augenblick Freude? Vielleicht den Gedanken entlarven, daß sich die Freude schon wieder als Sinn ausgibt, der sich durch die Hintertür einzuschleichen versucht? Sehen Sie, jetzt sind wir wieder beim Grundprinzip unserer auf Betrug aufgebauten Welt. Mach' deinem Nachbarn weis, daß er mehr Freude braucht. Und verkauf ihm das Los dazu. Freut er sich nicht, ist er halt eine Niete. Mit der Zeit wird dieser Sport zur Routine und kräftigt dein Portmonaie. Schau, wie es singt und lacht. Kraft durch Freude.

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Heinzel 16.04.2011, 21:45
25. ....

Zitat von sysop
Was passiert mit uns, wenn wir uns alte Fotos von uns selbst anschauen? Was macht uns in so einem Moment traurig? Begreifen wir unsere eigene Vergänglichkeit? Oder wird uns plötzlich klar, dass wir schon längst gestorben sind?
Hmmmm...es gibt auch viele Menschen, die keine gute Kindheit hatten, und die es heute viele besser haben als Erwachsene...die trauern ihrer Kindheit bestimmt nicht hinterher.

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justin_credible 16.04.2011, 22:57
26. unverhofft kommt oft

Zwischen Gaddafi und Fukushima, zwischen politischen Querelen und sportlichen Erfolgen, plötzlich dieses persönliche, philosophische Thema, dieser Text...so kurz in Worten, so umfassend in seiner Wirkung.
Nur Menschen, die selbst schon mal den nötigen Mut und die Muße für derlei Bertrachtungen aufgebracht haben, werden ihn zu schätzen wissen. Den Text, den Inhalt, den Moment.

Sartre schrieb, dass Kinder "Spiegel des Todes" seien, der eigenen Vergänglichkeit also. So prägnant wird es wohl niemals jemand wieder formulieren können.

Was bleibt, ist der Blick durch Fotoalben. So man denn trotz des Siegeszuges digitaler Medien welche angelegt hat, und so man sie trotz der sich stetig trübenden Linse noch sehen kann.
Vergänglichkeit, soweit das Auge reicht. Aber eben auch Nähe, Glück, Zufriedenheit. Frau Bergs Artikel ruft uns ins wieder ins Gedächtnis, was wirklich zählt.

Dafür danke ich ihr auf diesem Wege--unpersönlich zwar, aber immerhin.

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firem 17.04.2011, 23:37
27. Dann war es wunderbar

Wenn das Leben lustig war
und nicht nur Last und Qual,
dann schaut man zurück
mit einem guten Gefühl.

Wenn man seinen Kummer pflegte
und alles nur böse fand,
dann schaut man zurück
mit einem schlechten Gefühl.

Unser Leben währet siebenzig Jahr,
und es köstlich gewesen ist,
so ist es Mühe und Arbeit gewesen.
Und nicht Lachen und Freude.

Wenn das Leben heiter war,
weil das Leben der Mittelpunkt war
und nicht die Pflege eines Selbst
dann war es wunderbar.

Nehm Dich nicht so wichtig.
Von Dir gibt´s 6 Milliarden.

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mlochmann 17.04.2011, 02:59
28. Frau Bergs symbolischer Tod

Um sterben zu können muss man gelebt haben! Nein, viele hier verkennen die Gesellschaftskritik, die in dem Artikel steckt. Schließlich geht es nicht um den körperlichen Tod. Es geht vielmehr um den seelischen Tod - verursacht durch das "System" Leben, die Gesellschaft, den Staat. Einerseits kann es sich auch um schlichtes Erwachsenwerden Frau Bergs handeln. Wahrscheinlicher jedoch erscheint mir, dass es sich um das auch mich selbst als Anfangvierziger beschleichendes Gefühl der Bedeutungslosigkeit an-sich handelt.

Wir sollten, nein, müssen uns die Frage stellen: Wozu? Warum macht das Leben aus uns nicht warmherzige, fröhliche, sorgende Eltern und Großeltern? Warum können wir nicht in unserer Erfahrung ruhen, Stabilität und Sicherheit geben? Eben. Wir haben unsere eigene Zukunft verkonsumiert, anstelle dass wir uns seelisch be-reichert hätten.

Grandiose Sätze, Frau Berg, die ich mit jeder alternden Zelle, mit jeder fehlerhaften DNA-Mutation, jeder beginnenden Falte, jedem gefühlten grauen Haar nachfühlen kann. Wir sind, im wahrsten Sinne des Wortes, IMperfekt geworden. Doch, nun das Tröstende, im Tode liegt alle Wahrheit - in nihil omnia est - wie es Luther einst gesagt haben soll. Phasen des Nichtseins sind Entstehung des Neuen - und das Leid von heute ist nichts weiter die gespeicherte Freude von morgen.

Und es kommt der Tag - an dem wir altersweise und milde lächelnd dem Weltschmerz von damals adieu sagen können. Hinterlassend Worte, Sätze, Gedanken und grenzenlose Liebe. Für die Ewigkeit schreiben wir, Frau Berg, nicht für die Welt.

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jessica67 17.04.2011, 07:33
29. Weiser Beitrag Frau Sibylle

Es ist für mich eine Tendenz zu erkennen, dahingehend, dass man dem Menschen beibringen will, das er strukturierte Materie ist, welche ab einem bestimmten Grade ihrer neuronalen Vernetzung, Bewusstsein entwickelt, welches mit dem Tode der strukturierten Materieform erlischt. Du kommst aus dem Nichts und wirst auch Nichts mehr sein nach Deinem Tode.

Ich frage mich, warum Menschen mir das einreden wollen, - ergibt das einen Sinn?
Warum soll ich das meinem Bewusstsein einreden? Du warst Nichts und Du wirst Nichts sein.
Dazwischen die Illusion des Ichs?
Muss ich mich wirklich meinen Limitierungen entsprechend in dieser Gesellschafft einordnen?
Was macht Sie an Ihren alten Bildern so traurig, Frau Sibylle?
Vielleicht weil Sie ahnen, das Sie ein eingerittenes Pferd sind..., ein Wesen, dass tief in seinem Inneren noch einen Funken dessen hat was es vorher einmal war?

Ein Wesen, dass irgendwie noch fuehlt, dass es auf ganz andere Dinge ankommt, als die man es glauben gemacht hat?

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