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Sprechen über Vergewaltigungen: Alle reden über Framing - so funktioniert es
DPA

Welche Begriffe wir in der #MeToo-Debatte nutzen, bestimmt, wieviel Empathie wir den Opfern von Übergriffen entgegenbringen. Höchste Zeit, über unsere Sprache zu reden.

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spiegelchrischan 12.10.2018, 14:39
1. völlig überbewertet

die Debatte ist gut und hat sicher ihre Berechtigung, aber an der ”normalen” Bevölkerung geht das ganze komplett vorbei. Ich kenne niemanden, der sich auch nur im entferntesten daran beteiligt oder jemanden kennt der sich daran beteiligt. Im übrigen auch keine einzige Frau die ich kenne. Ich bekomme davon ausschließlich aus den Medien mit, sonst nirgens... Ist das ganze nur ein Medienhype?? Für mich sieht es so aus...

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MatthiasPetersbach 12.10.2018, 15:05
2.

aha, jetzt müssen wir also nicht nur unsere Sprache den -von andern hineinpervertierten- Nebenbedeutungen der Gesinnungspolizei unterwerfen, sondern auch noch unsere "Frames". Die niemand sieht, die niemand mitbekommt - aber wohl gerade deshalb zur Unterstellung und zur Anklage dienen.

Nein, "sexualisierte Gewalt" ist nicht verharmlosend. Gewalt KANN niemals verharmlost werden. Und "Nein" heißt nein - für jeden/jede, die noch alle Tassen im Schrank haben. Es git auch andere. So wie es Leute gibt, die in der Stadt rasen., Menschen umbringen oder Steuern hinterziehen. Aber dafür gibts Gesetze - und Strafen.

Es ist - wie JEDES Problem - ein Problem von Gerechtigkeit und Anstand.

Aber dagegen zu demonstrieren ist irgendwie wie ein Schild hochzuhalten "Mord ist bäh".

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blurps11 12.10.2018, 15:05
3.

Hm, ja, kann man meinetwegen so sehen. Ein bisschen umfassender hätte es zu dem Thema aber durchaus sein dürfen, gibt ja genug Raum dazu.

Die Nivellierung der enormen Unterschiede zwischen einem geschmacklosen Scherz und einer Vergewaltigung im #metoo Umfeld ist beispielsweise auch framing.

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Ambrosicus 12.10.2018, 15:07
4. Einerseits ...

Sicher interessant, aber einseitig. Ohne jedes Argument in Bezug auf die Gründe, warum eben *nicht* von sexueller Gewalt gesprochen wird. Ohne jedes Argument in Bezug darauf, dass es vielleicht auch sinnvoll sein kann, Wörter zu verwenden, die eben *nicht* moralische Entrüstung hervorrufen, sondern neutral sind.

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sunshinebob 12.10.2018, 15:15
5.

Leider gibt es bisher keine Studien die beweisen konnten, dass das so genannte Framing tatsächlich die Einstellung und Moral von Menschen nachhaltig (also außerhalb der kurzen Intervalle solcher Versuche) beeinflussen kann. Die Medien sollten bei solchen Themen mehr darauf achten Ansätze und Theorien, die in eine Richtung deuten nicht bereits als wissenschaftlich bewiesen darzustellen. Beim Thema Killerspiele ging das z.B.bereits schief: stellten Studien zuerst fest, dass Shooter etc. auf Spieler tatsächlich negativen Einfluss haben können, musste man sich später korrigieren als man feststellte, dass dieser Effekt aber nur für c.a. 30 min anhielt...

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auslaender101 12.10.2018, 15:18
6. Vielen Dank!

Sehr erhellender und professioneller Beitrag in der Sache! Ob man die Metoo-Argumentation teilen muss, sei dahingestellt. Doch fundierte und solide Beiträge erlauben eine ernsthafte Auseinandersetzung.

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Fuxx81 12.10.2018, 15:23
7. Sprache ist ein Präzisionswerkzeug

Zitat von
Die "sexualisierte Gewalt" ist also nicht nur faktisch irreführend - weil sie nicht benennt, worum es geht
Ich habe die MeToo Debatte aufgrund ihrer Unwichtigkeit jetzt nicht näher verfolgt, aber wer von sexualisierter Gewalt redet und eigentlich sexuelle Gewalt meint, der drückt sich in der Tat falsch aus. Unter sexualisierter Gewalt stelle ich mir irgendwas mit Sado-Maso vor unter sexueller Gewalt dann tatsächlich einen Vergewaltiger. Bestätigt natürlich mein Vorurteil, dass die beteiligten selbst nicht wissen, worbüber sie eigentlich reden...

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Leser161 12.10.2018, 15:23
8. Etwas was mich manipuliert ist nie gut

Das beste Beispiel kommt am Anfang "Schwuchtel" stellt Menschen negativer gegen Homosexualität ein als "schwul", das beste wäre wahrscheinlich die Verwendung des Begriffes Homosexuell(er), da der am wenigsten auslöst. Homosexuell sind halt ganz wertfrei homosexuell.

Im weiteren spricht sich die Autorin dann dafür aus im Rahmen der Metoo-Debatte möglichst Wörter zu verwenden die etwas im Unterbewusststein auslösen. Sorry, aber das ist nicht Empathie, das ist Manipulation.

Ich bin vollkommen in der Lage Übergriffe gegen Frauen falsch zu finden auch wenn man nicht versucht mich zu manipulieren. Falls das doch wer versucht gibt es halt Widerspruch. Und genau das ist das Problem von Metoo.

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susannemk 12.10.2018, 15:24
9.

Danke für den Artikel! Der Ausdruck sexualisierte Gewalt kam in Gebrauch, um deutlich zu machen, dass sexuelle Übergriffe nicht aus einem Übermaß an erotischer Attraktion oder gar aus Zuneigung geschehen, sondern eine Form von aggressiv ausgelebter Verachtung sind. Es ist hilfreich zu erfahren, warum dieser Ausdruck so distanzierend wirkt und die notwendige Klarheit eher verfehlt als erreicht. Wir sollten erwägen, zum Ausdruck „sexuelle Gewalt“ zurückkehren. Er mag weniger wissenschaftliche Problemanalyse beinhalten, ermöglicht aber die Mobilisierung, die wir brauchen.

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