Forum: Kultur
Streit um China-Gastspiel: Schaubühne muss Dialog mit Publikum streichen
Arno Declair

Seit Jahren gastiert die Berliner Schaubühne mit Henrik Ibsens "Volksfeind" an Theatern rund um die Welt. In Peking allerdings bekommt es das Ensemble schon am ersten Abend mit der Zensur zu tun.

mariomeyer 10.09.2018, 11:58
1. Yo!

Vielen Dank für diesen Artikel. Meist geht es beim Thema China nur um Wirtschaft - kaum wird mal etwas anderes behandelt, kommen auch andere Facetten ins Spiel, die sonst gerne unter den Tisch fallen gelassen werden. Ich finde das Verhalten der chinesischen Behörden nicht fair den aus weiter Ferne angereisten Gästen gegenüber, die nun so einen Murks aufführen müssen. Das stelle ich mir bitter für die Beteiligten vor.

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Bühnenschaffender 10.09.2018, 12:38
2. Niemand hat sich das Video angesehen?

Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass da jemand bei der Einladung ganz bewusst ein Auge zugedrückt hat. Dass sich vorher NIEMAND die Aufführung oder das Video angesehen hat, halte ich für zweifelhaft bei einem Gastspiel dieser Größenordnung. Die Vermutung unterstellt Dummheit und Fahrlässigkeit. Man kann in China einiges erleben; Dummheit und Fahrlässigkeit gehören selten dazu.

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bobafett79 10.09.2018, 13:24
3. Was wohl niemand ahnen konnte,

auch die chinesischen Zensoren nicht, das war wohl die Offenheit des chinesischen Publikums. Dessen Kommentare lassen einen tatsächlich sprachlos zurück...

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charlybird 10.09.2018, 14:28
4. Chinas Politik

besteht aus Wirtschaft und nicht aus Kultur oder moderner Kunst, außer zur Spekulation oder dem Geschichtsmaterial in den Museen.
Das muss man wissen, obwohl es dort jede Menge hochtalentierter Künstler gibt und auch ein offenes und kritisches Publikum, wie gesehen .
Das Ensemble hätte aber abbrechen sollen, was sicherlich schwieriger als so einfach geschrieben ist.
Dennoch, was Chinesen ärgert und ändert ist der Gesichtsverlust.
So etwas merken sie sich, vor allem, wenn er ihnen öffentlich passiert.
Jetzt hat ihn mehr oder weniger das Ensemble verloren.

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Angie@Sprachenschiff 13.09.2018, 16:34
5. Werk - Interpretation; politisch - wirtschaftlich; objektive Wahrheit

Eins kann man ganz klar sagen, das Theaterstück "Ein Volksfeind" von Ibsen, nach Auskunft meines Onkels, Herr Zhang JianZhong, Direktor Emeritus bei Beijing Youth Theater (北京青年艺术剧院 ), ist in China NICHT verboten. Vermutlich ist das auch der Grund warum diese Inszenierung in China überhaupt aufgeführt durfte. Aber wie Ibsens Werk interpretiert und auf der Bühne herausgebracht ist unterschiedlich. Ich frage mich, wer war der chinesische Veranstalter? Wo fand die Aufführung statt? Wie viele Zuschauer waren anwesend? Warum müssen die Mitarbeiter den leeren Plätze nehmen, um der Deutschen das Gesicht zu geben oder waren nicht genug Marketing /Marktinteresse vorhanden? War die Aufführung Subtitlet, bzw. können die Zuschauer verstehen oder haben wir, die Deutschen, eine Bühne für eine oder zwei unzufriedenen Chinesen angeboten (solche Bürger haben wir hier ja auch!) ? ...

Erfahrungsmäßig, in China, sind wirtschaftliche Überlegungen, d.h. Rentabilität, für viele kleinen Bühne viel wichtiger als politisch Korrektness. Dennoch auf unserer Seite, Politisierung macht Selbstwichtigkeit. Hat der Autor/die Autorin alle Fakten im Artikel von beiden (deutschen und chinesischen) Seiten schon durchgecheckt?!

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