Forum: Kultur
Streit um Gedicht an Hochschul-Fassade: Sind Männer nicht auch hübsch?
DPA/ASH Berlin/David von Becker

Aufregung um ein Wandgedicht von Eugen Gomringer: Ein Berliner Asta erkennt patriarchale Muster darin. Eine Lyrik-Debatte, wie schön eigentlich! Wenn nicht bloß wieder nur Totschlagargumente kämen.

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dr.onestone 05.09.2017, 12:54
1. Ein guter Beitrag

Die Konklusion kann sich sehen lassen. Respekt.

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gronek 05.09.2017, 13:09
2. Der letzte Satz ist entscheidend...

das Thema einfach mal unvoreingenommen reflektieren und danach hier kommentieren, dann wären wir schon einen großen Schritt weiter.
Meine 2 cents: ja, Frauen werden zu sehr nach ihrem Äußeren beurteilt...jede Diskussion, die das ins Bewusstsein der Menschen bringt, ist hilfreich.

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vonschnitzler 05.09.2017, 13:10
3. es ist doch so einfach

Der Dichter ist ein Mann. Die meisten Männer finden Frauen hübscher ihre Geschlechtsgenossen. Schreibt ein solcher über Sachen, die er schön findet, kommen Frauen eher dabei vor als Männer.
Ganz davon ab finde ich das Gedicht ziemlich Banane aber ich bin auch ein Kunstbanause...

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irvington 05.09.2017, 13:10
4. Mehr Kritik, weniger Zensur!

Sehr schön, Frau Stokowski,
das ist genau die entscheidende Frage: Wie können wir es schaffen, uns eine Kultur der Kritik zu erhalten, die nicht zwangsläufig mit Zensur einhergeht? Das Problem an diesen Debatten ist ja, dass der Stein, wenn er einmal ins Rollen gebracht wird, nur noch schwer aufzuhalten ist. Welche Unmengen an Kunst - keineswegs allein in der Literatur - implizieren genau jenen hier vom Asta kritisierten Sexismus! Picasso? Dagegen ist dieser "Bewunderer" hier womöglich ein Feminist. Godard? Dostojewski? Nabokov? Braucht man gar nicht darüber reden. Natürlich: dass dieses Gedicht 2011 ausgewählt wurde, lässt auf eine gewisse Blauäugigkeit der Jury bzw. Hochschulleitung schließen. Aber tatsächlich ist es wichtig, zwischen ästhetischem Urteilen und moralischem Urteil zu unterscheiden. Das versteht die identitätspolitische Front leider allzu selten: Ein Gedicht kann tatsächlich ästhetisch sehr gelungen (ist es durchaus, finde ich) und dennoch moralisch zweifelhaft bzw. einfach unzeitgemäß sein. Wichtig sind diese Debatten allemal, da sie das Bewusstsein verändern und eine neue Sensibilität für Diskriminierung schaffen. Allerdings sollte man natürlich auch dazu fähig sein, Kunst, erst recht historische, trotz ihres Diskriminierungspotenzials anzuerkennen. Wir sollten uns in dieser Hinsicht wieder trauen, der Kunst etwas mehr Autonomie zuzutrauen. Denn diese ist und bleibt eines ihrer großen, gerade auch politischen Potenziale: Im Ästhetischen liegt gerade das Nichtintentionale, das Nichtanwendbare begründet. Man muss nicht so weit gehen wie Schiller und dem ästhetischem Zustand ein fröhliches Reich des Scheins, der Freiheit und Gleichheit zuzuschreiben, aber man könnte zumindest anerkennen, dass Kunst und soziale Realität nicht dasselbe sind. Moralische Kritik kann man dann trotzdem üben!

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Olaf 05.09.2017, 13:21
5.

Bei solchen und ähnlichen Vorfällen überlege ich mir immer, wie diese Leute wohl handeln würden, hätten sie wie unter Stalin oder Hitler die Macht über Leben und Freiheit.

Mir wird dann bewusst, dass auch heute kein Diktator Probleme hätte willige Helfer und Denunzianten zu finden und wie froh man sein kann, dass diese Menschen allenfalls über die Gestaltung einer Fassade bestimmen können.

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Leser161 05.09.2017, 13:22
6.

Das Gedicht ist ganz klar männerfeindlich, weil es Männer als eklige gaffende Typen darstellt. Ich fordere ein ausgleichendes Gedicht daneben, dass negative Eigenschaften von Frauen thematisiert.

Denken wir mal drüber nach oder gehen wir einfach mit dem sehr guten Schlussatz.

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pecos 05.09.2017, 13:25
7. Die Debatte zeigt den ...

... ganz normalen deutschen Wahnsinn. Und die unsägliche Angst vor jeglicher Ambivalenz, die unsere Gesellschaft zunehmend befällt: alles muss ernst, glasklar und eindeutig sein, Grautöne sind auf jeden Fall zu vermeiden und Übergangszonen zu bereinigen.

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xvxxx 05.09.2017, 13:26
8. Wenn ich dem Tip folge

Und die Rollen umkehre, dann stelle ich fest: Auf mich hat sich die Wirkung nicht geändert.
D.h. im Umkehrschluss: Nicht sexistisch.
Frauen können Männer genauso bewundern, wie Männer Frauen.

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spon-facebook-10000011837 05.09.2017, 13:35
9. andersherum...

...also mit Männern und Alleen und Blumen würde das schon gehen, finde ich. Natürlich wäre die Wirkung eine andere, aber ich persönlich glaube nicht, dass ich das Gedicht als besonders irritierend empfinden würde. Naja, wie schon erwähnt wurde ein gelungener Beitrag!

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