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TV-Meilenstein "Holocaust": Der Wendepunkt in der Erinnerungskultur
WDR/ SWR

Die US-Serie "Holocaust", vor 40 Jahren erstmals in Deutschland zu sehen, wird wieder in den dritten Programm gezeigt. Die Erzähltechnik mag antiquiert wirken, aber damals prägte dieses Epos das Gedenken an die Vernichtung der Juden.

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denkdochmalmit 07.01.2019, 18:42
1.

Als damals 8 jähriger lag ich mit einem gebrochenen Bein mit zwei anderen Patienten in einem Dreibettzimmer auf der Erwachsenenstation im Krankenhaus. Neben der Sendung "Holocaust" im TV gab es von den beiden Veteranen auch noch grausige Kriegsgeschichten als Zugabe.
Die drei Wochen werde ich nie Vergessen..

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Fletsch 07.01.2019, 18:51
2. Mit unseren Kindern schauen

Mir fallen ad hoc zwei Moeglichkeiten ein:

- La vita e bella (Das Leben ist schoen)
- Schindler's Liste (wenn sie etwas aelter sind)

Beides sehr wohl zeitgenoessische Erzaehlungen.

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Fletsch 07.01.2019, 18:53
3. Mit unseren Kindern schauen

Mir fallen ad hoc zwei Moeglichkeiten ein:

- La vita e bella (Das Leben ist schoen)
- Schindler's Liste (wenn sie etwas aelter sind)

Beides sehr wohl zeitgenoessische Erzaehlungen.

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danny1805 07.01.2019, 19:38
4. Heutige Generation

Das Interesse an diesem Thema nimmt tragischerweise immer mehr ab,die heutigen 15-30 jährigen interessieren sich mehr für andere Dinge als das weil sie keinen Bezug mehr dazu haben, meine Großeltern haben das noch mitgemacht und ich hab mich dafür noch sehr interessiert und die Familie Löcher in den Bauch gefragt,dazu hatte ich Glück das die auch erzählt haben was sie erlebt haben.

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Newspeak 07.01.2019, 20:35
5. ....

"Ein jüngeres Publikum wird die Serie kaum ansprechen: Ihre Erzähltechnik ist antiquiert, Kameraführung, Schnitttechnik sowie Dramaturgie entsprechen nicht mehr den modernen Sehgewohnheiten."

Na ja, wer einen Actionfilm erwartet, dürfte enttäuscht sein. Ansonsten sind es aber keine anderen Sehgewohnheiten, wie in anderen zeitgenössischen Nichtmainstreamfilmen. Der Autor des Beitrags schreibt leider sehr allgemein und belehrend. Nicht alle Jungen mögen die "modernen Sehgewohnheiten" und ausserhalb von Deutschland und Israel gibt es auch keinen Konsens zum Holocaust. Ja, die meisten Länder verurteilen ihn in Sonntagsreden ihrer Regierenden, aber selbst in den USA ist Vieles, was hier verboten ist, oder im Konsens gesehen wird, als Meinungsäusserung erlaubt. Oder in Russland. Da sieht man vor allem den eigenen Nationalismus des "Grossen Krieges". Da kann man ansonsten offen antisemitisch sein, solange man die Grösse Russlands nicht in Frage stellt. Und sonst? In der ganzen arabischen Welt blüht der Antisemitismus nur so, den Indern und Chinesen ist das vermutlich ganz egal, ebenso wie den Despoten in Afrika. Was bleibt da noch vom Konsens übrig? So schön, wie es wäre, wenn man daraus gelernt hätte, man muss sich doch als Journalist mal den Realitäten stellen.

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flo_bargfeld 07.01.2019, 20:55
6. Stimmt, die Serie war ein Wendepunkt, wenn auch zunächst nur ein klein

Ich bin zum Zeitpunkt der Erstausstrahlung dieser Serie 13 Jahre jung gewesen. Jüngere Menschen können sich vielleicht gar nicht vorstellen, von welch einem Mief die BRD-Gesellschaft noch im Jahr 1979 durchzogen war. In der Straßenbahn prahlten Opas noch ganz offen damit, dass sie ohne die Wehrmacht nie die halbe Welt gesehen hätten, und vereinzelt gab es noch echte Nazi-Lehrer an den Gymnasien (viele ältere Lehrer verlängerten damals ihre Arbeitszeit, weil die geburtenstarken Jahrgänge in die weiterführenden Schulen strömten). Die Serie stieß Diskussionen an, nicht zuletzt, weil sich damals noch viele Familien gemeinsam vor dem Fernseher versammelten. Ich erinnere mich auch noch gut daran, dass der Spiegel damals eine Titelstory zum Serienstart brachte – eine der Gründe dafür, warum ich mir den Print-Spiegel bis heute (trotz Relotius) weiter kaufe.

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Trollflüsterer 07.01.2019, 21:38
7.

Zitat von Fletsch
Mir fallen ad hoc zwei Moeglichkeiten ein: - La vita e bella (Das Leben ist schoen) - Schindler's Liste (wenn sie etwas aelter sind) Beides sehr wohl zeitgenoessische Erzaehlungen.
Dann wäre da noch der Oscar prämierte Film Der Pianist von Polanski.
Und einige gute Verfilmungen über das Schicksal der Anne Frank plus noch weiterer Filme.

Allerdings finde ich gute Dokumentationen zu dem Thema immer noch am wichtigsten. Nichts ist besser als die nackten Tatsachen.
Jedoch war "Holocaust" damals für D. enorm wichtig, weil es das Thema endlich mitten auf den deutschen Nierentisch ins Wohnzimmer brachte.
Heute wieder wichtiger denn je. Denn Geschichte wiederholt sich zwar nicht, aber sie reimt sich.

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vera gehlkiel 07.01.2019, 21:48
8.

Ich war bei Erstausstrahlung zwar erst zartbesaitete zwei Jahre alt, kenne die Serie natürlich aber. Und glaube von daher, dass ihre vielleicht in der Tat relativ konventionelle Machart bis heute voll tragfähig ist. Vor allem dank eines wirklich grandiosen Ensembles, allen voran die noch ganz junge, aber schon damals ganz unvergleichliche Meryl Streep. Verfilmungen neuer Stoffe mit einem ähnlichen Anspruch, "Strassenfeger" trotz des hochbedrückenden Themas zu sein, sollte man von vorneherein vergessen. Erst recht, wenn sie etwa in dieser aufgepushten typisch biederständig "trashigen" Videoclipästhetik von "Babylon Berlin" daherkämen, hielte ich dieses für eine wirklich dramatisch schlechte Idee. Tatsächlich filmisch radikale Werke, wie etwa "Son of Saul" des Ungarn Laslo Nemes Jeles, der z.B. sehr heftige Kontroversen über die Grenzen des noch Zeigbaren auslöste, vertragen es bestimmt nicht, als "Miniserie" zu laufen, und das wäre auch eine Pervertierung des Schreckens. "Holocaust" ist jedenfalls ziemlich stark darin, die Botschaft der Verweigerung von Akzeptanz im Zusammenhang mit der "Endlösung" (Link: https://spex.de/unzerstoerbar-dunkel-opak-claude-lanzmann-im-interview/7/) eindrücklich genug nachvollziehbar zu machen. Klar, die zur Identifikation mit den Opfern notwendige Heroisierung ihrer Geschichten ist da immer im Kern auch "Relativierung". Es ist also "nur" Heranführung, diese aber ganz bestimmt. Ohne dass aber allzu viele sogleich, ob vor lauter Entsetzen oder aus schierem Unverständnis, zu den Umschaltern greifen, sprich ohne Anbindung der Zuschauer durch eine "Notlüge", wäre grosse Breitenwirkung seinerzeit niemals erzielt worden! Diese historische Botschaft der Serie an sich selbst, gewisserweise einmal quer durch die vergangene Zeit, gilt immer noch, man mag es zutiefst bedauern, oder auch vorbehaltlos akzeptieren. In dem von mir verlinkten Interview weisst Lanzmann unmissverständlich darauf hin, wie selten sein "Shoah" (für mich ein Film, den unabdingbar jeder junge Erwachsene einmal ganz gesehen haben müsste) überhaupt noch gezeigt wird.

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lupo62 07.01.2019, 22:50
9.

Also ich war damals enttäuscht. Die Charaktere zu sehr reduziert auf ein simples "Gut gegen Böse". Irgendwie merkte man auch, dass es Amerikaner waren, die da agierten und keine Deutschen.
Andererseits war das Thema natürlich überfällig. Die Tätergeneration trat allmächlich ab, die Nachkommen fragten sich, was da eigentlich geschehen war. Eine Auseinandersetzung begann.

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