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TV-Sendung "Zahltag": Hartzer im Kartoffelhimmel
RTL / Gordon Mühle

RTL gibt Hartz-IV-Familien in "Zahltag! Ein Koffer voller Chancen" finanzielle Starthilfe - und stellt ihnen die Jahresbezüge in einem Batzen vor die Tür. Das ist sicher aufrichtig gut gemeint! Oder? ODER?

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Patrizier 21.07.2018, 12:01
60.

Zitat von mitch72
bin gestern auch an der Sendung hängengeblieben - Sorry! Die sind ja noch ganz stolz zum Jobcenter und haben sich abgemeldet, sodass keine Bezüge mehr flossen (Zitat: Die haben vielleicht blöd geguckt!) Da hat der Buschi schon recht gehabt, als sagte, dass in anderen Ländern die Leute ohne finanzielle Hilfe über die runden kommen müssen, in Dtl. aber andere Steuern zahlen, damit Sozialhilfe gezahlt werden kann an die, die es nötig haben. Was die Familien nicht kapiert haben, dass man sich auch selber krankenversichern muss. Ich glaube, ich schau mir die 2. Folge noch an :-)
Was wollen Sie damit sagen? Für diese Familien hier müssen Sie vorübergehend nichts bezahlen, bis sie erwartungsgemäß in das Hartz-System zurückkehren werden, weil sie eben ohne Hilfe konzeptlos das Geld ausgeben werden. Ich würde gerne mehr für solche Menschen zahlen, wenn dadurch ihre Situation verbessert wird, d.h. für Unterstützung statt Sanktionen. Natürlich müssten in dem Fall auch Aktionäre und Unternehmen angemessen an den Zusatzkosten beteiligt werden. Dann müssten Sie und ich sogar gar nicht mehr dafür bezahlen. Verhältnisse wie in den von Ihnen genannten Ländern lehne ich strikt ab, die meisten dieser Länder sind auch nicht gerade hochentwickelte Industrienationen wie D, AT, CH, Frankreich, Norwegen, Schweden...

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Patrizier 21.07.2018, 12:03
61.

Zitat von harryholdenwagen
Die Familien müssen sich vom Amt abmelden und dann von dem Geld leben und eine Existenz aufbauen, also haben sie auch nichts gewonnen dadurch, außer dass sie sich wieder beim Amt anmelden könnten, wenn das Geld leer ist.
Das ist eben auch der Punkt, warum das nichts bringen wird: Da erscheint es bei 25000 Euro doch gar nicht mal so dumm, das Geld zu verprassen, um sich endlich mal die Dinge leisten zu können, für die sonst nie Geld vorhanden ist.

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Patrizier 21.07.2018, 12:14
62.

Zitat von belinda3333
ich glaube cirka 1985, im 1. Semester Vwl hat uns der Prof. diese Sendung schon mal entworfen bzw. analysiert ? Stichwort: ungleiche Verteilung von Vermögen im Kapitalsmus. Ist nicht eine Frage der Gerechtigkeit. Sondern ergibt sich daraus, dass es kluge, fleissige und sparsame Menschen gibt, und leider ebenso die Menschen welche RTL hier (brutalst möglich) vorführt. Ich glaube unser VWL Prof. sagte so in etwa damals: selbst wenn man allen Menschen zum Start die gleiche Menge an Kapital geben würde, gäbe es nach kurzer Zeit eine ungleichmäsdge Verteilung des Kapitals. Also Dank an RTL, für diese Lehrstunde zum Thema Kapitalismus versus Sozialismus.
Ja, schon damals war in den Wirtschaftswissenschaften, die sich gerne als Naturwissenschaft sähen, aber doch "nur" eine Sozialwissenschaft sind, der neoliberale Kanon verbreitet. Da helfen solche plumpen Beispiele natürlich, um den Glauben der jungen, zu formenden Studenten an den Segen des uneingeschränkten und unkontrollierten Kapitalismus zu festigen.
Es ist richtig, dass auch bei gleicher Kapitalausstattung am Anfang über längere Zeit im Kapitalismus eine immer ungleichere Vermögensverteilung entsteht. Darum muss der Kapitalismus ja auch gezügelt werden und deswegen hatten wir früher die soziale Marktwirtschaft und eine gewisse Umverteilung von Vermögen von oben nach unten durch Erbschaftssteuer, Versteuerung von Kapitalerträgen wie normales Einkommen statt Bevorzugung mit Flat Tax, usw. Es spricht also nicht gegen den Sozialismus, dass es nach kurzer Zeit eine ungleichmäßige Verteilung gibt, sondern das liegt daran, dass Ihr Prof von einem kapitalistischen System ausgeht und es in der Natur des Kapitalismus liegt, dass eine ungleiche Vermögensverteilung entsteht. Das lässt sich auch wunderbar an der Realität beobachten, weil die Ungleichheit mit dem Ausmaß des Kapitalismus (Kürzung von Sozialleistungen, Rückzug des Staats aus der Grundversorgung, also dem sozialen Wohnungsbau, Krankenhausbetrieb, usw.) zunimmt.

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Patrizier 21.07.2018, 12:29
63.

Zitat von zielweg
Die Sendung zeigt auf, das in Deutschland nicht "Chancengerechtigkeit" das Problem ist, sondern das H4ler schlichtweg schlechte Entscheidungen treffen bzw getroffen haben. Da müßte auch wirksame Hilfe ansetzen indem man sie coacht bessere Entscheidungen zu treffen. Liebe TV-Produzenten, gebt einen von vier Gescheiterten noch eine zweite Chance. Publikum soll voten wer. Dieser soll dann bessere Hilfe bekommen als die Couch-Potatoe-Promis mit ausgezeichneten Sozialarbeitern etc.
Chancengleichheit entsteht nicht, wenn man einer Familie mit x Kindern einmalig 25000 Euro vor die Tür stellt. Die Chancen von Menschen der unteren Schichten sind schon ab Geburt deutlich schlechter, weil ihre Eltern ihnen nicht die Bildung finanzieren können, die Ernährung zukommen lassen können und sich auch nicht die Zeit für sie nehmen können, wie es Eltern der Mittel- und insbesondere Oberschicht tun. Darüber hinaus fehlt es Menschen aus der Unterschicht an Vorbildern im eigenen Umfeld, an denen sie sich orientieren und lernen können, wie man einen höheren Bildungsabschluss erreicht, stattdessen gibt es Gewalt und schlechten Einfluss von Kriminellen, die sie in den oberen Schichten in diesem Ausmaß einfach nicht haben. Schon die Kindheit prägt daher den Erfolg im Leben als Erwachsener und nur wenige schaffen es, als Arbeiterkind oder gar Sozialhilfeempfängerkind später ein Studium zu absolvieren. Die meisten denken nicht mal daran, es erscheint ihnen völlig abwegig, weil die Eltern auch nie davon sprachen und es sich auch nicht leisten können, trotz Bafög.
Es sind also nicht einfach nur schlechte Entscheidungen im Jetzt, sondern vor allem die schlechten Entscheidungen der Generationen vor ihnen in ihrer Familie.
Dass das Publikum hier irgendwie darüber abstimmen soll, wer Hilfe bekommen soll und Sie quasi dazu aufrufen, dass die TV-Produzenten die Leute weiter vorführen mögen, finde ich ehrlich gesagt abartig.

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Patrizier 21.07.2018, 12:44
64.

Zitat von christian simons
Jawohl , das ist mal wieder eine dieser zynischen Dokusoaps aus dem Hause RTL. Aber da ich ein Elefantengedächtnis habe, kann ich mich darin erinnern, dass das erste Format dieses Kalibers von den Öffentlich-Rechtlichen kam. Man erinnere sich bitte an die Famile Fussbroich, deren öffentliche Zurschaustellung selbstverständlich nur der sozialkritischen Empirie aber nie und nimmer niederen voyeuristischen Instinkten diente. Ach ja, Elke und Frank Fussbroich sind mittlerweile im "Sommerhaus der Stars" gelandet. Wären die doch nur bei den hochseriösen ARD-Redakteuren geblieben, die es immer gut mit ihnen meinten....
Wenn ich mich recht entsinne, war Die Fussbroichs eine Sendung über den Alltag der Familie und ohne Scripted Reality. Doku-Soaps versetzen die Protagonisten ja in außergewöhnliche Situationen und heutzutage werden sie von dem Aufnahmeteam dann auch noch zu bestimmten Aktionen und Äußerungen instruiert.
Eine Sendung, die den realen Alltag gewöhnlicher Arbeiterfamilien darstellt, halte ich dann doch für ein anderes Kaliber als sowas hier. Die Entscheidungen von Frank Fussbroich danach sind dann auch seine eigenen. Finanziell hat es ihm vermutlich gar nicht mal geschadet.

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Patrizier 21.07.2018, 12:54
65.

Zitat von mariakar
Die Vermögenssteuer gibt es m.W. bereits seit Mitte der 1990er Jahre nicht mehr. Allerdings könnte es gut sein, dass das Finanzamt über die Schenkungssteuer dann die Hand aufgehalten hat.
Es ist von gestiegenem Vermögen die Rede. Das bezeichnet man auch als Einkommen und dieses wird besteuert, wie Sie sicherlich aus eigener Erfahrung wissen.

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Patrizier 21.07.2018, 12:57
66. Bertelsmann

Zitat von det5904
Habe diesen Dreck noch nie angesehen und werde es auch nicht tun. Gut zu wissen ist, dass dieser Dreck auf die Bertelsmänner selbst zurückfällt. RTL ist ja ein Bertelsmann "Format". Wenn Bertelsmann ein derartig ekelerregendes "Format" zu verantworten hat, können die anderen Absonderungen aus Bertelsmann gesteuerten Federn, welche sich den Anschein von Wissenschaftlichkeit geben in der Substanz nicht wesentlich gehaltvoller sein. Mich wundert immer wieder, dass es hier keine Anzeigen wegen Volksverhetzung hagelt, bzw. dass es keine laufenden Prozesse deswegen gibt (mir zumindest nicht bekannt). Die "Charaktere", die so etwas "produzieren" hätten wahrscheinlich auch ab 33 Karriere gemacht.
Der Mehrheit der Deutschen ist doch gar nicht bewusst, welche Medien zu Bertelsmann gehören. Sie wissen ja überhaupt nicht einmal, dass fast alle Medien drei Konzernen zuzuordnen sind und dass die eigene Lokalzeitung fast identisch zu allen in 100 km Umkreis sind, bis auf 2-3 Seiten im Lokalteil.
Wussten Sie übrigens, dass Bertelsmann auch am SPIEGEL Anteile besitzt?

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spiegel_leserin 31.07.2018, 22:31
67. Beschämend...

Habe die Sendung angesehen, weil meine TV Zeitung sie als Tipp markiert hatte. Ein Fehler.
Furchtbar wie diese Familien von RTL vorgeführt werden.
Alleine schon wie am Ende die 3 "Experten" am Tisch sitzen und die Familien wie dankbare Bittsteller vor ihnen stehen müssen. Ilka ist die einzige authentische "Expertin", weil sie wirklich mal auf das Jobcenter angewiesen war und deshalb mitreden kann. Ich glaube Peter Zwegat hätte den deutlich besseren Experten abgegeben als die jetzigen beiden Herren.
Dass den Familien eine Chance gegeben wurde, fand ich ja gut...aber die Umsetzung, Vorführung und "Ausschlachtung" für die Quoten war eine Katastrophe.

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