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Umgang mit Rassismus: Wisch und weg?!
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Niedermachen statt prüfen: Es scheint für manche naheliegender, dass sich Menschen Rassismus einbilden, als dass sie ihn selbst nicht mitbekommen. Dieses Beiseitewischen ist Teil des Problems.

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desertking 31.07.2018, 12:52
1. Der letzte Absatz...

So wahr wie traurig. Und Herr Lindner ist nicht dumm, der weiß das schon, was er da sagt und schreibt. Aber es ist wie immer: Mit Deutschen und insbesondere mit deutschen Männern über Rassismus zu sprechen, kann man sich sparen. Meist will gar nicht verstanden werden, so auch in dieser Debatte nicht. Hauptsache, man muss selbst nicht nachdenken oder gar das eigene Verhalten reflektieren. Man WILL ja geradezu diskriminieren und rassistische Sprüche machen dürfen. Hat man ja früher auch gemacht, was ja in diesem Land immer dafür steht, dass alles okay gewesen sein muss, was früher war. Es besteht schlicht und ergreifend kein Interesse an dieser Debatte, weil man sie in großen Teilen der Bevölkerung einfach nicht versteht und nicht verstehen will, siehe Herr Lindner.

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filie1972 31.07.2018, 12:54
2. Wisch und Weg

Ich finde die Autorin hat völlig Recht. Erschreckend sind auch die verhärteten Fronten. Erstaunlich finde ich auch das sich versichern „wir sind doch keine Rassisten“. Kein Ruhmesblatt für Deutschland. Ich fühle mich aber auch selbst beleidigt, wenn von Biodeuschen die Rede ist. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Debatte zu etwas führt oder ein Umdenken einleitet. Das benachteigen von Menschen ist ein ernstes Problem, besonders Kinder und Jugendliche sind dem hilflos ausgeliefert und sollten von der Politik aber auch von der Gesellschaft, uns, besser geschützt werden.

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charlybird 31.07.2018, 13:01
3. Das ist ein

etwas klügerer Artikel in Sachen Rassismus, wenn ich mir die letzten 5 oder 6 der Kollegen Augstein, Diez, Kazim oder Ataman so ins Gedächtnis rufe.
Aber auch er wird nichts nützen, außerdem fehlt da ein Stichwort (Erdogan), aber letztlich geht es ja eben um Rassismus und der war auch vor dem Foto vorhanden.
Ich für mich habe jetzt nach all dem Gelesen, auch die dramatischen Auslassungen einiger Autoren, Künstler und Menschen vorwiegend mit türkischen Wurzeln im Printspiegel, bedauerlicherweise feststellen müssen, dass ich wohl Rassist bin.
Zwar noch nie auffällig gewesen, aber ich hatte schon mal böse Gedanken, wie man der Macht im Beichtstuhl früher anvertraut hätte, dennoch werde ich versuchen mich zu bessern.
Aber ich kann nichts versprechen.

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unky 31.07.2018, 13:09
4. Danke, Frau Stokowski ...

... Sie haben es genau getroffen. Ihrer Analyse ist nichts mehr hinzuzufügen. Alltagsrassismus erlebe ich hierzulande als sog. Biodeutscher oft genug, wenn ich mit Familienmitgliedern unterwegs bin, deren Hautfarbe schon sehr dunkel ist. Das reicht von total unfreundlicher Bedienung an der Supermarktkasse über Nichtbedientwerden in Gaststätten außerhalb Berlins bis hin zu offenen Beschimpfungen auf der Straße.

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nesmo 31.07.2018, 13:17
5. Wenn "den Deutschen"

vorgeworfen wird, rassistisch zu sein, warum soll dann ein Deutscher nicht sagen dürfen, "wir Deutsche" sind nicht rassistisch? Und es wird ja den Biodeutschen vorgeworfen rassistisch zu sein und nicht den eingebürgerten Deutschen. Also geht der Vorwurf der Autorin rabulistisch ins Leere. Und "man kann auch sexistisch gegenüber der Queen sein", aber er wäre sehr fraglich, wenn die Queen sich über Sexismus ihr gegenüber beschwert, und deswegen ihr Amt aufgibt, ob dies ein ernstzunehmender Beitrag zur Sexismusdebatte wäre.

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parsimony 31.07.2018, 13:23
6. Es wird halt wieder alles in einen Topf geworfen.

Ein großes Problem des Diskurses ist, dass die Begrifflichkeiten einfach unterschiedlich verstanden werden. Diskriminierung bedeutet dem Wortsinn nach erstmal nur Unterscheidung und unter Rassismus wird teilweise gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit verstanden. Dass Özil rassistisch beleidigt wird, muss nicht automatisch bedeuten, dass er im Verlauf seiner Karriere strukturell, negativ diskriminiert worden ist. Viele die argumentieren, betreiben ein einseitiges Rosinenpicken während es tatsächlich immer eine Bandbreite gibt. Natürlich gibt es sachliche Kritik z.B. am Foto mit Erdogan oder auch gegenüber Muslimen allgemein genauso wie es rassistische Anfeindungen und Übergriffe gibt, genauso wie es subtilere Ausgrenzungserfahrungen gibt, die leider unter Alltagsrassismus thematisiert werden. Das Wisch und Weg auf der einen Seite wird allerdings dadurch begünstigt, dass auf der anderen Seite pauschalisiert und alles in einen Topf geschmissen wird.

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kritischerkritiker 31.07.2018, 13:30
7. Man kann die Debatte führen..

aber dann muss man das offen tun. Und ja ich wurde auch als "Kartoffeldeutscher bereits in Deutschland Opfer von rassistischen Anfeindungen. Wieso sollte man das aus der Diskussion ausnehmen? Entweder wir führen die Diskussion zusammen in allen Facetten oder wir lassen es gleich bleiben. Einfach mal auf den "Deutschen" rumhacken ist eben nicht drin.

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thom3 31.07.2018, 13:36
8. "Rassismus" ist ein gefährlicher Begriff

der mit seiner großen intellektueller Gewalt immer auch nach hinten los geht. Ich betreue seit x Jahren unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus Afrika und Asien, ausgerechnet hier verwenden wir deshalb den Begriff "Rassismus" fast überhaupt nicht. Er führt zu vorschnellen, totalisierenden und effektiv sogar selbst rassistischen Fehlinterpretationen schwieriger Situationen und Probleme. Man sollte den Artikel mal daraufhin lesen. Echten Rassismus erkennt man dagegen als Betroffener sofort, denn man ist dann in echter großer Gefahr, und muss handeln bzw. sich schon im Vorfeld davor schützen. Dazu muss man offen gewalttätige Rassisten erkennen können, und die Gegenden in Stadt und Land, in denen sie eine situative Herrschaft ausüben können - und nur dort herrscht Rassismus. In der Gesellschaft in Deutschland herrscht Rassismus aber trotz aller Probleme definitiv nicht - auch wenn es intellektuell äußerst bequem und mächtig und insofern verführerisch erscheint, sämtliche multikulturellen Probleme zentralistisch unter dem Herrschaftsbegriff Rassismus zu erfassen.

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smoker1960 31.07.2018, 13:38
9. Wichtig sind die Konsequenzen!

Ich kann der Autorin hier nur uneingeschränkt zustimmen. Entgegen landläufiger Meinung ist Deutschland ein Land mit sehr vielen unangenehmen Bewohnern - alles andere als nette Zeitgenossen. Ich hoffe nur, dass diese Tatsache auch vermehrt global zur Kenntnis genommen wird. Vielleicht werden dann auch viele Zuwanderungswillige ihre Präferenz überdenken können.

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