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"Unterwerfung" als ARD-Film: Das Zynikerleben ist ein Chanson
rbb/ NFP/ Manon Renier

Houellebecq ist fern: Im Theater hat Edgar Selge den Helden des Romans "Unterwerfung" als radikalen Bösewicht gespielt - nun hat die ARD aus dessen Auftritt einen Fernsehfilm gemacht. Der ist nett anzuschauen. Mehr nicht.

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observerlbg 06.06.2018, 10:25
1. Und?

Wäre es da nicht besser gewesen, die Bühnenfassung einfach au den Bildschirm zu bringen? Nee, wohl eher nicht. Eine Bühnenfassung ist für die Bühne. Und bestenfalls am Samstag auf 3SAT zeigbar. Auf'n Ersten zur besten Sendezeit ist eben nur abgeflachtes Mainstream möglich, lieber Herr Höbel. Sollten Sie eigentlich wissen. Es macht auch keinen Sinn, Samuel Beckett oder Jean Paul Sartre Dramen in Bühnenfasung zur Mainstreamzeiten zu zeigen.

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gersois 06.06.2018, 10:52
2. Politisch überholt

Durch die Wahl Macrons ist das Buch politisch überholt. Valls ist kein Führer der Sozialisten mehr, Copé steht im Abseits. Eine politische Bewegung der Muslime in Frankreich ist nicht in Sicht. Das Buch erhielt seine politische Brisanz gerade durch die Verwendung der damals aktuellen politischen Elite Frankreichs in Verbindung mit den Visionen des Autors. Was jetzt noch bleibt, ist das gelangweilte Leben eines dekadenten Pariser Hochschullehrers und seine sexuellen Bedürfnisse und Fantasien. Und das lohnt weder eine TV-Sendung noch eine Theateraufführung.

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Bondurant 06.06.2018, 11:11
3.

Zitat von gersois
Durch die Wahl Macrons ist das Buch politisch überholt. ...Das Buch erhielt seine politische Brisanz gerade durch die Verwendung der damals aktuellen politischen Elite Frankreichs in Verbindung mit den Visionen des Autors.
das Buch hat politische Relevanz durch seine Erzählung von den dekadenten westlichen Intellektuellen, die ohne weiteres bereit sind, angeblich unverzichtbare zivilisatorische Errungenschaften (pars pro toto: Gleichstellung der Frau) mal eben über Bord zu werfen, wenn es politisch opportun scheint und persönlich sowieso. Daran hat sich nichts geändert.

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Analog 06.06.2018, 11:17
4. Ja, so habe ich das Buch auch verstanden.

Zitat von Bondurant
das Buch hat politische Relevanz durch seine Erzählung von den dekadenten westlichen Intellektuellen, die ohne weiteres bereit sind, angeblich unverzichtbare zivilisatorische Errungenschaften (pars pro toto: Gleichstellung der Frau) mal eben über Bord zu werfen, wenn es politisch opportun scheint und persönlich sowieso. Daran hat sich nichts geändert.
Den Film habe ich nicht gesehen, ist auch immer schwierig, wenn man vor kurzem erst das Buch gelesen hat. Da ist Enttäuschung vor programmiert.

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mostly_harmless 06.06.2018, 11:21
5.

Witzig an der Sache ist ja nicht, dass irgend jemand einen Politthriller schreibt, witzig an der Sache ist, dass es Leute gibt die meinen, das hätte irgend einen Bezug zur realen Welt. Man stelle sich mal vor, die ARD würde Perry-Rhodan-Heftchen verfilmen und es gäbe Leute, die ernsthaft die baldige Machtübernahme durch die Ennox diskutierten.

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Bondurant 06.06.2018, 11:40
6.

Zitat von mostly_harmless
Witzig an der Sache ist ja nicht, dass irgend jemand einen Politthriller schreibt, witzig an der Sache ist, dass es Leute gibt die meinen, das hätte irgend einen Bezug zur realen Welt. Man stelle sich mal vor, die ARD würde Perry-Rhodan-Heftchen verfilmen und es gäbe Leute, die ernsthaft die baldige Machtübernahme durch die Ennox diskutierten.
Wenn sie ein Interview mit dem erstklassigen und intelligenten Schauspieler Selge zu diesem Film gesehen hätten, wären Sie vielleicht nachdenklicher. Er sagte nämlich sinngemäß, es sei vielleicht ganz gut, wenn wir mal wieder daran erinnert würden, wie man es mit dem Glauben hält. Und dass unsere - westliche - Gesellschaft im Zentrum leer ist.

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blödbacke 06.06.2018, 11:51
7. Heilige Dreifaltigkeit

Ich habe das Buch gelesen und das Theaterstück gesehen. Jetzt werde ich mir den Film ansehen. Und danach meinen Kampf gegen Intoleranz jedweder Art fortsetzen.

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gersois 06.06.2018, 12:16
8.

Zitat von Bondurant
das Buch hat politische Relevanz durch seine Erzählung von den dekadenten westlichen Intellektuellen, die ohne weiteres bereit sind, angeblich unverzichtbare zivilisatorische Errungenschaften (pars pro toto: Gleichstellung der Frau) mal eben über Bord zu werfen, wenn es politisch opportun scheint und persönlich sowieso. Daran hat sich nichts geändert.
Im Buch sind es nicht die Intellektuellen, die einen Islamisten zum Präsidenten wählen, sondern das Volk, das den FN nicht an die Macht lassen will. So wie Macron gewählt wurde, um Marine Le Pen zu verhindern! Und dann übernimmt das Geld der arabischen Ölstaaten Frankreichs Universitäten. So wie wir - Europa und die USA - heute vor Saudi Arabien kuschen, weil es unseren wirtschaftlichen Interessen nutzt.

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gersois 06.06.2018, 12:20
9.

Zitat von mostly_harmless
Witzig an der Sache ist ja nicht, dass irgend jemand einen Politthriller schreibt, witzig an der Sache ist, dass es Leute gibt die meinen, das hätte irgend einen Bezug zur realen Welt. Man stelle sich mal vor, die ARD würde Perry-Rhodan-Heftchen verfilmen und es gäbe Leute, die ernsthaft die baldige Machtübernahme durch die Ennox diskutierten.
Wenn sie das Buch gelesen hätten, wüssten Sie, dass da bewusst ein realer Bezug konstruiert wurde. Ausgehend von einer 2. Amtszeit von Hollande malt der Autor sein Bild der möglichen Zustände Frankreichs und lässt bekannte, lebende Politiker agieren.

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