Forum: Kultur
Vergewaltiger-"Polizeiruf" aus Rostock: Fratze des Frauenhasses
NDR/ Christine Schroeder

Der Familienvater als misogynes Monster: Die Rostocker Ermittler treffen auf einen Vergewaltiger und Mörder, den sie nicht verhaften können. Ein "Polizeiruf", der aus vielen Gründen wehtut.

timofine Heute, 05:19
1. Herr Buß

hat einen anderen Polizeiruf gesehen als ich. Die Analyse ent-wickelt nicht, worum es in diesem PR wirklich ging... sie erscheint mir leider diesmal eher als Themaverfehlung... schade

Beitrag melden Antworten / Zitieren
franz01 Heute, 09:22
2. Fragen bleiben offen

Der DNA-Beweis gegen Herrn Wachs ist wohl als fake, als gestellter Beweis gemeint. Ich bezweifele, dass dieser "Beweis" gerichtsfest geworden wäre, wenn Wachs das Hamburger Verbrechen nicht begangen hat. Gerechtigkeit durch gestellte Beweise ist arm. Eine solche Gerechtigkeit will ich nicht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
GNUFZ Heute, 10:25
3. Misogynie ist das Thema des Kommentators,...

...aber nicht Thema dieses Polizeiruf. Das ist nämlich - passend zur ARD Themenwoche - Gerechtigkeit, Selbstjustiz Prinzipientreue und das Verhältnis/die Beziehung zwischen den Kommissaren Bukow und König. Die Misogynie ist lediglich das Vehikel, mit dessen Hilfe dieses Spannungsfeld, wie während der gesamten Figurenentwicklung der Rostocker Kommissare, erarbeitet wird, und zwar in dieser Folge von der ersten Szene (Verurteilung von Bukow und König) bis zur letzten, in der Bukow König durch demonstratives Zustecken von 100€ seines Hehlereigewinns ihre scheinheilige Prinzipientreue vorführt, woraufhin beide sich zum Schluss "Erbärmlichkeit" vorwerfen.
In der Konsequenten Fortführung dieser beiden Figuren, ist diese Folge eine der besten Folgen überhaupt, so wie der Rostocker Polizeiruf wegen des Spannungsfeldes zwischen den beiden der beste überhaupt ist.

Neun von zehn Sternen gibt das. Lediglich einen Abzug für den Stockfehler, dass zivile Verjährungsfristen jeweils ab/bis Beginn/Ende des Kalenderjahres zählen, und damit die Mutter des Opfers den Täter durchaus noch wegen des Schadenersatzes und Schmerzensgeld hätte verklagen können, was die Geschichte aber dann weniger plausibel gemacht hätte...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
grouchomax Heute, 10:34
4.

Es wurde zu viel hysterisch gebrüllt und geschrieen einerseits, dann wieder tief betroffen geflüstert. Insbesondere die Kommissarin König führte sich auf, als sei das Opfer ihre eigene Tochter gewesen. Und zwar nicht vorvorgestern, sondern gestern. Der Täter darüber hinaus, wenn nicht ein mutmaßlicher Serientäter, zumindest eine tickende Zeitbombe.
Wer als Ermittler sich derartig in eine persönliche Betroffenheit hineinsteigert, handelt nicht nur hanebüchen unprofessionell, ist auch untauglich für seinen Job, wird ihn kaum aushalten.

Sehr bedeutsam folgende Anmerkung https://www.zeit.de/kultur/film/2018-11/polizeiruf-110-rostock-koerperverletzung-obduktionsbericht/seite-2:

"der Film hätte die Flucht ins Philosophische antreten und die Frage durchspielen können, warum "Gerechtigkeit" für Janinas Mutter nur bedeuten kann, Wachs hinter Gitter zu sehen. Warum es nicht einen anderen Umgang mit Schuld und Sühne geben könnte, um Frieden zu finden nach 30 Jahren."
Es dürfte seine Gründe haben, dass traditionell auch Mord einer Verjährungsfrist unterlag! (In Deutschland wurde dies geändert, wegen der Besonderheit der Nazimorde)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ancoats Heute, 11:04
5.

Der Rostocker Polizeiruf ist und bleibt einer der wenigen aus dem Bereich der deutschen Serienkrimis, der regelmäßig und zuverlässig gute Geschichten erzählt, dramaturgisch rund und mit vielschichtigem und vor allem "authentisch" agierenden Charakteren. Und das war auch dieses Mal der Fall.
Ja, ok, das illegale, vor allem aber tölpelhafte Herumtrappsen im Haus des Verdächtigen war vielleicht ein bisschen overdone, aber die restliche Kritik an diesem Polizeiruf kann ich absolut nicht nachvollziehen. Das Thema Recht vs. Gerechtigkeit wurde schön durchdekliniert, und dazu noch in mehreren Handlungsfäden - angefangen von der auf einen früheren Vorfall verweisenden Anfangsszene, über die "Handtaschen-und Schuhe"-Sache bis hin zum eigentlichen Thema: der Herstellung subjektiver Gerechtigkeit angesichts eines objektiven Rechts, welches einen eindeutig Schuldigen aus formalen Gründen davonkommen lässt. Das Alles war nachvollziehbar motiviert, die Figuren in ihrer ja durchaus vorhandenen Ambivalenz angesichts der Grenzüberschreitungen gut gezeichnet. Am Ende blieb für den Zuschauer eben kein "Jawoll, richtig so!" übrig, sondern Unbehagen über diese Art von Selbstermächtigungen, und so soll es sein. Ich gebe mindestens 8 Punkte.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
apropos48 Heute, 12:09
6. Ne bis in idem

Niemand kann wegen der gleichen Sache zweimal verurteilt werden, ist bei uns bindender Rechtsgrundsatz (in den USA 'double jeopardy' genannt). Dass zwischen Recht und Gerechtigkeit mitunter Welten liegen, wissen wir alle und lässt manchen verzweifeln. Das darf aber kein Grund sein, dass Recht gleich mehrfach nicht nur gebeugt, sondern gebrochen wird und das von Vertretern des Rechtssystems. Ich halte den Schluss des Polizeirufs für brandgefährlich, er suggeriert ""wenn nicht mit Recht, dann halt eben ohne". Im Übrigen kann ein zweiter Prozess dann eröffnet werden, wenn neue Beweismittel auftauchen oder der Täter gesteht. Man hätte sicher mit einem rechtsverträglichen Schluss die Problematik genauso intensiv beleuchten können. Für mich war der Film daneben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
polza_mancini Heute, 14:48
7. Verstehe ich nicht?

Zitat von apropos48
Niemand kann wegen der gleichen Sache zweimal verurteilt werden, ist bei uns bindender Rechtsgrundsatz (in den USA 'double jeopardy' genannt). Dass zwischen Recht und Gerechtigkeit mitunter Welten liegen, wissen wir alle und lässt manchen verzweifeln. Das darf aber kein Grund sein, dass Recht gleich mehrfach nicht nur gebeugt, sondern gebrochen wird und das von Vertretern des Rechtssystems. Ich halte den Schluss des Polizeirufs für brandgefährlich, er suggeriert ""wenn nicht mit Recht, dann halt eben ohne". Im Übrigen kann ein zweiter Prozess dann eröffnet werden, wenn neue Beweismittel auftauchen oder der Täter gesteht. Man hätte sicher mit einem rechtsverträglichen Schluss die Problematik genauso intensiv beleuchten können. Für mich war der Film daneben.
Es dürfte doch kaum jemanden unter den Zuschauern geben, der diese Vorgehensweise der Polizei als legitimes "letztes Mittel" gutheisst - gezeigt werden sollte die Zerrissenheit der Ermittlerin, die Ohnmacht zwischen Recht und Gerechtigkeit, passend zur Themenwoche. Von daher ist die Darstellung m.E. nicht brandgefährlich, sondern sogar eher wichtig: zu zeigen, dass sich auch Vertreter des Rechtssystems im Auftrag der Gerechtigkeit in argen Gewissensnöten befinden können. Bestes Beispiel hierfür die Thematik beim Gäfgen-Mord, ob "so ein bißchen Folter" nicht doch mal legitim sein kann.
Bis auf die diesmal etwas übertrieben starken Wortgefechte und den lächerlichen Fake-"Hausbesuch" fand ich die Story daher sehr gut umgesetzt. PS: Nur das Geständnis hätte geholfen, keine neuen Beweismittel, siehe § 362 StPO.

Beitrag melden Antworten / Zitieren