Forum: Kultur
Was ist Deutsch?: Eine Nation sucht sich selbst
imago/ United Archives

Wer sind wir Deutschen? Warum sind wir so? Ein riesiges Geschichtswerk von Dieter Borchmeyer stellt große Fragen. Dabei lernt man viel. Und wundert sich doch, warum Neonazis Türken töten.

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abwinken 15.04.2017, 18:24
1. Ein einfacher Tipp

Man gebe das Geld für Bücher ala " Die Gesellschaftsgeschichte der Deutschen von H-U Wehler" aus. Sind aber 5 Bände und deshalb etwas teurer.

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zeichenkette 15.04.2017, 18:24
2. Das Problem:

Es gibt kein deutsches Land und auch kein deutsches Volk, sondern nur deutsche Länder und deutsche Völker. Das "deutsche an sich" kann daher immer nur eine Art Kunstgebilde oder auch Gespenst sein. Man ist Bayer oder Sachse oder Westfale oder Friese, aber Deutscher? Deutschland heißt nur so, aber ist in Wirklichkeit ein Staat, kein Land. Deutscher kann man nur als Staatsbürger sein, oder man wird zum Nationalisten ohne festen Boden unter den Füßen.

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adolfo1 15.04.2017, 18:32
3. Diese Frage stellt sich nicht, sondern

sie sollte lauten:" in welcher Gesellschaft wollen wir leben".
Leider ist unsere Gesellschaft in allen Belangen dermaßen zersplittert und somit unfähig, auf solch eine Frage einen gemeinsamen Konsens zu finden.

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iffelsine 15.04.2017, 18:36
4. Es ist nervig,

Auf unseren zahlreichen Reisen ins entfernte nicht-europäische Ausland vermeiden wir, uns als Deutsche zu outen, wenn wir es können. Wir haben keine Lust, gefragt zu werden, ob wir aus West- oder Ostdeutschland stammen, was wir vom Nazi-Deutschland erzählen können (gerne gefragt in angelsächsischen Ex-Kolonien), zudem wir Nachkriegskinder sind. Wir wollen uns auch nicht andauernd auslachen lassen zum Thema Merkel´s herbeigerufene Flüchtlingskrise. Es ist einfach nu noch unangenehm und daher lassen wir das. Mit diesen Themen befassen wir uns auch nicht mehr zu Hause.

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widower+2 15.04.2017, 18:43
5. Was deutsch ist?

Vor allem das: "unterwürfige Haltung der Deutschen vor (...) aller staatlichen Obrigkeit". Gesetze und Vorschriften werden nicht in Frage gestellt, ob sie nun widersinnig, kontraproduktiv für den gedachten Zweck oder einfach nur blödsinnig sind.

Eine Hecke 10 Zentimeter zu hoch oder 10 Zentimeter zu nah am Nachbargrundstück? Das geht natürlich gar nicht. Mülltrennung? Auf das Penibelste mit ausgewaschenen Joghurtbechern, auch wenn später doch alles in die MVA wandert und wer dagegen verstößt, wird natürlich angezeigt.

Natürlich Winterreifen aufziehen, obwohl man damit in manchen Gegenden an 118 von 120 Tagen der "Winterreifenperiode" mit dem unterlegenen Pneu unterwegs ist. Etc. pp.

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panzerknacker 51 15.04.2017, 18:44
6. Identität

Also ich bin zunächst einmal Hamburger, und zwar ein geborener. Deutscher bin ich natürlich auch, weil dem deutschen Sprachraum verbunden. Das wird allerdings in manchen Teilen Deutschlands auf eine harte Probe gestellt, zB in Schwaben oder Sachsen. Und nein, in Bayern nicht, weil ich da vier Jahre studiert habe.

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sumfuiesse 15.04.2017, 18:56
7. Patriotismus und Nationalismus

Patriotismus und Nationalismus sind Gedankenzüge einer längst vergangenen Zeit. Meiner Meinung nach ist der Glaube an eine "Deutsche Identität" ein sehr abstraktes Denken, ähnlich wie die Religion. Religion verkörpert in unserem Verständnis allerdings gewisse Werte, christliche Werte. Diese Werte sollten von jedem beherzigt werden. Unabhängig davon, ob man überhaupt an Kirche und Gott glaubt. Aber was verbirgt sich hinter Patriotismus? Richtig, gar nichts. Die Menschen in Deutschland können die deutschen Lyriker als Vorbild sehen, die Fußballer feiern oder den hohen Lebensstandard in diesem Land genießen. Aber zu allem benötigt es keine "Deutsche Identität", Patriotismus oder Nationalismus. Dieses Gedankengut ist aus grauer Vorzeit und hier findet man doch etwas Bemerkenswertes. Das deutsche Volk ist ein Vorreiter in dieser Beziehung. Denn die Folgen eines starken nationalen Denkens und Handels sieht man in den USA, Russland, Türkei usw...

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keine-#-ahnung 15.04.2017, 19:00
8. Der stetige Versuch ...

... die Besinnung auf nationale Werte und Identität mit dem Hinweis auf den Genozid der Nazis an den europäischen Juden in die Schmuddelecke zu stellen, bewirkt, zumindest bei mir, zuvörderst das Eine: es nervt tierisch ab.
Und es erschliesst sich auch nicht - mal abgesehen vom gewünschten Zweck missionarischer Identitätsleugnung - was denn so schlecht daran ist, sich als Teil von definierten Gruppen zu fühlen. als Mitglied der Familie, Einwohner seiner Gemeinde, Bürger seines Bundeslandes, als Deutscher, dann als Europäer und letztlich als Mitglied der Bevölkerung dieser Welt - wohl wissend darum, dass die kulturellen Gemeinsamkeiten in der genannten Richtung ab-, die Unterschiede zunehmen. Es ist ein schlichtes psychologisches Grundbedürfnis Teil von etwas zu sein, was man nach Möglichkeit gut überschauen und verstehen kann.
Wenn der Autor das für sich selbst nicht in Anspruch nehmen mag oder kann, ist das sein gutes Recht. Ich als Person werde mir aber im Gegenzug nicht von einem Soziologen nehmen lassen, mich als Deutscher zu verstehen und zu fühlen. Weil es mir bei aller Anstrengung eben auch nicht gelingen will, mich als Türke, Grieche oder auch nur als Holländer zu begreifen ... da fehlt mir schlicht der dafür notwendige background. Und der Wille ...

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HolgerS 15.04.2017, 19:05
9. es wird überhaupt nicht klar, warum eine grundsätzliche NICHTidentifikation mit Deutschland gut sein soll

Wie soll ein Gemeinwesen existieent ohne eine gemeinsame Sammlung von Werten, ohne eine Identifikation mit derselben? Die Grenzen der Gültigkeit unserer Werte heisst einfach Deutschland. Der Autor kann offensichtlich mit dem Begriff von Identität nichts anfangen und interpretiert ihn ganz Autoritär im Sinne der linken Schützengraben-Romantik. Ich würde mir wünschen, dass die Diffamierung der Menschen, die nicht dem Sprachgebrauch der Soziologie-Seminare folgen endlich aufhört.
Warum soll ich mich hier an Regeln halten, wenn sie – nach Meinung des Autors – beliebig austauschbar mit denen der Nachbarn sind? Gesetzt den Fall hier herrscht Demokratie, dann haben diese Regeln etwas mit den Menschen zu tun, die hier leben, das ist die rationale Deutung der Identität.
Die gefühlsmäßige hat etwas mit der Landschaft und den Menschen zu tun unter denen ich aufgewachsen bin. Die ich auch bereit bin zu verteidigen. Für den Autor ist das einfach egal, er zieht dann halt in den nächsten Staat, von dem er dann Freiheit und Menschenrechte fordert – aber für den er nicht bereit ist etwas zu tun.

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