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Abitur: Es geht los - mit denselben Aufgaben für alle
DPA

In Deutsch, Mathe, Englisch und Französisch sollen sich die Abiturniveaus nun annähern: Die Bundesländer können sich aus einem gemeinsamen Aufgabenpool bedienen. Doch das Konzept hat viele Kritiker.

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bert1966 16.03.2017, 09:54
0. Gerechtigkeit? Illusion!

G8 in einem Bundesland, G9 in einem anderen, meistens sogar beides im gleichen Bundesland: Gesamtschüler dürfen sich ein Jahr länger auf ihr Abitur vorbereiten als ihre Konkurrenten am Gymnasium. Trotzdem wehrt sich aktuell ein NRW die "Landeselternschaft der integrierten Schulen" gegen die sinnvolle Wiedereinführung von neun Schuljahren an Gymnasien, wie sie eine Bürgerinitiative anstrebt und schiebt dafür politisch induziert allerlei Scheinargumente vor (so behauptet man einfach, bei Wiedereinführung von G9 an Gymnasien fielen Stunden an Gesamtschulen weg, eine Behauptung, die so nicht stimmt). Man ist in Wirklichkeit wohl besorgt, daß die schlechten Ergebnisse von Gesamtschülern all zu offensichtlich würden, schon gleich falls gleiche Ausbildungszeit UND zentrales Abitur wieder Realität würden. Das ist nur eine Ungerechtigkeit, eine andere: die unterschiedliche Mittelzuweisung an Schulen überhaupt. Auch hier macht NRW keine gute Figur. Die ständig klamme Landesregierung versucht ständig, Unzulänglichkeiten in der Bildungspolitik zu kaschieren und was käme ihr da mehr ungelegen, als ein bundesweit zentrales Abitur? Gerechtigkeit durch Zentralabitur also: schon vom Ansatz ein Ding der Unmöglichkeit, man müsste viel mehr an der Verbesserung der Lehr- und Ausbildungsqualität ansetzen (dazu z. B. den Landesschulministerien viel mehr auf die Finger klopfen) und nicht an der Ergebnisqualität.

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docrentner 16.03.2017, 09:59
1. Endlich Hoffnung

Wahrscheinlich müssen erst die Bildungspolitiker abdanken, dann können sich die Pädagogen der beteiligten Länder einigen.

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ackergold 16.03.2017, 10:15
2.

Der grundsätzliche Irrglaube in vielen Köpfen ist, dass die Abiturnote etwas über die Fähigkeiten des Abiturienten aussagt. Tatsächlich ist das nur ein einziger Parameter unter vielen.
Eine weitere Groteske ist die Annahme, dass die Schwierigkeit der Abiturprüfung ein Qualitätsmerkmal der Ausbildung sei. In einer Prüfung lernt der Schüler überhaupt nichts mehr und geprüft wird auch nicht der Bildungsgrad, sondern eine momentane Leistung. Auch hier ist der Aussagewert faktisch nahe Null.

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frank_w._abagnale 16.03.2017, 10:21
3. Niveau sinkt ohnehin immer weiter.

Eines vorab. Ich führe ein deutsches Familien-Unternehmen und bekomme viele Bewerbungen auf den Tisch. Daher weiß ich wovon ich spreche
Das Abitur ist doch schon derart verwässert und vereinfacht, dass es quasi nichts mehr aussagt. Mittlerweile dürfen sich Schüler Abiturienten nennen, die noch vor zwei oder drei Jahrzehnten gerade mal die Mittlere Reife geschafft hätten. Viel weiter kann man das Leistungsniveau beim Abitur nicht mehr absenken. Die Fähigkeiten und das Wissen der heutigen Abiturienten ist teilweise grauenhaft schlecht. Nicht verwertbar. Trotzdem haben sie Abitur. Und warum das alles?: Damit Deutschland im internationalen Vergleich besser dasteht.

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unzensierbar 16.03.2017, 10:25
4.

2 Probleme:
1. Alle Abschlüsse sollte für alle Bundesländer einheitlich sein, damit sie vergleichbar sind.
2. Es ist doch gut wenn das Abitur allgemein einfacher wird. Es verlangen ja auch vergleichsweise mehr Arbeitgeber ein Abitur heutzutage.

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happyrocker 16.03.2017, 10:29
5.

Zitat von bert1966
...Man ist in Wirklichkeit wohl besorgt, daß die schlechten Ergebnisse von Gesamtschülern all zu offensichtlich würden, schon gleich falls gleiche Ausbildungszeit UND zentrales Abitur wieder Realität würden. .
In NRW schreiben Abiturienten und Gesamtschüler das gleiche Zentralabitur. Eltern haben die freie Wahl, ihre Kinder ins G8 aufs Gymnasium oder ins G9 auf die Gesamtschule zu schicken. Dass die Abinoten der Gesamtschüler im Durchschnitt (oft nur leicht) schlechter sind, liegt daran dass hier auch Schüler mit Real- oder Hauptschulempfehlung aus der Grundschule (die ist in NRW verbindlich), die es gar nicht aufs Gymnasium durften, hier das Abitur schaffen während die Gymnasien nur diejenigen versammeln, die schon in der Grundschule gute Schüler waren.
Ein bundesweites Zentralabitur halte ich für eine grundsätzlich gute Sache, die aber an den unterschiedlichen Leistungsniveaus der Länder scheitern wird.

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elibobo 16.03.2017, 11:01
6. Ein Anachronismus

Die Bildungshoheit der Länder ist in diesen Zeiten eine Katastrophe. Alle sollen mobil sein, aber wie soll das mit schulpflichtigen Kindern funktionieren? In manchen Bundesländern kann man ja kaum innerhalb umziehen. Lasst uns endlich ein einheitliches Bildungswesen in unserem Land schaffen!

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bert1966 16.03.2017, 11:11
7.

Zitat von happyrocker
In NRW schreiben Abiturienten und Gesamtschüler das gleiche Zentralabitur. Eltern haben die freie Wahl, ihre Kinder ins G8 aufs Gymnasium oder ins G9 auf die Gesamtschule zu schicken. Dass die Abinoten der Gesamtschüler im Durchschnitt (oft nur leicht) schlechter sind, liegt daran dass hier auch Schüler mit Real- oder Hauptschulempfehlung aus der Grundschule (die ist in NRW verbindlich), die es gar nicht aufs Gymnasium durften, hier das Abitur schaffen während die Gymnasien nur diejenigen versammeln, die schon in der Grundschule gute Schüler waren. Ein bundesweites Zentralabitur halte ich für eine grundsätzlich gute Sache, die aber an den unterschiedlichen Leistungsniveaus der Länder scheitern wird.
Wie nun: haben Schüler (und deren Eltern)
a) die freie Wahl auf das Gymnasium oder die Gesamtschule zu gehen, oder müssen sie
b) der Grundschulempfehlung folgen und sind deshalb auf der Gesamtschule deutlich leistungsschwächer trotz einem Jahr mehr Ausbildungszeit?
a) und b) gleichzeitig geht ja wohl nicht zusammen?!

Und warum werden die, die auf der Grundschule schon gute Schüler waren nur deshalb um ein Ausbildungsjahr geprellt? Wäre "zu gut" etwa unerwünscht? Von wem und warum?

Unterschiedliche Leistungsniveaus der Länder sind die eigentliche Ungerechtigkeit: Schüler und deren Zukunft sind in unterschiedlichen Ländern offensichtlich auch unterschiedlich wertvoll. Skandal.

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TS_Alien 16.03.2017, 11:13
8.

Eine Vergleichbarkeit von Abschlüssen ist nicht möglich. Weder beim Abitur, noch beim Studienabschluss oder einer Berufsausbildung.

Die Unis sprechen sich auch nicht ab bei den Aufgaben ihrer Prüfungen. Und ein Studienabschluss ist sicher wichtiger als jedes Abitur. Es geht auch ohne Absprachen. Fachleute wissen, was sie von den Noten einzelner Unis zu halten haben und was nicht.

Nur wegen des NCs beim Abitur einen großen Aufwand zu betreiben, der schlussendlich auch keine Vergleichbarkeit bietet, ist sinnloser Aktionismus.

Man sollte das Niveau des Abiturs insgesamt wieder heraufsetzen. Dann gäbe es auch wieder ausreichend viele Studienplätze. Und wenn man bei den zulassungsbeschränkten Studiengängen mehr auf Eingangsprüfungen setzen würde, hätte sich der NC sowieso erübrigt.

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