Forum: Leben und Lernen
Abiturienten-Studie: Ein Drittel braucht erst mal eine Pause
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Sofort ein Studium? Oder erst einmal durchatmen und sich orientieren? Immer öfter wissen Abiturienten nicht genau, was sie nach der Schule machen sollen, zeigt eine neue Studie.

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großwolke 14.09.2017, 15:46
1. Quatsch "gleichwertige Wege"

Ich habe beruflich immer wieder selbst mit der Betreuung von Auszubildenden zu tun, und dass es sich bei einer Berufsausbildung um einen "gleichwertigen Weg" handeln soll, kann ich so nicht bestätigen. Selbst schlechte Abiturienten haben einen ganz anderen geistigen Reifegrad, sind von den Lerninhalten schnell unterfordert und erreichen die volle Arbeitsgeschwindigkeit so schnell, dass eine drei- bis dreieinhalbjährige Ausbildung für sie ziemlich nach Ausbeutung aussehen muss. Ausgehend von dieser Erfahrung entscheiden sich dann entsprechend viele auch dafür, anschließend doch noch ein Studium zu machen - was für den ausbildenden Betrieb, der sich einen gut eingearbeiteten Mitarbeiter erhofft, häufig ein großes Problem ist. Auf der anderen Seite stellt man dann viele mittelprächtige Bachelor-Absolventen auf Facharbeiter-Stellen ein, die zwar gerne etwas besseres geworden wären, aber viele nötige Basisfähigkeiten, wie Gründlichkeit, händisches Geschick oder Aufmerksamkeit für "langweilige" Details erst noch beigebracht bekommen müssen, oftmals gegen erheblichen Widerstand, weil man ja "Akademiker" ist und sich nix sagen lassen muss. Aus meiner Sicht führt der Akademisierungswahn nur zu immer neuen Problemen, die man sich sparen könnte, wenn man in der Politik weniger auf die Sirenengesänge der OECD von der Akademikerquote hören würde.

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eigene_meinung 14.09.2017, 15:46
2.

Kann es sein, dass einfach zu viele Leute aufs Gymnasium gehen und dass zu viele studieren? Insbesondere auch diejenigen, für die eine andere Schulbildung (Hauptschule oder Realschule) mit anschließender Berufsausbildung sinnvoller wäre?

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jogola 14.09.2017, 15:48
3. Mein Abi ist aus der Mitte der 70er

es mag also manches inzwischen romatisch verklärt sein. Nach der 10ten war Mint gebucht - obwohl es "I" eigentlich noch nicht gab (wir hatten noch Rechenschieber statt graphischer Taschenrechner). Zwischenzeitlich waren es Geschichte und Volkswirtschaft, geworden ist es dann was ganz anderes. Warum sollte das nach 12 Jahren besser sein?

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marty_gi 14.09.2017, 16:01
4. Schema F

Talent- und Interessensfoerderung und -forderung wird in Deutschlands Schulsystem immer kleiner geschrieben. Es sollen nur noch funktionierende Arbeitstierchen fuer die Wirtschaft produziert werden, und das so schnell wie moeglich.
Kein Wunder, dass mit diesem Druck und der damit einhergehenden Unpersoenlichkeit sehr viele erstmal 'ne Pause brauchen, um ein bisschen nach sich selbst und den eigenen Wuenschen zu schauen. Von "Beruf" kann ja heute kaum mehr die Rede sein, die wenigsten fuehlen sich da wirklich zu irgendwas berufen.
Auch merkt man das dem Land als Ganzem an, dass es doch recht inhaltsfrei gehalten wird und werden soll, nur flutschen muss es. Das wir uns dabei gegenueber anderen nach und nach abhaengen (lassen), ist ebenso kaum verwunderlich (schaue IT- und Netzwerktechnologien).

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mol1969 14.09.2017, 16:12
5. Oh Mann ...

Ich habe 1988 mein Abi gemacht, ging direkt danach für 15 Monate (Wehrpflicht) zur Bundeswehr und daran anschließend habe ich direkt mit meiner beruflichen Ausbildung begonnen. Da gab es sogar noch 2 Wochen Überschneidung, ich musste mir bei der Bundeswehr einen Großteil meines Urlaubsanspruchs aufsparen.
Nach der 2 Jahren Ausbildung ging es dann nahtlos ins Berufsleben, mit entsprechenden Weiterbildungsmaßnahmen nebenher. Und einen Nebenjob für den Samstag hatte ich die ersten 10 Jahre meines Berufslebens auch noch, sonst hätte mein Gehalt für die Immobilienfinanzierung nicht gereicht.

Pause nach dem Abi? Orientierungslosigkeit? Ich bin zwar erst 48 Jahre alt, aber manchmal verstehe ich die heutige Welt nicht mehr.

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kaiser_luftkühlung 14.09.2017, 16:28
6.

Zitat von mol1969
Ich habe 1988 mein Abi gemacht, ging direkt danach für 15 Monate (Wehrpflicht) zur Bundeswehr und daran anschließend habe ich direkt mit meiner beruflichen Ausbildung begonnen. Da gab es sogar noch 2 Wochen Überschneidung, .....
Heutzutage weiss man doch nicht mal mehr in welcher Stadt man in zwei Jahren arbeiten wird und abgesehen davon sind Immobilien selbst für die meisten Akademiker viel zu teuer geworden.

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ProDe 14.09.2017, 16:46
7. Keine Überraschung

wie schon einige erwähnt haben - früher hatte man Dank G9 und Bundeswehr 2 Jahre mehr Zeit um sich klar zu werden was man machen möchte.
Mit 17 hatte damals auch noch keiner eine Ahnung was er mal machen möchte.
Heute werden Kinder mit 24 aus der Uni - mit Master - entlassen... deren Soft-Skills, d.h. deren Entwicklung entspricht auch wegen der Verschulung durch Bologna noch nicht mal dem, das man früher nach der Bundeswehr hatte. Die sind weder in der Lage sich selbst zu organisieren noch Entscheidungen zu treffen.
Das Problem ist also nicht nur, dass die so früh mit dem Abi durch sind.
Die Auszeit - wenn gut genutzt - ist deutlich wertvoller als ein direkter Start ins Studium.

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inmado 14.09.2017, 16:49
8. "Um Studienabbrüche zu vermeiden, müssen wir...

...die Beratung über die beruflichen Möglichkeiten noch in der Schule weiter verbessern".

Seltsamer Ansatz. Sollte man nicht vielmehr die Beratung zum Thema Studium verbessern? Denn offenbar beginnen viele Studenten ihr Studium mit falschen Vorstellungen und Erwartungen.

In der Gymnasium meines Kindes wurden ausführliche berufliche Beratungen durchgeführt. Aber Beratung bzgl. eines Studiums? - Fehlanzeige!

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zubrcat 14.09.2017, 16:54
9. 18jährige Abiturienten sind noch nicht so weit

Zitat von mol1969
Ich habe 1988 mein Abi gemacht, ging direkt danach für 15 Monate (Wehrpflicht) zur Bundeswehr und daran anschließend habe ich direkt mit meiner beruflichen Ausbildung begonnen. Da gab es sogar noch 2 Wochen Überschneidung, ich musste mir bei der Bundeswehr einen Großteil meines Urlaubsanspruchs aufsparen. Nach der 2 Jahren Ausbildung ging es dann nahtlos ins Berufsleben, mit entsprechenden Weiterbildungsmaßnahmen nebenher. Und .....
So war das damals : mit 19 Abi , dann 15 Monate Bund oder Zivi. Dann wußte man mit 21 schon erheblich mehr vom Leben und den Möglichkeiten. Wer ne extra Runde gedreht hatte war mental noch etwas weiter. Das geht heute nicht mehr bei G8.
Heute sind die Abiturienten 17 oder 18 und sollen sofort wissen wo es lang geht ? Die sind zum teil so grün hinter den Ohren, dass sie die Einführungsparty auf der Uni um 22:00 verlassen müssen (Schutz der Minderjährigen).
Wen wundert es also . . . alles so gewollt.

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