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Arztreport: Immer mehr Studenten klagen über psychische Probleme
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Zeit- und Leistungsdruck, Zukunftsängste: Damit müssen Studenten erst mal klarkommen. Neue Zahlen legen nahe, dass ihnen das zunehmend schlechter gelingt.

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dasfred 22.02.2018, 15:28
1. Ein Unterschied zu früher

Zu Zeiten der allgemeinen Wehrpflicht gab es zumindest für Männer noch diesen Zeitraum zwischen Abitur und Studium, der die Jungs erstmal etwas reifen ließ, bevor sie auf die Uni losgelassen wurden. Ich denke, dieser Einfluss ist nicht zu unterschätzen. Auch bei den jungen Damen hat sich im Laufe der Zeit die Sozialstruktur der Abiturientinnen verändert und da sehe ich ebenfalls Auslöser.

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gastundredner 22.02.2018, 15:34
2. Abitur

Da die Studienzugangsberechtigung immer geringere Anforderungen stellt, somit deutlich mehr eher suboptimal vorbereitete Schüler studieren dürfen, ist ein gewisser Leidens- und Leistungsfähig druck in der Fläche nur logisch. Aber vermutlich steigt eher der politische Druck auf die Hochschulen, die Anforderungen im Studium und bei den Prüfungen deutlich zu senken, um die Anzahl der Zwangsdiplomierungen und -promotionen deutlich zu steigern. Gibt dann halt Absolventen, für die ein Zinseszins eine unlösbare Hürde darstellt, aber vermutlich kann man das Ergebnis googeln oder in einem Forum erfragen. Ein Bachelor kann dann halt vielleicht soviel wie vorher ein schlechter Geselle, ein Master kann schon selbständig die Mittagspause beenden.

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therapeutm 22.02.2018, 15:45
3. Psychotraining und weiter geht‘s?

Ich finde es sehr bedenklich, wenn tiefgreifende psychische Probleme als „etwas, das aus dem Ruder gelaufen ist“ bezeichnet werden und dann auch noch ohne ärztliche Abklärung mit einer praktischen App to go auf eigene Faust behandelt werden sollen. Ist zwar billiger, aber nicht in jedem Fall besser. Genau das ist doch das Problem heutzutage: Fühl‘ nichts, funktioniere! Angst und Sorgen stören nur, also bloß nicht darüber sprechen. So wird das nur leider nichts, auch wenn die Krankenkasse das gerne so hätte...

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MartinS. 22.02.2018, 15:50
4. ...

Nun ja - ganz explizit wird ja verglichen, wie sich die Depressionshäufigkeit von Studenten und Nicht-Studenten entwickelt. Hier kommt im Text einmal die Situation im Alter von 18 (Studenten scheinbar deutlich entspannter), und dann ab 25 (hier entwickelt sich das deutlich negativer bei Studenten)

Was soll ich sagen. Wenn man mal ganz grob annimmt, dass die Schule mit 18 beendet wurde und der Werdegang sich aufsplittet in Studium/Ausbildung.... dann haben wir auf der einen Seite die Studienanfänger, die erstmal noch relaxt in die Sache reinstarten und einfach mal machen. Bei den anderen herrscht im Vergleich in der Ausbildung erstmal ein höherer Leistungsdruck. Kaum angefangen, gehts auch schon auf die Zwischenprüfungen zu... die Lehrbetriebe wollen jeweils Berufsschulzeugnisse sehen....

Mit 25 dagegen ist die Ausbildung unweigerlich lange vorbei und man hat sich im Berufsleben eingefunden und seinen Frieden mit dem Alltag gemacht.
Ein Student mit 25 dagegen steckt seit 7 Jahren an der Hochschule. 14 Semester lang!!!! Da kann man langsam davon ausgehen, dass hier eine Selbstreflexion stattfindet und ein Student in der Situation so langsam auf den Gedanken kommt, dass sein Leben sich eher unsicher entwickelt. Wer nach 14 Semestern noch im Studium steckt, hat in etlichen Fällen durchaus einen Grund, gestresst zu sein, wenn ihm auffällt, dass er in einigen Prüfungen schon mehrfach durchgefallen ist und der böse Drittversuch ja entscheidend sein könnte. Das sind mit Sicherheit nicht alle. Viele dürften auch in einer Promotion stecken... aber auch dann merkt man mit Mitte 20 allmählich, dass man immer noch keinen Beruf hat, der Punkt aber unweigerlich näher rückt, wo man sowas mal haben müsste, um sein eigenes Leben bestreiten zu können.
Ich kann durchaus nachvollziehen, dass das stressig sein kann.

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cosmoschaos 22.02.2018, 15:50
5. Neue Patienten

müssen für die allzu vielen Dipl.Phychologen, Psychater etc. heran. Die wollen doch auch mit ihren ?Künsten? überleben. Und die vielen Krankenkassen brauchen doch auch ständig neue Arbeit! Was liegt da näher, als möglichst viele neue Patienten zu kreieren.
Wenn die überforderten Studenten die Behandlung ihrer Wehwehchen selbst bezahlen müßten, wären wahrscheinlich sehr viel weniger krank.

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tombadil1 22.02.2018, 16:01
6.

Bei uns auf der Uni (ich studiere Maschinenbau im Master in Stuttgart) hatte es haufenweise Studenten denen ich schon im ersten Semester hätte sagen können dass das Studium nichts für sie ist.
Ich versteh schon nicht wie die Leute überhaupt das Abi geschafft haben, so eine langsame Auffassungsgabe haben die teilweise.
Wenn man dann an der Uni nicht mehr der Lehrerliebling und Überflieger ist, dann kann das die armen Kinderlein (sind ja teilweise noch nicht mal 18) schon mal deprimieren. Heutzutage braucht’s dann einen Psychologen der einen wieder aufrichtet, anstatt dass man das offensichtlich falsch Studium abbricht, was daraus lernt und etwas macht das einem wirklich liegt. An einer Ausbildung ist doch absolut nichts auszusetzen, nur meinen inzwischen viele sie müssten studiert haben damit sie etwas sind.

Außerdem gibt’s noch viele Mimöschen denen grundsätzlich alles zu viel ist und sie unter solch fürchterlichem Stress leiden, dass sie das kaum aushalten obwohl sie nicht mehr machen müssen als alle anderen auch die das ohne Probleme hinbekommen.
Das sind bestimmt die Leute aus der Umfrage. Wobei ich schätze dass es von denen in den Geisteswissenschaften noch mehr geben dürfte als bei uns. (Mathe als Geisteswissenschaft mal ausgenommen)

Ich würde persönlich das Problem eher bei den Studierenden als bei der Studienumgebung suchen. Immerhin hat der Großteil keine Probleme.
Was ich allerdings verstehen kann wäre dass man gestresst ist wenn man neben dem Studium noch viel arbeiten muss um Geld zu verdienen. Da kenne ich allerdings persönlich nicht einen einzigen Studenten der das wirklich müsste. Einige arbeiten damit sie mehr Geld zur Verfügung haben, aber nicht weil sie ohne das Geld nicht zurecht kämen. Außerdem gibt es zumindest bei uns viele Stellen als HiWis an den Instituten die gar nicht mal so schlecht bezahlt sind.

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barney9 22.02.2018, 16:17
7.

Bei meinem Hausarzt sind 35 % der Patienten Studierende die vom Studium überfordert sind. Ich kann das nach vierzigjährigen Tätigkeit an einer Uni aber auch bestätigen, die jungen Leute kommen immer schlechter ausgebildet aus der Schule und haben sehr oft eine schlechte Selbsteinschätzung was ihre Studierfähiigkeit betrifft. langsam sollte man über Eignungsprüfungen zu deren eigenen Schutz nachdenken.

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biogenetica 22.02.2018, 16:17
8. Leistungsdruck plus ungeeigente Studierende

Ich kann meinen Vorrednern teilweise recht geben. Da ich selber mein Studium an der Universität erst vor 3 Jahren abgeschlossen habe, weiß ich, welche Leute sich nun mehr an der Uni tummeln...nicht alle sind geeignet. Mein Jahrgang war in NRW der letzte Abiturjahrgang der nicht das Zentralabitur gemacht hat. Wenn ich mir seitdem den Abitur Notendurchschnitt an meinem altem Gymnasium anschaue, ist das schon erschreckend, wie viele 1,0 Abiturienten es seit dem Zentralabitur gibt. Ich war "damals" mit meiner 2,3 echt ziemlich gut, mit 1,8 haben Mitabiturienten zb. in Essen einen Medizinstudiumsplatz bekommen...heute undenkbar.
Mein Studium habe ich dann mit den Zentralabituler verbracht, da ich vorher eine Ausbildung abgeschlossen habe. Man mag kaum glauben, welch ein Unterschied diese 3 Jahre ausgemacht haben, sei es durch eine andere Abiturform oder der Reifung in der Ausblindung.
Dennoch muss auch ich sagen, dass das enge Korsett des Bachelor / Masterstudiums auch mich oft an meine Grenzen gebracht hat. Dank meiner Reife habe ich dann aber oft endschieden, dass mir Fachrichtungen wie Bioinformatik oder Botanik total egal sind und da nur das nötigste gemacht habe. Und mich dann lieber auf die Themen konzentriert habe, die mir wichtig waren und mir Spaß gemacht haben. Wenn ich mir allerdings meine Mitstudierenden angesehen habe, konnten die das nicht. Irgendjemand hat denen eingetrichtert, dass sie alles können und wissen müssen. Und m.E. haben sie es auf Grund mangelnder Reife gelaubt.
Und ich glaube, es wird jetzt nicht gerade besser, wenn a.G. von G8 teils Minderjährige an die Hochschule kommen. Ich wurde bei ganz normaler Schullaufbahn 20! als ich meine Ausbildung begann und wurde 23! im Studium...ein riesen Unterschied!

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Poco Loco 22.02.2018, 16:52
9. Und die Frage warum ist das so,....

......auf die wird gar nicht eingegangen. Nicht das ich eine Antwort wüsste, aber die Interessen der Pharmakonzerne sind nicht zu unterschätzen. Gerne werden da mal vermeintliche Krankheitsstatistiken hochgespielt. Und wenn dem so ist, kann es u.a. auch sein, dass diese Generation der Studierenden, die besonders durch neurotische Helikoptereltern gehätschelt, kontrolliert und verwöhnt erzogen wurden bzw. durch asoziale Netzwerke von der Realität schon längst abgekoppelt wurden, mit den Ansprüchen und Anforderungen der Leistungsgesellschafft nicht mehr klarkommt? Woher kommt denn der angebliche Anstieg von Depressionen und Angststörungen, die Ursachen müssen doch schon im Elternhaus und in der von Leistungsdruck und Oberflächlichkeit geprägten Gesellschaft zu finden sein.

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