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Bildungserfolg: Auf die Eltern kommt es an
DPA

Kinder von Akademikern studieren dreimal häufiger als Kinder, deren Eltern nicht an einer Hochschule waren. Eine neue Studie zeigt: Daran hat sich in den vergangenen Jahren kaum etwas verändert.

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cs01 09.05.2018, 12:21
1.

Ich finde es falsch, hier von ungleichen Bildungschancen zu reden. Jeder hat das gleiche Recht auf Bildung und kann es wahrnehmen. Es wird nur ungleich wahrgenommen. Strenggenommen müsste man von ungleicher Nutzung der Bildungschancen reden. Und am besten dafür sorgen, dass auch Kinder von Nichtakademikern ihre Möglichkeiten nicht vorenthalten werden.

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markus_wienken 09.05.2018, 12:41
2.

Zitat von cs01
Ich finde es falsch, hier von ungleichen Bildungschancen zu reden. Jeder hat das gleiche Recht auf Bildung und kann es wahrnehmen. Es wird nur ungleich wahrgenommen. Strenggenommen müsste man von ungleicher Nutzung der Bildungschancen reden. Und am besten dafür sorgen, dass auch Kinder von Nichtakademikern ihre Möglichkeiten nicht vorenthalten werden.
"Und am besten dafür sorgen, dass auch Kinder von Nichtakademikern ihre Möglichkeiten nicht vorenthalten werden."

Ja, und da müsste man u.a. bei den Eltern ansetzen. Ich verweise hier immer wieder sehr gerne auf meinen recht großen asiatischen Bekanntenkreis (bedingt durch meine chin. Frau).
Von wenigen Ausnahmen abgesehen (meist Japan und Südkorea) handelt es sich nicht um Akademikereltern sondern um Menschen mit niedrigem Bildungsstand und teils auch schlechten Deutschkenntnissen.
Deren Kinder allerdings gehen beinahe alle aufs Gymnasium und gehören was die Noten angeht zum oberen Drittel in ihren Klassen.
Unser Schulsystem mag durchaus verbesserungswürdig sein, als primäre! Ursache für den geringen Bildungserfolg von Nichtakademikerkindern sehe ich dieses aber nicht.

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vox veritas 09.05.2018, 13:01
3. Bildung - Wahrscheinlichkeit und Chancen

Die Formulierung in der Studie ist extrem unglücklich.

""Kinder von Akademikerinnen und Akademikern haben eine deutlich höhere Chance, die gymnasiale Oberstufe zu besuchen"

Die Chancen sind für alle Schüler gleich; dafür haben Sozialpolitiker aller Parteien in den letzten Jahrzehnten ausreichend gesorgt. Wohl aber ist die Wahrscheinlichkeit eines "Aufstiegs" eine andere, da jeder Mensch sein Chancen unterschiedlich nutzt.

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st.esser 09.05.2018, 13:17
4. Chancen durch die Eltern geschaffen oder verbaut

Ich beobachte die Situation aus zwei sehr unterschiedlichen Blickwinkeln, einmal dem der Kinder im persönlichen Umfeld und dann der Kinder an einer mir sehr gut bekannten Grundschule in einem "sozialen Brennpunkt".

Dort werden im Herbst über 40% der Kinder ohne Deutschkenntnisse eingeschult (ein von einer privaten Stiftung geförderter Deutschkurs soll helfen, in den wenigen verbliebenen Wochen zu retten, was noch zu retten ist).

Diese Kinder sind zu einem großen Teil in Deutschland geboren (also insbesondere keine Flüchtlingskinder, die sprechen meist nach wenigen Monaten schon so gut Deutsch, dass sie problemlos dem Unterricht folgen können).

Problematisch ist dagegen die Situation von Kindern, die in Deutschland geboren wurden, aber in einer fremden Sprache aufwachsen, weil ihre Mutter kein oder kaum Deutsch spricht (auch nach Jahren oder manchmal Jahrzehnten in Deutschland nicht). Kein Kontakt zu deutschen Kindern, kein Kindergartenbesuch, kein deutsches Fernsehen - das trifft inzwischen auch auf viele türkische Kinder in 4. Generation (des Vaters) in Deutschland, weil häufig junge Frauen aus der Türkei geheiratet werden, die hier dann in einer rein türkischen Community leben ... (und bei denen manches Mal die Schwiegereltern darüber wachen, dass die guten Sitten eingehalten werden und die Frau nicht zu selbstständig wird). Das soll keine generelle Kritik an türkischen Mitbürgern sein, von denen viele sich auch so gut integriert haben, dass man sie leicht übersieht und nicht bemerkt, einen wie großen Anteil sie darstellen ...

Ich sehe den Kontrast zu Vorschulkindern in meinem Umfeld: Die Eltern haben ihnen von klein auf vorgelesen, mit ihnen Memory, Kartenspiele oder Gesellschaftsspiele gespielt, sie Basteln lassen und mit ihnen aktiv die Freizeit verbracht.

Diese Kinder sind mit 4 Jahren bereits auf einem besseren kognitiven und intellektuellen Stand als die meisten der Erstklässler in der angesprochenen Grundschule, von denen viele noch nie einen Stift, eine Schere, eine Spielkarte oder einen Würfel in der Hand gehabt haben. (Nein, das ist nicht übertrieben, ich würde es aber auch nicht glauben, wenn ich es nicht so direkt mitbekäme).

Kinder denen nie vorgelesen wurde entwickeln meist auch wenig Interesse selber zu lesen, sie haben oft weder die Geduld noch die Aufnahmefähigkeit für Vorgelesenes. Selbst wenn sie in der Schule vom ersten Tag an gefördert werden, ist vieles davon nicht mehr auszugleichen.

Es liegt an den Eltern, und da man die Eltern, die ihre Kinder nicht von sich aus auf einen "guten" Stand bringen nicht dazu zwingen kann dies doch zu tun (schließlich ist Erziehung Privatsache der Eltern), bleibt also nur, den übrigen Eltern das Vorlesen, mit den Kindern spielen etc. zu verbieten, wenn man den Einfluss des Elternhauses verringern möchte. Geholfen wäre damit natürlich Keinem ...

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st.esser 09.05.2018, 13:19
5. Einfluss des Elternhauses (weiter)

Die obligatorische Vorschule für Kinder ab 3 Jahren, die jetzt in Frankreich eingeführt wird, wäre vielleicht eine Lösung. Aber in Deutschland hat man die Vorschulklassen abgeschafft und anstatt dessen werden (zumindest in NRW) auch Kinder ohne Schulfähigkeit nach Stichtagsregelung in die erste Klasse eingeschult. Diese Kinder (und das trifft auch auf viele zu, die ohne Deutschkenntnisse eingeschult werden) lernen natürlich im ersten Jahr weder lesen noch schreiben (man kann froh sein, wenn sie mündlich dem Unterricht folgen können - grammatikalisch richtige Sätze bringen sie oft auch im 4. Schuljahr noch nicht zu Stande). Tatsächlich untersagt die Schulverwaltung aber diese Kinder nach einem Jahr "erneut einzuschulen", also die erste Klasse mit besseren Voraussetzungen noch einmal beginnen zu lassen. Ein Zurückversetzen ist erst später erlaubt (damit sie bei der Berechnung der Schülerzahl der neu gebildeten Klassen nicht mitgerechnet werden). Im Ergebnis wird also ein Kind, das im 1. Schuljahr nicht lesen gelernt hat erst dann zurück in die 1. Klasse geschickt, wenn die übrigen Kinder bereits lesen können ... Grotesk, und mit ein Grund, dass diese Kinder das Versäumte nicht mehr aufholen können (trotz aufwändiger Sonderförderung).

Entscheidend sind die Startbedingungen in die Schule. Auch später können "gebildete" Eltern ihre Kinder besser unterstützen, aber was beim Start gefehlt hat, das fällt viel stärker ins Gewicht als jede spätere Unterstützung und Förderung.

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freigeistiger 09.05.2018, 13:41
6. Die Bildungserziehung der Eltern ist entscheident

Das Umfeld hat einen großen, den maßgeblichen, Einfluss. Umgebung färbt stark ab. Die Grundlage von Interesse und Lernfreude wird im Elternhaus gelegt. Die Eltern müssen dass vorleben. Kinder lernen hauptsächlich durch nachmachen. Bildung und ein Schulzertifikat sind verschiedene Sachen. __ Dass die Schule an allem Schuld ist, ist genauso wie zu sagen, dass Betten die hauptsächliche Todesursache sind, weil die meisten Menschen im Bett sterben.

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interessierter Laie 09.05.2018, 13:42
7. korrekt...

...es liegt also eigentlich nicht an der "Bildungsnähe" der Eltern, sondern an deren Bildungsaffinität. Beides ist stark korreliert, denn wer selbst studiert hat, schätzt den Wert von Bildung und theoretischem Wissen in der Regel hoch ein. Aber auch Menschen, die selbst gerne mehr gelernt hätten oder in deren Kultur Bildung als hohes Gut gilt, geben diese Einstellung an ihre Kinder weiter. Sie motivieren ihre Kinder zum Lernen und sind auch bereit dafür Geld und Zeit zu investieren. Es gibt aber auch Milleus, in denen Kinder ohne Unterstützung oder sogar gegen den Widerstand der Eltern lernen müssen. Bildungsferne ist dafür m.E. der falsche Begriff. Bildungsaversion trifft es wesentlich besser.

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lock_vogell 09.05.2018, 13:50
8. wie wäre es...

... mal mit gescheiten beratungsangeboten für die eltern...
es ist ja immer noch so, dass man bei sozial schwachen gerne versucht den eltern zu erklären, dass ihre kinder probleme auf dem gymnasium haben dürften und dann auf die "horrenden" kosten für nachhilfe, oder ähnliches hinweist.
somit wird nämlich sehr wohl gewollt und gesteuert anhand des sozialen hintergrunds selektiert.
wenn die eltern mal unabhängige und faire beratung für den weiteren bildungsweg ihrer kinder bekämen, dann sähe die sache vermutlich schon deutlich besser aus.
mal davon abgesehen, dass man sich seit einigen jahren über die angebliche eignung der weiterführenden schulbildung, hinwegsetzen darf, was natürlich viel häufiger von eltern mit akademischen hintergrund versucht wird.

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katja78 09.05.2018, 14:00
9. Förderung kaum einholbar, aber

Die Förderung durch die Eltern ist kaum einholbar. Schon knapp 2-jährige fordern vehement "Buch Lesen" ein, wenn sie es als kuschelige, interessante Situation kennengelernt haben. Allerdings sehe ich in der Krippe unserer Kita, dass die dortigen Krippenkinder im Alter von 0,75 bis knapp 3 das Lesen genauso einfordern und genießen. Die hocken zu zweit oder dritt auf der Erzieherin und schauen gemeinsam Bücher an. Alle Kitakinder, auch die Flüchtlingskinder, können spätestens nach Ablauf des Vorschuljahres flüssig auf Deutsch sprechen, andere ausreden lassen, Schere und Stift benutzen, usw.

Eine gute Kita wäre für die benachteiligten Kinder Gold wert. Man muss sich fragen, ob es nicht doch, vielleicht in Abhängigkeit von U-Untersuchungen, Sprachstandserhebungen o.ä. so etwas wie eine (Teilzeit-)Kitapflicht ab einem gewissen Alter geben sollte. Viel gewonnen wäre ja schon, wenn die Kitas kostenlos, gut ausgestattet und weit verfügbar wären, so dass keine Hemmschwelle bestünde, sie zu nutzen.

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