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Bildungsstudie: Das Geschäft mit der Nachhilfe
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Rund 1,2 Millionen deutsche Schüler bekommen Nachhilfe - viele von Menschen, die gar keine ausgebildeten Lehrer sind. Eine Studie zeigt, wie intransparent der Markt ist.

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peterpeterweise 02.03.2017, 14:29
10. Bildungspolitik ist oft der Grund für Nachhilfe

Ob schlechte Noten oder übertriebener Ehrgeiz - es gibt viele Gründe, seine Kinder zur Nachhilfe zu schicken.
....
Der wichtigste Grund fehlt hier. Die Experimente in der Bildungspolitik. Durch den jahrgangsübergreifenden Unterricht in Berlin konnten sich viele Schüler dem Erlernen der Rechtschreibung im Unterricht erfolgreich entziehen. Besonders betroffen sind Jungen, welche nicht auf die Lehrerin fixiert sind, und nicht von sich aus selbständig beginnen, die Aufgaben zu machen. Wenn diese die Wahl haben, entweder schreiben zu üben, oder in der Legoecke zu spielen, dann entscheiden sich viele für die Legoecke. Durch die bis zu 3 Jahrgangsstufen in einem Klassenraum, haben die Lehrer gar nicht mehr die Zeit, sich auch um die unauffälligen Schüler zu kümmern.
Die Nachhilfe dient in der Regel nicht dem Ego der Eltern, sondern ist ein kostenintensiver Weg die Fehler der Bildungspolitiker auszugleichen. In Berliner Nachhilfeeinrichtungen holen zunehmend Gymnasiasten die Grundlagen der in der Grundschule nicht erlernten Rechtschreibung nach.

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Boris Feinbrandt 02.03.2017, 14:47
11.

"Ein weiterer Vorteil: Die Nachhilfe läge in der öffentlichen Verantwortung, wodurch auch die Qualität sichergestellt werden könnte."

Die Schulen sind der Beweis dafür, dass die öffentliche Verantwortung nicht immer die Qualität sichert. Normalerweise studieren die besten Schüler kein Lehramt. Es gibt also in der Welt außerhalb der Schule durchaus Menschen, die geeigneter sind als die eigentlichen Lehrer.

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kladderadatsch 02.03.2017, 14:49
12. Warnsignal Nachhilfe

Wenn 1,2 Mio. Schüler Nachhilfe bekommen bedeutet das zunächst einmal, dass der Schulunterricht nicht ausreicht, um den Lernstoff beizubringen. Das kann an einer schlechten Didaktik der Lehrer liegen oder an Schülern, die auf den falschen Schulen sind. Auffällig ist aber, dass die professionellen Nachhilfeschulen nach der Einführung des G8 wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Dies ist auch eine extrem unsoziale Entwicklung, weil sich nicht jeder Nachhilfe leisten kann. Die Grünen und die SPD sind allerdings leider auf diesem Auge blind, weil sie denken, die Schüler würden dann auf die von ihnen ideologisch favorisierten Gesamtschulen gehen. Das Umgekehrte können wir als Eltern in BW beobachten. Dort ist nach dem Wegfall der Gymnasialempfehlung der Run auf die Gymnasien exorbitant angestiegen. Diese Entwicklung scheint weder den Lehrern noch den Schülern (zumindest mit G8) zu nützen.

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hektor2 02.03.2017, 14:49
13. Bitte keine LehrerInnen!

Seit 2003 gebe ich (Einzel-) Nachhilfe in Mathematik und ich bin kein Lehrer gem. der div. Landesschulgesetze und der Ausbildungsverordnungen und, und, und. - Nein, ich habe "nur" einen 18monatigen Lehrgang "Methodik und Didaktik des Unterrichts" und einige Fortbildungen in Bezug auf den Unterricht im Fach Mathematik. Alles selbst finanziert. - Damit übersteigt mein persönlicher Anteil an Pädagogik den Anteil im Lehramtsstudium um locker das Dreifache; gleichwohl darf ich als Lehrer nicht an Schulen eingesetzt werden (hatte ein Angebot einer Rektorin), da die Landesschulbehörde der Meinung sei, ich könne kein Wissen vermitteln.
Nun gut, ich habe meinen Unterricht dahingehend umgestellt, dass ich nunmehr für Gymnasien auch Schulersatzunterricht anbiete, da an den hiesigen Schulen Unterrichtsausfälle von bis zu 30 % in Mathematik (auch LK!) zu verzeichnen sind. Lösung der Schulen: Die SchülerInnen sollen sich den Stoff selbst erarbeiten. - Ganz großes Kino! Da werden dann Kurse mit bis zu 80 SchülerInnen gebildet, weil "LehrerInnen" krank oder sonstwie nicht anwesend sind!

Gem. meinen privaten Auswertungen haben ich eine Erfolgsquote von rd. 98 % (Erfolg der Nachhilfe = Verbesserung der Schulnote um 1 oder 2 Stufen).

Aber Hauptsache jetzt mal staatliche Kontrolle für Nachhilfe fordern, weil der Staat das an den Schulen ja so super abliefert, was er kann!

Stichwort "Eltern lassen sich die Nachhilfe vom jobcenter (Bildung und Teilhabe) bezahlen": Für die 3,80 € /Schüler/45 Minuten gebe ich keine Nachhilfe.

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schnitzelfresse 02.03.2017, 14:53
14. Gebe selbst Nachhilfe

Ich gebe selbst Nachhilfe primär in Mathe und teilweise in Physik.
Als Student der Luft- und Raumfahrttechnik bin ich zwar kein Lehramtstudent, aber "meine" beiden Fächer beherrsche ich weit über dem Abiturniveau (und vermutlich auch mehr als so mancher meiner ehemaligen Lehrer ;) )
Dass man Lehrer sein muss, um zu unterrichten, halte ich für völligen Quatsch!

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dietereng 02.03.2017, 14:56
15. Nachhilfe durch Schüler

die in der selben Schule sind ist meiner Meinung nach das beste.
2 mal in der Woche 2 Stunden sollten meiner Ansicht nach genügen. Falls das nicht ausreicht sind die Schüler meiner Ansicht nach auf der falschen Schule.

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permissiveactionlink 02.03.2017, 15:05
16. Wieso ?

Wieso sollte die Qualität sichergestellt sein, wenn auch noch die Nachhilfe unter staatlicher Kontrolle steht ? Die Schulen können ja heute schon aus den unterschiedlichsten Gründen nicht einmal Mindeststandarts bei der Bildung garantieren. Die Ursachen für eine notwendige Nachhilfe liegen bei den Schulen und Elternhäusern, z.T. auch im zu späten Erkennen psychischer Probleme bei den Heranwachsenden (Über-, Unterforderung), in überfrachteten, weltfremden Lehrplänen und auch bei völlig ungeeigneten Lehrern sowie Unterrichtsausfällen. Wenn schon die föderale Kontrolle der Schulen ein solches Chaos verursacht, was droht uns dann, wenn auch noch die private Nachhilfe staatlich geprüft wird ? Das Geld sollte man lieber in fähige und unerschrockene Steuerfahnder investieren !

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laracrofti 02.03.2017, 15:06
17. Tut uns leid

die Bundesrepublik Deutschland hat kein Geld für den eigenen Nachwuchs und die Ausbildung selbiger. Sie muss stattdessen die restliche Welt finanziell retten. Man bekommt was man gewählt hat!

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kzs.games 02.03.2017, 15:08
18. Wahrheit

Zitat von Teilzeitalleinerzieherin
den Stoff verständlich zu vermitteln, bräuchte man vermutlich keine Nachhilfelehrer mehr. Von daher erschließt sich mir nicht, warum eine Nachhilfekraft ausgebildeter Lehrer sein sollte. Nach einem halben Jahr Schulerfahrung mit Kind Nr. 1 kann ich aber leider langsam nachvollziehen, wieso die Nachhilfeindustrie prosperiert. Ich brauchte in der Schule nie Nachhilfe, ich hatte taugliche Lehrer und vernünftige Lehrkonzepte. Mein Kind ist definitiv nicht dümmer als ich, wird aber - so fürchte ich - in der weiterführenden Schule um temporäre Nachhilfe kaum herum kommen.
Blicken sie der Wahrheit ins Auge.
Ihr Kind Nr. 1 ist für den Schulzweig den es gerade macht nicht ausreichend begabt genug (aktuell, in diesem Thema), sonst bräuchte es keine Hilfe von extern sondern könnte den Stoff von selbst (d.h. Unterricht+Hausaufgaben) verstehen.
alles auf die Lehrer abzuwälzen ist wieder die einfachste lösung die garantiert niemandem hilft!


ich habe selbst einmal nachhilfe gegeben. Die Hälfte davon war völlig umsonst weil a) die Eltern einfach nur ein gutes Gewissen wollten und für Vorschläge meinerseits (Vokabeln vor dem Bettgehen) komplettt unempfänglich waren und b) die Kinder die Nachhilfe nicht ernst genommen haben und es somit einfach eine Stunde/10€ umsonst war.
Ich war damals Schüler der in den Fächern überdurchschnittlich gut war und Schüler aus niederen Jahrgangsstufen unterrichtet hat

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dialogischen 02.03.2017, 15:08
19. Der Mythos vom Input

Es ist schlicht irrelevant, ob der Nachhilfelehrer eine Lehrerlehre abgeschlossen hat oder nicht. Es ist auch egal, ob er/sie sich links, rechts oder gar nicht scheitelt oder ob die Toilettenbrille ISO 4711 oder 13 entspricht.

Das einzige, was zählt ist, ob sich die schulischen Leistungen verbessern und die Kinder die Lücken schließen, die im Schulunterricht entstanden sind.

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