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Digitales Lernen in Deutschland: Zu oft offline
DPA

Eine Initiative der Bundesregierung soll deutsche Schüler besser mit WLan und digitalen Endgeräten ausrüsten. International stehen sie miserabel da. Was läuft in anderen Ländern besser?

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Horst-Güntherchen 13.10.2016, 14:35
1. Digitales Allheilmittel?

Der Einsatz von digitalen Medien wird hier (mit Ausnahme der Suchtgefahr in Korea) viel zu unkritisch gesehen. Ein Schüler, der mit analogem Material nicht zurecht kommt, wird nicht urplötzlich auf dem Tablet zu einem Genie. Auf den Inhalt kommt es an - nicht auf die Form!

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Martin Ne 13.10.2016, 14:42
2. Digitale Bildungswüste Deutschland

Als Lehrer an einer bayerischen Schule kann ich nur bestätigen, wie wir digital ein Entwicklungsland sind. Für einen Satz mit 16 iPads mussten wir uns 3 Jahre durch Finanzierungs- und Sicherheitskonzepte durchkämpfen. Ein geschlossenes und gesichertes WLAN für den Einsatz mit den Geräten wurde aus Sicherheitsgründen verboten während auf der anderen Seite offene Access Points in den Pausenhallen(!) eingerichtet werden sollten. Die Datenanbindung der Schule ist mit 2 Mbit/s für die gesamte Schule eine Katastrophe (30 Schüler in einem PC Raum teilen sich also diese Leitung!), sodass an produktives Arbeiten im Internet nicht zu denken ist. An jeder Ecke werden die hirnrissigsten Entscheidungen getroffen.

Es ist teilweise Besserung in Sicht, aber solange jeder Sachaufwandsträger für regionale Schulen sein eigenes Süppchen kocht, kommt von den guten Ansätzen, die manchmal erscheinen, praktisch nicht an.

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unzensierbar 13.10.2016, 15:06
3. Das Problem Deutschlands?

Bildung ist Ländersache. Das muss weg. Nach Jahrzehnten von diesem "Experiment" in der BRD sollte mal jemand endlich den Schlussstrich ziehen und sagen, dass unsere Bildungssystem nicht funktioniert. Bildung soll Sache des Bundes sein und das dreigliedrige Schulsystem kann damit auch zeitgleich fort.

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qoderrat 13.10.2016, 15:14
4.

Zitat von Horst-Güntherchen
Der Einsatz von digitalen Medien wird hier (mit Ausnahme der Suchtgefahr in Korea) viel zu unkritisch gesehen. Ein Schüler, der mit analogem Material nicht zurecht kommt, wird nicht urplötzlich auf dem Tablet zu einem Genie. Auf den Inhalt kommt es an - nicht auf die Form!
Hat auch der Artikel nicht behauptet, es ist sogar explizit aufgeführt, dass Digitalisierung mit der schulischen Gesamtleistung nicht direkt in Verbindung steht.

Ihre Fixierung auf analoges Material mag zwar sinnvoll sein, wenn man Historiker werden möchte, an einem normalen Büroarbeitsplatz aber wird diese zunehmend hinderlich. Auf Papier finde ich jedenfalls keine nennenswerte Menge an Informationen für meinen Arbeitsinhalt, da ist es tatsächlich wichtiger sich in der digitalen Welt zurechtfinden zu können, unter anderem ist dabei die Fähigkeit zur Auswahl belastbarer Informationsquellen notwendig. Und da gibt es tatsächlich deutliche Unterschiede in der Form zwischen digital und analog.

Eine gesunde Mischung ist sinnvoll, aber genau die gibt es vielerorts nicht. Mit verheerenden Folgen, ich sehe es bei meinem Patenkind, da gibt es massive Unterschiede im Zugang zu digitalen Inhalten, im besonderen die Kinder bildungsferner Eltern haben da gleich vom Start weg wieder einen schlimmen Nachteil. Und das wird sich in der Zukunft rächen, wenn man wieder einen Teil einer Generation von vornherein abhängt.

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Leser161 13.10.2016, 15:14
5. Analog Digital Egal

"Zukunftskompetenzen bestehen nicht darin, Dinge auswendig zu lernen und niederzuschreiben", sagt Grundschullehrerin Cha-Mi Kwon, "sie müssen lernen, selbst aus verschiedenen Quellen zu wählen, was für ihre Aufgabe nützlich ist."

Japp. Und das ist völlig unabhängig davon, welches Medium man verwendet. Man hätte schon in den 80gern die Schüler in die Bibliothek schicken können und sagen "Findet was über den Zitronensäurezyklus heraus" hat aber keiner gemacht.

Fazit: Das Medium ist egal. Was nicht heisst, dass man keine Tablets kaufen soll als Schule wenn man das Geld dafür hat. Saubere Toiletten hätten bei mir aber Vorrang.

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Atzen 13.10.2016, 15:16
6. Wieso veraltete Technologien?

Fast jeder Grundschüler hat heute sein Smartphone und kommt über den mobilen Zugriff ins Netz.

Mich deucht, die deutschen Bildungspolitik hat den Boden und jeden Zugriff zu den Schulen verloren. Es bringt doch nichts, hinterherzulaufen, wenn die alte Laufbahn schon eingerollt wird.

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jozu2 13.10.2016, 15:23
7.

Aus Korea kommt der Begriff "Digitale Demenz", den Manfred Spitzer für sein gleichnamiges Buch verwendet hat. Darin ist doch mehr als deutlich dargelegt u n d a n h a n d v o n S t u d i e n b e w i e s e n, dass die Digitalisierung unseren Kindern schadet. All denen, die Sorge haben, dass Deutschland den Anschluss verpasst: ich habe im Betrieb noch keinen Azubi gesehen, der mich mit seinem IT-Wissen beeindrucken konnte. Ja, die wissen alle, wie man in Excel Tabellen ansprechend einfärbt und kennen die Summenfunktion. Toll! Das sind alles Dinge, die man nebenbei lernt. Das wichtigste können die alle trotz Medienkompetenz nicht: sich selber überlegen, wo und wie ich die Daten eintrage, um ein arbeitstaugliches Ergebnis zu bekommen. Es wird also nicht mal das angestrebte Ziel erreicht. Computer und WLan anzuschaffen ist also reine Geldverschwendung. Wir geben den Kindern ja auch "nur" Taschengeld, damit sie den Umgang mit Geld lernen und haben keine Angst in Wirtschaftskompetenz international abgehängt zu werden, weil unsere Kinder noch keinen Aktienfonds verwaltet haben!

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dickebank 13.10.2016, 15:44
8. Problem

Zitat von unzensierbar
Bildung ist Ländersache. Das muss weg. Nach Jahrzehnten von diesem "Experiment" in der BRD sollte mal jemand endlich den Schlussstrich ziehen und sagen, dass unsere Bildungssystem nicht funktioniert. Bildung soll Sache des Bundes sein und das dreigliedrige Schulsystem kann damit auch zeitgleich fort.
Da liegt doch bei der digitalen Infrastruktur überhaupt nicht das Problem. Die Trennung von innerer und äußerer Schule ist das Problem. Sachaufwandsträger sind die Kommunen. Jede Stadt entscheidet darüber, welche Schulformen sie anbietet, welche Gebäude sie errichtet, wie Sie diese ausstattet, wie viele Hausmeister- und Sekretärinnenstunden Sie zuweist, wie Sie den Ganztag einschließlich Mensabetrieb organisiert und wie viele Sporthallenstunden Sie bereit hält. Ebenso ist die Kommune verantwortlich für die Bereitstellung und Wartung der digitalen Infrastruktur, sowohl des Verwaltungsnetzes als auch des Jedermann-Netzes für Unterrichtszwecke.
Die Länder sind nur für Organisation, Inhalte, Lehrerversorgung und Aufsicht zuständig.

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ackergold 13.10.2016, 15:52
9.

Digital ist eine Chimäre. Letztlich geht es um die Vermittlung von Wissen und von Kompetenzen und dafür kann das Tablet allenfalls ein Beiwerk sein. Auch wer Bücher ganz abschafft, wird dadurch keinen Millimeter klüger. An den Finnen kann man das sehen. Den Computer braucht man vielleicht, um Probleme zu lösen - zum Lernen braucht man ihn nicht, denn er ist letztlich zu dumm.

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