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Digitalpakt Schule: Verhärtete Fronten und viel, viel Geld
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Heute treffen sich Bund- und Länderpolitiker im Vermittlungsausschuss, es geht um Milliarden für die Digitalisierung von Schulen - vordergründig. Eigentlicher Streitpunkt: Wer darf wem was in der Bildungspolitik sagen?

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YoRequerrosATorres 30.01.2019, 17:23
1. Gut so, wie es ist, oder?

Die föderale Struktur ist nicht schlecht. Außer für Schüler. Hier toben sich seit Gründung der Länder Bildungspolitiker aus, die selbst oft mit Bildung nichts am Hut hatten. Und weil es ein nahezu unkontrollierter und unregulierter Job ist, hat jeder Bildungspolitiker sein Ding gemacht. Mal Klassenunterricht, mal Kurse, mal in 9 Jahren, dann in 8, mal in Kleingruppen, mal mit oder ohne Latein und oft mit viel eigener Coleur. Fanden eigentlich alle Schüler (also eigentlich doch die Betroffenen) mehr oder weniger schlecht, aber nie gut. Wenn was gut war, dann hatte man es selbst durch Proteste hinbekommen (siehe G9-Wiedereinführung).
Also: So ein Bildungspolitiker hat's gut. Kann machen, was er/sie will. Und nur die dummen Schüler und Eltern merken es. Das ist doch toll. Also rührt ihn nicht an, den Garanten des Föderalismus. Oder doch?

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baal0815 30.01.2019, 17:26
2. Sch... Föderalismus

Es ist doch echt zum Haare ausraufen: da wird lieber darum gefeilscht, wer wieviel Macht in der Bildungspolitik hat, anstatt schnellstmöglich zu handeln. Dieses Vorgehen der kleinen Länderkönige zeigt sehr deutlich, worum es mal wieder geht: nicht um die Sache an sich, sondern um Einfluss und Macht.

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mm2112 30.01.2019, 17:31
3. Proprietäre Lösungen....

Vor allem ist mal zu befürchten, dass viel Geld in proprietäre Lösungen versenkt wird, statt eine freie und (quell)offene Infrastruktur anzustreben.
Wenn die öffentliche Hand schon Geld ausgibt soll es auch jedem zu Gute kommen können, bei einer Entwicklung muss imerativ der Quellcode veröffentlicht werden. Es kann nicht angehen dass der Auftraggeber hinterher praktisch keine Rechte an der Entwicklung hat, und diese vor allem 18 mal gemacht wird - 1x pro Bundesland, mindestens

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thoms1957 30.01.2019, 17:35
4. Profilierung auf Kosten der Schüler

Den Kultusministern der Länder war es schon immer wichtiger, sich zu profilieren, als Schüler zu fördern, Schulen gut auszustatten und Gebäude instand zu halten ( Bsp.: Toiletten) und für 100% Unterrichsversorgung zu sorgen. Kostenloses Mittagessen für alle Schüler: Fehlanzeige - zu teuer. Die Liste kann gerne ergänzt werden. Diesen Herschaften ist es wichtig, "wer wem in der Bildungspolitik was sagen kann". Genau! Schließlich muss jedes Bundesland seine eigene Bildungspolitik durchziehen und somit die Existenz der eigenen Kultusbürokratie rechtfertigen. Um die Schüler oder gar Lehrer gehts da gar nicht. Sollten da einige Kompetenzen zum Bund verlagert werden, könnte es womöglich auffallen, dass wir die 16 Kultusministerien gar nicht brauchen. Ganz im Gegenteil: Ohne sie besser führen.

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Broko 30.01.2019, 17:36
5. Roboto-Gesellschaft ...

... und wieder nur Firlefanz: Statt den Schwerpunkt auf Basics wie Lesen, Schreiben und Rechnen zu legen, findet es diese Gesellschaft wichtiger, ihren Kindern Maschinenabhängigkeit und -hörigkeit beizubringen!

In meiner 30jährigen Lehrtätigkeit habe ich es im Übrigen noch nie erlebt, dass ein Elektrogerät in der Schule sein Ende zumeist nicht als Opfer von Vandalismus oder als Fußball für Schüler gefunden hat - wie naiv sind Deutschlands Politiker eigentlich? Muss man eigentlich jedem Zeitgeist hinterherhecheln?

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adissu 30.01.2019, 17:41
6. Einfach die Zuständigkeit an den Bund übergeben und Fall erledigt

Ich verstehe den Sinn dahinter sowieso nicht. Das führt nur zu Ungleichheiten, wie das Abitur in Hessen ist "weniger wert" als das aus Bayern und jedes Bundesland macht seinen eigenen Stiefel. Einfach alles auf Bundesebene hochheben und damit einen Haufen Probleme umgehen. Außerdem spart man dann noch Geld, das man gleich wieder in die teilweise extrem maroden Schulgebäude stecken könnte. Vielleicht sollte man dazu mal eine Petition starten....

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capote 30.01.2019, 18:36
7. Vor 50 Jahren.....

.... sollten Sprachlabore in die Schulen kommen. Hat es auch vereinzelt an grösseren Schulen mal gegeben, da konnte dann jede Klasse einmal im Monat eine Stunde Sprachlabor bekommen. Der Bildungsstand hat sich dadurch wohl nicht messbar verändert, aber ein paar Firmen haben sich eine goldene Nase damit verdient. mit der Digitalisierung wird es so ähnlich kommen.

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mborevi 30.01.2019, 18:40
8. Man braucht keine "Digitalisierung" ...

... der Schulen. Meist sind die Schüler sowieso schon besser als die Lehrer im Bedienen von Computern etc. Und das ist wohl mit "Digitalisierung" gemeint. Was wir vielmehr brauchen ist eine bessere Grundbildung. Die Abiturienten sollten wieder wissen, was ein Dreisatz im Rechnen ist und was Differentialgleichungen in der Mathematik sind und wie man sie löst. Weil man sie nämlich später dauernd braucht. Ein Bisschen Erdkunde könnte auch nicht schaden ("Ist Indien die Hauptstadt von Amerika"?). Und Geschichte hilft beim Verstehen heutiger Gesellschaftsprobleme. Und Religion hat im Lichte heutiger (Astro)Physik auch kein Aschenbuttel-Dasein mehr verdient. Chemie und Physik gehören essentiell zum Verständnis des heutigen täglichen Lebens, weil wir sonst von Großkonzernen jeglicher Art vera...t werden können.

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curiosus_ 30.01.2019, 18:41
9. Was wäre dann erledigt?

Zitat von adissu
Einfach die Zuständigkeit an den Bund übergeben und Fall erledigt - Ich verstehe den Sinn dahinter sowieso nicht. Das führt nur zu Ungleichheiten, wie das Abitur in Hessen ist "weniger wert" als das aus Bayern und jedes Bundesland macht seinen eigenen Stiefel. Einfach alles auf Bundesebene hochheben und damit einen Haufen Probleme umgehen. Außerdem spart man dann noch Geld, das man gleich wieder in die teilweise extrem maroden Schulgebäude stecken könnte. Vielleicht sollte man dazu mal eine Petition starten....
Wie schon letztes Jahr gepostet:

Warum sollte das besser werden wenn nur einer (der Bund) zuständig ist? Ganz im Gegenteil, wenn mehrere Systeme in Konkurrenz laufen kann man vergleichen. Und daraus lernen. Bei Monokultur geht das nicht mehr.

Und bzgl. "Das führt nur zu Ungleichheiten, wie das Abitur in Hessen ist "weniger wert" als das aus Bayern":

Nicht das wie sollte vereinheitlicht werden (Konkurrenz ist unabdingbar für eine Weiterentwicklung) sondern das was rauskommt, das Ergebnis. Also die die Vergleichbarkeit der Abschlüsse. Der Weg ist offen, das Ziel ist das wesentliche. So funktioniert das schon seit Jahrmilliarden in der Biologie (Evolution, das Bessere ist der Feind des Guten), und von Monokulturen halte ich absolut nichts.

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