Forum: Leben und Lernen
Dramatischer Rektoren-Mangel : "Ich leite drei Schulen gleichzeitig"
DPA

Stress, Überstunden, wenig Geld: Der Job als Schulleiter ist unbeliebt. In einigen Bundesländern sucht jede achte Schule eine neue Chef-Pädagogen - manche schon seit Jahren. Zwei Rektoren berichten, woran es hapert.

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Nordstadtbewohner 10.11.2017, 14:31
1. Zu wenig Ehrlichkeit bei diesem Thema

"In Nordrhein-Westfalen ist derzeit etwa jeder achte Schulleiterposten nicht besetzt, bei den Hauptschulen ist es sogar fast jede zweite."


Die Frage, warum genau an Hauptschulen jeder zweite Schulleiterposten nicht besetzt ist, wird nicht wirklich gestellt. So etwas erfährt man leider nur bei direkten Gesprächen unter der Hand. Es liegt nicht immer an der Bezahlung oder am hohen Zeitaufwand. Man schaue sich mitunter einfach mal die Zusammensetzung der Schülerschaft an und die Neigung mancher Eltern, bei Unstimmigkeiten den privaten Wohnsitz des Schulleiters aufzusuchen.

Meine Kinder besuchen eine Schule in freier Trägerschaft, die Schulgeld erhebt. Bei der Besetzung der Schulleitung vor einiger Zeit gab es viele Bewerber. Das liegt zum einen an der deutlich besseren Bezahlung und zum anderen an der ausgesuchten Schülerschaft, die dem Schulleiter die Arbeit einfach macht und nicht auf Ärger/ Stress aus ist.

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UnitedEurope 10.11.2017, 14:44
2.

Solange es irgendwie geht und man sich durchwurschteln kann wird sich nichts ändern. Aber meinen Respekt an die Herren und Damen, die so viel Arbeit und Stress auf sich nehmen, und das für manchmal nur 100? extra. Dafür würde in der Wirtschaft niemand solch einen Posten annehmen.

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dialogischen 10.11.2017, 15:11
3. Inkompetenzschaulaufen

Wenn in NRW jede zweite Hauptschule keinen Schulleiter hat, dann sind dort entweder Schulleiter überflüssig - oder die Kultusbürokratie inkl. Minister.

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heinrich.busch 10.11.2017, 15:18
4. Geld ist genug da,

aber das ist nicht der einzige Grund. Aus meiner Sicht ist es zum Einen die gnadenlose Bürokratiekeule und zum Anderen das extrem schwierige Schülerklientel von der unsere "ahnungsvolle Kanzlerin" behauptet wir schaffen das.
Ich behaupte Mal es wird noch schlimmer.

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commencal 10.11.2017, 15:25
5. Zwischen den Stühlen

In der heutigen Selbst-Verwirklichungs-Machbarkeits-und Gleichheitsgesellschaft sitzt man als Schulleiter zwischen sämtlichen Stühlen. Man soll Schulentwicklung voranbringen, Personal-Rekrutierung, Personal-Führung, Verwaltungsarbeit Elternberatung und, Öffentlichkeitsarbeit leisten, Kontakte zu vorgesetzten Behörden, Industrie, Betrieben, Schulen im Ausland und Behörden vor Ort wie Jugendamt, DRK, oder Aids-Prävention etc. halten und pflegen und -. beinahe hätte ich es vergessen - Prüfungen abnehmen und Unterricht halten.. Dabei ist man in seinem Tun beständig im Focus aller erwähnten Stellen und muss letztlich für etwaige - oft unverschuldete -Defizite in jedem einzelnen dieser Bereichen auch noch gerade stehen. Dass sich im Zeitalter um sich greifender Lernverweigerung, Permissivität, Erziehungsunwillen und Leistungsfrust dies kaum jemand mehr antun will - qwen wunderts. Merke, jenseits der Bezahlung gibt es eine ganze Menge anderer Gründe in selbstschonender Vorausschau diesen Posten zu meiden.

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someoneunreal 10.11.2017, 15:37
6.

Mit Verlaub - eine regelhaft auf A15/A16 dotierte beamtenstelle eines Gymnasium-Schulleiter ist NICHT zu schlecht bezahlt. Ich glaube wohl, es piept bei einigen dieser Gesellschaft. Das ist doch ein selbst gewähltes Schicksal. Es hat sie niemand gezwungen!!!

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chris4you 10.11.2017, 15:37
7. Vielleicht wären Anreizsysteme

etwas, was zur Lösung beiträgt (wenn schon nicht freiwillig). Die müssen dann natürlich gendergerecht angelegt werden (das wäre in dem Fall wahrscheinlich deutlich mehr Geld verbunden mit 0 Unterrichtstunden, zur Erhaltung der gewünschten "Worklifebalance"). Wäre mal interessant zu erfahren wieso keine der Damen diese Chance wahrnimmt Rektorin zu werden und die Lücke zu schließen ( Zitat: Während in den neuen Bundesländern der Anteil der männlichen Grundschullehrer bei lediglich ca. sechs Prozent liegt, üben in den alten Bundesländern weitaus mehr Männer den Beruf des Grundschullehrers aus: In Hessen und im Saarland liegt der Anteil der Männer an allen
Grundschulpädagogen bei über 22 Prozent!). Genderstudies wo seit ihr? Liegt wohl an der Worklifebalance (oder am "Generalverdacht")...

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kurowski86 10.11.2017, 15:42
8. Unendliche Geschichte

seit 40 Jahren sind Lehrer immer irgendwie überlastet.
Ein Gymnasiallehrer kommt auf rechnerisch 17 Stunden die Woche (23 x 45 Min). Natürlich nur in den Wochen, in denen die Schulen geöffnet haben. Rechnerisch pro Arbeitstag eines Jahres kommen Lehrer auf 2,5 Stunden Unterricht täglich. Schulleiter weiniger. Es gibt nur eine Lösung dieser Jahrhundertdiskussion:
Alle Lehrer in die Schule, ganztägig, ganzjährig und um 17.00 h ist Feierabend; eben wie andere Beamte/Angestellte auch.
Wer wiederholtes Kinderwissen lebenslang vorbereiten muss, ist als Lehrer ungeeignet oder gehört ärztlich behandelt.
s bildungspolitik-niedersachsen.de

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khnw 10.11.2017, 16:01
9.

Zitat von kurowski86
seit 40 Jahren sind Lehrer immer irgendwie überlastet. Ein Gymnasiallehrer kommt auf rechnerisch 17 Stunden die Woche (23 x 45 Min). Natürlich nur in den Wochen, in denen die Schulen geöffnet haben. Rechnerisch pro Arbeitstag eines Jahres kommen Lehrer auf 2,5 Stunden Unterricht täglich. Schulleiter weiniger. Es gibt nur eine Lösung dieser Jahrhundertdiskussion: Alle Lehrer in die Schule, ganztägig, ganzjährig und um 17.00 h ist Feierabend; eben wie andere Beamte/Angestellte auch. Wer wiederholtes Kinderwissen lebenslang vorbereiten muss, ist als Lehrer ungeeignet oder gehört ärztlich behandelt. s bildungspolitik-niedersachsen.de
Und das sind dann die gleichen Eltern, die sich darüber beklagen, dass der Unterrichtsstoff jedes Jahr immer gleich abgearbeitet wird. Und natürlich werden auch immer die gleichen Klassenarbeiten geschrieben, die sich von allein korrigieren. Also bitte nicht die Unterrichtsstunden als alleinige Arbeitszeit rechnen. Dazu kommen noch Konferenzen, Klassenfahrten, Elternabende, Elternsprechtage, Tag der offenen Tür, Projekttage, zusätzliche Sprechstunden für Eltern und Schüler etc.
Als Beispiel: Schulleiter an einer "Abendschule": Arbeitsbeginn 9 Uhr morgends (ja, es gibt auch Vormittagskurse), Arbeitsende häufig erst gegen 22 Uhr! Fragen, warum es nur einen Bewerber gab? Denke nicht.

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